Kefalonia ( [], , Kephallēnía, italienisch Cefalonia und früher teilweise Cefalogna) ist eine griechische Insel am Ausgang des Golfs von Patras. Sie ist Teil der Präfektur Kefallinia und mit 734,014 km²Concise statistical yearbook of Greece 2009 die größte der Ionischen Inseln.
Kefalonia hatte zwischen 1991 und 2001 nach vielen Jahren der Landflucht eine starke Bevölkerungszunahme (mit 21,9 % zweithöchster Wert in Griechenland) durch Zuwanderung zu verzeichnen. Heute hat die Insel ca. 40.000 Einwohner.
Während der größte Ort Argostoli an der Südwestküste das administrative und wirtschaftliche Zentrum und bis in die Vororte stark verstädtert ist, findet sich das ursprüngliche Kefalonia vornehmlich auf der Halbinsel Paliki mit dem Hauptort Lixouri. Dort befinden sich auch zahlreiche Strände, darunter der Sandstrand Xi, der Strand Petani und der abgelegene Strand Fteri.
Die höchste Erhebung ist der Berg Enos mit 1.628 m über dem Meeresspiegel. Kefalonia ist touristisch gut erschlossen und wird im Sommer hauptsächlich von Briten besucht. Viele Italiener nutzen die Gewässer um die buchtenreiche Insel als Bootsrevier. Von Juni bis September sind die Übernachtungszahlen am höchsten, ab Oktober sind vor allem Athener zu Gast.
Geographie Lage Kefalonia ist die größte Ionische Insel und zugleich die militärisch wichtigste, da sie den Golf von Patras und damit auch die Einfahrt in den Isthmus von Korinth kontrolliert.Militärgeschichtliche Mitteilungen. Militärgeschichtliches Forschungsamt 1967, S. 31. Sie ist überwiegend gebirgig, die höchste Erhebung ist der 1628 m hohe Berg Enos.
Geologie Die Insel gehört weitgehend zur präapulischen Zone und wird von Eozän-Kalkstein dominiert, auf der westlichen Halbinsel Paliki gibt es auch Sandstein. Im südöstlichen Teil finden sich Brekzien und Schiefer, auch kleine und stripartige Formationen von Ammonitico Rosso kommen vor. Der zentrale Teil der Insel wird von der Enos-Gebirgskette dominiert, die von Kreide-Dolomiten und Kalkstein geprägt ist.
Geschichte mini|hochkant|Kupfermünzen aus der antiken Stadt Pale mini|hochkant|Karte von Joseph Roux (1764) mini|Badevergnügen in der Nähe von Argostoli (1930)
Kefalonia war vor 110.000 bis 35.000 Jahren von Neandertalern besiedelt; belegt ist dies durch Steinwerkzeuge.George Ferentinos et al.: Early seafaring activity in the southern Ionian Islands, Mediterranean Sea. In: Journal of Archaeological Science, online-Vorabveröffentlichung vom 10. Februar 2012, doi:10.1016/j.jas.2012.01.032
Es gibt seit der Antike Vermutungen, dass Kefalonia die in der Odyssee zum Besitz des Odysseus gerechnete Insel Same ist, aber auch das homerische Dulichion wurde oft mit Kefalonia gleichgesetzt.Zu den antiken Lokalisierungsversuchen bzgl. Same und Dulichion siehe vor allem Strabon, Geographie 10,455 ff. Eine Studie aus dem Jahr 2018 versucht die These zu stützen, nach der Kefalonia mit der Heimatinsel des Odysseus, der homerischen Insel Ithaka übereinstimmt.Heinz Warnecke: Homers Wilder Westen. Die historisch-geographische Wiedergeburt der Odyssee. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2018, 2. Auflage. ISBN 978-3-515-11621-3 (439 S.) Aus der mykenischen Zeit stammt unter anderem ein großes, reich ausgestattetes Kuppelgrab bei Tzanata, das alle Grabbauten dieser Phase auf den Ionischen Inseln und im Nordwesten der Peloponnes übertrifft.Birgitta Eder: Überlegungen zur politischen Geographie der mykenischen Welt. In: Geographia Antiqua 8, 2009, S. 34.
Im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. gehörte die Insel zum Einflussbereich von Korinth, wurde aber um 375 v. Chr. durch den Feldherrn Timotheos zum Anschluss an den von Athen dominierten Attischen Seebund gezwungen. In der Antike hatte die Insel vier Städte: Pale, Same, Pronnoi und Krane (Kefalonische Tetrapolis). Kefalonia war eine wichtige Station auf dem Weg von Sizilien und Italien nach Griechenland.Vergleiche Polybios, Historien 5,3 f. Der Geograph Skymnos schreibt von der „Insel der Kephallenier“. Die politische Lage verhinderte eine größere Bedeutung der Insel, die auch zu den Peloponnesischen Kriegen keine Schiffe stellte.
Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. geriet die Insel unter römische Herrschaft. Sie war ab 59 v. Chr. Verbannungsort für den wegen Teilnahme an der Verschwörung des Catilina und Erpressungen in der von ihm verwalteten Provinz Macedonia angeklagten Gaius Antonius Hybrida, den Schwiegervater des Marcus Antonius. 50 v. Chr. geriet die Insel unter die Herrschaft des Gaius Antonius. Auf der Spitze des Enos befand sich laut Strabo (10,2,16) der Tempel des Jupiter Aenesius. Dieser Name führte offenbar schon früh zu Spekulationen darüber, ob Aeneas sich auf der Insel aufgehalten habe.George Cornewall Lewis: Untersuchungen über die Glaubwürdigkeit der altrömischen Geschichte, übersetzt und erweitert von Felix Liebrecht, Erster Band, zweite Ausgabe. Carl Rümpler, Hannover 1863, S. 300 Anm. 50.
Eine neuere Theorie, die sich auf meteorologische, geographische und historische Untersuchungen stützt, identifiziert die in der biblischen Apostelgeschichte erwähnte Insel Melite als Kefalonia. Demnach strandete der Apostel Paulus von Tarsus, als er auf dem Weg nach Rom war, entgegen der allgemein verbreiteten Lokalisierung, die von der Insel Malta ausgeht, auf Kefalonia.Heinz Warnecke: Paulus im Sturm. Über den Schiffbruch der Exegese und die Rettung des Apostels auf Kephallenia. 2. Auflage, VTR, Nürnberg 2000, ISBN 3-933372-29-1; Heinz Warnecke: Die tatsächliche Romfahrt des Apostels Paulus (= Stuttgarter Bibelstudien. Band 127). 2. Auflage, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1989, ISBN 3-460-04271-0.Paulus war nie auf Malta. In: Die Zeit, Nr. 52/1988; Besprechung der Dissertation von Heinz Warnecke, abgerufen am 2. August 2018.Holy Metropolis of Cephalonia: St. Paul the Apostel, Bericht über drei internationale Konferenzen 1993, 1996 und 1999 hierzu mit weiteren Argumenten, abgerufen am 2. August 2018. Die Theorie bringt auch den Schlangenkult in den Kirchen Kefalonias mit der Paulusgeschichte in Verbindung. Kaiser Hadrian schenkte die Insel im 2. Jahrhundert Athen. Bei der Reichsteilung von 395 kam die Insel an das oströmische bzw. byzantinische Reich und war 535 eine von dessen 64 Provinzen.
1085 besetzten Normannen unter Robert Guiskard (der in der Bucht von Porto Atheras starb) die Insel. Der Ort Fiskardo ist heute noch nach ihm benannt. Nach dem vierten Kreuzzug von 1204 wurde sie Venedig zugesprochen.
Unter den Venezianern wurde im 13. Jahrhundert das lateinische Bistum Kefalonia errichtet. 1375 trat die Familie der Tocchi die Nachfolge der Orsini in der Pfalzgrafschaft Kefalonia an. Diese wurde jedoch 1479 von den Osmanen erobert. Am 24. Mai 1500 eroberte eine venezianisch-spanische Flotte unter Admiral Benedetto Pesaro und Gonzalo Fernández de Córdoba y Aguilar erneut die Insel. Nach 21 Jahren osmanischer Herrschaft gelang eine Restauration der Pfalzgrafschaft mit Hilfe der Venezianer. Ein Söldnerheer lieferte sich jedoch weiterhin Schlachten mit den Osmanen, die versuchten, die Insel erneut zu erobern. 1536 wurde der Seefahrer Juan de Fuca auf Kefalonia geboren. 1538 gelang es den Osmanen, 3.000 Menschen in die Sklaverei zu verschleppen. Seit dem späten 16. Jahrhundert entwickelte sich Kefalonia zu einem Druckort venezianischer Bücher, etwa diverser Talmud-Ausgaben, da hier die Zensur viel liberaler war als in der Stadt Venedig. Nach dem Verlust von Kreta wurde Kefalonia ein wichtiger Handelsstützpunkt der venezianischen Flotte.
