Markgröningen ist eine Stadt im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg und Bestandteil der Deutschen Fachwerkstraße. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Die ehemalige Reichs-, Residenz- und Amtsstadt Grüningen wurde durch ihr traditionelles Volksfest, den alljährlich im August stattfindenden „Schäferlauf“, und ihr beeindruckendes Rathaus landesweit bekannt. In den Brennpunkt der Landesgeschichte geriet die mit der Reichssturmfahne verbundene Stadt im 13. Jahrhundert, als König und Graf sich um sie bekriegten.
mini|300px|Markgröningen aus Südwesten mini|300px|Markgröningen 1983 von Westsüdwest Geographie Geographische Lage Markgröningen liegt im Strohgäu und am Rand der fruchtbaren Lössebene des Langen Felds, neun Kilometer westlich von Ludwigsburg und knapp 16 Kilometer nordwestlich von Stuttgart. Die Kernstadt, das ehemalige Grüningen, liegt zwischen den tief in den Muschelkalk eingeschnittenen Tälern der Glems und des Leudelsbaches. An deren sonnenexponierten Talhängen wechseln sich Weinberg-Steillagen und unter Naturschutz stehende Schafweiden ab. Der bis 1972 selbständige Stadtteil Unterriexingen liegt rund vier Kilometer nördlich von Markgröningen zu beiden Seiten der Glems, die hier in die Enz mündet. Vor der Kreis- und Gemeindereform hatte die einstige Reichsstadt mit 2087 Hektar die größte Markung im Kreis. Heute umfasst die Markgröninger Markung 2816 Hektar; davon stammen 729 Hektar von Unterriexingen.
Deutung des Ortsnamens mini|Ungenaue Ansicht von Merian mini|Martens Gemälde von 1819 mit der Bezeichnung Markt-Gröningen
Von Gruoninga …
Im Jahre 779 wurde Markgröningen erstmals in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Fulda als Gruoninga erwähnt.WUB Band II., Nr. NA, S. 437–438, online Ortsnamen mit der Endung -ing(en) entstanden in der Regel während der Völkerwanderungszeit und wurden nach der dort siedelnden Sippe eines Gründers benannt. So geht man im Falle Grüningens davon aus, dass der Ortsname von einem alemannischen Ortsgründer namens Gruono abgeleitet wurde. Noch heute wird die ehemalige Reichs- und württembergische Residenzstadt Grüningen von den Einheimischen umgangssprachlich „Gröningen“ () genannt.Im Hochmittelalter erscheinen die Schreibweisen Grieningen, Grüningen, Grünigen und später auch Gröningen. In offiziellen Dokumenten setzte sich Grüningen durch; ab dem 17. Jahrhundert findet sich vermehrt Gröningen. Markgröningen wurde erst im 18. Jahrhundert offiziell. Allerdings weder bei König Friedrich, der 1806 immer noch den Nebentitel Graf zu Gröningen führte, noch beim Magistrat der Stadt, der am 20. November 1816 in einer Petition an den neuen König Wilhelm selbstverständlich Gröningen schrieb.
