Das Wald-Ruhrkraut (Gnaphalium sylvaticum, Syn. Omalotheca sylvatica) ist eine weit verbreitete Pflanzenart aus der Gattung der Ruhrkräuter (Gnaphalium) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Beschreibung mini|links|Stängel mit einnervigen Laubblättern miniatur|links|Korbstand mini|links|Körbe: die Hüllblätter sind gegen den Rand zu durchscheinend hell. mini|Geöffneter Korb mit Früchten. Die Pappushaare sind am Grund miteinander verbunden. mini|Achänen Die mehrjährige Pflanze wird zwischen 10 und 40 Zentimeter, ausnahmsweise bis 80 Zentimeter hoch. Sie bildet zahlreiche nichtblühende frischgrüne Rosettenblätter. Der kräftige, aufrechte, meist unverzweigte Stängel ist weißfilzig.
Die grundständigen Blätter sind lanzettlich und kurzstielig, die zahlreichen wechselständigen einnervigen Stängelblätter linealisch und sitzend. Sie haben eine Länge von zwei bis sechs Zentimetern und eine Breite von drei bis vier Millimetern. Ihre Unterseite ist filzig, die Oberseite verkahlend.
Die Blütenköpfe bilden einen ährenförmigen Gesamtblütenstand, der ein Drittel bis fünf Sechstel der Stängellänge einnimmt. Sie haben einen Durchmesser von sechs bis neun Millimetern, eine bräunlich- bis gelblichweiße Farbe und enthalten jeweils etwa siebzig einzelne Blüten. Die fünf verwachsenen, meist zerschlitzten Hüllblätter sind überwiegend trockenhäutig und tragen in der Mehrzahl einen auffälligen dunklen Fleck. Der Same ist eine gelbbraune, längliche Nuss, deren mit unverzweigten oder nur schwach verzweigten kurzen Härchen besetzter Pappus leicht bräunlich oder rötlich ist.
Blütezeit ist von Juli bis September.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 56.
Ähnliche Arten Das ähnliche Norwegische Ruhrkraut hat eine kürzere Blütenähre, die mittleren Stängelblätter sind dreinervig, die nichtblühenden Rosettenblätter sind weniger und die am Blütenstand vorhandenen hinfällig.
Verbreitung und Standort Das Wald-Ruhrkraut ist in Europa heimisch und kommt auch in Ost-Amerika vor. In Europa kommt es fats in allen Ländern vor und fehlt nur in Portugal. In Asien kommt es in Russland, in der Türkei, im Kaukasusraum, im Iran, in Kasachstan und in Xinjiang vor. In Nordamerika kommt es in Kanada in British Columbia und in den östlichen Staaten und auch in den östlichen Vereinigten Staaten südlich bis Pennsylvania vor.
Es wächst häufig an Waldwegen, Lichtungen, Bahnstrecken, Sandgruben und Magerrasen. In den Alpen erreicht es meist eine Höhenlage von 1700 Metern. In den Allgäuer Alpen steigt es in Bayern am Iseler bis zu einer Höhenlage von 1860 Metern auf. Die lichtliebende, stickstoffzeigende Pflanze bevorzugt kalkarme, mäßig frische Lehmböden. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Atropetalia.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Ökologie Das Wald-Ruhrkraut ist ein Nitrifizierungszeiger und ein Humuszehrer. Es erfolgt Selbstbestäubung und Insektenbestäubung.
Taxonomie Das Wald-Ruhrkraut wurde 1753 von Carl von Linné als Gnaphalium sylvaticum in Species Plantarum Seite 856 erstbeschrieben. Synonyme sind Omalotheca sylvatica , Gnaphalium rectum und Gnaphalium sylvaticum subsp. carpetanum
Heil- und Zierpflanze Das Wald-Ruhrkraut wurde früher gegen Durchfälle, Ruhr und Atemwegsprobleme eingesetzt. Heute findet es sich in Steingärten als Zierpflanze.
Belege Literatur Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. - Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 5. Auflage, 1983. ISBN 3-8001-3454-3 Herbert Weymar: Buch der Korbblütler. - Melsungen, Verlag J. Neumann-Neudamm, 2. Auflage 1966 Schmeil-Fitschen: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. - Heidelberg, Quelle & Meyer, 84. Auflage, 1968
Einzelnachweise
Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 579. Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Gnaphalium sylvaticum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Weblinks
Thomas Meyer: Ruhrkraut Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben) https://www.luontoportti.com/suomi/de/kukkakasvit/waldruhrkraut https://www.heilkraeuter.de/lexikon/wald-ruhrkraut.htm
Kategorie:Ruhrkräuter