Der Nahe Osten (auch Nahost) ist eine geographisch nicht eindeutige Bezeichnung, die Überlappungen mit anderen geographischen Begriffen (wie Vorderasien und Orient) verursacht und eine Abgrenzung (auch zu der Verwendung in anderen Sprachen wie dem Englischen) vonnöten macht. Historisch bezeichnete dieser Begriff seit dem 19. Jahrhundert das Gebiet des Osmanischen Reiches außerhalb Europas.Mittlerer Osten. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 2000. Der deutsche Begriff Naher Osten überschneidet sich mit dem englischen Begriff Middle East, ist aber nicht mit ihm gleichzusetzen.

Geschichte mini|hochkant=1.5|Historische Bedeutung von „Naher Osten“: Gebiete des Osmanischen Reiches außerhalb Europas von 1830 bis 1920 Der Begriff Naher Osten ist von einer europäischen Perspektive geprägt, die auf die des Römischen Reiches zurückgeht. Nach der endgültigen Reichsteilung von 395 n. Chr. entstanden das Weströmische Reich (Imperium Romanum Occidentalis) und das Oströmische Reich (Imperium Romanum Orientalis). Nach dem Ende des Weströmischen Reiches etwa um 476 n. Chr. vererbte sich der Titel „Kaiser des Abendlandes“ (occidentalis) in das Reich Karls des Großen, das spätere „Heilige Römische Reich“, wohingegen der oströmische Kaiser den Nebentitel „Kaiser des Morgenlandes“ (orientalis) trug. Es handelte sich daher um ein Rom-zentriertes Weltbild,Vgl. Segen des römischen Bischofs Urbi et orbi. das in den Gebieten der römischen Nachfolgestaaten in Europa sowie im islamischen ReichNoch in der heutigen arabischen Welt wird zwischen „dem Ort des Sonnenaufgangs“ () östlich vom heutigen Libyen und „dem Ort des Sonnenuntergangs“ () westlich von Ägypten unterschieden, wobei diese geografische Trennlinie annähernd der Vorgängergrenzlinie zwischen dem West- und Oströmischen Reich nach dessen Teilung nach 395 n. Chr. entspricht. übernommen wurde. Aus dieser Sicht liegen die Länder des Nahen Ostens im „Osten“, wodurch weitreichende Überlappungen mit den Begriffen „Vorderasien“, „Orient“ und „Vorderer Orient“ bestehen.

Historisch bezeichnete dieser Begriff seit dem 19. Jahrhundert das Gebiet des Osmanischen Reiches außerhalb Europas.

Definition des Nahen Osten mini|Abgrenzung des Nahen OstensDer Nahe Osten bezeichnet heute im Allgemeinen die arabischen Staaten Vorderasiens und Israel. Insbesondere die Region des Fruchtbaren Halbmondes und die Arabische Halbinsel gehören zum Nahen Osten. Im weiten Sinn werden außerdem Zypern, die Türkei (teilweise nur Anatolien), Ägypten (das hauptsächlich in Nordafrika liegt) und Iran dazugezählt.

Unterschied zum Mittleren und Fernen Osten Im Deutschen gibt es außerdem noch die Begriffe des Mittleren Ostens (Südasien, Afghanistan und oft auch Iran) und Fernen Ostens (Ost- und Südostasien).

Unterschied zum Englischen Verwirrung stiftet manchmal, dass die Region des Nahen Ostens im Englischen als Middle East und in vielen nahöstlichen Sprachen entsprechend übersetzt als „Mittlerer Osten“ bezeichnet wird, darunter , , , kurdisch und .

