Das Berliner SchlossDie seit Ende der 1950er Jahre häufig verwendete Bezeichnung „Berliner Stadtschloss“ ist historisch unkorrekt, siehe: Berliner Schloss, auf diegeschichteberlins de, abgerufen am 10. Juli 2026. ist ein Profanbau am Schloßplatz in Berlin-Mitte und beherbergt heute u. a. das Ethnologische Museum sowie das Museum für Asiatische Kunst. Es war ursprünglich die Hauptresidenz der Kurfürsten von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern, die 1701 zu preußischen Königen und 1871 zu deutschen Kaisern aufstiegen. Das 1443 auf dem Schloßplatz in der Historischen Mitte von Berlin begonnene Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1950 auf Beschluss der SED gesprengt. Von 2013 bis 2020 wurde das alte Schloss nach einem Beschluss des Deutschen Bundestags äußerlich größtenteils rekonstruiert. Der Neubau dient dem Humboldt Forum als Ausstellungs- und Veranstaltungsort.
Das Schloss wurde im Auftrag Friedrichs I. unter der Leitung von Andreas Schlüter in den Jahren 1698–1713 umgebaut und galt als ein Hauptwerk des europäischen Barocks. Es war ein zentrales und eines der größten Bauwerke Berlins. Als Fluchtpunkt mehrerer Blick- und Straßenachsen prägte es mit seinen Fassaden, seinen Ausmaßen und seiner im 19. Jahrhundert hinzugefügten, 70 Meter hohen Kuppel seit je das Stadtbild. Nach der Ausrufung der Republik im Jahr 1918 wurde das Schloss als Sitz von Behörden, Kunst- und Wissenschaftseinrichtungen wie der Alexander-von-Humboldt-Stiftung genutzt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 teilweise ausgebrannt, wurde es in der DDR 1950–1951 trotz internationaler Proteste gesprengt, um eine Fläche für einen Aufmarschplatz zu gewinnen, der später durch den Palast der Republik an der Spreeseite bebaut wurde.
Nach dem öffentlichen Engagement des Fördervereins Berliner Schloss um den Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien und auf Beschluss des Deutschen Bundestags vom Juli 2002 erfolgte 2008 ein Architekturwettbewerb unter Beteiligung von 85 Arbeiten. Der vom Preisgericht prämierte Entwurf des italienischen Architekten Franco Stella sah den Wiederaufbau des Berliner Schlosses in Form einer originalgetreuen Rekonstruktion der barocken Fassaden, der Kuppel, der wesentlichen Teile des Schlüterhofs und von Teilen des Eosanderhofs vor. Anstelle der spreeseitigen Bauten aus dem Spätmittelalter und der Renaissance traten neue Baukörper in modernen Formen. Die Realisierung des Entwurfs erfolgte von 2013 bis 2020. Dabei wurden historische Spolien des alten Schlosses wieder in die Fassade integriert oder im Innenraum ausgestellt. Die rekonstruierten Elemente wurden fast vollständig durch private Spenden finanziert. Eine spätere Wiederherstellung des Großen Treppenhauses sowie der königlichen Paradekammern mit dem Schweizersaal, dem Rittersaal und der Bildergalerie wurde bewusst ermöglicht.
Das wiederaufgebaute Schloss ist Sitz des Humboldt Forums. Dieses präsentiert Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin (Ethnologisches Museum sowie Museum für Asiatische Kunst), des Stadtmuseums Berlin und der Humboldt-Universität und soll zugleich als lebendige Begegnungsstätte von Menschen und Weltkulturen dienen. Damit knüpft das Humboldt-Forum auch an die Geschichte des Schlosses als Kultur- und Wissenschaftszentrum nach der Revolution von 1918 an. In der Weimarer Republik war das Schloss das meistbesuchte Museum Berlins.Christian Walther: Des Kaisers Nachmieter – Das Berliner Schloss zwischen Revolution und Abriss Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2021, ISBN 978-3-947215-28-7.
Baugeschichte Kurfürstenzeit (1443–1701) Kurfürst Friedrich II., genannt „Eisenzahn“, wählte im Gegensatz zu seinem Vater Friedrich I., bei dem noch die altmärkische Burg Tangermünde sowie Brandenburg als Hauptorte eine Rolle spielten, die Doppelstadt Kölln und Berlin zu seiner Residenz und zum Sitz des Hofes, da sich diese Ansiedlung an der Spree zu einem wirtschaftlichen und teilweise bereits auch politischen Zentrum der Mark Brandenburg entwickelt hatte.Winfried Schich: Anfänge und Ausbau zweier „Hauptstädte“ der mittelalterlichen Mark Brandenburg. In: Wirtschaft und Kulturlandschaft. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8305-0378-1, S. 341–342. Zuvor hatten die brandenburgischen Markgrafen seit Mitte des 13. Jahrhunderts das Hohe Haus in der Klosterstraße für ihre Berliner Aufenthalte benutzt.
