Die Insel Föhr (nordfriesisch Feer, dänisch Før) gehört zu den Nordfriesischen Inseln und zum Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Föhr ist die größte und bevölkerungsreichste deutsche Insel ohne Straßen- oder Bahnverbindung zum Festland.

Der Name Föhr und das friesische Pendant Feer sind vielfältig interpretiert worden. Die aktuelle etymologische Forschung geht davon aus, dass der Name Föhr einen maritimen Hintergrund hat. Eine weitere Deutung bezieht sich auf friesisch feer „unfruchtbar“.Margot und Nico Hansen (Hrsg.): Föhr. Geschichte und Gestalt einer Insel. Hansen & Hansen, Münsterdorf 1971, S. 25.

Geografie mini|hochkant=1.3|Gemeindekarte der Insel Föhr

Föhr liegt südöstlich von Sylt, östlich von Amrum und nördlich der Halligen. Sie ist die fünftgrößte deutsche Insel und zweitgrößte deutsche Nordseeinsel. Unter den deutschen Inseln ohne Straßen- oder Bahnverbindung zum Festland ist Föhr die flächenmäßig größte Insel mit der höchsten Bevölkerungszahl.

Föhr wird „die grüne Insel“ genannt, da sie durch ihre Lage im Windschatten von Amrum und Sylt vor den stürmischen Einflüssen der Nordsee relativ geschützt ist und sich daher die Vegetation gut entwickeln kann. Sie ist in Nord-Süd-Richtung bis zu 8,5 Kilometer breit und in Ost-West-Richtung 12,5 Kilometer lang Website des Amtes Föhr-Amrum; abgerufen am 14. Mai 2013. und hat eine Fläche von 82,82 Quadratkilometern. Der Norden der Insel besteht aus Marschland, im Süden Föhrs befinden sich die Boowentaarpen und die höher gelegene Geest. Die höchste Erhebung liegt 13,2 Meter über Normalnull auf dem Geestrücken zwischen Nieblum und Midlum.Margot und Nico Hansen (Hrsg.): Föhr. Geschichte und Gestalt einer Insel. Hansen & Hansen, Münsterdorf 1971, S. 25. Die Geest macht etwa zwei Fünftel der Gesamtfläche aus. Die meisten Ortschaften liegen dort. In der Marsch befinden sich zahlreiche Aussiedlerhöfe.

Bis zur ersten Groten Mandränke 1362 war Föhr noch keine Insel, sondern Teil des Festlands. Mit der Nordsee war es durch tiefe Ströme verbunden. Südlich von Föhr verläuft heute die Norderaue; das Amrumtief liegt westlich, die Föhrer Ley östlich Föhrs.

Föhr ist, wie auch die benachbarten Inseln, ein beliebtes Urlaubsziel. Vom Fährhafen Wyk zieht sich am Südrand bis etwa zur Mitte der Westküste ein 15 Kilometer langer Sandstrand. Nördlich und nordwestlich der Insel befindet sich die Schutzzone I des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Föhr gehört zum Kreis Nordfriesland und hat 8.321 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020). Im Südosten der Insel liegt als einzige Stadt der Hauptort Wyk (Fering: bi a Wik), der ein staatlich anerkanntes Nordseeheilbad ist. Die 16 Inseldörfer verteilen sich auf elf Gemeinden. Wyk und alle Föhrer Gemeinden gehören zum Amt Föhr-Amrum.

Gemeinde friesisch Flächekm² Bevölkerung31. Dez. 2017Statistikamt Nord, Tabelle 1_1, S. 5 ff.; abgerufen am 12. Februar 2019 Bevölkerung31. Dez. 2020Kreis Nordfriesland (PDF) abgerufen am 15. August 2021 Lage Ortsteile(eingemeindet) Alkersum Aalkersem 9,07 392 397 zentral   Borgsum Borigsem 5,51 350 331 Südwest   Dunsum Dunsem 2,72 72 67 Nordwest Groß-Dunsum, Klein-Dunsum Midlum Madlem 8,50 443 440 Nord   Nordseebad Nieblum Njiblem 7,86 582 592 Süd Goting (Guating) (31. Dezember 1969), Greveling Oevenum Ööwnem 10,90 439 465 Nordost   Oldsum Olersem 13,30 507 510 Nord Toftum (Taftem) (28. Februar 1970), Klintum (Klantem) Süderende Söleraanj 2,59 182 184 West 1864 aus Oldsum ausgegliedert Nordseebad Utersum Ödersem 5,26 407 406 West Hedehusum (Hedehüsem) (31. Dezember 1969) Witsum Wiisem 1,59 49 47 Südwest   Wrixum Wraksem 7,55 643 602 Ost   Wyk auf Föhr Wik 8,00 4174 4280 Südost Boldixum (Bualigsem) (27. März 1924), Südstrand Föhr (Insel) Feer 82,82 8248 8321    

Klima Auf Föhr herrscht ein atlantisches, vom Golfstrom beeinflusstes Seeklima. Die Wintermonate sind gegenüber dem nordfriesischen Festland um durchschnittlich zwei Grad wärmer, die Sommermonate mit im Schnitt 17 Grad etwas kühler als auf dem Festland. Die Durchschnittstemperaturen im August betragen zwischen 14° und 19 °C, im Januar und Februar zwischen −1° und 3 °C. Föhr hat rund 4,6 Sonnenstunden pro Tag. Monatlich gibt es im Mittel zehn Regentage.Klima von Wyk auf Föhr bei klima.org, abgerufen am 22. August 2014 Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt bei etwa 800 Millimetern. (PDF; 17 MB, Seite 12) abgerufen am 22. August 2014

Auf Föhr herrscht aufgrund der salzhaltigen Luft und der relativ starken Winde Reizklima. Im Jahresschnitt kam Föhr (Datenbasis: 08/2014–07/2019) auf 1.565 Sonnenscheinstunden pro Jahr.Quelle: wetterdienst.de/Deutschlandwetter/Wyk_auf_Foehr/Klima (Datenbasis: 08/2014–07/2019) inː Föhr Tourismus GmbH / Wyk auf Föhr Touristik GmbHː Presseinformation - Klimadaten Insel Föhr, S. 4.

Sturmfluten Seit dem 17. Jahrhundert hat Föhr mehrere gefährliche Sturmfluten erlebt. Die schlimmsten Fluten fanden in Jahren 1634 (Burchardiflut), 1717 (Weihnachtsflut), 1825 (Februarflut), 1962 und 1981 (Novemberflut) statt.Stadt Wyk auf Föhr: Mandränken, Sturmfluten und Hochwasser, abgerufen am 7. April 2023.

Anstieg des Meeresspiegels Etwa drei Viertel der Insel liegen unter dem Meeresspiegel.Der Nordschleswiger: Anstieg des Meeresspiegels: Was von Föhr und Amrum bleiben würde, 9. Januar 2022, abgerufen am 7. April 2023. Wyk auf Föhr liegt nur etwa 4 Meter über Normalhöhennull. Dadurch ist die Insel vom weltweiten Anstieg des Meeresspiegels infolge der globalen Erwärmung langfristig bedroht.Britt-Marie Lakämper, Berliner Morgenpost: Klimawandel: Diese deutschen Städte werden im Meer versinken, 14. Oktober 2021, abgerufen am 7. April 2023. Bisher war kein signifikanter Anstieg des Wasserstands zu erkennen; erwartet wird er ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Das Land Niedersachsen geht davon aus, dass der Meeresspiegel im Nordseebereich laut dem IPCC-Bericht des Weltklimarats von 2019 bis zum Jahr 2100 um 60 bis 110 cm steigen wird.Niedersächsische Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels 2021 des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (pdf, 11,5 MB)

Geschichte mini|Bronzezeitliches Steingrab in Goting mini|hochkant=1.3|Karte von Friedrich von Warnstedt (1823) mini|hochkant=1.3|Historische Karte von Föhr,mit Westerland und Osterland

Bis zum Mittelalter Die höhergelegenen Geestkerne der nordfriesischen Inseln inmitten weiter Marschflächen lockten Menschen an, als zu Beginn der Jungsteinzeit der Wasserspiegel der Nordsee stieg. Auch auf Föhr zeugen Steingräber, z. B. zwischen Goting und Nieblum, und zahlreiche Kleinfunde davon. In Wyk gibt es Besiedlungsspuren aus dem zweiten bis fünften Jahrhundert nach Christus.Peter Schulze: Wyk war schon sehr früh besiedelt Insel-Bote, 4. August 2016; abgerufen am 5. August 2016

Im 6. und frühen 7. Jahrhundert war Föhr fast menschenleer, da die Einwohner im Zuge der Völkerwanderung der Angeln, Jüten und Sachsen ihre Heimat verlassen hatten und nach Britannien ausgewandert waren.Schautafel im Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseum Wyk auf Föhr Als die Friesen im 7. Jahrhundert das heutige Nordfriesland besiedelten, befanden sich archäologischen Funden zufolge ihre ersten Niederlassungen auf Föhr. Die Insel hatte eine nordische Bevölkerung, erlebte durch die zuziehenden Friesen nun aber einen schnellen Bevölkerungszuwachs. Die recht große Anzahl skandinavischer Schmuckteile in Gräbern verraten, dass gleichzeitig enge Beziehungen zu Nordeuropa bestanden.Albert Bantelmann: Landschaft und Besiedlung Nordfrieslands in vorgeschichtlicher Zeit. In: Geschichte Nordfriesland. Boyens, Heide 1995, S. 15–56, S. 46. ISBN 3-8042-0759-6 Aus der Wikingerzeit sind mehrere Kreiswälle, darunter die sogenannte Lembecksburg, erhalten.

