Olympique Marseille (offiziell Olympique de Marseille), häufig auch kurz als OM bezeichnet, ist ein 1899 von René Dufaure de Montmirail gegründeter französischer Fußballverein aus Marseille. Das Gründungsmitglied der Division 1 ist neunfacher Landesmeister und neben Paris Saint-Germain der einzige Verein Frankreichs, der die UEFA Champions League gewinnen konnte. 1993 wurde Marseille aufgrund einer Bestechungsaffäre ein weiterer nationaler Meistertitel aberkannt und der Verein zur Saison 1994/95 in die zweite Liga zwangsversetzt. Das auch im Wappen von OM enthaltene Vereinsmotto lautet Droit au but, auf Deutsch: direkt zum Ziel/Tor. Olympique bezieht sich auf den Olymp und stellt eine Verbindung zu den griechischen Wurzeln der Stadt Marseille dar, die eine phokäische Kolonie war.
Der Präsident von 2021 bis 2026 war Pablo Longoria. Im April 2026 übernahm Stéphane Richard die Leitung.
Geschichte Vor dem Zweiten Weltkrieg Auch wenn der Verein bereits 1899 gegründet wurde, wurde Fußball erst ab 1902 gespielt. Aushängeschild des Vereins war die Rugby-Mannschaft, die bis 1944 existierte. Das erste belegte Spiel von Olympique Marseille war ein Freundschaftsspiel gegen US Phocéenne Marseille, das im Parc Borély 0:3 verloren ging. Unter Präsident Marino Dallaporta, der Marseille vom 5. Oktober 1920 bis 2. Januar 1925 leitete, stellten sich die ersten überregionalen Erfolge ein. Unter ihm wurden auch die Nationalspieler Édouard Crut und Jean Boyer verpflichtet. Olympique Marseille gewann am 13. April 1924 als erster nicht Pariser Verein gegen FC Sète mit 3:2 n. V. im Stade Pershing den Coupe de France. 1926 und 1927 folgten die nächsten zwei Pokalsiege. 1927 wurde Joseph Alcazar als Ersatz für den abgewanderten Crut geholt. Durch einen 3:2-Sieg gegen Club Français Paris wurde Marseille 1929, vor Gründung einer Profiliga, erstmals französischer Meister im Championnat par catégories. Der Wettbewerb wird heute als inoffizielle Meisterschaft gezählt. Insbesondere Mannschaftskapitän Boyer prägte diese Zeit und traf bis auf das Pokalendspiel 1927 in allen Finals für Marseille.
Der Verein gehörte im Jahr 1932 zu den 20 Gründungsmitgliedern der Profiliga Division 1, einer im ersten Jahr noch zweigeteilten Spielklasse mit jeweils 10 Mannschaften. Alcazar war der erste Torschütze für Marseille in der neuen Liga. Marseille verpasste als Tabellenzweiter der Gruppe A hinter dem späteren Meister Lille das Finalspiel der beiden Gruppensieger. Im folgenden Spieljahr stand Olympique Marseille bereits dicht vor der ersten französischen Meisterschaft, verlor jedoch als Tabellenführer sein letztes Saisonspiel mit 1:3 beim Tabellenletzten CA Paris – einer Mannschaft, die bis dato 21 ihrer 25 Spiele verloren hatte – und fiel noch auf Platz 3 zurück. 1934 wurde Alcatraz zudem erster Spieler von Olympique Marseille, der an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilnahm.
Der Titelgewinn gelang erstmals 1937, wenngleich nach drei Niederlagen in den letzten vier Saisonspielen der Punktvorsprung am Ende vollends aufgebraucht war und sich das von József Eisenhoffer trainierte Team nur noch aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem FC Sochaux durchsetzen konnte. Von 1904 bis 1937 trug Marseille seine Spiele im Stade de l'Huveaune aus. Am 13. Juni 1937 zog die Mannschaft mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC Turin in das damals 35.000 Zuschauer fassende Stade Vélodrome. Die Franzosen gewannen ihre Premiere im Stadion mit 2:1. Weitere Erfolge könnten durch den Kriegsausbruch, bis zu dem noch zwei aufeinanderfolgende Vizemeisterschaften in den Jahren 1938 und 1939 folgten, verhindert worden sein. Das Vélodrome-Stadion wurde von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt, so dass Marseille gezwungen war, wieder im Huveaune-Stadion zu spielen. In der Saison 1940/41 gewann Marseille die Gruppe Süd und damit eine weitere inoffizielle Meisterschaft, da die sogenannten „Kriegsmeisterschaften“ (championnats de guerre) zwischen 1939 und 1945 – anders als der Landespokal – nicht als offizielle Wettbewerbe zählen. Beim Coupe de France 1942/43 gewann die Mannschaft bei ihrer achten Pokalteilnahme zum sechsten Mal. In der Folgesaison wurden sämtliche Vereinsmannschaften durch sogenannte „Bundesauswahlen“ (équipes fédéraux) ersetzt, die jeweils nach einer – teilweise historischen – Landschaft benannt wurden. Viele Spieler von Olympique Marseille spielten in dieser Saison für ÉF Marseille-Provence. 1944/1945 nahm Olympique Marseille wieder regulär an der Division 1 teil.