Friedrich II. legte am 31. Juli 1443 („wurde der Erste stein gelegt am newen Sloss zu Cöln“)Ulrich Schütte: Das Schloss als Wehranlage – befestigte Schlossbauten der frühen Neuzeit. Artikel: Das Schloß in Berlin, S. 118; Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1994. den Grundstein für den ersten Schlossbau, der 1451 fertiggestellt war. Hierfür musste die Stadt Kölln einen Teil der Spreeinsel vor ihrer Stadtmauer abgeben, wo sich teilweise Garten- und Gewerbegrundstücke befanden. Die neue Burg stand unmittelbar neben der Langen Brücke, einer hölzernen Brücke an Stelle der heutigen Rathausbrücke, einer von zwei Brücken, welche die Städte Berlin und Kölln verband. Zwar verlief der Haupthandelsweg zu den Märkten der Städte über die ca. 300 Meter stromaufwärts gelegene Mühlendammbrücke, doch mussten an der Langen Brücke alle Schiffe anlegen, da sie diese wegen ihrer niedrigen 14 Joche nicht unterqueren konnten. Die Burg konnte somit erforderlichenfalls als Zwingburg an den Lebensadern der Stadt eingesetzt werden. Der Kurfürst setzte sich damit gegen die Proteste der Ratsherren, den Berliner Unwillen, durch; die Doppelstadt büßte infolge ihrer Ablehnung des Schlossbaus politische und ökonomische Freiheiten ein. Wie weit allerdings die Einschränkungen für Kölln und Berlin wirklich gingen, ist umstritten, da alle Informationen hierüber aus einer einzigen Quelle, der etwa 60 Jahre später „in bestem Humanistenstil mit sichtlicher Glorifizierung der patrizischen Autonomie“Hans Rothfels, Theodor Eschenburg (Hrsg.): Berlin in Vergangenheit und Gegenwart. In: Tübinger Studien zur Geschichte und Politik. Ausgaben 13–14. Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1961, S. 318. verfassten Wandalia des Chronisten Albertus Cran(t)zius stammen.Richard Schneider: Das Berliner Schloss. Lukasverlag für Kunst- und Geistesgeschichte Berlin, 2013, ISBN 978-3-86732-164-8, S. 7. Dieses an der Stelle des späteren Schlüterhofes und des Hofes III errichtete erste Schlossbauwerk hatte als kurfürstliche Residenz auch die Funktion einer Wehranlage, von der aus die auf der Spreeinsel kreuzenden Handelswege kontrolliert werden sollten. Das Aussehen des damaligen Schlosses ist unbekannt.
Das Schloss ist in mehreren zeitgenössischen Dokumenten ab 1431 benannt, im Codex diplomaticus Brandenburgensis allein zweimal: Zur Abgabe eines Gebiets in Berlin durch das Kloster Lehnin an den Kurfürsten im Jahr 1431 zum Schlossbau „in unser Stat zu Colen [Kölln] by der Mure gein dem Closter darselbst an der Sprewe [Spree] gelegen dar wir denn Nu unser Nuwe Sloß un wonunge meynen zu buwen […]“LXXI. 1431 „Der Abt von Lehnin tritt dem Churfürsten ein Haus in Berlin ab“. Codex diplomaticus brandenburgensis continuatus. In: Georg Wilhelm von Raumer (Hrsg.): Sammlung ungedruckter Urkunden zur Brandenburgischen Geschichte, Erster Theil. Berlin 1831, S. 213–214. und zur Grundsteinlegung für das Schloss: „Nach gots geburt Tausend virhundert unnd im dreyunndvirczigstenn Jarenn an Sand Peters abennd ad vincula zu vespertzeyt wurd der Erste stein gelegt am newnn Sloß zu Cöln, und tet mein gnediger Herre Marggrave Fridrich kurfürste etc. mit seiner eigenen handt […]“Zitat aus dem Codex diplomaticus brandenburgensis. In: Wolfgang Ribbe: Schloss und Schlossbezirk in der Mitte Berlins: Das Zentrum der Stadt als politischer und gesellschaftlicher Ort. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-8305-0180-0, S. 25.Hansjürgen Vahldiek: Das erste Berliner Schloß, ein Rekonstruktionsversuch. In: Berlin und Cölln im Mittelalter. Books on Demand, Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8448-8699-3, S. 68 ff.
Am 15. Dezember 1451 – anlässlich der Verleihung eines Burglehens – sprach der Kurfürst davon, dass er das Schloss „befestiget“ habe. Der Bau der Jahre 1443–1451 war eine befestigte Burg und Zitadelle gegen die Städte Berlin und Kölln mit wahrscheinlich allen zeittypischen Befestigungsanlagen einer Burg. Vergleichbare ältere Burgen an strategisch bedeutenden Stellen waren die Burg Spandau am Zusammenfluss von Havel und Spree sowie die Burg Köpenick auf einer Insel in der Dahme, unweit von deren Mündung in die Spree.
Beim Schlossneubau ab 1537 wurde das zitadellenartige Berlin-Cöllner Burgschloss geschleift, um auf seinen Grundmauern ein unbefestigtes Wohnschloss zu errichten.Ulrich Schütte: Das Schloss als Wehranlage – befestigte Schlossbauten der frühen Neuzeit; Artikel: Das Schloß in Berlin, S. 121, 124; Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1994. Im Jahr 1465 wurde die Schlossanlage um die bedeutende spätgotische Erasmuskapelle ergänzt. Kurfürst Joachim II. ließ im 16. Jahrhundert die spätmittelalterliche Anlage weitgehend abtragen und an ihrer Stelle einen Renaissancebau nach dem Vorbild des Schlosses in Torgau errichten. Dessen Architekt Konrad Krebs lieferte die Pläne, die sein Schüler Caspar Theiss verwirklichte. Der Neubau wurde mit der ersten Berliner Domkirche verbunden, die fortan als Schlosskirche diente. Sie war durch Umbauten aus einem schlichten Gotteshaus der Berliner Dominikaner hervorgegangen und stand unmittelbar südlich der kurfürstlichen Residenz, ungefähr an der heutigen Einmündung der Breiten Straße in den Schlossplatz.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts veranlasste Kurfürst Johann Georg durch den Hofbaumeister Rochus Graf zu Lynar den Bau des Westflügels und Hofabschluss sowie die nördlich anschließende, 1598 durch die Kurfürstin Katharina gestiftete und 1605 neu eingerichtete Hof-Apotheke, genannt auch „Schloßapotheke“H. G. Schwieger, Gottfried Zöbl: Die alte Apotheke. Hrsg. anlässlich des Deutschen Apothekertages 1954. Verbandstoff-Fabriken Paul Hartmann AG, Heidenheim 1954, S. 54. oder Apotheken-Flügel. Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, ließ das nach dem Dreißigjährigen Krieg ziemlich verfallene Schloss wieder herrichten. In der Spätzeit seiner Herrschaft entstanden bedeutende Innenräume wie die Kugelkammer oder die Braunschweigische Galerie. Letztere wurde in den durch Johann Arnold Nering ausgeführten Galerietrakt an der Spree eingebaut.
Königszeit (1701–1871) Unter Kurfürst Friedrich III. (ab 1701: König Friedrich I. in Preußen) kam es zum Ausbau des Schlosses zur Königsresidenz. Nach Arnold Nering und Martin Grünberg erhielt Andreas Schlüter 1699 die Stelle als Bauleiter am Zeughaus und wurde noch im gleichen Jahr zum Schlossbaumeister ernannt. Schlüter ließ das Schloss zu einem bedeutenden Profanbau des protestantischen Barocks umbauen. Sein Entwurf blieb eher konservativ, wurde vom alten Schloss bestimmt und war stark von Berninis Entwurf für den Louvre beeinflusst.Christian Norberg-Schulz: Barock. In: Pier-Luigi Nervi (Hrsg.): Weltgeschichte der Architektur. DVA, Stuttgart 1985, ISBN 3-421-02830-3, S. 208. Zu der von ihm beabsichtigten Vierflügelanlage kam es nicht. Unter Schlüter konnten nur die Flügel zum Lustgarten und zur Stadt sowie um den später nach ihm benannten Schlüterhof fertiggestellt werden. Vorbild der Gestaltung des Baus zum Schlossplatz war die Fassade des Palazzo Madama in Rom, die Schlüter um das monumentale Kolossalportal I ergänzte. Die Repräsentations- und Privaträume des Schlosses schmückte er bildhauerisch sowie durch Deckengemälde, unter anderem von Augustin Terwesten. Wegen seiner hauptsächlich von Andreas Schlüter geschaffenen Fassaden und Innenräume galt das Schloss als ein Hauptwerk des Barock.Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin. 3. Aufl. Deutscher Kunstverlag, München 2006, ISBN 978-3-422-03111-1, S. 63.