Der Stadtteil Sülz (Kölsch Sölz) gehört zum Stadtbezirk Köln-Lindenthal im Südwesten von Köln. Er grenzt im Südosten an die Stadtteile Zollstock und Klettenberg, im Südwesten an die Nachbargemeinde Hürth-Efferen, im Norden an die Kölner Neustadt-Süd und im Nordwesten an den Stadtteil Lindenthal. Mit Klettenberg ist Sülz durch eine Vielzahl gemeinschaftlich genutzter Einrichtungen wie Schulen, Kirchen und Einkaufsstraßen zusammengewachsen.

Die genauen Grenzen sind wie folgt: Zu Sülz gehören alle Straßen westlich der Luxemburger Straße und die Straßen des Rechtecks ab Gottesweg bis zur Bahnlinie und der Zülpicher Straße (inklusive), diese stadtauswärts weiter bis zur Gleueler Straße (exklusive) bis zum Autobahnring, dann der Sektor bis zur Luxemburger Straße (exklusive) bis zum Gottesweg.

Bevölkerungsstruktur mini|hochkant|links|Berrenrather Straße mit St. Nikolaus in Köln-Sülz (2005) Durchschnittsalter der Bevölkerung (2023): 41,4 Jahre (Kölner Durchschnitt: 42,4 Jahre) Ausländeranteil (2023): 10,9 % (Kölner Durchschnitt: 20,9 %) Arbeitslosenquote (2022): 3,8 % (Kölner Durchschnitt: 8,4 %)

Weitere Strukturdaten Sülz hatte zum 31. Dezember 2024:https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf15/statistik-standardinformationen/koelner_stadtteilinformationen_-_zahlen_2024.pdf

36.666 Einwohner und ist damit der viertgrößte Kölner Stadtteil einen Frauenüberschuss (19.549 weibliche gegenüber 17.117 männlichen Einwohnern) 21.574 ledige und 10.839 verheiratete Einwohner (Stand: 2017) 24.580 Bürger im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, 4.632 Bürger jünger als 18 und 7.454 Bürger älter als 60 Jahre 13.493 Katholiken, 6.905 Protestanten und 16.289 Sonstige und nicht konfessionell Gebundene (Stand: 2017) 22.258 Haushalte, davon 13.682 Ein- und 5.234 Zweipersonen-Haushalte 26,4 % Anteil an Erholungsflächen

Geschichte mini|hochkant|Weißhaus

Der Name Sülz leitet sich vom Fronhof Sulpece ab, der im Jahr 1145 erstmals urkundlich als Villa Sultz erwähnt und 1181 in Sulpze umbenannt wurde. Der „Hof Sülz“ ist seit 966 als Weingut urkundlich belegt. Der Fronhof gehörte bis zur Säkularisation zu den zwölf Mensalgütern (Tafelgütern) der 957 gegründeten Benediktinerabtei St. Pantaleon. Diese sorgte 1198 mit dem Bau des Weiherklosters und insgesamt neun Burgen und Rittergütern in dessen Umgebung, die sich 1240 zu einer Burgengenossenschaft zusammenschlossen, für einen Aufschwung im heutigen Sülzer Gebiet. Der Hofverband des Klosters war um den Fronhof gruppiert, der ein geschlossenes Areal war. 1251 verpachtete Abt Hermann II. den Fronhof dem „Colonus“ Mathias zu Halfenbau auf neun Jahre; der Pächter hatte unter anderem den Stallmist auf die Äcker des Hofes zu tragen.

Der Hof wurde 1474 im Kölner Neusser Krieg bei Anrücken des Heeres Karls des Kühnen ebenso wie die im 12. Jahrhundert gebaute Wallfahrtskapelle St. Nikolaus und die gesamte Bebauung vor der Kölner Stadtmauer aus Sicherheitsgründen durch die Stadt Köln zerstört, um dem Feind jede Deckung zu nehmen. Bei der ersten Katasteraufnahme war er 482,26 preußische Morgen groß. Ab 1487 baute man den alten Hof als Villa Nova an der Berrenrather Straße wieder auf. Er bildete mit dem 1378 urkundlich erwähnten Weißhaus auf der Luxemburger Straße und dem später zu Köln-Klettenberg gehörenden Komarhof und dem Klettenberger Hof eine Wirtschaftseinheit. Heute erinnert die Neuenhöfer Allee als ehemals repräsentative Zufahrt vom Krieler Dömchen aus an den Fronhof, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde.

