Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben P beginnende Phrasen.
150px|ohne|rahmenlos|Initiale P
Pabulum Pabulum Acherontis „Futter für den Acheron“
Variante zu „Acherontis pabulum“.
Pace/Pacem Pace …Pace tua pace …: „in friedlicher Absicht gegenüber …“ – zur Ankündigung, dass man in der Sache gegen den anschließend Benannten, aber nicht gegen dessen Person argumentieren will. davon abgeleitet: pace tua – „mit deiner Erlaubnis“
Pace facta „nach dem Friedensschluss“
Pacem te poscimus omnes. „Um Frieden bitten wir alle dich.“
Ein Halbvers aus der Aeneis des Vergil. Er lautet vollständig (11,362): „Nulla salus bello, pacem te poscimus omnes“ („Unheil nur kommt vom Krieg, um Frieden bitten wir alle dich“).
Pacem volo, bellum paro. „Den Frieden will ich, daher rüste ich zum Krieg.“
Siehe auch Si vis pacem para bellum.
Pacta Pacta sunt servanda „Verträge sind einzuhalten.“
Paete
Paete, non dolet. „Paetus, es tut nicht weh.“ – Plinius der Jüngere, Epistulae 3,16,6.
Arria die Ältere, Frau des römischen Politikers Aulus Caecina Paetus, soll mit diesen Worten ihrem Mann den Dolch, den sie sich in die Brust gestoßen hatte, zum gemeinsamen Suizid gereicht haben.
Siehe auch Vulnus quod feci, non dolet.
Pallas Tuta sub aegide Pallas. „Geschützt ist Pallas hinter ihrem Aigis-Schild.“ – In Anlehnung an Ovid, Metamorphosen 5,46, wo die kriegerische Pallas Athene ihren Bruder Perseus beschützt.
Signet des niederländischen Verlags Brill, Leiden, mit Allegorie der Pallas Athene als Beschirmerin der Wissenschaft und Kunst sowie des Hermes als Schutzherr des Handels.
Pallida Pallida mors aequo pulsat pede pauperum tabernas regumque turres. „Der bleiche Tod klopft mit gleichem Fuß an die Hütten der Armen und die Paläste der Reichen.“ – Horaz, Carmina 1,4,13f.
Entspricht in etwa dem deutschen Sprichwort „Arm oder reich, der Tod macht alle gleich.“
Palma/Palmam
Palma sub pondere crescit. „Die Palme wächst unter der Last.“
Das Dictum geht zurück auf Gellius, der in den Noctes Atticae (3,6) unter Berufung auf Aristoteles (Problemata B. 7) und Plutarch (Symposiaka B. 8) schreibt:
„Wenn man auf das Holz des Palmbaums große Gewichte legt und ihn so sehr beschwert, dass er der großen Last nicht standhalten kann, dann weicht die Palme nicht nach unten aus und wird auch nicht gebogen, sondern steht gegen die Belastung wieder auf und richtet sich ungekrümmt empor.“
Der Spruch ist als Wappendevise mehrmals nachgewiesen, zum Beispiel für das Fürstentum Waldeck-Pyrmont.
Palmam, qui meruit, ferat. „Die Siegespalme erhalte, wer sie verdient hat!“ – Inschrift auf dem Grab Lord Horatio Nelsons und Motto der University of Southern California.
Pane/Panem/Panis Pane egeo iam mellitis potiore placentis. „Brot ist mir jetzt lieber als honigsüße Kuchen.“ – Horaz, Epistulae 1,10,11.
Panem et circenses „Brot und Zirkusspiele“
Der Ausdruck stammt vom römischen Dichter Juvenal, der in einer SatireJuvenal: Saturae 10, 81 das römische Volk kritisiert, das die Macht an den Kaiser verloren habe und sich nur noch diese beiden Dinge wünsche: „Brot und Spiele“.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie. „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ – Bitte aus dem Vaterunser, die auch unter „Panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie“ bekannt ist (Evangelium nach Matthäus , ).
Panis sine fermento „ungesäuertes Brot“
Ungesäuertes Brot wird gebacken, noch bevor die Sauerteiggärung beginnt. Matzen sind die koscheren, flachen, ungesäuerten Brotfladen der jüdischen Küche, die in der Pessach-Woche zur Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten verspeist werden.
Pange Pange lingua „Besinge, Zunge“
Anfangsworte einer Hymne des Venantius Fortunatus. Sie wird vor allem zur Feier des Fronleichnamsfestes und am Gründonnerstag gesungen. Die erste Strophe lautet auf Lateinisch und in einer Nachdichtung so: Thomas von Aquin, 1263/64: Pange, lingua, gloriosi Corporis mysterium, Sanguinisque pretiosi, quem in mundi pretium fructus ventris generosi Rex effudit Gentium. Heinrich Bone, 1847: Preise, Zunge, das Geheimnis dieses Leibs voll Herrlichkeit und des unschätzbaren Blutes, das, zum Heil der Welt geweiht, Jesus Christus hat vergossen, Herr der Völker aller Zeit.