… zu Mark(t)gröningen
Die von offizieller Seite erstmals im 18. Jahrhundert verwendete Vorsilbe „Mark“ soll sich auf die Grenzlage an der fränkisch-alemannischen Mark beziehen. Diese war allerdings seit einem Jahrtausend (746) nicht mehr relevant. Vielmehr verbanden AuswärtigeDie Vorsilbe ist keine Grüninger Erfindung und wird von Alteingesessenen noch heute eher widerwillig gebraucht. Laut Philipp Ludwig Hermann Röder, in Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Schwaben, Band 1, Ulm 1791, S. 619, nannte vorerst nur der „Pöbel“ die Stadt „Markgröningen“; im Lexikon führte er sie unter „Gröningen“. Digitalisat der BSB (PDF) zur Zeit der Namensergänzung mit (Markt-)Gröningen ein landesweit bekanntes Charakteristikum: den überregional bedeutsamen Jahrmarkt zur Kirchweih der Bartholomäuskirche, den Hans Grüninger (bei Fries)Quelle: Fries, L., 1527, Passage vom Verleger und Drucker Hans Grüninger eingefügt; als Faksimile bei Hermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I. Urgeschichte und Mittelalter. 291 S., Markgröningen 1933, S. 285 1527 mit der bedeutenden Frankfurter Messe gleichsetzte und der deshalb tatsächlich namensgebend gewesen sein dürfte. Zumal Grüningen im Titel der Ortsbeschreibung bei Fries „Margt Grieningen“ genannt wird und auch Matthäus Merian als Alternativbezeichnung „Marckt Gröningen“ aufführt.Im Sinne dieses Erklärungsansatzes hat auch der 1819 durchreisende Städtemaler Christian von Martens, der seine aquarellierte Zeichnung von der Stadt mit „Markt-Gröningen“ beschriftete, die Vorsilbe offenbar ganz selbstverständlich von Markt abgeleitet und deshalb den Namen falsch geschrieben. Siehe Landesarchiv BW online
Das im schwäbischen Dialekt gerne auch bei „Markplatz“ verschluckte t könnte erklären, warum es in der Vorsilbe Mark des Ortsnamens verloren ging und damit die Namensdeuter auf eine falsche Spur gelenkt hat.Ausführlichere Argumentation zur Herleitung der Vorsilbe Mark unter Stadtgeschichte von Grüningen#Von Gruoninga über Grüningen zu Mark(t)gröningen. mini|Unterriexingen von Süden mini|Talhausen vom Schlüsselberg mini|Hardt- und Schönbühlhof mini|Die Landarmenanstalt war die Keimzelle der Siedlung auf der Hurst mini|Wüstungen rund um Markgröningen
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Markgröningen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Landkreis Ludwigsburg:
Sachsenheim, Bissingen (Bietigheim-Bissingen), Tamm, Asperg, Möglingen, Schwieberdingen, Hochdorf (Eberdingen), Enzweihingen (Vaihingen an der Enz) und Oberriexingen.
Stadtgliederung Markgröningen ist in vier Stadtteile gegliedert. Neben Markgröningen selbst sind dies: Unterriexingen Talhausen Hardt- und Schönbühlhof (zu Markgröningen gehört nur der Ortsteil Schönbühlhof, der Hardthof liegt auf Schwieberdinger Gemarkung)
Weitere Siedlungen Zur Markung Markgröningen zählen außerdem:
der große Gebäudekomplex auf der Hurst, einem Höhenzug westlich des Aspergs zwischen Andelbach und Riedbach, auf dem sich die Werner-Schule, die Orthopädische Klinik mit Reha-Zentrum, das Behindertenheim mit Personal-Wohnblocks und einer kleinen Kirche sowie ein landwirtschaftliches Anwesen und ein Wasserturm befinden, die ehemalige Domäne Aichholzhof und westlich davon ein Umspannwerk, die Aussiedlerhöfe Tammer See, Grasiger Weg, Hohe Anwande, Münchinger Weg, Schwieberdinger Weg, Eichholzer Klinge und Lettenbödle, die Häuser Rotenacker, Ölmühle, Obere Mühle (Steinbruch) und Raisershaus beim ehemaligen Konstatt, Bruckmühle und Unteres Schafhaus, Spitalmühle, Untere Mühle, Papiermühle und Hammerschmiede sowie die beiden Gruppenklärwerke im Glems- und im Leudelsbachtal.
Wüstungen im Umfeld der Stadt Abgegangene Siedlungen sind (im Uhrzeigersinn von Nordost nach Nord) Hörnle, Maulbronn, Laiblingen, Konstatt (auch Kaunstett), Schönbühl, Böhringen, Aicholtz, Hinterstatt, Kühlenbronn, Sankt Johännser und die Schlüsselburg auf der Markgröninger Markung sowie die Orte Vöhingen auf Schwieberdinger, Guckenhäuser im Glemstal, Burg Dauseck und ein zugehöriger Weiler auf Unterriexinger und Remmingen auf Untermberger Markung.
Unweit vom abgegangenen Böhringen wurde 1763 am westlichen Markungsrand der Weiler Schönbühlhof gegründet und kurz danach der im Dreißigjährigen Krieg aufgegebene Weiler Talhausen im Glemstal wiederbesiedelt. Anstelle des ehemaligen Weilers Aicholtz entstand der Aichholzhof.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Markgröningen.
Raumordnung Markgröningen gehört zur Metropolregion Stuttgart sowie zum Nahbereich des Mittelzentrums Ludwigsburg/Kornwestheim der Region Stuttgart (VRS).
