Filderstadt ist eine Mittelstadt in der Mitte Baden-Württembergs, direkt südlich der Landeshauptstadt Stuttgart gelegen. Die erst 1975 im Rahmen der Gemeindereform entstandene Stadt hatte bereits bei ihrer Gründung über 20.000 Einwohner und wurde daher zum 1. Juli 1976 zur Großen Kreisstadt erklärt. Heute ist sie nach Esslingen am Neckar die zweitgrößte Stadt im Landkreis Esslingen und gehört zum Mittelbereich Stuttgart innerhalb des gleichnamigen Oberzentrums. Filderstadt gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Filderstadt liegt auf der inneren Filderhochfläche auf 327 bis 474 Meter Höhe. Die Landschaft, die wortverwandt mit Gefilde ist, gab der Stadt ihren Namen. Am Westrand, beim Stadtteil Plattenhardt, beginnt der Naturpark Schönbuch. Die Schwäbische Alb liegt in Sichtweite der Stadt.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Filderstadt. Sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, genannt: Stuttgart (Stadtkreis), Neuhausen auf den Fildern, Wolfschlugen und Aichtal (alle Landkreis Esslingen), Waldenbuch (Landkreis Böblingen) sowie Leinfelden-Echterdingen (Landkreis Esslingen).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Filderstadts besteht aus fünf Stadtteilen, die den ehemaligen Gemeinden gleichen Namens entsprechen:
mini|Karte des Stuttgarter Forsts von Georg Gadner, um 1600
Stadtteil Flächein km² Einwohner2015 Bevölkerungs-dichte Lage Bernhausen 10,3613.2161276 Norden Bonlanden 5,8210.2961769 Süden Plattenhardt 11,178.482759 Südwesten Sielmingen 9,367.566808 Nordosten Harthausen 1,884.0942178 Südosten Filderstadt 38,59 43.6541131
Die offizielle Bezeichnung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und durch Bindestrich verbunden nachgestellt der Name der Stadtteile.Hauptsatzung der Stadt Filderstadt vom 5. Februar 1996, zuletzt geändert am 1. Juni 2009 (PDF; 52 kB). Zum Stadtteil Bernhausen gehören das Dorf Bernhausen, das Haus Klinkermühle, der Bernhäuser Forst mit Tagungszentrum und Ferienwaldheim, der nur von L.-E.-Stetten aus angefahren werden kann, ein Großteil der Start- und Landebahn des Stuttgarter Flughafens sowie die abgegangenen Siedlungen Burg Bernhausen, Dachtgraben, Horwe, Sigelinshuos und Wolfschlugen (evtl. auf der Gemarkung Plattenhardt). Zum Stadtteil Bonlanden gehören das Dorf Bonlanden und das Anwesen Gutenhalde. Zum Stadtteil Harthausen gehört Dorf Harthausen (heutige Bebauung im nordöstlichen Bereich teilweise auf ursprünglicher Sielminger Gemarkung). Zum Stadtteil Plattenhardt gehört das Dorf Plattenhardt und die Häuser Obere Kleinmichelesmühle, Untere Kleinmichelesmühle, Bechtenrain und Ziegelhütte sowie die abgegangenen Ortschaften Diemannsweiler, Horb und Wolfschlugen (evtl. auf Gemarkung Bernhausen). Zum Stadtteil Sielmingen gehören das Dorf Sielmingen, der Wohnplatz Bei den drei Linden mit den namensgebenden Friedenslinden, die zugleich den höchsten Punkt der Filderebene markieren, sowie die abgegangenen Ortschaften WeilerDas Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 178–183. (an deren Existenz heute noch der Name des Schafhof im Weiler in Sielmingen mit benachbartem Verkehrsübungsplatz und Kleintierzuchtanlage sowie der Weilerbrunnen mit vermutlich mittelalterlichem Brunnentrog erinnern) und Tuwingen bzw. Teubingen (nördlich der heutigen L 1209 von Bernhausen nach Neuhausen), ferner in Richtung Neuhausen und Wolfschlugen noch einige Aussiedlerhöfe auf freiem Feld.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Filderstadt. Schutzgebiete
Filderstadt hat im Südwesten einen kleinen Anteil am Naturschutzgebiet Siebenmühlental, das gleichzeitig auch zum Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Glemswald und Stuttgarter Bucht gehört. Es wird eingerahmt vom Schonwald Siebenmühlental.
