Oldenburg ( ) ist eine kreisfreie Großstadt in Niedersachsen. Die Gemeinde führt die amtliche Bezeichnung Oldenburg (Oldb) als Abkürzung von „Oldenburg in Oldenburg“ in Abgrenzung von Oldenburg in Holstein. Bis 1918 lautete die amtliche Bezeichnung Oldenburg i. Gr. (= im Großherzogtum Oldenburg).

Die heutige Universitätsstadt war ehemals Residenz- und Hauptstadt der Grafschaft, des Herzogtums, des Großherzogtums, des Freistaates und des Landes Oldenburg. Nach Hannover und Braunschweig ist sie nach Einwohnerzahlen die drittgrößte Stadt Niedersachsens, gefolgt von Osnabrück. Oldenburg ist eines der Oberzentren des Landes Niedersachsen und war bis zur Auflösung der niedersächsischen Regierungsbezirke 2004 Sitz des Regierungsbezirks Weser-Ems. Von 2005 bis 2013 war Oldenburg Sitz einer Regierungsvertretung des Landes Niedersachsen, die 2014 durch einen Regionalbeauftragten für das Weser-Ems-Gebiet ersetzt wurde.

Die Einwohnerzahl überschritt 1945 die Schwelle zum Status einer Großstadt von 100.000 Einwohnern. Oldenburg gehört seit April 2005 zur europäischen Metropolregion Nordwest, einer von insgesamt elf europäischen Metropolregionen in Deutschland.

Geografie Lage mini|Beginn der sich bis ins Emsland ziehenden Leda-Jümme-Moorniederung in Nordmoslesfehn (rechts vom Küstenkanal), einer zu Eversten gehörenden Moorkolonie

Oldenburg liegt an der Stelle, wo die Delmenhorster Geest im Südosten in die Oldenburger Geest im Nordwesten übergeht, auf einer Höhe von 2–19 Metern. Westlich hiervon breiten sich die weiten Moore der Leda-Jümme-Moorniederung aus, östlich davon das auf Meeresspiegelniveau liegende Marschland der unteren Hunte.Martin Teller: Geographie. Karte „Die Landschaften Oldenburgs nach physisch-geographischen Merkmalen.“ Der Oldenburger Hafen liegt ungefähr auf dem Niveau des Meeresspiegels, Küstenschiffe müssen auf dem Weg zur Nordsee keine Schleuse passieren.

Moorgebiete gibt es auch im Nordosten der Stadt. Der größte Teil Oldenburgs befindet sich nordwestlich des Flusses; die Innenstadt liegt an der Mündung der Haaren in die Hunte. Die Innenstadt ist zwar von der Huntemündung bei Elsfleth 23,5 km und von der offenen Nordsee ca. 90 km entfernt, da die Hunteniederung unterhalb der Innenstadt aber auf dem Niveau des Meeresspiegels liegt, sind die Gezeiten der Nordsee bis in die Haaren hinein zu spüren, die kurz vor ihrer Mündung in die Hunte bis zu viermal am Tag ihre Fließrichtung ändert.

Die Stadt Oldenburg liegt im Zentrum des Oldenburger Landes im westlichen Niedersachsen, sie ist die nördlichste Großstadt des Bundeslandes. Die nächsten größeren Städte sind Bremen, etwa 45 km östlich, Wilhelmshaven, circa 50 km nördlich, Osnabrück, circa 100 km südlich, Hamburg, circa 170 km nordöstlich, Groningen, circa 110 km westlich, und Hannover, etwa 170 km südöstlich Oldenburgs.

Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten):

Stadt Elsfleth (Landkreis Wesermarsch), Hude (Oldenburg), Hatten und Wardenburg (alle Landkreis Oldenburg) sowie Edewecht, Bad Zwischenahn, Wiefelstede und Rastede (alle Landkreis Ammerland)

Im Ballungsraum (Agglomeration) Oldenburg leben rund 266.000 Menschen.

Stadtteile und Eingemeindungen mini|Innenstadt im grünen Kranz der Wallanlagen (Blickrichtung: Süden) mini|Innenstadt (Blickrichtung: Norden)

Die Stadt ist in neun Stadtbezirke aufgegliedert, die wiederum in Stadtteile untergliedert sind. Stadtbezirke nach dem statistischen Jahrbuch 2005 der Stadt sind:

mit den Stadtteilen Zentrum, Dobben, Haarenesch, Bahnhofsviertel und Gerichtsviertel mit den Stadtteilen Ziegelhof und Ehnern mit den Stadtteilen Bürgeresch und Donnerschwee mit den Stadtteilen Osternburg und Drielake mit den Stadtteilen Eversten, Hundsmühler Höhe, Thomasburg, Bloherfelde, Haarentor und Wechloy mit den Stadtteilen Bürgerfelde, Rauhehorst (auch Vahlenhorst), Dietrichsfeld, Alexandersfeld, Flugplatz, Ofenerdiek und Nadorst mit den Stadtteilen Etzhorn, Ohmstede und Bornhorst mit den Stadtteilen Neuenwege und Kloster Blankenburg mit den Stadtteilen Kreyenbrück, Bümmerstede, Tweelbäke West, Krusenbusch und Drielaker Moor

