mini|Lage Südostasiens mini|Kartographie Südostasien
Südostasien, frühere deutsche Bezeichnung Hinterindien, ist ein Teil des asiatischen Kontinents und umfasst die Länder, die sich östlich von Indien und südlich von China befinden. Die Region unterteilt sich dabei in das südostasiatische Festland (Hinterindische Halbinsel) und das insulare Südostasien (Malaiischer Archipel), das Indonesien (ohne den bereits zu Melanesien gerechneten Westteil Neuguineas), die Philippinen, Brunei, Osttimor und Teile Malaysias umfasst. Alle diese Länder sind Mitglieder der internationalen südostasiatischen Organisation ASEAN mit dem Hauptsitz in Jakarta. Im Westen werden die zu Indien gehörenden Andamanen und Nikobaren ebenfalls als Teil Südostasiens gezählt.
Begriff Der Begriff Südostasien verweist auf die Lage zwischen Südasien und Ostasien. Er wurde der äußerst heterogenen Region im Rahmen des Zweiten Weltkrieges von außen zugeschrieben, als große Teile der Region von japanischen Truppen besetzt waren und die westlichen Alliierten diese Bezeichnung bei der Planung der Rückeroberung benutzten.
Geographie Die südostasiatische Region wird durch natürliche Grenzen bestimmt. Das südostasiatische Festland wird im Norden durch Gebirgsketten von Indien und China abgegrenzt, während sich im Osten, Süden und Westen Meere befinden.
Geographische Lage Südostasien gliedert sich in die Halbinsel Hinterindien – das aus der Malaiischen und der Indochinesischen Halbinsel besteht – und dem Malaiischen Archipel (Insulinde), das insulare Südostasien. Der Malaiische Archipel zieht sich bis vor die Küsten Australiens und der Inselwelt Melanesiens hin.
Die Indochinesische Halbinsel wird durch die zwei großen Ströme Irrawaddy und Mekong entwässert.
Meere Südostasien grenzt im Westen und Süden an den Indischen Ozean (mit der Andamanensee und dem Golf von Bengalen) und im Osten an den Pazifischen Ozean (mit Polynesien und Melanesien) mit der Philippinensee. Nach Süden hin grenzt die Timorsee und die Arafurasee die Region zu Australien ab.
In der Region liegen das Südchinesische Meer und das Australasiatische Mittelmeer, zu denen die Javasee, die Celebessee, die Seramsee, die Bandasee und die Molukkensee gehören.
Am südlichen Ende der Malaiischen Halbinsel verläuft die Straße von Malakka zwischen Malaysia und Sumatra. Als eine der weltweit bedeutendsten Seehandelsstraßen verbindet sie Randmeere des Indischen und des Pazifischen Ozeans. Teile westlich der Wallace-Linie des Australasiatischen Mittelmeeres sind Teil von Südostasien.
Heutige Staaten StaatFlächekm²Bevölkerung 2023MillionenBevölkerungs-dichtepro km²BIPMio. US-$2021BIP pro KopfUS-$2021Hauptstadt 5.765 0,5 87 14.006 32.573 Bandar Seri Begawan 1.904.569 277,5 146 1.187.319 4.361 Jakarta 181.035 16,9 93 26.313 1.662 Phnom Penh 236.800 7,6 32 18.546 2.513 Vientiane 329.847 34,3 104 373.034 11.408 Kuala Lumpur 676.578 54,6 80 65.160 1.217 Naypyidaw 14.874 1,4 94 2.358 1.754 Dili 299.764 117,3 391 394.086 3.576 Manila 710,2 6,0 8.448 396.992 72.795 Singapur 513.120 71,8 140 505.902 7.232 Bangkok 331.210 98,9 299 366.201 3.718 Hanoi
Die Arbeitslosenzahl war 2013 mit 13,6 Millionen im Südostasien- und Pazifikraum relativ gering.Arbeitslosenzahl in ausgewählten Weltregionen Die Gesamtfruchtbarkeitsrate in Südostasien beträgt etwa 2,4 und die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 71 Jahren. Die staatlichen Gesundheitsausgaben machten 2010 nur 3,6 % des gesamten Bruttoinlandsprodukts aus und waren damit die niedrigsten Anteile aller Weltregionen, in denen durchschnittlich 9,2 % ausgegeben wurden.Gesundheitsausgaben gemessen am Anteil am Bruttoinlandsprodukt Darüber hinaus nehmen die südostasiatischen Erdölreserven seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Während sie 1990 eine Größe von 6.788 Millionen Tonnen hatten und 2000 noch von 5.931, sanken sie bis 2008 weiter auf 4.580 Millionen Tonnen.Erdölreserven in Südostasien, 1990-2008 Gleichzeitig wurden die Waldbestände in Süd- und Südostasien zwischen 2000 und 2010 jährlich um 677.000 Hektar reduziert, wogegen man sie in Ostasien massiv um 2,78 Millionen Hektar aufforstete.Globale Waldbestände, 2000-2010
Geschichte Vor der Ankunft der Europäer mini|Wichtige südostasiatische Mandalas, die teilweise nacheinander seit dem 5. Jahrhundert bestanden
Vietnam war von 111 v. Chr. bis 939 ein chinesischer Vasallenstaat.