Hinzu kommen die drei Landschaftsschutzgebiete Filder, Glemswald und Baumbachtal-Uhlberg.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Die Stadt Filderstadt entstand am 1. Januar 1975 durch Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden Bernhausen, Bonlanden, Harthausen, Plattenhardt und Sielmingen zunächst unter dem Namen „Gemeinde Filderlinden“. Am 25. Juli desselben Jahres wurde der Name in „Filderstadt“ geändert. Mit Wirkung vom 1. Januar 1976 erhielt die neue Gemeinde das Stadtrecht und ein halbes Jahr später, am 1. Juli 1976, wurde sie auf Antrag der Stadt von der baden-württembergischen Landesregierung zur Großen Kreisstadt erklärt. Die fünf ehemaligen Gemeinden haben jedoch eine lange Geschichte, die bis auf die Kelten der Hallstatt-Zeit und die germanischen Alamannen zurückgeht. Die Namen der Gemeinden werden schwäbisch-alemannisch auf der ersten Silbe betont.
Anlässlich des Stadtjubiläums „50 Jahre Stadt Filderstadt“ fand vom 12. bis 14. September 2025 unter der Federführung der Stadt Filderstadt ein großes Stadtfest statt.
Gebietszugehörigkeit Die altwürttembergischen Vorgängergemeinden gehörten zur Zeit des Herzogtums Württemberg, seit 1806 des Königreichs und seit 1918 des Volksstaates zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangten die Gemeinden 1938 zum Landkreis Esslingen. 1945 gerieten sie in die Amerikanische Besatzungszone und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Stadtteile links|65px|Bernhausen
Bernhausen wurde 1089 als „Berinhusen“ (als frühschwäbische Bezeichnung für „Wohnstätten des Bero“) erstmals erwähnt. Einige Familien der Herren von Bernhausen hatten die Rechte über den Ort, doch fiel er in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an Württemberg.
links|70px|Bonlanden
Bonlanden wurde Anfang des 12. Jahrhunderts als „Bonlandum“, was so viel wie „baumbestandene Lande“ bedeuten dürfte, erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zunächst den Herren von Bernhausen, später deren von Stöffeln, von Stammheim und von Sachsenheim. Württemberg tauschte den Ort Zug um Zug. Um 1400 war ganz Bonlanden württembergisch. 1820 wurde die Gemarkung um ein großes Waldgebiet des Schönbuchs vergrößert. Der Ortsneckname ist Saisaicher (Seepinkler).
links|70px|Harthausen
Harthausen wurde 1304 als „Harthusen“ erstmals erwähnt. Der Name bedeutet so viel wie „Häuser am Hart“, also Weidewald. Auch hier hatten die Herren von Bernhausen ihre Besitzungen. Über verschiedene Herren gelangte auch Harthausen ebenfalls an Württemberg, doch hatten die Herren von Stammheim und Thumb von Neuburg noch bis ins 16. Jahrhundert kleinere Rechte.
links|70px|Plattenhardt Plattenhardt wurde 1269 als „Blatinhart“ erstmals erwähnt und bedeutet wohl platte = eben und Hart = Weidwald. Neben den Herren von Bernhausen hatten auch die Herren von Urslingen Rechte am Ort, der aber bald mit Waldenbuch an Württemberg gelangte. 1833 wurde die Gemeinde um einige Waldflächen vergrößert. Der Ortsneckname ist Messerstecher.
links|70px|Sielmingen Sielmingen wurde 1275 als „Sygehelmingen“ (wahrscheinlich abgeleitet vom Eigennamen „Sighelm“ bzw. „Sigehelm“) erstmals erwähnt. Schon damals wurde zwischen Ober- und Untersielmingen unterschieden. Obersielmingen gehörte den Herren von Bernhausen und kam mit Waldenbuch 1363 von den Herren von Urslingen an Württemberg. Untersielmingen gehörte verschiedenen Herren und kam dann teilweise an Württemberg. Das Spital Nürtingen behielt aber bis 1806 einen Teil des Ortes, bevor auch dieser an Württemberg gelangte. Bis 1850 waren beide Orte als Gemeindeverband organisiert, dann wurden sie zu selbständigen Gemeinden erklärt, 1923 jedoch unter dem Namen Sielmingen zu einer Gemeinde vereinigt.