1920 betrug die Fläche des Stadtgebiets insgesamt 1152 ha. Danach wurden verschiedene Gemeinden beziehungsweise Teile von Gemeinden und Gemarkungen nach Oldenburg eingegliedert, so dass das Stadtgebiet heute nach verschiedenen Grenzbereinigungen insgesamt 10.296 ha beträgt. Im Einzelnen wurden ein- beziehungsweise ausgegliedert:

1. Oktober 1922 Eingliederung der Gemeinde Osternburg. Zuwachs 5.080 ha 1. August 1924 Eingliederung von Teilen der Gemeinde Eversten Zuwachs 2.407 ha 15. Mai 1933 Eingliederung der Gemeinde Ohmstede Zuwachs 3.198 ha 1. April 1935 Eingliederung von Teilen Hundsmühlens Zuwachs 2,2 ha 1. April 1935 Ausgliederung eines Teils Osternburgs Abgang 1.875 ha 1. April 1936 Eingliederung von Teilen Metjendorfs Zuwachs 129 ha 1. April 1948 Eingliederung des Exerzierplatzes Bümmerstede Zuwachs 169,6 ha

Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände Fliegerhorst entsteht ein neuer Stadtteil. Am 15. Juni 2017 beschloss der Ausschuss für Stadtplanung der Stadt Oldenburg den Masterplan für die Bereiche Mittelweg/FliegerhorstStadt Oldenburg: Masterplan Fliegerhorst – Planzeichnung (Flächennutzungsplanänderung) und Masterplan Fliegerhorst – Planzeichnung (Neuer Bebauungsplan) – siehe Fliegerhorst Oldenburg – Neuer Stadtteil. Auf dem Gelände entsteht seit September 2021 unter anderem ein Smart-City-Quartier mit insgesamt rund 210 Wohneinheiten, das innovative und klimafreundliche Energieversorgung bietet.

Klima

Gefährdung durch Hochwasser Bis zum 19. Jahrhundert war die Kernstadt von Oldenburg dadurch vor Hochwasser geschützt, dass sie auf einem Geestrücken lag. Im 19. Jahrhundert erweiterte sich die Stadt um Gebiete, die regelmäßig durch Hochwasser gefährdet waren. So stand z. B. 1880/81 der Cäcilienplatz 80 cm hoch unter Wasser. Durch Begradigungen und Vertiefungen der unteren Hunte entstand ein Tidenhub, der im 21. Jahrhundert auf durchschnittlich 2,60 m angewachsen ist. Gegen den Druck des Nordseewassers bei Sturmfluten schützt seit 1979 das Sperrwerk an der Huntemündung bei Elsfleth. Durch den Bau eines Schöpfwerks beim Stautorkreisel wurde die Haaren an ihrer Mündung in die Hunte vom Einfluss der Tide abgeriegelt. Verantwortlich für den Bau des Schöpfwerks war die 1922 gegründete Haaren-Wasseracht. Der Schutz Oldenburgs vor Hochwasser wurde 1982 durch eine Erneuerung der Schöpfwerk-Einrichtungen verbessert.

Trotzdem kam es bei Bümmerstede und südlich davon zum Weihnachtshochwasser 2023/2024, bei dem u. a. beinahe große Teile Bümmerstedes hätten evakuiert werden müssen. Der Einsatz von in der Spitze 256 gleichzeitig anwesenden Helfern und die Errichtung eines künstlichen Deichs entlang der Sandkruger Straße verhinderten aber ein Übergreifen der Flut auf das Gebiet östlich der Straße.

Geschichte Gründung und Mittelalter mini|Durch eine Ausgrabung freigelegte ringförmige Holzfundamente des Heidenwalls

Nach den Ergebnissen archäologischer Ausgrabungen begann die Geschichte Oldenburgs im 7. oder 8. Jahrhundert n. Chr. Auf einem Geestsporn im Ammergau nahe einer Furt über die Hunte entstand im Bereich des heutigen Marktplatzes sowie nördlich und östlich davon eine bäuerliche Siedlung. Auf der Handelsstraße von Bremen oder Westfalen nach Jever entstand hier ein leichter Übergang über den Fluss.

In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde östlich von Oldenburg die Ringwallanlage des Heidenwalls errichtet. Durch archäologische Untersuchungen von 2007 ließ sich seine Erbauung auf 1032 sowie 1042 datieren.

