mini|New York City
Brooklyn ist einer der fünf Stadtbezirke von New York City. Er liegt im Südosten der Stadt am westlichen Ende von Long Island und ist deckungsgleich mit dem Kings County im Bundesstaat New York. Brooklyn ist nach Manhattan der am dichtesten besiedelte Verwaltungsbezirk der Vereinigten Staaten. 1634 wurde es von den Niederländern gegründet und nach der Stadt Breukelen bei Utrecht benannt. Brooklyn war bis zur Eingemeindung nach New York City 1898 eine eigenständige Stadt.
Ebenso wie Manhattan weist auch Brooklyn eine große ethnisch-kulturelle Ausdifferenzierung und Vielfalt auf. Stadtgeografisch lässt sich Brooklyn grob untergliedern in einen nordöstlich-zentralen Teil mit wichtigen kulturellen und infrastrukturen Einrichtungen, darunter den zentral im Bezirk gelegenen Prospect Park. Während sich in den westlichen und südlichen Stadtteilen das Gros europäischstämmiger Bewohner konzentriert, zieht sich an der östlichen Bezirksgrenze entlang ein Gürtel an Stadtteilen, welche vorwiegend von Afroamerikanern und den Nachfahren karibischer Einwanderer bewohnt werden.
Kulturell hat Brooklyn namhafte Beiträge zu Literatur, Film, Musik und Theater erbracht. Teile des Bezirks haben sich seit dem Ende des 20. Jahrhunderts zu Refugien von Kreativen entwickelt. Architektonisch wird Brooklyn nur in wenigen Stadtteilen von Wolkenkratzern geprägt. Wirtschaftlich wies Brooklyn in den 2010er Jahren ein höheres Wachstum auf als der Rest der Stadt – allerdings weisen eine Reihe von Sektoren nach wie vor den Nachteil niedriger Löhne auf. Die Armutsquote im Bezirk ist trotz einiger positiver Entwicklungen immer noch überdurchschnittlich. Aufgrund seiner Lage an der Upper Bay ist Brooklyn auch Hurrikans stärker ausgesetzt als die weiter im Landesinneren gelegenen Bezirke von New York City.
Geographie Lage mini|Stadtteile und Neighborhoods Brooklyn liegt im äußersten Westen von Long Island. Die einzige Landgrenze besteht im Nordosten zu Queens. Den westlichsten Abschnitt dieser Grenze bildet der Newtown Creek, der in den East River mündet. Auf der gegenüberliegenden Seite der Upper New York Bay befinden sich Manhattan (im Nordwesten) und Staten Island (im Westen).
Die Küste Brooklyns wird durch mehrere Gewässer definiert. Die Nordküste liegt am East River, der mittlere Abschnitt an der Upper New York Bay. An diesem Teil der Küste liegt die Halbinsel Red Hook mit dem Hafenbecken Erie Basin. Der Buttermilk Channel trennt Brooklyn von Governors Island. Südwestlich davon liegt die Gowanus Bay. Die Südküste Brooklyns umfasst die direkt am Atlantik liegende Halbinsel Coney Island. Im Südosten befindet sich die Jamaica Bay mit ihren zahlreichen kleinen Inseln.
Der höchste Punkt Brooklyns ist das Gebiet um den Prospect Park und den Green-Wood Cemetery, das rund 60 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Eine weitere Erhebung ist Brooklyn Heights südwestlich des zentralen Stadtteils Downtown Brooklyn. Laut dem United States Census Bureau hat der Bezirk eine Fläche von 251,0 km². Davon sind 182,9 km² Land und 68,1 km² (27,1 %) Wasserfläche.
Stadtteile mini|links|Prospect Park mini|Die 1883 eröffnete Brooklyn Bridge mini|hochkant|Montague Street im Stadtteil Brooklyn Heights mini|Riegelmann Boardwalk auf Coney Island Brooklyn hat zahlreiche unterschiedlich geprägte Stadtteile, von denen sich viele aus Kleinstädten und Dörfern entwickelt haben, die bis zur niederländischen Ära im frühen 17. Jahrhundert zurückreichen. Der zentrale Stadtteil Downtown Brooklyn ist ein funktional-modernes Verwaltungsviertel sowie das drittgrößte Geschäftsviertel von New York City nach Midtown Manhattan und Lower Manhattan. Die parallel zu der Hauptverbindungsstraße Atlantic Avenue verlaufende Fulton Street mit der „Fulton Mall“ im südlichen Teil von Downtown gilt als die bekannteste Einkaufsmeile des Bezirks.