Im Englischen existiert neben Middle East auch der Begriff Near East („Naher Osten“), der ursprünglich dem historischen Nahost-Begriff entsprach. Der britische Begriff Near East wurde ab etwa 1850 bis zum Ende des Osmanischen Reiches für den Balkan und das Osmanische Reich ohne Iran benutzt. Middle East bezeichnete damals das Gebiet von Iran über Afghanistan und den Kaukasus bis nach Zentralasien. Wenn der Begriff „Near East“ heute noch verwendet wird, dann in nicht genau festgelegter Bedeutung. Viele benutzen ihn synonym mit „Middle East“, das amerikanische Wörterbuch Merriam Webster definiert ihn als die Länder in Südwestasien und Nordostafrika von Libyen bis Afghanistan,Near East. In: Merriam-Webster Online Dictionary, 2008. Middle East. In: Merriam-Webster Online Dictionary, 2008 (beide englisch; abgerufen am 28. November 2008) und Archäologen, Geographen und Historiker verstehen darunter vor allem Anatolien, die Levante und Mesopotamien.

Alternative Bezeichnungen

Westliches Asien und Südliches Asien / Westasien und Südasien mini|Westliches und südliches Asien als geographische Unterregionen (Statistik-Abteilung der Vereinten Nationen) Die Statistik-Abteilung der Vereinten Nationen teilt diese Region in ein Westliches Asien und ein Südliches Asien (vgl. Karte).

Der DIERCKE verwendet die Definition der Vereinten Nationen – mit dem Unterschied, dass einmal die Bezeichnungen West- und Südasien statt Westliches und Südliches Asien verwendet werden und zum anderen Iran und Afghanistan zu Westasien und nicht zu Süd-Asien gerechnet werden.

Vorderasien Es gibt auch die Bezeichnung Vorderasien.

Überblick über Staaten, Gebiete und Regionen Staat, mit Flagge Fläche(km²) Einwohnerzahl 2023 Bevölkerungsdichte(pro km²) 2023 Hauptstadt BIP 2016 BIP pro Kopf 2016 Währung Regierungssystem Amtssprache Wappen Arabische Halbinsel: 17.820 4.310.110 242 Kuwait $136 Milliarden $26.000 Kuwait-Dinar Konstitutionelle Monarchie Arabisch 50px 665 1.485.510 2.234 Manama $32 Milliarden $24.100 Bahrain-Dinar Konstitutionelle Monarchie Arabisch 50px 212.460 4.644.380 22 Maskat $63 Milliarden $16.000 Omani Rial Absolute Monarchie Arabisch 50px 11.437 2.716.390 238 Doha $167 Milliarden $60.700 Katar-Riyal Absolute Monarchie Arabisch 50px 1.960.582 36.947.030 19 Riad $640 Milliarden $20.100 Saudi-Riyal Absolute Monarchie Arabisch 50px 82.880 9.516.870 115 Abu Dhabi $371 Milliarden $37.700 VAE-Dirham Föderale Konstitutionelle Monarchie Arabisch 50px 527.970 34.449.820 65 Sanaa $27 Milliarden $1.000 Jemen-Rial Republik Arabisch 50px Levante: 20.770; einschließlich Golanhöhen 22.072 km² 9.756.700 442 Jerusalem $318 Milliarden $37.200 Neuer Schekel Parlamentarische Republik Hebräisch 50px , Gazastreifen 360 2.141.643 5.949 Gaza Neuer Schekel Arabisch 50px , Westjordanland 5.860 3.243.369 553 Ramallah Neuer Schekel Arabisch, Hebräisch 50px 92.300 11.337.050 123 Amman $39 Milliarden $5.500 Jordanischer Dinar Konstitutionelle Monarchie Arabisch 50px 10.452 5.353.930 512 Beirut $52 Milliarden $11.300 Libanesisches Pfund Republik Arabisch 50px 185.180 23.227.010 125 Damaskus Syrisches Pfund Präsidialrepublik Arabisch 50px Nordafrika: 1.001.449 112.716.600 113 Kairo $332 Milliarden $3.700 Ägyptisches Pfund Präsidialrepublik Arabisch 50px Weitere: 1.648.195 89.172.770 54 Teheran $377 Milliarden $4.700 Iranischer Rial Islamische Republik Persisch 50px 783.562 85.326.000 109 Ankara $857 Milliarden $10.700 Türkische Lira Präsidialrepublik Türkisch 50px 437.072 45.504.560 104 Bagdad $167 Milliarden $4.600 Irakischer Dinar Parlamentarische Republik (im Aufbau) Arabisch, Kurdisch 50px InsgesamtArabische Halbinsel, Levante, Nordafrika, Iran, Türkei, Irak6.999.014 km²481.849.742 Einwohner68,85 Pers. pro km²–$3.578 Milliarden (BIP von 2016, ohne Syrien und Palästina)––––