1108 wurde der Ort unter dem Namen „Aldenburg“ erstmals urkundlich erwähnt. Im 12. Jahrhundert nutzten die Grafen von Oldenburg die günstige topographische Situation zum Bau einer Wasserburg. Sie erhoben einen Zoll, konnten in Kriegszeiten diesen Durchgang aber auch versperren. Die Burg war Verwaltungsmittelpunkt der Grafschaft, und im Umland siedelten sich bald viele Angehörige der Verwaltung an.

mini|Anlage des ehemaligen Klosters Blankenburg

1294 wurde für Dominikanerinnen des Augustiner- und Predigerordens das Kloster Blankenburg gegründet.G. Rüthning: Die Nonnen in Blankenburg. In: Oldenburger Jahrbuch des Vereins für Altertumskunde und Landesgeschichte. Stalling, Oldenburg 1925, S. 185–201. Es befindet sich heute am östlichen Stadtrand, nahe der Hunte.

1345 erhielt die im Erzbistum Bremen gelegene Siedlung, die mittlerweile Oldenburg hieß, von Graf Konrad I. Bremer Stadtrecht. Es wurde eine bessere Befestigung gebaut, mit einem extrem breiten Stadtgraben, der die Mauer umgab, und fünf Stadttoren, die den Zutritt zur Stadt kontrollierten. Der Grundriss ähnelte einem Wappenschild: Im Westen das Obristen- oder Everstentor, im Nordwesten das Haarentor, im Nordosten das Heiliggeisttor, im Osten das Stautor und im Süden das gewaltige Dammtor. Dieser Doppeltorbau mit zwei Flankenrundtürmen (1518) und Zugbrücke über den Stadtgraben lag südlich der Ringburganlage mit eigenem Wassergraben.Der Schlossgarten Oldenburg: Ausgangssituation, abgerufen am 16. Februar 2012. Durch diesen Schutz vor Räubern profitierte die Stadt Oldenburg auch wirtschaftlich.

1448 wurde Graf Christian von Oldenburg König von Dänemark und 1450 zudem König von Norwegen (Personalunion beider Königreiche). 1457 wurde er außerdem zum König von Schweden gewählt. 1460 wurde er Herzog von Schleswig und Graf von Holstein (ab 1474 Herzogtum). Das kleine Grafenhaus gewann damit überregionale Bedeutung, was erhebliche Auswirkungen nach dem Tod des letzten Grafen Anton Günther hatte.

mini|Der Lappan von 1467, Wahrzeichen von Oldenburg mini|„Großer Zwinger vor dem Eversten Tor“ (Pulverturm) von 1529

Graf Anton Günther, Dreißigjähriger Krieg mini|Schloss Oldenburg 1603 begann die Regierungszeit von Graf Anton Günther. Er ließ einen Teil der Burg im Barockstil umbauen und begann mit der Zucht von Pferden, die als „Oldenburger“ Pferde schon bald sehr begehrt waren. Außerdem konnte die Stadt lange Zeit vor Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges bewahrt werden. Gerade die Zucht von Zugpferden für die Artillerie erwies sich in Kriegszeiten als profitabel. Insgesamt ging die Grafschaft mit einem leichten Plus aus dem Krieg hervor, insbesondere deshalb weil die Stadt nie belagert oder geplündert wurde.Frank Werner, Markus Flohr: ±Dreißigjähriger Krieg: „Sie dürfen mit dem Frieden keinen neuen Hass säen“. In: Die Zeit. Mai 2017 (zeit.de), abgerufen am 10. August 2019. Als sich der Feldherr Tilly mit seinen Truppen, die in Wardenburg ihr Lager hatten, auf Oldenburg zubewegte, konnte Graf Anton Günther durch Verhandlungsgeschick und Bestechung Tilly dazu bewegen, wieder abzurücken.

Trotz einer sogenannten Pestordnung fielen ab August 1667 der Pest jede Woche 30 bis 40 Menschen zum Opfer. Als Lager für Pestkranke diente zeitweise das Kloster Blankenburg,Kreiszeitung: Kein zweites Blankenburg, 2. März 2011. nachdem es als Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst und zunächst zum „Malz- und Brauwerk“ des Oldenburger Grafen Anton Günther umgebaut worden war.Ludwig Kohli: Handbuch einer historisch-statistisch-geographischen Beschreibung des Herzogthums Oldenburg sammt der Erbherrschaft Jever und der Fürstenthümer Birkenfeld und Lübeck. Wilhelm Kaiser, Bremen 1825, S. 21 (online). 1632 übertrug er das Gut an eine Stiftung, damit dort ein Armen- und Waisenhaus eingerichtet würde.Bezirksverband Oldenburg: . Abgerufen am 1. Februar 2014.

1667 starb Graf Anton Günther und wurde in der Oldenburger Lambertikirche bestattet. Da er keine ehelichen Nachkommen hatte, wurde Oldenburg dem nächsten männlichen Verwandten zugesprochen, dem König von Dänemark. Somit wurde Oldenburg dänisch.

Unter dänischer Verwaltung