Das Buch Schnee in den Ardennen ist ein im Jahr 2003 bei Suhrkamp erschienenes,Jürgen Becker: Schnee in den Ardennen, 2. Auflage, Suhrkamp-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-518-46130-3 als Journalroman bezeichnetes Werk des rheinischen Schriftstellers und Lyrikers Jürgen Becker. mini|Jürgen Becker am 26. November 2009 in Köln
Journalroman Formal ist der Text in drei Abschnitte eingeteilt. Teil I und III bestreitet der namenloses Erzähler. Beide Teile haben ihre räumlichen Zentren in Deutschland West und Deutschland Ost. Der Ortsname Odenthal, bis in die Gegenwart jahrzehntelange Heimat des Erzählers, wird vermieden, der sichtbare und hörbare Kontakt zum Altenberger Dom jedoch mehrfach erwähnt. Teil II, der 40 von insgesamt rund 180 Seiten umfasst, wird von Jörn erzählt und hat als Schauplatz eine kleine griechische Insel. Trotz der Dreiteilung ist der gesamte Text, wie das Leben, in vielfältiger Weise miteinander verwoben.
Die tagebuchartigen Aufzeichnungen bestehen aus kleinen Berichten, kommen als knappe Sätze und sogar als einzelne Worte vor. Gemeinsam ist ihnen eine äußerst genau Beobachtung und eine einfühlsame Darstellung. Eine Datierung fehlt, wie es einem Roman entspricht. Das Buch ist 2003 erschienen, und der Erzähler erwähnt „die fehlenden beiden Zwillingstürme, die aus der New Yorker Skyline jetzt verschwunden sind.“ (S. 75) In diesen Tagen des Schreckens, der Wut und der Teilnahme, die der Erzähler empfindet, lässt Jürgen Becker sich über die Schulter schauen und beschreibt seine Beschäftigung mit einer Art Tageschronik. In diesem „September hat er nur in den ersten zehn Tagen etwas notiert. Danach bleiben die Seiten leer.“ (S. 77)
Ansonsten springt der Erzähler scheinbar beliebig zwischen den Orten und Zeiten seines Lebens. Aber nur scheinbar, denn eine Erinnerung „wird in der Gegenwart durch ein aktuelles Ereignis ausgelöst, das ganz unerheblich, kaum wahrnehmbar sein kann, vielleicht durch einen Geruch, einen sich bewegenden Schatten, ein Geräusch aus der Nähe.“ (S. 76)
Schon im ersten Satz des Buches findet der Erzähler ein Foto wieder, ohne danach gesucht zu haben. Dieses Foto des berühmten Fotografen Robert Capa von amerikanischen Soldaten bei den Kämpfen im Winter 1944 kommt bei Beginn des dritten Teils wieder vor. Hier erfährt der Leser etwas über Beckers Beziehung zu den Ardennen. Und hier erfährt er auch etwas über den Titel des Buches, denn auf dem Foto liegt Schnee in den Ardennen. Dann, in den letzten Sätzen des Buches, taucht dieses Foto wieder auf. In der Gegenwart des Erzählers ist es Winter und er wird verreisen, wenn es zu schneien anfängt.
Immer wieder ist von Schnee die Rede. Der Winter dauert auf den Höhen des Bergischen Landes eben länger als in der Kölner Bucht. Auch für sein Alter Ego Jörn hat Jürgen Becker den Familiennamen Winter gewählt.
Ausgerechnet Jörn Winter erzählt dann in Teil II von einer Reise auf eine warme, sonnendurchflutete griechische Insel. Dort trifft er nur auf einige wenige Einheimische und verlassene Dörfer. Mitteleuropäische Wohlstandsbürger haben sich in eigenen, abgelegenen Häusern niedergelassen, nicht in den Dörfern. Einer, der sich dort aufhält, ist der Maler Achim, den Jörn aus Deutschland kennt. Er hat seinen Namen zu Micha umgestellt und versucht, seinen Tagtraum eines anderen Lebens zu leben. Hier erteilt der Erzähler in selten rigoroser Weise diesem Schwindel und dieser (Selbst-)Täuschung eine Abfuhr.
An anderen Stellen hält der Erzähler dem Leser in feinfühliger Weise den Spiegel vor und lässt ihn an der Weisheit seiner 70 Lebensjahre teilhaben.
Nach dem Tod der Katze, die zwanzig Jahre mit im Haus lebte:
Jürgen Becker, 1932 in Köln geboren, lebt von 1939 bis 1947 in Erfurt, also in den bewusst aufnahmefähigen Jahren seiner Jugend.
Dann eine rätselhafte Bemerkung. Ist das ein Bild für die Fehler, die der Mensch immer wieder macht, jeder für sich allein? Oder für die Hoffnung, die nicht vergeht?
Buch für die Stadt Schnee in den Ardennen war im Jahr 2009 das Buch für die Stadt in Köln und der Region zwischen Eifel und Bergischem Land.
Ausgaben Schnee in den Ardennen. Journalroman. Suhrkamp, Frankfurt 2003, ISBN 3-518-41458-5Nicht alles wissen, Rezension von Martin Krumbholz, Frankfurter Rundschau, 5. November 2003.
Schnee in den Ardennen, 2. Auflage, Suhrkamp-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-518-46130-3
Weblinks
Ein Buch für die Stadt beim Kölner Stadt-Anzeiger Rezension in der Frankfurter Rundschau Rezension in DIE ZEIT Rezension in der FAZ Rezensionsnotizen bei Perlentaucher.de
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik