Walter II. von Hochschlitz (* um 1320; † 4. Oktober 1369 in Mindelheim) war von 1357 bis 1362 und nochmals von 1368 bis 1369 Reichsvikar in Pisa und Lucca, Rat Karls IV. sowie Bischof von Augsburg in den Jahren 1365 bis 1369.
mini|252x252px|Walter II. von Hochschlitz in der Portraitgalerie der Bischöfe von Augsburg
Leben
Abstammung aus der Familie Hochschlitz von Hausen Walter stammte aus der in Pfauhausen ansässigen schwäbischen Adelsfamilie der Hochschlitz von Hausen. Er war der Sohn des Edelknechts Fritz Hochschlitz von Hausen mit seiner ersten Frau Agnes von Randeck.
mini|Wappen der Hochschlitz von Pfauhausen nach Scheibler|285x285px Ausbildung sowie kirchliche und weltliche Laufbahn
Studium in Bologna Wie sein Onkel mütterlicherseits Marquard I. von Randeck hatte er von 1340 bis 1343 in Bologna Kirchenrecht studiert und erwarb die akademische Würde eines „baccalaureus in decretis“. Nach seiner Rückkehr aus Italien begleitete er seinen Onkel mindestens einmal an die Kurie nach Avignon. Bei dieser Gelegenheit verlieh im Papst Clemens VI. am 31. August 1343 ein Kanonikat an der Domkirche zu Augsburg.
Im Dienste Konrads IV. von Teck mini|255x255px|Wappen Herzog Konrads IV. von Teck im Innenhof von Schloss Rodenegg, Südtirol Im Gefolge Herzog Konrads IV. von Teck, der von Ludwig dem Brandenburger zum Viztum von Tirol ernannt worden war, ist Walter während der 15-jährigen Sedisvakanz des Bistums Trient dort von 1349 bis 1353 gemeinsam mit dem Konrad IV. als 'Capitanus' bezeugt. Der Friedensvertrag von Verona, den Ludwig der Brandenburger am 20. März 1352 mit Cangrande II. della Scala, seiner Schwester Elisabeth von Bayern, und den Herren von Castelbarco schloss, wurde neben Marquard von Randeck, Konrad von Teck, dem Brixener Stiftshauptmann Heinrich von Beringen auch von Walter von Hochschlitz mitbesiegelt. Noch 1353 war er Pfleger im Dienste seines Herzogs auf Schloss Rodenegg.
Erster Italienzug Karls IV. und Statthalter in Pisa Gemeinsam mit seinem Onkel Marquard nahm er im Rahmen des ersten Italienzugs Karls IV. von 1354 bis 1356 an den Kämpfen mit den Visconti teil und war ab 1357 bis zum Oktober 1362 kaiserlicher Statthalter in Pisa.
Heirat mit Lorenza Alder in Lucca 1355 heiratete er in Lucca Lorenza Alder, die Tochter des Pisaner Bannerherrn Ritter Heinrich Alder. Der letztere erscheint als Bannerherr und Mitpatron der deutschen St. Georgskirche in der wertvollen Urkunde von 1337 und dann als einer der Fundatoren des St. Georgsaltars im Dome zum Pisa vom Jahre 1346. Er war verheiratet und hatte seine Familie anscheinend in Lucca.
„Den Chronisten zufolge war Lorenza eine hübsche Frau, die sich extravagant kleidete. Entgegen der üblichen Bekleidungsvorschriften wurde ihr gestattet, ‚Schmuck nach ihrem Belieben‘ zu tragen.“ Über das weitere Schicksal seiner Frau oder möglicher Nachkommen aus dieser Ehe ist nichts bekannt. Es wird aber angenommen, dass sie vor 1360 verstorben ist.
Das Wirken Walter von Hochschlitz' in Pisa (1357–1363)
Wahl zum „capitano e difensore del comune e del Popolo di Pisa“ (1357) Nach einer ersten Tätigkeit als Stellvertreter seines Onkels Marquard von Randeck wurde Walter (Gualtieri) von Hochschlitz am 26. Februar 1357 vom den Anziani, dem Ältestenrat Pisas, für ein Jahr zum „capitano e difensore del comune e del Popolo di Pisa“ gewählt. Seine Aufgabe bestand darin, die Stadt und ihr Herrschaftsgebiet zu schützen sowie nach den politischen Unruhen der Vorjahre Frieden und Ordnung zu sichern.
Zwischen 1357 und 1362 wurde sein Mandat mehrfach verlängert. Walter gelang es, die Herrschaftsordnung Pisas zu stabilisieren und oppositionelle Gruppen sowie Verschwörungen zu bekämpfen. Zeitgenössische Chronisten schildern ihn als eine zentrale Figur des pisanischen Regimes. Mehrfach griff er gegen politische Gegner ein und spielte eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Sicherheit und öffentlicher Ordnung.
Allerdings übte er dieses Amt nicht ununterbrochen vor Ort aus. So stiftete er am 12. März 1360 für seinen Onkel und sich einen Jahrtag ihres Ablebens in der Pfarrkirche von Kaufbeuren, deren Patronatsrecht er zuvor im Jahre 1357 überschrieben bekommen hatte.