In den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende verbreiteten indische Händler ihre Kultur über weite Teile Südostasiens. Das Königreich Funan (200–550) im Mekong-Delta entwickelte sich zum ersten Zentrum des Hinduismus und Buddhismus in Südostasien. Abgelöst wurde es durch das Khmer-Königreich und das Reich Srivijaya auf Sumatra. Auf Java entstand 750 Borobudur, eine terrassenförmige Tempelanlage riesigen Ausmaßes. Die Khmer-Könige erschufen mit dem Bau ihrer Tempelanlage Angkor Wat ein ebenso beeindruckendes Kunstwerk.
Ab dem 9. Jahrhundert wanderten aus dem Norden die Tai-Völker in ihre heutigen Siedlungsgebiete und trafen auf die hochstehenden Mon, von deren Kultur sie geprägt wurden. 1044 wurde das erste burmesische Reich gegründet mit Bagan als Hauptstadt.
Vietnam löste sich aus der chinesischen Abhängigkeit, erreichte 968 eine eigene Herrschaft und annektierte ab Mitte des 11. Jahrhunderts schrittweise das Nachbarland Champa.
Seit 1253 errichteten die Tai eine Reihe von Kleinstaaten, ab 1292 erlangte das Königreich Sukhothai Bedeutung. Ab 1351 gewann das Königreich Ayutthaya an Macht, eroberte Angkor und löste das durch die enormen Ausgaben für Angkor finanziell ruinierte Khmer-Reich als Zentralmacht ab.
Die überregionalen Herrschaftsverhältnisse hatten den Charakter von netzwerkartigen Gebilden. Bei diesem sogenannten Mandala-System dominiert ein mächtiger Oberherrscher. Sein Einfluss nimmt vom Zentrum zum Rand seines Einflussbereichs graduell ab. Verändern sich die Machtverhältnisse, kann ein ehemaliger Vasall seine Tributbeziehungen lockern oder sich zum neuen Machtzentrum entwickeln.
Ein weitreichender Handel entwickelte sich in Südostasien vom 6. bis ins 16. Jahrhundert, zahlreiche Schiffswracks zeugen von dieser Entwicklung, wie das der Lena Shoal Dschunke. Eingesetzt wurden für diesen Handel die Schiffstypen der Dschunke und des Balangays. Es lassen sich zwei wesentliche Handelsrouten festlegen, eine nach China, die andere Java, Sumatra und die malaiische Halbinsel verbindend. Die eine Route führt entlang des Festlandes und die zweite Route verband Borneo, Palawan und die Insel Luzon.Lost at Sea von Franck Goddio (englisch; PDF; 1,8 MB)
Im 15. Jahrhundert bekehrten arabische, persische und indische Händler die Malaien zum Islam. Das muslimische Malakka trat an die Stelle des Hindu-Königreiches Majapahit auf Java.Carl Ploetz (Hrsg.): Der große Ploetz: die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte; Daten, Fakten, Zusammenhänge. Verlag Herder, Freiburg 1998, ISBN 978-3-451-40505-1; S. 1228 f.
