Die Republik Karelien (; und ; wepsisch Karjal) ist der in Nordwestrussland gelegene Teil Kareliens. Die Republik ist Teil des Nordwestlichen Föderationskreises Russlands und erstreckt sich über eine Fläche von 172.400 Quadratkilometern (66.600 Quadratmeilen) mit einer Bevölkerung von 533.121 Einwohnern. Die Hauptstadt der Republik ist Petrosawodsk.
Die moderne Karelische Republik wurde als autonome Republik innerhalb der Russischen SFSR durch den Beschluss des Präsidiums des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees (WZIK) vom 27. Juni 1923 und durch den Erlass des WZIK und des Rates der Volkskommissare am 25. Juli 1923 von der Karelischen Arbeitskommune gegründet. Von 1940 bis 1956 war sie als Karelisch-Finnische Sozialistische Sowjetrepublik bekannt, eine der Republiken der Sowjetunion. 1956 wurde sie erneut zur autonomen Republik und blieb nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 Teil Russlands.
Die Westgrenze Kareliens ist Teil der Grenze zwischen Finnland und Russland. Im Osten grenzt Karelien an die Oblast Archangelsk, im Süden an die Oblaste Wologda und Leningrad, im Norden an die Oblast Murmansk.
Die Staatssprache der Republik ist Russisch. Sprachen, die in der Republik staatliche Unterstützung genießen: Karelisch, Finnisch und Wepsisch (sie sind aufgrund des Fehlens eines auf Kyrillisch basierenden Alphabets nicht die Staatssprachen der Republik).
Etymologie „Karelien“ leitet sich vom Namen der ethnischen Gruppe ab – Karelier. Der Name „Karjala“ hat unbekannte Ursprünge, es wird jedoch vermutet, dass er vom protofinnischen Wort karja, was „Herde“ bedeutet, stammen könnte, das vom protogermanischen harjaz („Armee“) entlehnt wurde; die Endung -la bedeutet „Erde“.
Natur
Geographie mini|Karte|hochkant=1 Die Republik Karelien umfasst den größten Teil der historischen Region Karelien. Im Osten grenzt sie an das Weiße Meer und im Westen auf 723 km an Finnland, insbesondere an die Regionen Südkarelien und Nordkarelien. Die benachbarten Oblasten sind Leningrad und Wologda im Süden, Murmansk im Norden und Archangelsk im Osten.
Die Landschaft stellt eine Fortsetzung der finnischen Seenlandschaft nach Osten dar, weswegen auch zahlreiche Seen im Gebiet liegen. Im Süden befinden sich mit dem Ladogasee und dem Onegasee die beiden größten Seen Europas.
Das Hauptrelief der Republik sind hügelige Ebenen, die im Westen in das Westkarelische Hochland übergehen. Der Rückzug des Gletschers nach Norden veränderte die Topographie Kareliens erheblich – Moränen, Esker, Kames und Sedimentbeckens.
Der höchste Punkt der Republik Karelien ist der Berg Nuorunen mit 577 m NN.
Zeitzone Die Republik Karelien liegt in einer Zeitzone, die nach internationalem Standard als UTC+3 bezeichnet wird. Der Offset zur UTC beträgt +3:00.
Klima Das karelische Wetter ist wechselhaft. Das Klima ist mild mit reichlich Niederschlägen und variiert in Karelien von Seeklima bis Gemäßigte Klimazone. Der Winter ist schneereich, kühl, aber normalerweise ohne starken Frost; wenn Frost auftritt, dann nur für ein paar Tage. Die Sommer sind kurz und warm, mit viel Niederschlag. Selbst im Juni aber kann es in seltenen Fällen Bodenfrost geben. Hitze tritt in den südlichen Regionen nur zwei bis drei Wochen im Jahr auf, ist aber aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit bereits bei 20 °C spürbar. In den nördlichen Regionen ist Hitze äußerst selten und dauert nur ein paar Tage.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 3 °C, wobei der mit −11 °C kälteste Monat der Februar ist. Der wärmste Monat ist mit 17 °C der Juni. Die höchste aufgezeichnete Temperatur in Karelien betrug 35 °C, die tiefste lag bei −44 °C.
Hydrologie mini|230x230px|Blick auf den Ladogasee von der Festung Oreschek In Karelien gibt es etwa 27.000 Flüsse, von denen die größten sind: Wodla (Länge – 149 km), Kem (191 km), Onda (197 km), Unga, Tschirka-Kem (221 km), Kowda, Schuja, Suna mit Wasserfälle Kiwatsch und Vyg.