Im 19. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Stadtteils landwirtschaftlich geprägt. Die neuzeitliche Entwicklung von Sülz begann, wie Hess 2019 ausführt, 1836/37 mit den Aussiedlerhöfen der Kölner Ackererfamilie Heuser an der Berrenrather Straße „auf der Sülz“.Alexander Hess: Von Bauernhöfen, Ziegeleien und Schusslinien. Aspekte der Sülzer und Klettenberger Ortsgeschichte. In: Eusebius Wirdeier: Fotogeschichten Sülz und Klettenberg 1855–1985. Emons, Köln 2019, S. 10, 14 f. Ihrem Beispiel folgend siedelten sich hier weitere Bauern an, so dass ein Verzeichnis der Gemeinde Kriel für 1858 bereits fünf Höfe, die abseits der Berrenrather Straße auf ihren langen Grundstücken lagen, verzeichnet.Hess, S. 14.

Parallel dazu begann an der Zülpicher Straße (Krieler Pfad) die Ära der Ziegeleien in Sülz. 1845 kaufte der Kölner Bauunternehmer Heinrich Wagner dem Kölner Ziegeleibesitzer Heinrich Felten, der bis 1855 zwischen der heutigen Lindenburg und der Zülpicher Straße eine oder mehrere Ziegeleien betrieb, 13 Morgen Land südlich der Zülpicher Straße ab. Wagner legte hier eine Ziegelei und später im Bereich der Ägidiusstraße eine Sandgrube an. Zur besseren Erschließung seines Geländes ersetzte er den Trampelpfad durch einen Privatweg zwischen Zülpicher und Berrenrather Straße, die später nach ihm benannte Wagnerstraße, die heutige Ägidiusstraße. An dieser errichtete er auch einige Häuser für seine Ziegelarbeiter sowie zum Verkauf.

In der weiteren Entwicklung siedelten sich neben den Landwirten und Ziegeleien zunächst kleine Gewerbebetriebe und Fabriken – auf ausgeziegeltem Gelände – im Bereich zwischen Sülzburg- und Ägidiusstraße an, daraus folgte ein enormer Bevölkerungszuzug. In Sülz gab es Maschinenfabriken und Spinnereien; es wurden Fahrräder, Motorräder, Autos und Tabakverarbeitungsmaschinen gebaut, Goldleisten, Buchdruckerschwärze, Möbel, Bogenlampen, Bürsten, Lacke, Lakritz, Zigarren, Angeln, Mieder und Strohhüte hergestellt und Brot gebacken. Auf diese Weise entstand die seinerzeit für Sülz typische Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Die Gebäude vieler Betriebsstätten sind heute noch erhalten.

mini|hochkant|Strohhutfabrik Silberberg & Mayer Bekannte ansässige und teilweise branchenführende Unternehmen waren beispielsweise:

Tabakverarbeitungsmaschinen Wilh. Quester, Berrenrather Straße – Carré zwischen Sülzburg und Gerolsteiner Straße Cito-Fahrradwerke, Luxemburger Straße Allright-Fahrradwerke, Neuenhöfer Allee, später mit Cito zu den Köln-Lindenthaler Metallwerken verschmolzen Ehemalige Strohhutfabrik Silberberg & Mayer, Lotharstraße Heinrich Dumont Zigarrenfabrik, Berrenrather Straße 186–190, seit 1938 an derselben Stelle, dann Schirmfabrik Gebrüder Nolte und in den 1960er Jahren Angelgerätehersteller Brink, später von Noris aufgekauft und mit Shakespeare zu Noris-Shakespeare verschmolzen Brotfabrik Hermann, Manderscheider Straße (erhalten ist nur noch das Verwaltungsgebäude an der Ecke zur Luxemburger Straße) Kölner Motorenwagenfabrik, Marsiliusstraße (gegründet 1897), später Priamus-Automobilwerke

Sülz gehörte im 19. Jahrhundert zur Gemeinde Kriel in der Bürgermeisterei Efferen des Landkreises Köln. Zusammen mit der gesamten Gemeinde Kriel wurde Sülz 1888 in die Stadt Köln eingemeindet.

In einer zweiten Entwicklungsstufe wurden nach der Jahrhundertwende in Sülz zentrumsnahe Wohngebiete für die Kölner entlang der noch aus römischer Zeit stammenden Ausfallstraßen sowie im Bereich zwischen Berrenrather und Luxemburger Straße erschlossen, die nun planerisch auf architektonische Elemente der Kölner Neustadt zurückgreifend gestaltet wurden und unterschiedliche Zentren wie Wohnbebauung, Geschäftsansiedlungen, Plätze, Grünflächen sowie Kirchen- und Schulbebauung berücksichtigten.