Charakteristisch für die nordwestlichen Stadtteile zwischen der Brooklyn Bridge und dem Prospect Park sind die Backstein- und Brownstone-Sandsteinhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Hier liegen einige der am meisten gentrifizierten und die wohlhabendsten Stadtteile Brooklyns. Dazu gehören Boerum Hill, Brooklyn Heights, Carroll Gardens, Cobble Hill, Clinton Hill, Dumbo, Fort Greene, Fulton Ferry, Park Slope, Prospect Heights und Vinegar Hill. Die Entwicklung der historischen Stadtteile in Nordwest-Brooklyn verlief teils unterschiedlich. Brooklyn Heights etwa fungierte schon früh als Suburb und Abwanderungsareal für Manhattan. 1955 wurde der Stadtteil zum ersten Historic District New Yorks erklärt. Dumbo und das weiter südwärts gelegene Red Hook sind stark vom Niedergang der Hafenanlagen und lokalen Industriebetriebe in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mitleidenschaft gezogen worden und partizipieren erst seit den 1990er Jahren von der Aufwertung durch hinzuziehende Künstler.
Weiter nördlich entlang des East River liegen Williamsburg und Greenpoint. Ähnlich wie bei den weiter südlich an der Upper New York Bay liegenden Hafenanrainervierteln Red Hook und Sunset Park handelt es sich dabei um traditionelle Arbeiterviertel mit einer lebendigen Kulturszene. Ursprünglich wurde Williamsburg stark von deutschen und irischen Einwanderern geprägt. Nach der Eröffnung der Williamsburg Bridge (1903) avancierte das Viertel zum dichtbesiedeltsten Areal New Yorks. Bekannt war Williamsburg unter anderem durch seine zahlreichen Brauereien und Gastronomiebetriebe. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Stadtteil teilweise zum Problemviertel. Mittlerweile gilt es als feierfreudige Partymeile mit der dazugehörigen Performance- und Spaßkultur. Reiseführer konstatieren allerdings, dass sich Williamsburg trotz der mit der Gentrifizierung einhergehenden Aufwertungsprozesse seinen rau-rustikalen Charme erhalten habe.Dirk Kruse-Etzbach: Iwanowski’s New York. Tipps für individuelle Entdecker. Reisebuchverlag Iwanowski, Dormagen 1999/2015, ISBN 978-3-86197-125-2, S. 511/512
Das nördlich an der Bezirksgrenze zu Queens gelegene Greenpoint gilt als kleine Schwester von Williamsburg. Ursprünglich dominierten polnische Einwanderer das Viertel. Seit den 1990er Jahren erfolgte ein verstärkter Zuzug von lateinamerikanischen Einwanderern. Ähnliches gilt für Bushwick, ein südöstlich an Williamsburg anschließendes und ebenfalls an Queens angrenzender Stadtteil. Bushwick gilt als weiterer Gentrifizierungskandidat. Die lateinamerikanische Community des Stadtteils ist eine der größten in New York. Ein weiteres Merkmal des Viertels ist die alternative Gegenkultur, die sich dort zunehmend etabliert.
Im zentralen und südlichen Teil Brooklyns liegen Stadtteile mit starken ethnischen und architektonischen Kontrasten. Diese entstanden Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als wohlhabend gewordene Einwanderer aus den Mietskasernen in Manhattan (z. B. Lower East Side) wegzogen. In Borough Park leben überwiegend orthodoxe Juden, Bensonhurst und Dyker Heights sind italienisch geprägt, in Brighton Beach auf Coney Island leben viele Russen. In der Gegend um Bedford–Stuyvesant und Flatbush haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg hauptsächlich dunkelhäutige Menschen niedergelassen. Markante Punkte dieses Bezirksteils sind der Prospect Park sowie der zentrale Friedhof Green-Wood Cemetery im Norden und die Halbinsel Coney Beach im Süden. Die auf Coney Beach ansässigen Vergnügungsparks waren bis zum Zweiten Weltkrieg eine bekannte und von Millionen Touristen frequentierte Attraktion. Aufgrund der russischen und jüdisch-russischen Zuwanderung sind Teile der Halbinsel – insbesondere der Abschnitt um Brighton Beach – auch unter den Namen „Little Odessa“ oder „Odessa by the Sea“ bekannt.