Kolonialzeit mini|Historische Karte von 1713 mini|Kolonien in Ostasien und Ozeanien um 1914
Mit Ausnahme Siams wurden alle südostasiatischen Länder ab dem 16. Jahrhundert kolonialisiert. Der Hintergrund für die Kolonialisierung war der Reichtum der Region an Rohstoffen und Gewürzen, die zu dieser Zeit von besonderem Wert waren. Nachdem der Handel lange Zeit von arabischen Händlern beherrscht worden war, stritten sich von nun an die europäischen Mächte über die Vormacht in der Region.
Als erste Kolonialmacht erreichte Portugal Südostasien und beherrschte nach Eroberung des wichtigen Handelshafens Malakka im Jahre 1511 den Seehandel. Die Niederländer versuchten daraufhin ab dem 16. Jahrhundert Fuß in Südostasien zu fassen und eroberten 1641 Malakka von den Portugiesen, was (abgesehen von der kleinen Kolonie Osttimor) das Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft in Südostasien einleitete. Die Niederländer dagegen kontrollierten über die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) den Gewürzhandel der Region und gründeten verschiedene Handelsstützpunkte im heutigen Indonesien, um somit besser auf die Rohstoffe zugreifen zu können. Das Hauptquartier stellte dabei Batavia, das heutige Jakarta, dar.
Die Spanier wurden zur gleichen Zeit in der Region aktiv und kolonialisierten mit dem Ziel China zu erobern und zum Christentum zu bekehren die Philippinen, die sie nach dem spanischen König Philipp II. benannten.
Die Briten kamen als dritte große Kolonialmacht nach Südostasien und versuchten sich ebenfalls in der Region zu etablieren. Nachdem sie zunächst nur einen unbedeutenden Stützpunkt in Indonesien innegehabt hatten, erreichten sie nach Verhandlungen mit den ansässigen Sultanen die Kontrolle über die Insel Penang und über Singapur, das damals noch ein kleines malaiisches Fischerdorf war. Zusammen mit der Hafenstadt Malakka bildeten diese Gebiete als so genannte Straits Settlements die handelspolitisch wichtigen Stützpunkte der Briten in Südostasien. Zur Zeit der Napoleonischen Kriege übernahmen die Briten zeitweise die niederländischen Kolonien, um diese vor der Übernahme durch die Franzosen zu bewahren. Nach Rückkehr der Niederländer und Rückgabe ihrer Kolonialterritorien 1816 keimte die Rivalität um den malaiischen Archipel erneut auf. Durch den Britisch-Niederländischen Vertrag von 1824 wurde schließlich eine Teilung des Gebietes in einen britisch beherrschten Teil (das heutige Malaysia) und einen niederländisch verwalteten Teil (das heutige Indonesien) beschlossen. 1866 konnten die Briten ihren Kolonialbesitz in der Region nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen durch die Eroberung Birmas zusätzlich vergrößern.
Die Franzosen fassten erst im 19. Jahrhundert in Südostasien Fuß und gliederten Vietnam, Kambodscha und Laos als Französisch-Indochina dem französischen Kolonialreich an.
Auch die Vereinigten Staaten wurden um 1900 eine Kolonialmacht in Südostasien, als sie die Philippinen von Spanien übernahmen.
Geschichte ab 1945 Unmittelbar nach ihrer Unabhängigkeit in den 1950er Jahren verfolgten die südostasiatischen Staaten einen nationalistisch inspirierten Alleingang. Wirtschaftspolitisch verschrieben sie sich mit Ausnahme Singapurs bis in die 1970er Jahre dem Konzept der Importsubstitution (des Ersetzens von Einfuhren). Äußere Einflüsse – die Nähe zur Volksrepublik China und die Sowjetunion, vor allem der Korea-Krieg 1950–1953 und die Indochinakriege – führten auf sicherheitspolitischem Gebiet zu einer engeren Zusammenarbeit der westlich orientierten Staaten. Erste Gehversuche regionaler Kooperation, vor allem die SEATO, scheiterten jedoch rasch. Der traditionelle bilaterale Ansatz Washingtons in Südostasien erschwerte die regionale Kooperation zusätzlich, die anfangs ganz unter dem Motto stand, die bilateralen regionalen Konflikte einzudämmen, um sich ungestört entwickeln zu können.
Als ein erschwerender Faktor erweist sich die Brandrodung in Südostasien.