Im Jahr 1362 treten erste Anzeichen seines bevorstehenden Ausscheidens aus Pisa hervor. Zwar erscheint Walter noch bis in den Sommer 1362 in den Quellen als Amtsträger der Stadt, doch übernahmen zunehmend andere Funktionsträger wichtige Aufgaben. Die letzte sichere Erwähnung stammt aus dem Jahr 1363. Danach verschwindet er aus den pisanischen Regierungsakten.
Bedeutung der Herrschaft Walters Obwohl Walter als Vertreter der kaiserlichen Partei nach Pisa gekommen war, entwickelte er sich rasch zu einem eigenständig handelnden Regenten. Er verfügte über militärische, gerichtliche und verwaltungstechnische Vollmachten, kommandierte die städtischen Truppen und konnte eigene Stellvertreter ernennen. Die Quellen zeigen, dass er keineswegs nur ein formaler Vertreter des Kaisers war, sondern tatsächlich die politische Führung der Stadt ausübte.
Seine mehrjährige Herrschaft hinterließ in Pisa deutliche Spuren. Walter von Hochschlitz verkörperte eine Übergangsform zwischen kommunaler Selbstverwaltung und signorienartiger Ein-Mann-Herrschaft. Gestützt auf die Zustimmung der städtischen Elite und die Autorität des Kaisers gelang es ihm, über mehrere Jahre die politische Ordnung der Stadt zu stabilisieren und die Interessen des Reiches in der Toskana zu vertreten.
Erwerb der Herrschaft Mindelheim Mit seinem in Italien und der Lombardei erworbenem Vermögen erwarb Walter am 22. Juni 1363 zusammen mit seinem Onkel Heinrich von Hochschlitz von Elsper von Aichheim, der Witwe des letzten Mindelbergers, Burg, Stadt und Herrschaft Mindelheim.
Bischof von Augsburg
Ernennung in Avignon 1365 Am 23. November 1365. wurde er im Palast von Avignon von Papst Urban V. zum Nachfolger seines Onkels auf dem Stuhle des Hl. Ulrich ernannt. Die Regalien erhielt er aus der Hand Kaiser Karls IV am 19. August 1366 in Iphofen. Nach seiner Wahl zum Bischof und der päpstlichen Bestätigung war Walter erst Subdiakon; wann er die Bischofsweihe empfing, ist nicht bekannt.
Zweiter Italienzug Karls IV. und Reichsvikar für Pisa und Lucca Beim zweiten Italienzug Karls IV. in den Jahren 1368/69 zählten Walter und Marquard von Randeck wiederum zum kaiserlichen Gefolge und wurden nochmals als Reichsvikare und Statthalter für Pisa und Lucca eingesetzt. Zeichnerische Darstellungen hierzu finden sich in der Chronik Cronache delle cose di Lucca von Giovanni Sercambi, die im Staatsarchiv von Lucca aufbewahrt wird. Ein Szene zeigt Walter zusammen mit seinem Onkel Marquard beim Einzug in Pisa im September 1368.
Der Streit um Mindelheim und Tod 1369 mini|Gedenktafel an den Tod Walters von Hochschlitz in Mindelheim|256x256px Bei seiner Ernennung zum Bischof von Augsburg in Avignon verzichtete Walter zugunsten des Hochstifts Augsburgs auf seine Besitzansprüche an der Mindelburg, Mindelberg und der Stadt Mindelheim.. 1365 verkauften diese die Besitztümer und übergaben sie während des Verkaufs an Herzog Friedrich von Teck zur zinsfreien Verwaltung. Dieser verweigerte daraufhin die Herausgabe der Besitztümer, sodass Walter II. von Hochschlitz nach seiner Rückkehr aus Italien diese mit Waffengewalt einforderte. Während der Belagerung traf Eberhard I. Graf von Werdenberg-Trochtelfingen den Bischof am 4. Oktober 1369 mit einem Pfeil, woraufhin dieser starb. Die Gedenktafel am ehemaligen Torwächterhaus beim Unteren Tor in Mindelheim erinnert daran, gibt allerdings den Namen des Schützen nicht korrekt an. Grabmal im Augsburger Dom hochkant|miniatur|Bischofsgrabmal im Dom zu Augsburg Beigesetzt wurde er in der Agneskapelle (heute Liebfrauenkapelle) des Augsburger Domes, in der die Randeck und Hochschlitz ihr Familienbegräbnis hatten. Seine erhaltene Grabplatte aus Rotmarmor befindet sich nach der Umgestaltung von 1995 heute im nördlichen Querschiff. Unter dem Bildnis Walters im Bischofsornat mit beigegebenem Pedum ist links das Wappen des Bistums Augsburg, rechts das Familienwappen der Hochschlitz von Pfauhausen dargestellt. Die Umschrift in ausgegründeten Minuskeln weist auf seine Herkunft „de valle kirchain“ hin, also aus dem Kirchheimer Tal, einem Teil der teckischen Herrschaft, in dem die Stammburg der Hochschlitz stand.
Weblinks
Einzelnachweise
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