Religionen Die Bevölkerung der fünf ehemaligen Gemeinden der heutigen Stadt Filderstadt gehörten ursprünglich zum Bistum Konstanz. Da die Orte politisch schon früh zu Württemberg gehörten, wurde auch hier ab 1535 durch Herzog Ulrich die Reformation eingeführt, daher waren sie über Jahrhunderte überwiegend protestantisch. In den Orten gibt es daher auch jeweils eine evangelische Kirchengemeinde mit einer Kirche. In Bernhausen wurde infolge des starken Zuzugs 1965 eine weitere Kirche, die Johanneskirche, erbaut. Später folgte die Petruskirche. Die drei Kirchengemeinden bildeten aber weiterhin eine Gesamtkirchengemeinde, seit 2007 wieder eine einzige Kirchengemeinde Bernhausen. Die Kirchengemeinde Harthausen war lange Zeit eine Filiale von Bernhausen, später von Plattenhardt, dann von Untersielmingen und schließlich ab 1838 von Bonlanden. 1838 erhielt der Ort seine eigene Kirche und 1959 wurde auch eine eigene Pfarrei errichtet. Alle Kirchengemeinden Filderstadts gehörten früher zum Dekanat bzw. Kirchenbezirk Degerloch. 1981 wurde Bernhausen Sitz eines eigenen Dekanats bzw. Kirchenbezirks innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, zu dem alle Kirchengemeinden im Stadtgebiet Filderstadts gehören.
Katholiken gibt es in Filderstadt erst wieder seit dem 20. Jahrhundert. In Bernhausen entstand 1968 die Kirche St. Stephanus. Zur Kirchengemeinde gehört auch Sielmingen, doch gibt es dort seit 1963 eine eigene Kirche: St. Michael. In Bonlanden wurde 1958 die katholische Kirche „Zu Unserer Lieben Frau“ gebaut, eine Pfarrei gibt es dort seit 1961. Die Kirchengemeinde umfasst auch Plattenhardt. In Harthausen wurde 1968 eine katholische Kirche erbaut, die zur Pfarrei der Nachbargemeinde Grötzingen (Stadt Aichtal) gehört. Alle Kirchengemeinden gehören zum Dekanat Esslingen-Nürtingen des Bistums Rottenburg-Stuttgart und bilden die Seelsorgeeinheit 2 des Dekanats. Leitender Pfarrer ist seit Januar 2020 Thomas Vogel aus Bernhausen.
Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Filderstadt auch Freikirchen und Gemeinden, darunter zwei Landeskirchliche Gemeinschaften, zwei Apis, zwei Hahnsche Gemeinschaften, in Bonlanden die Evangelisch-methodistische Kirche, in Sielmingen die Evangelisch-freikirchliche Fildergemeinde und das Glory Life Zentrum. Auch zwei Neuapostolische Kirchen sowie die Christengemeinschaft und die Zeugen Jehovas sind in Filderstadt vertreten.
Außer den christlichen Gemeinschaften gibt es mehrere islamische Gemeinschaften sowie die Christlich-Islamische Gesellschaft für die Begegnung und den Dialog zwischen Christen, Muslimen und anderen Religionen.
Ende 2015 hatte Filderstadt 44.986 Einwohner, davon 37,5 % evangelisch und 20,1 % römisch-katholisch. Die Mehrheit mit 42,5 % gehörte entweder einer anderen oder gar keiner Glaubensgemeinschaft an. Tabelle Statistik Wohnbevölkerung nach Familienstand, Religionszugehörigkeit Seite 34, abgerufen am 25. Mai 2024
Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Filderstadt von 1961 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle mini|400px|Bevölkerungspyramide für Filderstadt (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Filderstadt, Alter + Geschlecht)
Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Die Zahlen der Jahre 1961 und 1970 ergeben sich aus der Addition der Einwohnerzahlen der fünf Vorläufergemeinden. Jahr Einwohnerzahlen 6. Juni 1961 ¹ 18.273 27. Mai 1970 ¹ 30.264 31. Dezember 1975 34.603 31. Dezember 1980 37.300 31. Dezember 1985 36.757 25. Mai 1987 ¹ 36.323 31. Dezember 1990 38.498 Jahr Einwohnerzahlen 31. Dezember 1995 41.145 31. Dezember 2000 42.234 31. Dezember 2005 43.717 31. Dezember 2010 44.348 31. Dezember 2015 44.977 31. Dezember 2020 45.95830. Juni 202146.135 ¹ Volkszählungsergebnis
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