Die östlichen Stadtteile Brooklyns gelten allgemein als soziale und sicherheitstechnische Problemzonen. Große Teile werden von Trabantensiedlungen für sozial Schwache, sogenannte Projects, geprägt. Besonders gilt dies für East New York, gelegen an der Jamaica Bay direkt an der Bezirksgrenze zu Queens. Von der Flächenausdehnung her ist East New York der größte Stadtteil Brooklyns. Sozial ist er stark von Perspektivlosigkeit, Armut und Kriminalität geprägt, demografisch gesehen Auffangbecken für sozial schwache Afroamerikaner sowie migrantische Zuzügler aus Lateinamerika und der Karibik. In Sachen Sicherheit wird East New York regelmäßig als No-Go-Area klassifiziert mit hohen Werten in den Bereichen Gang-Präsenz, Kriminalität und Mordrate., Jan Heidtmann, Berliner Zeitung, 12. August 1996 Ein ähnliches Bild bieten der westlich von East New York gelegene Stadtteil Brownsville sowie das südlich an der Jamaica Bay anschließende Viertel Canarsie., Feifei Sun, Time Lightbox, 31. Januar 2012 (englisch)
Ein herausragendes Merkmal von Brooklyn sind die unterschiedlichen, sich jeweils in bestimmten Stadtteilen konzentrierenden ethnischen Communities. Einerseits prägt die multikulturell zusammengesetzte Einwohnerschaft stark das Image von Brooklyn. Reiseführer charakterisieren das Zusammenleben seiner Einwohner allgemein als entspannt und normal – im Gegensatz zu der Hektik und Überspanntheit Manhattans. Allerdings wird die Rolle Brooklyns als herausragender Melting Pot von New York City durchaus auch kritisch gesehen. Das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund sei in der Praxis eher ein Nebeneinanderherleben. Zusammentreffen fände eher punktuell statt – beispielsweise anlässlich von Straßenfesten oder ähnlichen Zusammenkünften. Verschärfend bemerkbar mache sich zudem die ungleiche Einkommensverteilung zwischen Weißen und Nicht-Weißen.New York City – Bevölkerung, meinamerika.de, abgerufen am 10. März 2015
Kontrovers gewertet wird insbesondere der von den nordwestlichen Viertel ausgehende und seit der Jahrtausendwende auf angrenzende Neighbourhoods übergreifende Gentrifizierungs- und Aufwertungsprozess.Urbane Visionen: Industrie geht – Luxuswohnungen rücken nach, Interview mit Doris Schäfer-Noske. Christoph Bartmann, Deutschlandradio Kultur, 16. März 2014 Grobmarkierung hier: die nordwestlichen Stadtteile inklusive Downtown, in denen dieser Prozess bereits voll im Gang ist, die zentralen und südlichen Stadtteile, die insgesamt sehr heterogen geprägt sind und der von sozialen Problemen geprägte Osten Brooklyns. Der Autor und Amerikakorrespondent der Süddeutschen Zeitung, Andrian Kreye, konstatierte ungefähr auf der Höhe des Prospect Parks eine Grenze, welche die soziale Spaltung geografisch markiere: „Gleich hinter der Kreuzung beginnt die meilenweite Terra Incognita der Armen- und Einwandererviertel, die sich bis zum Flughafen und der Jamaica Bay hinzieht. Man darf nicht vergessen – in Brooklyn sind weiße Amerikaner eine Minderheit. Fast zwei Drittel sind Schwarze und Latinos. In fast der Hälfte aller Haushalte wird nicht englisch gesprochen. Das ist das Brooklyn, das man nur flüchtig zu sehen bekommt, wenn man entlang der Ausfallstraßen zum Flughafen fährt, die von Lagerhallen, Autowerkstätten und Imbissbuden gesäumt werden. Da stehen die schmutzigbraunen Sozialbautürme von East New York und Brownsville, deren Gänge und Parkanlagen von Gangs wie den Bloods und den Latin Kings kontrolliert werden. Dort leben all jene Menschen, die Taxi fahren, Hamburger verkaufen und Büroräume putzen. Wenn sie Glück haben. Die Hälfte aller schwarzen New Yorker zwischen 18 und 35 Jahren ist arbeitslos. Und ein gutes Viertel aller Bewohner von Brooklyn lebt unterhalb der Armutsgrenze.“
Siehe auch: Verwaltungsgliederung von New York City mit einer Liste aller Stadtteile
Geschichte Frühe Besiedlung und Kolonialzeit mini|Brooklyn – Currier-and-Ives-Print aus dem Jahr 1879 mini|Bahnhof der Brooklyn, Flatbush & Coney Island Railroad auf Coney Island um 1880 mini|Brooklyn um die Wende zum 19. Jahrhundert (Gemälde von Francis Guy, 1760–1820) mini|Afroamerikanische Einwohner in der Mehrheit: Jugendliche am Unabhängigkeitstag (Stadtteil Bedford-Stuyvesant, 1974)