Welschbillig ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Trier-Land an.

Geographie Gemeindegliederung Die Ortsgemeinde Welschbillig am gleichnamigen Bach besteht aus dem Kernort Welschbillig (1.892 Einwohner) und den Ortsteilen Hofweiler (139), Ittel (300), Möhn (188) und Träg (139).

Zum Ortsteil Welschbillig gehören auch die Wohnplätze Burgmühle, Helenenberg, Helenenbergermühle, In der Au, Kalkofen, Kostermühle, Kunkelborn, Pelsermühle, Schilzenburg, Schwarzkreuz, Sturmsmühle sowie Grundhof; zum Ortsteil Träg gehören Windmühle, Bohrshof, Heidhof, Jägershof, Schneidershof, Sonnenhof sowie Marienwiesenhof; zum Ortsteil Ittel gehören Auwerbrück, Kyll sowie Wellkyll; zum Ortsteil Möhn gehören die Wohnplätze Hoxberg, Thussengshof und Heinzhof.

Nachbargemeinden Benachbarte Gemeinden sind Dahlem, Auw an der Kyll, Hosten, Zemmer, Kordel, Newel, Ralingen, Eisenach, Gilzem, Idesheim, Idenheim und Trimport.

Ortsnamen Der Ortsnamensteil „Welsch-“ könnte darauf hinweisen, dass, nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches, an diesem Platz noch bis ins frühe Mittelalter hinein eine in romanisierter oder zumindest romanischer Siedlungskontinuität lebende (Ur-)Bevölkerung ansässig war. Diese These unterstützt der Umstand, dass der Namensteil „-billig“ höchstwahrscheinlich auf den galloromanischen Ortsnamen „Billiaco“ (798) zurückzuführen ist. Dieser wiederum konstituiert sich aus dem Personennamen „Billius“ sowie dem keltischen Suffix „-acum“ („Anwesen, Landgut von“) und bedeutet demnach „Gut des Billius“. Eine Übersetzungsmöglichkeit für Welschbillig wäre also „das von Welschen bewohnte Landgut des Billius“. Sinngemäße „-acum“-Ableitungen ergeben sich beispielsweise für den Eifelort Scharfbillig oder das luxemburgische Waldbillig.Monika Buchmüller-Pfaff: Siedlungsnamen zwischen Spätantike und frühem Mittelalter. Die -(i)acum-Namen der römischen Provinz Belgica Prima, Niemeyer Verlag, Tübingen 1990, S. 102 (Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie, Bd. 225)

Eine eventuell vermutete Namensverwandtschaft mit den beiden, etwa 25 km südwestlich gelegenen, Moselgemeinden Oberbillig und Wasserbillig erscheint indes zweifelhaft zu sein, da jene auf den altrömischen Handelshafen Biliacum referieren.Ich lebe gern in der VG Konz: Ortsgemeinde Oberbillig, Trierischer Volksfreund vom 14. März 2012

Geschichte Römische Epoche mini|links|Hermen von Welschbillig im Rheinischen Landesmuseum Trier Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts ist eine römische Villa rustica im Bereich der neugotischen Pfarrkirche St. Peter in Ortszentrum von Welschbillig nachweisbar. An ihrer Stelle entstand im späten 3. Jahrhundert ein bedeutend größeres herrschaftliches Anwesen, das im 4. Jahrhundert aber nochmals umgebaut worden ist. Diese Villa schloss sich U-förmig an ein 58,3 mal 17,8 Meter großes Prachtbassin an, das von vermutlich 112 Hermen umstellt war. 70 Hermen waren bei der Ausgrabung erhalten und stammen wahrscheinlich aus dem 4. Jahrhundert, ein weiterer, erst 1958 gefunden, konnte nicht sicher zugeordnet werden. Ein Großteil der aufgefundenen Köpfe dieser Hermen, heute im Rheinischen Landesmuseum Trier, lassen deutlich unterschiedliche Völker, z. B. Römer, Griechen, Kelten und Germanen, sowie Götter erkennen.Henning Wrede: Die spätantike Hermengalerie von Welschbillig. Untersuchung zur Kunsttradition im 4. Jahrhundert n. Chr. und zur allgemeinen Bedeutung des antiken Hermenmals (= Römisch-Germanische Forschungen 32). de Gruyter, Berlin 1972, ISBN 3-11-002239-7. Es wird vermutet, dass dieses einmalige Wasserbecken zu einem Palast des in Trier (Augusta Treverorum) residierenden Kaisers oder zumindest eines Verwalters des 220 Quadratkilometer großen Langmauerbezirks gehörte, in dessen südwestlichem Bereich die Villa lag. Erst beim Bau der neugotischen Pfarrkirche konnte fast die gesamte Anlage, die einen guten Teil des Ortes einnahm, freigelegt und dokumentiert werden.