Straßen, Plätze und Grünanlagen Straßen

mini|hochkant|Eisenwaren Bosen mini|Kurze Drohnenaufnahme vom Sülzgürtel In der Ägidiusstraße, der ehemaligen Wagnerstraße, begann 1845 die eigentliche Besiedlung von Sülz. Hier und in dem weiteren kleinen, nahezu rechtwinkeligen Straßenraster zwischen Berrenrather und Zülpicher Straße sowie Weyertal und Sülzburgstraße und der Gustav-, Redwitz- und Marsiliusstraße fand nicht nur die erste gewerbliche Besiedlung statt, hier wurden auch die ersten zweistöckigen Wohnhäuser für Arbeiter gebaut und Handelswaren feilgeboten. In der Marsiliusstraße steht heute noch die 1875 in einem damals typischen und später mit der geschlossenen Fensterfront in der ersten Etage veränderten Dreifensterhaus gegründete und 1998 geschlossene Eisenwarenhandlung Bosen, deren Inventar geborgen und in einem Museum wieder aufgebaut werden soll.

Knapp 100 Jahre nach dem Beginn der Sülzer Besiedlung bildete die kreuzende Palanterstraße die „Rote Zelle“ in dem ansonsten überwiegend von Nationalsozialisten durchsetzten Sülz (heute starke Rot-Grün-Mehrheit). Hier drängelten sich in den Wohnungen einfache Arbeitergroßfamilien, die sich mit denen aus angrenzenden Veedeln prügelten. Die Nationalsozialisten hielten gerade deshalb vorwiegend dort ihre Parademärsche ab. In der Palanterstraße war auch der Boxer und dreimalige deutsche Meister im Mittelgewicht Peter Müller zu Hause.

Die Berrenrather, Luxemburger und Zülpicher Straße sind die drei großen geraden Ausfallstraßen, die sowohl stadtauswärts führen als auch Sülz mit der Kölner Innenstadt verbinden. Sie stammen noch aus römischer Zeit. Hier verkehren auch die Öffentlichen Verkehrsmittel, die in Sülz ausschließlich oberirdisch verlaufende Stadtbahn auf Luxemburger und Zülpicher Straße und Busse auf der Berrenrather Straße.

mini|hochkant|Neuenhöfer Allee Quer durch den Stadtteil verlaufen das Weyertal und die ehemalige Kaiserstraße, die mit der Eingemeindung in Sülzburgstraße und in ihrer Verlängerung ab der Luxemburger Straße in Gottesweg umbenannt wurde. Die Sülzburgstraße bildet seit der Jahrhundertwende zwischen Berrenrather und Luxemburger Straße eine der Einkaufsstraßen der Sülzer sowie der benachbarten Klettenberger, und in dieser Höhe haben sich auch in den großen Nachbarstraßen zahlreiche Geschäfte angesiedelt, so dass dieses Carré das Zentrum von Sülz bildet.

Die weiteren verkehrstechnischen Verbindungen zu den benachbarten Stadtteilen sind die Militärringstraße, der Sülzgürtel, auf dem ebenfalls eine Stadtbahnlinie fährt, sowie die die Innere Kanalstraße im Sülzer Bereich fortführenden Straßen Universitätsstraße und Weißhausstraße. Zwischen Militärring und Sülzgürtel befindet sich auch die am Beethovenpark vorbeiführende Neuenhöfer Allee.

Plätze und Grünanlagen mini|Beethovenpark mini|Decksteiner Weiher In der zweiten Entwicklungsphase wurden insgesamt sieben Plätze angelegt: die beiden Veranstaltungs- und Marktplätze Auerbach- und Hermeskeiler Platz sowie die multifunktionalen grünen Stadtplätze des Kölner Gartendirektors Fritz Encke. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Asbergplatz (1912). Hier gibt es, wie auch auf dem De-Noël-Platz (1904/05), dem Manderscheider Platz (1911) und dem Nikolausplatz (1912) sowohl Spielplätze als auch bepflanzte Ruhezonen.

Der nach Geheimrat Benjamin Auerbach, der 1885 bis 1935 das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache leitete, benannte Auerbachplatz und der Hermeskeiler Platz dienen zweimal wöchentlich als Marktplätze und stehen ansonsten für Volksfeste und als Parkplätze zur Verfügung. Der Auerbachplatz verfügt im östlichen Bereich über Spiel- und Ruhezonen und im westlichen Teil über eine Tiefgarage.

Historisch gesehen lag Sülz im 19. Jahrhundert zwischen dem inneren und dem äußeren Kölner Festungsgürtel. Nach der Aufhebung der Festungseigenschaft wurden die ehemaligen Schussfelder (Rayonflächen) ab den 1920er Jahren in den inneren Grüngürtel und in den äußeren Grüngürtel umgewandelt. Den äußeren Grüngürtel gestaltete die Stadt nach Plänen von Oberbürgermeister Konrad Adenauer, dem Städtebauer Fritz Schumacher und den Gartendirektoren Fritz Encke und Theodor Nussbaum nach dem Vorbild der seit der Jahrhundertwende diskutierten Gartenstadt- und „Green-belt“-Ideen als einen Wald- und Wiesengürtel mit Volkswiesen und Sportplätzen.