mini|FAZ-Tower, Pariser Straße 1, Frankfurt am Main mini|Ehemaliges Redaktionsgebäude, Hellerhofstr. 9, Frankfurt am Main im Gallusviertel mini|Ehemaliges Verlagsgebäude, Hellerhofstr. 2–4, Frankfurt am Main
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Eigenschreibweise Frankfurter Allgemeine. Zeitung für Deutschland; kurz F.A.Z. oder FAZ) ist eine deutsche überregionale Abonnement-Tageszeitung. Sie wird von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH verlegt, die sich zu 93,7 Prozent im Besitz der Fazit-Stiftung (gemeinnützige GmbH) befindet. Die weiteren Anteile werden von den Herausgebern gehalten, die auch die Linie der Zeitung bestimmen. Die Zeitung erscheint im Nordischen Format. Die FAZ wird zu den Leitmedien im deutschsprachigen Raum gezählt.
Profil Die FAZ gilt allgemein als bürgerlich-konservatives Medium.. Der Biograf der Zeitung, der Historiker Peter Hoeres wies 2019 in seiner Darstellung der Geschichte der FAZ aber auf das traditionell breite Meinungsspektrum innerhalb der Redaktion hin: „Eine homogen konservative Zeitung ist sie […] zu keinem Zeitpunkt gewesen. Vielmehr brach sie von Beginn an mit der deutschen Staatsfixierung und Kartelltradition im Wirtschaftsleben, sie schloss sich politisch bald vorbehaltlos dem Westen an und öffnete sich auch mit Nachdruck der westlichen kulturellen Moderne. Sie beherbergte seit den sechziger Jahren auch dezidiert linke oder sich links gerierende Journalisten.“ 95 Prozent der interviewten Mitarbeiter hätten inhaltlich übereinstimmend gesagt: „Ja, die Zeitung ist konservativ, aber ich bin es nicht.“
Laut einer Untersuchung von Literaturkritik.at erschienen im Jahr 2014 in der FAZ 447 Belletristik-Rezensionen mit einer Länge von über 500 Wörtern, was ihren Sonderstatus als „Flaggschiff des deutschen Rezensionsfeuilletons“ bestätige, das trotz eines Rückgangs in den vorangegangenen Jahren „noch immer mit Abstand die meisten Besprechungstexte überhaupt veröffentlicht“.
Mit über 90 In- und Auslandskorrespondenten, die exklusiv für die FAZ berichten, ist das Korrespondentennetz der Zeitung eines der größten der Welt. In Metropolen gibt es mehrere spezialisierte Auslandskorrespondenten für Politik, Wirtschaft und Feuilleton, so in Brüssel (4), London (4), Madrid (2), Moskau (2), New York (3), Paris (2), Peking (2), Rom (2), Washington (2), Wien (2). Im Inland unterhält die FAZ (neben der Redaktion der Rhein-Main-Zeitung) Redaktionsbüros in Berlin, Bonn, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Kassel, Leipzig, München, Stuttgart und Wiesbaden.
Auflage Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Sie beträgt gegenwärtig Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei %.
Geschichte mini|Faksimile Frankfurter Allgemeine, vom 1. November 1949 mini|Konrad Adenauer liest die FAZ-Ausgabe vom 7. August 1961 Die Gründung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Jahr 1949 geht auf einen Beschluss der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947 (WiPoG) zurück, eines zwei Jahre zuvor gegründeten Vereins von Unternehmern, die ihre Interessen in der Öffentlichkeit stärker vertreten sehen wollten.Katharina Heimeier: Eigentümerstrukturen deutscher Zeitungsverlage. De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-030156-4, S. 197. Gründungsherausgeber der FAZ waren Hans Baumgarten, Erich Dombrowski, Karl Korn, Paul Sethe und Erich Welter. Einige Redakteure der FAZ arbeiteten zuvor schon bei der 1943 verbotenen Frankfurter Zeitung und bei der Allgemeinen Zeitung in Mainz.Frank Schmidt-Wyk: In: Allgemeine Zeitung Mainz. vom 28. Juli 2010. Die erste Ausgabe der Zeitung erschien am 1. November 1949. Auf der Titelseite dieser Ausgabe hieß es unter der Überschrift „Zeitung für Deutschland“: „Unsere Leser haben heute die erste Nummer der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ vor sich. Dieses Blatt setzt die journalistische Arbeit fort, die in Mainz mit der ‚Allgemeinen Zeitung‘ begonnen worden ist. Aber es knüpft zugleich den Anfang zu einem neuen Werk.“
Gestalterin des Schriftzuges der Frankfurter Allgemeinen, bis heute typografisch unverändert das Markenzeichen der Zeitung, war die Gebrauchsgrafikerin und Schriftzeichnerin Regina May, die 1950 bis 1975 als Modeillustratorin FAZ-Mitarbeiterin war.