1797 wurden alle Ionischen Inseln französisch besetzt, es folgte ab 1799 durch den russischen Kaiser Paul I. die Proklamation der Republik der Sieben vereinigten Inseln (die auch den Osmanen tributpflichtig war). Während der Napoleonischen Kriege wurden die Inseln erst von den Franzosen (1806), die hier die kurzlebige Ionische Republik gründeten, später von den Briten (1809/1810) besetzt. Diese wandelten sie 1815 unter dem Namen Vereinigter Staat der Sieben Ionischen Inseln in einen unabhängigen Staat unter britischem Protektorat um. 1823 hielt sich Lord Byron auf der Insel auf und schrieb hier sein Werk Don Juan, bevor er nach Griechenland ging, um am dortigen Unabhängigkeitskrieg teilzunehmen. 1864 kam Kefalonia mit den anderen Ionischen Inseln auf Wunsch der Bevölkerung und nach einer entsprechenden Abstimmung des ionischen Parlaments an Griechenland.
Nach der Eroberung Griechenlands durch italienische und deutsche Truppen im Balkanfeldzug war Kefalonia wie die anderen Ionischen Inseln ab April 1941 durch italienische Truppen besetzt. Nach der Kapitulation Italiens vor den Alliierten Anfang September 1943 besetzten deutsche Gebirgsjäger die Insel und erschossen im Massaker auf Kefalonia zwischen dem 21. und 24. September 1943 zwischen 4.000 und möglicherweise sogar 5.300 italienische Soldaten; es war eines der schwersten deutschen Kriegsverbrechen im Mittelmeerraum.L. Klinkhammer: Der Stahlpakt endete im Bleihagel. Kephalonia und das deutsche Massaker an italienischen Soldaten. In: FAZ. 16. März 2002. Diese Geschichte wurde im Film Corellis Mandoline (Originaltitel: Captain Corelli’s Mandolin) mit Nicolas Cage und Penélope Cruz festgehalten nach dem gleichnamigen Roman von Louis de Bernières aus dem Jahr 2001.
Kefalonia wurde immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht, darunter auch das Erdbeben von 1867. Das letzte schwere Erdbeben ereignete sich 1953 und richtete große Zerstörungen an; durch Abwanderung infolge des Bebens sank die Einwohnerzahl von 125.000 auf 25.000. Seit 1990 erlebt die Insel einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auch in der gestiegenen Einwohnerzahl widerspiegelt.
Flora und Fauna
Orchideen Folgende Orchideenarten finden sich auf der Insel: Kefalonische Ragwurz (Ophrys cephalonica) Hufeisen-Ragwurz (Ophrys ferrum-equinum) Gottfrieds Ragwurz (Ophrys gottfriediana) Ionischer Zungenstendel (Serapias ionica) Armblütiges Knabenkraut (Orchis pauciflora) Vierpunkt-Knabenkraut (Orchis quadripunctata) die Hybride zwischen beiden letztgenannten Arten
Eberwurzen Zwischen Lixouri und Mantzavinata ist die Art Carlina lanata zu finden. Sie blüht zwischen Juli und August, ihre Blütenfarbe ist rosa. Bei Argostoli ist die Doldige Golddistel (Carlina corymbosa) zu finden, die im August gelb blüht.Theodor Heinrich Hermann von Heldreich, August Mommsen: Die Pflanzen der attischen Ebene. J. Bergas, 1877, S. 46, S. 60, S. 73.
Fauna Die Küsten Kefalonias sind Lebensraum der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta). Das Hauptbrutgebiet befindet sich an der Südküste und liegt zwischen den Stränden Katelios, Mounda und Skala und steht seit 1983 unter Schutz. Die Schildkröten halten sich häufig in der Koutavos-Lagune bei Argostoli auf. Auf der Suche nach Futter schwimmen die Tiere jeden Morgen in den Fischerhafen.
Eine weitere stark bedrohte Tierart ist die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus). Bereits in der Odyssee werden die Robben in der Meeresenge zwischen den Inseln erwähnt. Heute besteht zwar keine Gefahr mehr durch Fischernetze, aber durch Segel- und Motoryachten.
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Geopark-Wegweiser zu einer Geosite Unter den zahlreichen Sehenswürdigkeiten sind 50 als Geosites Bestandteil des Geopark Kefalonia Ithaka, weitere (meist rein von kulturellem Interesse) sind erfasst und erwähnt, aber keine Geosites.
Strand Xi (Geosite Nr. 3) mini|Strand Xi
Der Sandstrand Xi liegt an der Ostseite des Kap Kounopetra, einer Halbinsel mit mehreren Buchten an der Südküste bei Lixouri und ist von steilen Tonfelsen begrenzt.
Melissani (Geosite Nr. 25) mini|Tropfsteinhöhle Drogarati mini|See Melissani