Vorkarolingische und frühmittelalterliche Zeit 634 wurden Welschbillig sowie die Orte Newel, Sülm und Röhl mit ihren Kirchen und Zugehörungen von König Dagobert I. (Trier-Aufenthalt: 624 bis 625) der Kirche des heiligen Paulinus (Paulinstift Trier) geschenkt. Zu dieser Zeit war Modoald Bischof von Trier. 981 wurde diese Schenkung in einer Urkunde des Erzbischofs Egbert von Trier erwähnt. Welschbillig wird in der genannten Urkunde erstmals unter dem Namen Billike genannt. mini|hochkant|Tor der Burg und Pfarrkirche St. Peter Mittelalter Um die Mitte des 13. Jahrhunderts bauten die Trierer Kurfürsten eine Befestigung aus dem 12. Jahrhundert, welche im Bereich der ehemaligen römischen Prachtvilla stand, zu einer Wasserburg mit vier Ecktürmen aus. Sie darf als Keimzelle für den weiteren Ortsausbau angesehen werden.

1291 verlieh König Rudolf von Habsburg (1218 bis 1291) Welschbillig zusammen mit Bernkastel, Mayen, Montabaur, Saarburg und Wittlich die Stadtrechte. Aus diesem Anlass wurde die vorhandene Wasserburg zu einer kurtrierischen Landesfestung ausgebaut. Noch heute bestimmt die hochaufragende Ruine des damaligen Torbaus neben erhaltenden Teilen des Burggrabens mit innerer und äußerer Umfassungsmauer sowie an der Nordwestecke ein Dreiviertelturm das Erscheinungsbild des Ortsmittelpunkts. Von der ehemals 1,5 km langen Stadtmauer; die spätestens kurz nach der Stadtrechtsverleihung errichtet wurde, sind ebenso noch Reste erhalten, wie von zwei Stadttoren.

Welschbillig war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Sitz des kurtrierischen Amtes Welschbillig.

Frühneuzeit Am 28. Dezember 1601 eroberte der Herzog von Luxemburg im Verlauf einer Fehde zwischen dem Kurfürsten von Trier und der Reichsabtei St. Maximin als Verbündeter des Abtes die Städte Welschbillig und Ehrang durch Überrumpelung und brandschatzte ihre Bewohner. Im sogenannten Holländischen Krieg wurde die Welschbilliger Landesburg 1673/74 durch Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. zerstört. Welschbillig wurde danach nicht mehr als Stadt sondern nur noch als Flecken bezeichnet.

Auf dem Grund des im ehemaligen Nordflügel der Festung vermuteten Burghauses entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts das kurfürstliche Amtshaus. Es gilt als frühes Beispiel barocken kurfürstlichen Landbauwesens und wird heute als Pfarrhaus genutzt. Noch heute ist über dem Eingang das Wappen des Erzbischofs Karl Josef von Lothringen zu sehen. Das Pfarrhaus wurde zeitgleich mit der Pfarrkirche St. Peter in den 1970er-Jahren aufwendig restauriert.

Bedeutend ist auch der im Burghof stehende, ebenfalls im 18. Jahrhundert errichtete Brunnen aus Rotsandstein. mini|Welschbillig im Jahr 1929 Neuzeit Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Welschbillig Sitz der preußischen Bürgermeisterei Welschbillig im Landkreis Trier.