Laut eigener Darstellung sieht sich die Zeitung nicht als direkte Nachfolgerin der Frankfurter Zeitung. So konnte man in der ersten Ausgabe lesen: „Aus der Tatsache, dass einige unserer Mitarbeiter früher der Redaktion der ‚Frankfurter Zeitung‘ angehört haben, ist vielfach geschlossen worden, hier werde der Versuch gemacht, die Nachfolgeschaft dieses Blattes anzutreten. Eine solche Annahme verkennt unsere Absichten. Wie jeder, so haben auch wir die hohen Qualitäten dieses Blattes bewundert […] Aber der Respekt vor einer hervorragenden Leistung bedeutet noch nicht den Wunsch, sie zu kopieren.“Rüdiger Dohrendorf: Zum publizistischen Profil der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Lang, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-631-43179-1, S. 9. Der Titel Frankfurter Zeitung wurde jedoch von der FAZ für sich markenrechtlich geschützt. Jahre später wurde die Marke Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland geschützt.
Bis zum 30. September 1950 wurde die FAZ in Mainz gedruckt. Eine erste Anfrage, die FAZ in der von der Frankfurter Rundschau gepachteten Societäts-Druckerei herstellen zu lassen, gab es 1949, doch lehnte der in seine Rechte als Miteigentümer der Druckerei und der Frankfurter Zeitung wiedereingesetzte Kurt Simon dies mit der Begründung ab, die Herausgeber Erich Welter und Paul Sethe seien im Sinne nationalsozialistischer Zielsetzung zu stark engagiert gewesen. Später konnte man sich doch noch einigen und ab Herbst 1950 wurde die FAZ in der Societäts-Druckerei gedruckt. Im Jahr 1987 wurde in der Hellerhofstraße ein neues Redaktionsgebäude fertiggestellt, das der Frankfurter Architekt Artur Walter geplant hatte.Matthias Alexander: Nun ist es still auf den weiten Fluren. Der Neubau an der Hellerhofstraße war der F.A.Z.-Redaktion vor 35 Jahren auf den Leib geschnitten worden. Er stand auch für den Aufbruch in eine neue Ära der Frankfurter Stadtgeschichte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Dezember 2022, S. 9. 1989 übernahm die Fazit-Stiftung die Mehrheit der Societäts-Druckerei.Astrid von Pufendorf: Otto Klepper (1888–1957). Deutscher Patriot und Weltbürger. Oldenbourg Verlag, München 1997, S. 261 und 279.
Neben integren Verlagsgründern und leitenden Mitarbeitern waren die 1950er Jahre auch durch einige NS-belastete leitende Mitarbeiter geprägt. So traten die Verlagsmanager Viktor Muckel, ehemaliger NS-Gauamtsleiter in Düsseldorf und Erwin Finkenzeller, im Zweiten Weltkrieg Propagandist der SS-Standarte Kurt Eggers, in die Führungsebene der FAZ ein. Während Finkenzeller für das Anzeigengeschäft zuständig war, übernahm Muckel die Bereiche Vertrieb und Werbung, zunächst als „selbständiger Verlagsberater“, dann als einer der Verlagsdirektoren. Von ihm stammt der bis heute gängige FAZ-Werbeslogan „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“.Friedemann Siering: Zeitung für Deutschland. Die Gründergeneration der Frankfurter Allgemeinen. In: Lutz Hachmeister, Friedemann Siering (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. München 2002, S. 35–86, hier S. 53–56.