Für die umliegenden Gemeinden ist die einstige Oberamtsstadt nur noch als Schul- und Klinikstandort sowie für die Abwasserbehandlung von zentralörtlicher Bedeutung. mini|„Naturschutzwengert“ und Magerrasen im NSG Leudelsbachtal mini|Mündung des Leudelsbach-Seitenarms im Remminger Tal mini|Ehemaliger Sandsteinbruch im Gewann Peterweinberge
Flora, Fauna und Geotope Insbesondere in den drei Tälern von Glems, Enz und Leudelsbach finden sich zahlreiche schutzwürdige Biotope, die weitgehend in das FFH-Gebiet Strohgäu und unteres Enztal integriert sind. Unter besonderem Schutz stehen das 117,9 Hektar große Naturschutzgebiet Leudelsbachtal, das zum Großteil (98,4 ha) zu Markgröningen gehört und den Bannwald Rotenacker einschließt, sowie über sechzig flächenhafte sowie 13 Einzelgebilde-Naturdenkmale (ND). Außerdem liegen größere Teile der Landschaftsschutzgebiete Oberes Leudelsbachtal, Hohenasperg-Hurst und weitere Umgebung, Glemstal zwischen Schwieberdingen und Markgröningen mit Randgebieten und Enztal zwischen dem Leinfelder Hof und Bietigheim-Bissingen auf Markgröninger Markung.Siehe Karte des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und Übersichtskarte der LUBW zum .
Um die Belange des Naturschutzes kümmern sich in Markgröningen neben den Naturschutzbehörden und der Stadtverwaltung lokale Gruppen von BUND, Nabu und SAV.
Das Geologische Landesamt (LGRB) hat auf der Markung acht Geotope erfasst: drei Dolinengruppen im Hinterholz, im Muckenschupf und im Rotenacker, ein Lössprofil bei der ehemaligen Ziegelei, drei aufgelassene Steinbrüche in der Eichholzer Klinge, im Leudelsbach- und im Glemstal sowie den rund hundert Meter langen Siegfriedsfelsen am rechten Prallhang der Glems. Darüber hinaus finden sich auf der Markung zahlreiche weitere Aufschlüsse, insbesondere entlang der Hangkante am Rotenacker und an den Prallhängen des Glemstals, zum Beispiel am Sonnenberg oder beim ehemaligen Eiskeller am Schäferweg.
Klimadaten
Geschichte
Die Stadtgeschichte von Grüningen wird vom Hochmittelalter bis zu der historischen Zäsur, die durch die Gründung Ludwigsburgs (1718) und die anschließende Umbenennung in Markgröningen erfolgte, in einem eigenständigen Wikipedia-Artikel abgehandelt.
Hier folgt deshalb nur ein kurzer Überblick zur Grüninger Periode. Auf die Neuere Geschichte Markgröningens (ab 1718) und die Zeitgeschichte (ab 1945) soll hingegen ausführlicher und exklusiv eingegangen werden.
mini|Wappen der Grafen von Grüningen und Ulrichs III. von Württemberg mit der 1336 zusammen mit Burg und Stadt Grüningen erworbenen Reichssturmfahne mini|Bezirk des Grüninger Landkapitels im Archidiakonat Trinitatis an der Südostecke der Speyrer Diözese
Geschichte Grüningens im Zeitraffer Das zuvor alemannische Grüningen war in etwa zwischen 500 und 750 ein fränkisches Bollwerk an einem Eckpunkt der fränkisch-alemannischen Grenze und bis ins Hochmittelalter ein aus dem Glemsgau ausgemarktes Königsgut: Burg und Kommune haben die Könige dem vorzugsweise schwäbischen Träger der Reichssturmfahne als mit diesem „Grafenamt“ verbundenes Lehen übergeben.
Die Reichsstadt und die Württemberger In den Brennpunkt der Geschichte geriet die Reichsstadt im 13. Jahrhundert, als ihr württembergischer Lehensträger und Reichssturmfähnrich, Graf Hartmann II. von Grüningen, und dessen Sohn Hartmann III. von Grüningen, sich gegen die Revindikationspolitik König Rudolfs von Habsburg stemmten. Nach jahrelangen kriegerischen Auseinandersetzungen wurde Hartmann III. 1280 gefangen genommen und starb auf dem Asperg. Seine Halbbrüder mussten darauf die zur Herzogsresidenz auserkorene und entsprechend ausgebaute Stadt an den König zurückgeben.