Von 1945 bis in die 1970er Jahre Nach dem Krieg konnte sich Olympique Marseille 1948 den zweiten Titelgewinn sichern. 1952 erreichte man dank Torschützenkönig Gunnar Andersson noch die Relegation und schaffte nach einer 1:3-Hinspielniederlage durch ein 4:0 im Rückspiel gegen US Valenciennes-Anzin den Klassenerhalt. Auch 1953 krönte sich Andersson in seiner torreichsten Saison mit 35 Treffern zum Torschützenkönig der Division 1. In der Folgesaison erreichte Marseille das Finale des Coupe de France, musste sich aber OGC Nizza mit 1:2 geschlagen geben. 1957 folgte der nächste Titel im Coupe Charles Drago. Durch ein 3:1 gegen den RC Lens gewann die Mannschaft erst- und einmalig den Wettbewerb, der auch als „Trostpokal“ („la Consolante“) bezeichnet wurde. Sicherte sich der Klub 1958 am letzten Spieltag noch aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem FC Metz erneut den Klassenerhalt, stieg das Team im folgenden Jahr als Tabellenletzter erstmals aus der Division 1 ab. Nach einem zehnten Platz in der Division 2 1959/60 und sechsten Platz in der Folgesaison stieg die Mannschaft in ihrer dritten Zweitligasaison unter Otto Glória durch einen vierten Platz wieder in die Beletage des französischen Fußballs.
1962 folgte die erste Teilnahme am Messestädte-Pokal. Gegen Royale Union Saint-Gilloise gab es eine Erstrundenniederlage. Nach einem einjährigen Gastspiel in der Saison 1962/63, in der Marseille als Tabellenletzter abstieg, verpasste die Mannschaft 1964 die Aufstiegsrelegation als Fünfter trotz 20 Tore ihres Toptorschützens Antoine Keller. Nachdem man 1964 nur Drittletzter in der Division 2 geworden war, übernahm der neue Vereinspräsident Marcel Leclerc. Unter seiner Führung knüpfte Marseille einige Jahre später wieder an die großen Erfolge aus den 1920er und 1930er Jahren an. Zunächst folgte 1966 als Vize-Meister der Wiederaufstieg und die Etablierung in der ersten Liga und der Sieg im Coupe de France 1969. Als Olympique Marseille in der Weihnachtszeit 1969 gegen Red Star Paris ein Nachholspiel bestreiten musste, beschloss Präsident Leclerc, die Reservemannschaft antreten zu lassen. Leclerc wollte damit zeigen, dass er mit der Wahl des Termins nicht einverstanden war. Die Spieler, die eigentlich in der Division d’Honneur spielten, erreichten durch zwei Treffer von Ange Di Caro ein 2:2-Unentschieden. Die Liga erklärte dieses Ergebnis jedoch für ungültig und ließ das Spiel im März 1970 wiederholen. Im Nachholspiel besiegte Marseille Paris mit 6:1. Größter Coup war die Verpflichtung des Jugoslawen Josip Skoblar, der 1971 mit seinen 44 Treffern maßgeblichen Anteil am dritten Titelgewinn hatte und dafür mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet wurde. Im Folgejahr gelang das Double aus Titelverteidigung und Coupe de France 1971/72. Der 2:1-Sieg gegen den SEC Bastia war zudem das Eröffnungsspiel des neu gebauten Parc des Princes. Der Marseiller Didier Couécou wurde erster Torschütze im Stadion. Zu den erfolgreichsten Spielern dieser Zeit gehörten neben Skoblar auch Gilbert Gress, Roger Magnusson und der Brasilianer Jairzinho. International blieben die Erfolge dagegen aus. Im Intertoto-Cup 1969 gab es gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 6:0 die höchste Niederlage in einem internationalen Wettbewerb für den Verein. Dazu unterlag Marseille im Landesmeisterpokal 1971 im Achtelfinale Ajax Amsterdam (1:2, 1:4), im folgenden Jahr schied die Mannschaft bereits in der ersten Runde gegen Juventus Turin (1:0, 0:3) aus. In der Liga endete die Saison 1973 auf dem dritten Platz. Zuvor wurde Marcel Leclerc im Juli 1972 von seinem Amt als Präsident entbunden, nachdem er beschuldigt worden war, Geld veruntreut zu haben. 1976, wurde er für schuldig befunden, ca. 3,3 Mio. Franc zum Nachteil von Olympique Marseille veruntreut zu haben. Leclerc wurde zu einer achtzehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und zur Rückerstattung der veruntreuten Gelder verurteilt. In der Berufung wurde der Betrag auf 1,9 Mio. reduziert.L’Équipe: Comment l'OM se remet des affaires Nach Leclercs Regentschaft ließen die Leistungen der Mannschaft erstmal nach. 1974 verpasste Marseille als zwölfter die europäischen Ränge und im UEFA-Pokal gab es im November 1973 in der zweiten Runde nach einem 2:0-Hinspielsieg gegen den 1. FC Köln im Rückspiel zum zweiten Mal nach 1969 eine 6:0-Niederlage in einem europäischen Wettbewerb.
1974 übernahm Fernand Meric, ein Marseiller Kinounternehmer, die Präsidentschaft des Vereins. Unter ihm wurden mit Caju und Jairzinho zwei brasilianische Weltmeister von 1970 in die Mannschaft geholt. Sie waren gleichzeitig die ersten Weltmeister, die in der Division 1 spielten. Mit den beiden Brasilianern wurde Marseille 1975 Vize-Meister hinter AS Saint-Étienne. Im nächsten Jahr belegte Marseille lediglich den 9. Platz in der Liga. Erfolgreicher lief es im Coupe de France. Angetrieben von Héctor Yazalde gewann Marseille gegen Olympique Lyon im Finale mit 2:0. Aus der siegreichen Mannschaft von 1972 war einzig Jules Zvunka wieder mit dabei; dieses Mal allerdings als Trainer und nicht als Spieler. Das Ende der 70er Jahre war weniger erfolgreich. Dem Erstrundenaus im Europapokal der Pokalsieger 1976/77 gegen den FC Southampton folgte ein zwölfter, vierter und wieder ein zwölfter Platz. Damit verpasste man jeweils die Europapokalplätze. 1980 folgte dann der erneute Abstieg trotz Spielern wie Marius Trésor und Didier Six. Der frühere deutsche Nationalspieler Erwin Kostedde besiegelte den Abstieg durch drei Tore bei der 3:0-Niederlage am 36. Spieltag gegen Stade Laval. Da Lyon und Nizza ihre Spiele am folgenden Spieltag gewannen, konnte der Gang in die Division 2 auch rechnerisch nicht mehr abgewendet werden.
Steiler Aufstieg, tiefer Fall mini|Logo 1990–1993
1981 geriet Olympique Marseille in große finanzielle Schwierigkeiten und wurde für Bankrott erklärt.UPI: A local tribunal has declared bankrupt the prestigious Olympic... Nach vielen Abgängen verfehlte Marseille mit einer Mannschaft, die in großen Teilen aus dem Siegerteam des Coupe Gambardella 1979 bestand, den direkten Wiederaufstieg und wurde 1981 Sechster in der Gruppe A der Division 2. Auch 1982 (3. Platz Gruppe A) und 1983 (4. Platz Gruppe A) verpassten die Südfranzosen den Aufstieg. Der gelang dann im vierten Jahr der Zweitklassigkeit, in dem Marseille Meister der Gruppe A wurde und damit direkt aufstieg. Im Endspiel um die Zweitligameisterschaft musste sich das Team dem FC Tours geschlagen geben. Nachdem 1985 der Klassenerhalt mit der Mannschaft geglückte war die größtenteils auch für den Aufstieg verantwortlich war, erreichte die Mannschaft im Jahr darauf wieder das Pokalfinale. Hier musste man sich Girondins Bordeaux erst in der Verlängerung durch ein Tor von Alain Giresse geschlagen geben. In der Liga erreichte das Team mit dem 12. Platz ein Abschneiden im gesicherten Mittelfeld.