Die Macher der FAZ (und viele Leser) wehrten sich lange Zeit gegen eine Überarbeitung des eher schlichten, ruhigen Erscheinungsbildes. Titelbilder in der FAZ blieben traditionell die Ausnahme und die Einführung farbiger Informationsgrafiken und Fotografien wurde kontrovers diskutiert. Seit dem 5. Oktober 2007 erscheint die Zeitung in einer optisch überarbeiteten, moderneren Aufmachung: Dabei entfielen unter anderem die Fraktur-Überschriften über den Kommentaren sowie die Linien zwischen den einzelnen Spalten. Die erste Seite erhielt ein farbiges Titelbild, wie auch die Abbildungen im Innenteil der Zeitung nach Möglichkeit farbig gehalten sind. Kästen mit zunehmend kürzeren Erläuterungen zu einzelnen Stichwörtern werden häufiger eingesetzt. Damit reagierte das Herausgebergremium auf anhaltende Auflagenverluste.
Seit dem 20. April 2011 ist die FAZ auch als ePaper auf dem iPad verfügbar, seit Januar 2016 gibt es zudem eine digital angepasste sowie multimedial ergänzte Ausgabe der Zeitung.
Wirtschaftliche Entwicklung Im Geschäftsjahr 2012 machte die Verlagsgesellschaft durch den weiteren Rückgang der Anzeigenerlöse einen Verlust von 4,3 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr durch den Verkauf von Vermögen noch ein Ertrag von 19,3 Millionen Euro erwirtschaftet worden war. 2013 stieg das Defizit weiter an, auch der Umsatz ging zurück. Zum Ausgleich wurde Anfang 2014 die Seitenzahl der Zeitung reduziert, damit verbunden waren Personaleinsparungen in der Redaktion. 2014 kündigte die FAZ an, bis 2017 jährlich 20 Millionen Euro einzusparen und bis zu 200 von 900 Stellen zu streichen. Seit 2015 kann die FAZ durch gesunkene Kosten und stabile Anzeigenerlöse wieder positive Ergebnisse vorweisen.
Die FAZ verkaufte im Zuge der Konzentration auf die Kernkompetenz im September 2005 ihre Buchverlage Kösel-Verlag und Deutsche Verlags-Anstalt mit dem Manesse Verlag an die Verlagsgruppe Random House. 2006 stieß die FAZ Buch- und Zeitschriftenverlag auch den Kunstbuchverlag Prestel ab. Nach wie vor erscheinen FAZ-Bücher im so genannten FAZ-Institut.
Im Jahr 2021 wurde bekanntgegeben, dass ein Test der Samstagszustellung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aufgrund der sinkenden Zahl von Verkaufsstellen sowie Problemen bei der Sonntagszustellung laut eigenen Angaben erfolgreich war, die Umsetzung der bundesweiten Zustellung am Samstag wurde im 2. Quartal 2022 vollständig abgeschlossen. Die Samstagsausgabe der FAZ ist davon unberührt. Infolgedessen gibt es seither zwei Zeitungsausgaben von demselben Verlag an diesem Tag.
Ende 2022 zogen Redaktion, Herausgeber und Geschäftsführung in den neu errichteten FAZ-Tower an der Pariser Straße im Europaviertel.
Gesellschaftliche Wirkung Die FAZ spielt in vielen gesellschaftspolitischen Diskussionen eine meinungsbildende Rolle und/oder löste sie häufig aus. Sie wird von Journalisten als eines der deutschsprachigen Leitmedien eingestuft. So veröffentlichte sie etwa wesentliche Debattenbeiträge des Historikerstreits der 1980er Jahre, unter anderem von Ernst Nolte und Michael Stürmer, zuerst. Frank Schirrmacher (1959–2014), Mitherausgeber seit 1994, stieß 2002 die Debatte über Martin Walsers Roman Tod eines Kritikers an, als er den – gewissermaßen traditionellen – Vorabdruck des neuen Walser-Romans verweigerte und in einem offenen Brief ausführlich begründete, was der Rezension eines noch nicht veröffentlichten Buchs gleichkam. Mit seinem 2004 erschienenen Buch Das Methusalem-Komplott und einer Reihe von Artikeln beteiligte sich Schirrmacher an der Diskussion über die Überalterung der deutschen Gesellschaft (siehe auch Demografie Deutschlands) und die damit einhergehenden sozialen, wirtschaftlichen, politischen und städtebaulichen Folgen. 2006 erregte ein Interview größeres Aufsehen, das Günter Grass der FAZ bereitwillig gegeben hatte und in dem er kurz vor der Veröffentlichung seiner Memoiren Beim Häuten der Zwiebel erstmals öffentlich von seiner Waffen-SS-Mitgliedschaft berichtete.