BelegeThe World Factbook (en), United States Central Intelligence Agency (CIA), 14. November 2006, The Million Person Gap: The Arab Population in the West Bank and Gaza; B. Zimmerman, R. Seid and M. L. Wise; The Begin-Sadat Center for Strategic Studies, Bar-Ilan University; February, 2006 The Million Person Gap: The Arab Population in the West Bank and Gaza (PDF; 2,13 MB) Sergio Della Pergola, „Letter to the editor“, Azure, 2007, No. 27, Sergio Della Pergola kritisiert die Autoren der Studie zum „Palästinensischen Zensus 2007“ wegen gravierender statistischer und methodischer Mängel.

Siehe auch

Nahostkonflikt MENA-Region Sykes-Picot-Abkommen (1916)Martin Gehlen: Der Nahe Osten, wie wir ihn kennen, entstand vor genau 100 Jahren, als Briten und Franzosen neue Grenzen zogen – für die Araber ein Verrat, für die Region ein Desaster. Zeit Online, 16. Mai 2016 Christliche Medien im Nahen Osten

Literatur Pierre Amiet: Art of the Ancient Near East. New York 1980. Reiner Bernstein: Von Gaza nach Genf. Die Genfer Friedensinitiative von Israelis und Palästinensern. Wochenschau-Verlag, Schwalbach/Ts 2005. Margret Boveri: Wüsten, Minarette und Moscheen – Im Auto durch den alten Orient. Mit einem Vorwort von Peter Scholl-Latour. wjs-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-937989-06-4 (Reisebericht). Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer (Hrsg.) unter Mitarbeit von Martin Rink: Wegweiser zur Geschichte Naher Osten. 2., überarbeitete Auflage, im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2009, ISBN 978-3-506-76759-2. Abdoldjavad Falaturi (Hrsg.): Islam: Raum – Geschichte – Religion. Band 1: Der Islamische Orient. Köln 1990. Jakob Krais: Geschichte des Nahen Ostens. Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-82951-2. Amélie Kuhrt: The Ancient Near East c. 3000–330 B. C. Routledge, London 1995. Eric M. Meyers (Hrsg.): The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Near East. 5 Bände. New York / Oxford 1997. Peter Pawelka, Lutz Richter-Bernburg (Hrsg.): Religion, Kultur und Politik im Vorderen Orient. VS Verlag, 2004, ISBN 3-531-14098-1. Volker Perthes: Vom Krieg zur Konkurrenz – Regionale Politik und die Suche nach einer neuen arabisch-nahöstlichen Ordnung. Nomos Verlag, 2000, ISBN 3-7890-6712-1. Volker Perthes: Geheime Gärten – Die neue arabische Welt. Goldmann, München 2003, ISBN 3-442-15274-7. Jeremy Salt: The Unmaking of the Middle East. A History of Western Disorder in Arab Lands. University of California Press, 2008, ISBN 978-0-520-26170-9. Jack M. Sasson (Hrsg.): Civilizations of the Ancient Near East. 4 Bände. New York 1995. Alfred Schlicht: Die Araber und Europa. Kohlhammer, Stuttgart 2008. Tübinger Atlas des Vorderen Orients. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1976–1994.

Weblinks

Henner Fürtig: Was ist der Nahe Osten? – eine Einführung. Bundeszentrale für politische Bildung, 1. Februar 2013 Richard N. Haass: The New Middle East. In: Foreign Affairs, November/Dezember 2006. aljazeera.com – Al Jazeera Nachrichten aus der Region (englisch) bbc.co.uk middle_east – BBC Nachrichten aus der Region (englisch)

Einzelnachweise

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