Das 1231 verfasste Erdbuch des dänischen Königs Waldemar berichtet von zwei Föhrer Harden, Westerharde, zu der Westerland Föhr und Amrum gehörten, und Osterland Föhr. 1368 wechselte die Westerharde unter dem Ritter Klaus Lembeck, Amtmann von Ripen, zu den Holsteiner Grafen über. Im Januar 1400 ergab sich die Harde Königin Margarethe I. und blieb beim Amt Ripen. Bis 1864 war die Westerharde Teil der königlichen Enklaven und dem Königreich Dänemark direkt unterstellt, während Osterland Föhr mit Wyk zum Herzogtum Schleswig gehörte, seit es in den 1420er Jahren vom König abgefallen war. Gemeinsam mit der Wiedingharde, der Bökingharde, Strand und Sylt schloss Osterlandföhr 1426 mit Herzog Heinrich IV. von Schleswig die Siebenhardenbeliebung, die besagte, dass sie ihre Rechtsautonomie behalten durften.

Das Marschland im Norden der Insel wurde 1523Harry Kunz, Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. Bredstedt, Bräist 1997, ISBN 3-88007-251-5 als 22 Hektar großer Föhrer Marschkoog eingedeicht.

Föhr seit der Reformation Von 1526 an wurde die Reformation evangelisch-lutherischer Konfession auf Föhr eingeführt, die 1530 abgeschlossen war.Der Insel-Bote: Neue Lehre fiel auf fruchtbaren Boden, aufgerufen am 6. November 2016.

Mit dem Walfang brach für Föhr ein „goldenes“ Zeitalter an. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die holländischen und englischen Grönlandfahrer meistens mit Inselfriesen bemannt. Auf Föhr entstanden mehrere private Seefahrerschulen, in denen Pastoren und ehemalige Commandeure für geringe Gebühren im Winterhalbjahr Unterricht gaben.Jan I. Faltings: Föhrer Grönlandfahrt im 18. und 19. Jahrhundert. Jens Quedens, Amrum 2011, ISBN 978-3-924422-95-0, S. 19 ff. Ende des 18. Jahrhunderts lebten 1000 Seefahrer, darunter 150 Schiffsführer, auf der Insel. Noch heute sind kostbar ausgestattete Häuser der Commandeure in Nieblum und Süderende zu sehen. Die sogenannten „sprechenden Grabsteine“ auf den Friedhöfen der drei ältesten Föhrer Kirchen berichten ihre Lebensgeschichten. Doch mit dem Rückgang der Walbestände fuhren, wie überall in der Region, immer weniger Männer zur See. Die Bevölkerung wandte sich wieder der Landwirtschaft zu. Der Ort Wyk wurde im Jahr 1706 aus der Harde Osterlandföhr herausgelöst und erhielt den Status eines Fleckens. mini|Strandleben in Wyk auf Föhr, Postkarte (um 1907) Ab 1842, als der dänische König Christian VIII. den Sommer auf Föhr verbrachte, kam die Insel als Kurort in Mode. So besuchte auf Einladung des Königs 1844 Hans Christian Andersen Wyk. Im Sommer 1862 war der Pianist und Komponist Anton Rubinstein auf Föhr, „um ein neues, größeres Werk zu vollenden“. Ebenso weilte der dänische König Friedrich VII. zu dieser Zeit auf der Insel. 1878 wählte der Komponist Johann Strauß Sohn Wyk auf Föhr als Ziel seiner Hochzeitsreise mit seiner zweiten Frau Angelika Dittrich (1850–1919). Das jung vermählte Paar wohnte am Sandwall, von wo aus sich ein weiter Blick auf die Nordsee und auf die Kette der Warften von Hallig Langeness bot. Das Zusammenspiel von Meer, Natur, Wetter und Landschaft inspirierte den Künstler zur Komposition seines Walzers Nordseebilder.

Während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 war der dänische Seeoffizier Otto Christian Hammer in Wyk Befehlshaber einer dänischen Flottille auf den Nordfriesischen Inseln. Es gelang ihm zunächst erfolgreich, überlegene preußisch-österreichische Marineverbände abzuwehren. Im Laufe des Krieges wurde er jedoch in Wyk von dem preußischen Leutnant Ernst von Prittwitz und Gaffron gefangen genommen, dem Wyk auf Föhr daraufhin die Ehrenbürgerwürde verlieh. 1867 wurden nach der Auflösung der Harden die Ämter Westerlandföhr und Osterlandföhr gebildet.