Par/Pari Par et impar „gleich und ungleich“
Par nobile fratrum „ein edles Brüderpaar“ – Horaz, Sermones 2,3,243
Horaz nennt ironisch die Söhne des Quintus Arrius wegen ihrer gemeinsamen Nichtnutzigkeit, Albernheit und bösen Gelüste geradezu ein Zwillingspaar („nequitia et nugis pravorum et amore gemellum“).
Par pari respondere/referre „Gleiches mit Gleichem vergelten“
Cicero verwendet allerdings den Singular par pari respondere nur im Sinn von „bar zahlen“.
Auch im Plural als „paria paribus“ überliefert.
Pari passu „in gleichem Schritt“ – in gemeinsamer, simultaner Bewegung
Parce/Parcere Parce mihi Domine, quia Dalmata sum. „Sei mir gnädig, Gott, weil ich Dalmatiner bin.“ – Kirchenvater Hieronymus.
Parce, pater, virgis, nolo componere versus. „Schone die Ruten, Vater, ich will keine Verse mehr dichten!“
Dies ironischerweise in Versform als Hexameter. Auch in der Version „Parce, pater, virgis: iam numquam carmina dicam“ überliefert.
Vergleiche das folgende Ovid-Zitat Parce, puer …
mini|Peter Paul Rubens: Der Sturz des Phaethon Parce, puer, stimulis et fortius utere loris. „Sei zurückhaltend mit dem Treibstachel, Knabe, und benutze mehr die Zügel!“ – Ovid, Metamorphosen 2,127.
In dieser Verwandlungssage wird erzählt, wie der Sonnengott Phoebus seinen Sohn Phaeton davor warnt, die Pferde, die den Sonnenwagen ziehen, zu schnell laufen zu lassen. Doch Phaethon hält sich nicht daran, das Viergespann rast los und gerät außer Kontrolle. Phaethon verlässt die tägliche Fahrstrecke zwischen Himmel und Erde und löst eine Katastrophe aus.
Parcere subiectis et debellare superbos „Unterworfene schonen und Hochmütige niederschlagen“ – Vergil, Aeneis 6,853
Das Selbstverständnis des augusteischen Roms, von Vergil dichterisch dem Anchises als Prophezeiung an seinen Sohn Aeneas in den Mund geleg.
Pares/Paria Pares cum paribus facillime congregantur. „Gleich und Gleich gesellt sich sehr leicht.“
Heute eher als „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ bekannt.
Paria paribus „Gleiches mit Gleichem“ – Siehe auch Par pari respondere.
Pars Pars pro toto „Ein Teil für das Ganze“
Rhetorischer Tropus. Beispielsweise steht in „pro Kopf“ das Wort Kopf für den ganzen Menschen.
Parturient Parturient montes, nascetur ridiculus mus. „Kreißen werden die Berge, geboren werden wird eine lächerliche Maus.“ – Horaz, Ars Poetica 139.
Etwas freiere Übersetzung: „Es kreißen die Berge, geboren wird eine lächerliche Maus.“ Das beruht auf einer bekannten alternativen Lesart mit Präsens statt Futur im ersten Teilsatz: „Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus.“Beispiel: Ars poetica 139 in der lateinischen Wikisource (verwendet H. A. Dalton, Select Epodes And Ars Poetica of Horace, London 1884, vergleiche Digitalisat in Wikimedia Commons, Beginn von [ S. 25]). („Es kreißen die Berge, geboren werden wird eine lächerliche Maus.“) Schon Hieronymus zitierte die Stelle in dieser Variante.Hieronymus, Adversus Iovinianum 1,3,238, vergleiche Adversus Iovinianum (Hieronymus) in der lateinischen Wikisource (J. P. Migne, 1845 Corpus Corporum der Universität Zürich).
Sinn: Etwas, das mit großem Aufwand vorbereitet oder großspurig angekündigt wurde, hat wenig Effekt oder ist völlig unspektakulär.
Im Deutschen häufig verkürzt oder variiert, zum Beispiel als „der kreißende Berg gebiert eine Maus“ oder es wird nur der erste Teil erwähnt im Vertrauen darauf, dass der zweite Teil gedanklich ergänzt wird („Die Berge kreißten …“).
Hat seinen Ursprung in einer Fabel des Äsop, siehe dazu ausführlicher ().
Parva/Parvum Parva sub ingenti „die Kleine unter dem Riesen“
Wappenspruch der kanadischen Provinz Prince Edward Island, der sowohl flächenmäßig als auch von der Einwohnerzahl her kleinsten Provinz Kanadas.