Auf dem südlichen Flügel der ehemaligen Landesfestung, direkt neben der Ruine des zugehörigen Torbaus, steht die von 1888 bis 1890 von Dombaumeister Reinhold Wirtz aus Trier erbaute katholische Pfarrkirche St. Peter. Die Basilika aus gelbem Sandstein ist ein gutes Zeugnis neugotischen Bauens. Die mit der Architektur eine Einheit bildende historische Ausstattung hat sich zum größten Teil erhalten. Auffällig sind nur die hochwertigen bunten Fenstergläser neueren Datums. Sie wurden nach dem Krieg u. a. vom damaligen Amtsbürgermeister des (bundesdeutschen) Amtes Welschbillig gestiftet. Der ganze Bau ist 1976 restauriert worden.

Am 31. Dezember 1975 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Hofweiler, Ittel und Möhn eingemeindet.

Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Welschbillig bezogen auf das heutige Gemeindegebiet, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Jahr Einwohner 1815 1.062 1835 1.590 1871 1.839 1905 2.132 1939 2.413 1950 2.404 1961 2.373 Jahr Einwohner 1970 2.490 1987 2.285 1997 2.539 2005 2.538 2015 2.575 2017 2.621 2022 2.628

Politik Gemeinderat Der Ortsgemeinderat in Welschbillig besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Ortsgemeinderat: Wahl SPD CDU FW FBL Gesamt 2024 2 7 11 – 20 Sitze 2019 3 6 11 – 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 4 10 4 2 20 Sitze 2009 4 11 4 1 20 Sitze 2004 4 9 3 – 16 Sitze 1999 4 10 2 – 16 Sitze FW = Freie Wähler Welschbillig & Ortsteile e. V. FBL = Freie Bürger Liste

Bürgermeister Dieter Bretz wurde am 3. Juli 2019 Ortsbürgermeister von Welschbillig. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 75,27 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit 64,9 % für weitere fünf Jahre wiedergewählt.

Liste der bisherigen Bürgermeister:

Wappen

Sehenswürdigkeiten Sehenswert ist die Ruine der Wasserburg von Welschbillig im Zentrum des Ortes, siehe Burg Welschbillig Das Kurfürstliche Amtshaus und heutige Pfarrhaus wurde Anfang des 18. Jahrhunderts auf der Nordseite des Burghofes errichtet. Der Hermenbrunnen als Denkmal für die einstige römische Prachtvilla und den Ursprung des Ortes wurde 1994 eingeweiht und zeigt einige ausgewählte Kopien der hier gefundenen spätantiken Hermenköpfe. Die neugotische Kirche St. Peter wurde 1888–1890 von Dombaumeister Reinhold Wirtz, Trier, erbaut. Sie steht auf dem Gelände der ehemaligen Burg und wurde 1976 restauriert. Das Geider Kreuz von 1904 und Kreuzweg von 1984 mit modernen BronzereliefsWelschbilliger Kreuzweg, Stationen mit Bronzereliefs von Pater Rudolf Fritz, SMM. Die Kirche auf dem Helenenberg mit barockem Schiff und spätgotischem Kirchenbau wurde im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach umgebaut und erweitert.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Welschbillig

Persönlichkeiten

In Welschbillig geboren Johann Peter Limbourg (1832–1891), Reichstagsabgeordneter aus Helenenberg Anne Banaschewski (1901–1981), Pädagogin und Kunsthistorikerin Edmund Banaschewski (1907–1992), Verleger und Politiker Eduard Lichter (1920–2009), Archivrat im Bistum Trier, geb. in Welschbillig und Verfasser der Ortschronik: Welschbillig und Umgebung. Geschichte des Ortes, der Pfarrei und des Amtes Welschbillig (1977)

Hans-Georg Bürger (1952–1980), Automobil-Rennfahrer

Mit Welschbillig verbunden Bernhard Lemling (1904–1961), Dichter und Chorleiter in Welschbillig

Literatur Nikolaus Ritzler: Chronik der Gemeinde des Bezirks. (ungedruckt, um 1900) Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Rheinland-Pfalz. Saarland. Deutscher Kunstverlag, München 1984, S. ?. Eduard Lichter: Welschbillig und Umgebung – Geschichte des Ortes, der Pfarrei und des Amtes Welschbillig. Trier 1977.

Siehe auch Windpark Welschbillig-Eisenach

Weblinks

Internetpräsenz der Ortsgemeinde Welschbillig

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Trier-Saarburg Kategorie:Ersterwähnung 634 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1291