In der Republik gibt es etwa 60.000 Seen. Zusammen mit den Sümpfen enthalten sie etwa 2000 km³ hochwertiges Süßwasser. Ladogasee und Onegasee sind die größten Seen Europas. Andere große Seen Kareliens: Njuk, Pjaosero, Segosero, Sjamosero, Toposero, Wygosero und Yushkosero. Da das Gebiet Kareliens am Baltischen Schild liegt, haben viele Flüsse Stromschnellen und sind oft von Steinbänken gesäumt.
Flora und Fauna mini|230x230px|Die karelischen Wälder und ein See im Sommer (von einem hohen Ort) mini|230x230px|Ein Laubwald in Karelien im Juni. Hier kann man Birken sehen, die in Karelien sehr oft vorkommen Die Fauna Kareliens ist relativ jung, sie entstand nach dem Eiszeitalter. Insgesamt leben auf dem Territorium der Republik 63 Säugetierarten, von denen viele, beispielsweise die Ladoga-Ringelrobbe, das Europäische Gleithörnchen und das Braune Langohr, im Roten Buch aufgeführt sind. An den Flüssen Kareliens können Hütten europäischer und kanadischer Biber auftreten. Der kanadische Biber sowie die Bisamratte und der amerikanische Nerz sind akklimatisierte Vertreter der Fauna Nordamerikas. Auch der Marderhund ist kein einheimischer Bewohner Kareliens, sondern stammt aus dem Fernen Osten. Seit den späten 1960er Jahren tauchten immer mehr Wildschweine auf, und Rehe drangen in die südlichen Regionen ein. Es gibt darüber hinaus Bären, Luchse, Dachse und Wölfe.
In Karelien leben 285 Vogelarten, von denen 36 Arten im Roten Buch Kareliens aufgeführt sind. Die häufigsten Vögel sind Rabenvögel. Es gibt Hochlandwild – Haselhuhn, Birkhuhn, Schneehuhn, Auerhahn. Jedes Frühjahr fliegen Gänse aus warmen Ländern nach Karelien. An Greifvögeln gibt es Eulen, Habichte, Steinadler, Rohrweihen. Außerdem gibt es 40 Paare seltener Seeadler. Unter den Wasservögeln finden sich Enten, Seetaucher, Watvögel, viele Möwen und die größte Taucherente Kareliens – die Eiderente.
Auf dem Territorium der Republik gibt es nur fünf Reptilienarten: Kreuzotter, Ringelnatter, Schleichen, Waldeidechse und Zauneidechse.
Die Vegetation Kareliens entstand vor relativ kurzer Zeit – vor 10.000 – 15.000 Jahren. Im Norden gibt es viele Kiefernwälder, im Süden sowohl Kiefern- als auch Fichtenwälder. Die wichtigsten Nadelbäume sind Waldkiefer und Gemeine Fichte. Weniger verbreitet sind finnische Fichte (am häufigsten im Norden der Republik, obwohl sie in bestimmten Mengen in ganz Karelien verbreitet ist), sibirische Fichte (hauptsächlich im Osten, aber auch in anderen Regionen der Republik, außer ganz im Südwesten), extrem selten – Sibirische Lärche (in Zaonezhye, in den an die Oblast Archangelsk angrenzenden Gebieten). In den Wäldern Kareliens sind kleinblättrige Arten wie Moor-Birke, Hänge-Birke, Espe, Grau-Erle und Weiden weit verbreitet. Hauptsächlich in den südlichen Regionen Kareliens, seltener in den zentralen Regionen, meist in kleinen Gruppen in den Tälern von Flüssen und Bächen, an den Ufern von Seen und an feuchten, sumpfigen Orten kommt Schwarz-Erle vor (seine einzelnen Standorte sind auch in den nördlichen Regionen der Republik), und Winterlinde, Bergulme, Flatterulme und Spitzahorn wachsen hauptsächlich im Unterholz, als einzelne Bäume oder Gruppen in Gebieten mit den fruchtbarsten Böden in Südkarelien.
In Karelien wachsen Preiselbeeren, Heidelbeeren, Moltebeeren, Rauschbeere, Moosbeeren und Himbeeren in großen Mengen. Im Süden der Republik wachsen reichlich Erdbeeren und Johannisbeeren. Wacholder kommt in den Wäldern häufig vor, Vogelkirsche und Sanddorn sind keine Seltenheit. Gelegentlich kommt auch Viburnum opulus vor. Im äußersten Südwesten der Republik (in der nordwestlichen Ladoga-Region) ist die Hasel sehr selten.