Parvum addas parvo, magnus acervus erit. „Kleines gib zu Kleinem und es wird ein großer Haufen sein.“
Entspricht dem deutschem Sprichwort „Kleinvieh macht auch Mist“.
Passibus Passibus ut tacitis haec transit mobilis umbra, sic transit quidquid maximus orbis habet. „Wie der bewegliche Schatten dies mit schweigenden Schritten durchläuft, so durchläuft er alles, was der riesige Erdkreis umfasst.“
Passim passim „überall, da und dort“
Fachterminus, der in wissenschaftlichen Texten anstelle von konkreten Seitenangaben gebraucht wird, wenn keine konkrete Zeile oder kein bestimmter Absatz zum Sachverhalt angegeben werden kann, sondern der Sachverhalt sich durch den gesamten Text oder ein großes Textstück zieht.
Pater/Patres Pater familias „Familienoberhaupt“ – nach römischem Recht der „ranghöchste“, meist der älteste Mann im Haushalt.
Pater historiae „Vater der Geschichtsschreibung“ – Titel des griechischen Geschichtsschreibers Herodot.
mini|hochkant|„Pater noster“, naiv bebilderter Wandschmuck (vor 1900) Pater noster „Vater unser“ – das bekannteste Gebet des Christentums
Der Anfang lautet: „Pater noster, qui es in caelis“: „Vater unser, der du bist im Himmel“.
Davon leitet sich indirekt die Bezeichnung Paternosteraufzug für einen bestimmten Typ eines Personenaufzugs ab.
Pater patriae „Vater des Vaterlands“
Erstmals vom Senat dem Konsul Marcus Tullius Cicero für seinen Anteil an der Unterdrückung der Verschwörung des Catilina verliehener Ehrentitel.
Pater, peccavi. „Vater, ich habe gesündigt.“ – Aus der Rede des verlorenen Sohnes bei der Rückkehr ins Vaterhaus.
Der ganze Satz (, ) lautet: „Pater, peccavi in caelum et coram te“ („Vater, ich habe gesündigt, gegen den Himmel und vor dir“).
Pater semper incertus est. „Der Vater ist immer ungewiss.“
Rechtssprichwort im Gegensatz zu „Mater semper certa est“ („Die Mutter ist immer sicher“).
Um einer solchen Rechtsunsicherheit vorzubeugen, heißt es: „pater est, quem nuptiae demonstrant“ („Vater ist, wen die Verheiratung bezeichnet“).
Patres conscripti „Väter [und] Beigeordnete“ – Anrede an die versammelten Senatoren in Rom
Die patres waren die Angehörigen der alten Patrizierfamilien, nach größeren Ausrottungen in den Ständekämpfen wurde der Senat für weitere Kreise, die conscripti, geöffnet.
Patet Patet omnibus (veritas) „(Die Wahrheit) ist allen zugänglich.“
Patior Patior, ut potiar „Ich leide, um zu herrschen.“
Patria/Patriae Patria est, ubicumque est bene. Das Vaterland ist, wo immer es einem gut geht. – Cicero, Tusculanae disputationes 5,108
Bei Cicero ist das Dictum als Zitat aus der Tragödie Teucros des Marcus Pacuvius angeführt. Es hat seinen Ursprung im Werk Der Reichtum des griechischen Dichters Aristophanes und geht zurück auf die griechische Form ().
Verkürzt: Ubi bene, ibi patria.
Patriae inserviendo consumor. „Beim Dienst für das Vaterland zehre ich mich auf.“
Ein Motto, das sich bis in die Barockzeit zurückverfolgen lässt. Auch von Otto von Bismarck in Briefen als persönliches Motto verwendet.
Variante von „Aliis inserviendo consumor.“ („Im Dienst für Andere verzehre ich mich.“)
Patriae fumus igne alieno luculentior. „Der Rauch des Vaterlandes ist leuchtender als fremdes Feuer.“
Mittellateinisches Sprichwort, zum Beispiel bei Erasmus, Adagia 1,2,16 (häufige Variante mit igni statt igne).
Patrimonium Patrimonium pauperum „das Vermögen der Armen“ – im Mittelalter Bezeichnung für das Kirchenvermögen
Paupertas Paupertas meretrix est. „Die Armut ist eine Hure.“
Der Satz wurde von den Humanisten als Sprichwort zitiert. Der Konsistorialsekretär Andreas Joseph Nunn nahm ihn 1805 ebenfalls auf und ergänzte ihn zu einem Distichon:Andreas Joseph Nunn, Reine Liebe im Kampfe mit Luxus und Sittenverfall. Prag, 1805, S. 63.
Paupertas meretrix, verum est opulentia leno. Allicit illa malos, inquinat ista bonos. Armut ist eine Dirne, aber Luxus dagegen ein Kuppler. Verführt jene die Schlechten, zieht dieser die Guten in den Schmutz.