Wald mini|230x230px|Wald im Bezirk Medvezhyegorsk Der größte Teil des Territoriums Kareliens (148.000 km² oder 85 %) ist vom staatlichen Forstfonds besetzt. Der Waldfonds der Republik Karelien verfügt über eine Gesamtholzreserve von 945,7 Millionen m³, wovon 826,3 Millionen m³ auf Nadelholzplantagen entfallen.
Naturschutz mini|230x230px|Blick auf Paanajärvi, Berg Kivakka Derzeit gibt es in Karelien zwei Naturschutzgebiete: „Kivach“ und „Kostomuksha“ sowie den Kem-Ludsky-Abschnitt des Kandalaksha-Naturschutzgebiets. Auf ihrem Territorium sind ökologische Routen angelegt, es gibt Naturmuseen und es wird Wissenschaftstourismus betrieben.
Es gibt auch zwei Museumsreservate: „Valaam“ und „Kischi“.
In der Republik gibt es drei Nationalparks – Wodloserski (teilweise in der Oblast Archangelsk gelegen), Paanajärvi und Kalewalski.
Der Kalewalski liegt an der finnischen Grenze und ist mit einer Größe von 74.400 Hektar dreimal so groß wie der Nationalpark Bayerischer Wald. Das Waldgebiet gehört zu den wenigen noch intakten Urwäldern Europas. Bis 1996 bezogen die finnischen Papierkonzerne Enso (heute Stora Enso) und UPM-Kymmene Rohholz aus dem Kalewalski-Urwald, das in Finnland zu Zellstoff und Papier auch für den deutschen Markt verarbeitet wurde.
Nach einer Greenpeace-Kampagne zum Schutz der Urwälder Kareliens beendeten die beiden Unternehmen den Holzeinschlag im Gebiet des heutigen neuen Nationalparkes und unterzeichneten ein Einschlagsmoratorium für die Urwälder an der Grenze. Das Gebiet des neuen Nationalparks hat große Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt im Norden Europas: sowohl große Säugetiere wie Braunbären, Wölfe und Luchse, aber auch gefährdete Vogelarten wie Dreizehenspecht und Uhu sind auf die letzten unberührten Wälder zum Überleben angewiesen.
Bevölkerung Nach der Volkszählung im Jahr 2002 hat die Republik Karelien rund 716.000 Einwohner. Davon leben 75 % (537.000 Einwohner) in Städten und 25 % (179.000 Einwohner) auf dem Land, 37 % der Einwohner leben in der Hauptstadt Petrosawodsk. Die Bevölkerungsdichte beträgt 4 Einwohner pro Quadratkilometer. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 37,1 Jahre. Die Anzahl der arbeitsfähigen Personen beträgt 450.000. Die Zahl der Personen, welche das arbeitsfähige Alter überschritten haben, beträgt 137.000.
Bevölkerungsentwicklung:
Das Gebiet wurde ursprünglich von finno-ugrischen bzw. finnisch-permischen Völkern besiedelt. Ihre Nachfahren sind die Karelier, Finnen und Wepsen. Bereits im Mittelalter kam die Region teilweise, ab 1721/43 dann vollständig unter die Herrschaft Russlands. Dennoch blieben die russischen Siedler in weiten Gebieten bis hinein in die Stalinzeit eine Minderheit. Dann setzte bis zum Ende der Sowjetunion eine massive Zuwanderung vorwiegend slawischer Prägung ein, während gleichzeitig viele Karelier nach Finnland abwanderten. Die einheimischen Volksgruppen wurden zu kleinen Minderheiten. 1926 gab es 155.643 Slawen (Russen, Weißrussen, Ukrainer und Polen) in Karelien; 1989 betrug ihre Zahl 669.420 Personen. Dies entspricht 57,7 % und 84,7 % der Gesamtbevölkerung. Nach Ende der Sowjetunion kam es zu einer starken Bevölkerungsabnahme (1989–2021: − 257.029 Personen oder 32,5 %). Viele Weißrussen, Ukrainer und Finnen sind in ihre Mutterländer zurück-/ausgewandert. Der Rest wird immer stärker russifiziert. Dies gilt auch für die Titularnation der Karelier und die Wepsen.
Seit den 1980er Jahren ist Russisch die einzige Amtssprache.Konstitution der Republik Karelien Karelisch, Wepsisch und Finnisch sind sogenannte Nationalsprachen. Bis auf die Finnen (Lutheraner) sind alle großen Volksgruppen traditionell Anhänger der Russisch-Orthodoxen Kirche. Allerdings können über die religiösen Verhältnisse keine verlässlichen Angaben gemacht werden.