mini|Frau der Acoma, Edward Curtis, 1926 mini|hochkant=1.8|Lage des Acoma-Pueblos, benachbarter Pueblos und Reservate in New Mexico

Die Acoma sind eines von neunzehn Völkern der Pueblo-Kultur. Sie leben heute im Reservat Acoma Pueblo westlich von Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico. Der Name stammt von der Keres-Bezeichnung Akoma und bedeutet Volk vom weißen Felsen. Das Reservat wurde auf dem Gebiet dreier traditioneller Wohnstätten der Acoma errichtet, darunter dem eigentlichen Acoma-Pueblo (auch Himmelsstadt und von den spanischen Missionaren Königtum von Acus genannt), der Hauptsiedlung der Acoma, die auf einer Mesa, rund 120 Meter über der Steppe liegt.

Die traditionelle Wirtschaftsweise der Acoma bestand aus Ackerbau, vor allem dem Anbau von Mais, Bohnen und Kürbissen, und Schafzucht, die durch Gemeinschafts- und Einzeljagd auf Gabelböcke, Bären und Kleinwild ergänzt wurden. Die Acoma kannten keine Brunnen oder Staudämme, sondern fingen das Regenwasser in natürlichen und künstlichen Zisternen auf. Die Grundlage der Gesellschaft war ein matrilineares Clansystem – die Häuser und Felder wurden in weiblicher Linie vererbt. Die Männer zogen bei der Heirat in das Haus der Ehefrau (Matrilokalität). Große Bedeutung hatten außerdem die Geheimgesellschaften (Männerbünde), in denen medizinisches Wissen überliefert wurde. Sprache Die Acoma sprechen eine Varietät des Keres, das als isolierte Sprache gilt.

Geschichte Entstehungsmythos Gemäß den Mythen der Acoma gründete ihr Volk auf zwei Frauen, Nautsiti und Iatiku, die aus der Unterwelt heraufgestiegen waren. Sie erweckten mit Hilfe der Sonne alle anderen Lebewesen zum Leben. Anschließend heirateten die beiden Schwestern Männer und gebaren Kinder. Iatiku blieb dort, wo heute der Acoma-Pueblo steht und ihre Töchter wurden Clanmütter. Inzwischen war Nautsiti nach Osten gezogen. Da später die Spanier von Osten her kamen, hielten die Acoma sie für Nachkommen von Nautsiti und begegneten ihnen anfänglich überaus freundlich, bis sie ihren Irrtum bemerkten.

Prähistorie mini|Der Acoma-Pueblo auf dem 120 m hohen Tafelberg. Die Vorfahren der Acoma bestanden aus vier Gruppen, eine davon bewohnte den Pueblo seit frühen prähistorischen Zeiten, eine andere stieß um 1300 v. Chr. aus der Gegend von Mesa Verde hinzu. Die übrigen beiden Gruppen wanderten vermutlich von der Cebollita-Region her. Das Gebiet der Acoma dehnte sich damals vom Rio Grande aus nach Westen bis zur El-Morro-Gegend. Sicher ist, dass im 13. Jahrhundert Migrationen ins Acoma-Territorium stattfanden.

In drei Stufen – Acoma I bis Acoma III genannt – entwickelten sich die anfänglichen einfachen Ein-Raum-Pueblo hin zu den heutigen komplexen Bauten.

Um 1200 v. Chr. begann sich die Töpferei der Acoma von derjenigen der Zuñi zu unterscheiden, indem sie vulkanische Tonmischungen verwendeten.

Neben dem Acoma-Pueblo konnten bislang verschiedene Dörfer identifiziert werden: Acomita, McYartys, Locomotive Rock, Spider Spring, Cebolla und Questa. Diese dienten den Acoma primär als Lager zum Ackerbau und zum Viehhüten, während das alte Acoma-Pueblo als Basisniederlassung verwendet wurde.

Erste Kontakte mit den Spaniern Bereits 1539, also zu Beginn der Kolonialisierung, wurde Acoma erstmals von Marcos de Niza erwähnt, der auf seiner Expedition von den Acoma hörte, ihnen jedoch nicht selbst begegnete. Trotzdem sprach er von einer Stadt voller Gold- und Silberschätze, was das Interesse der Spanier weckte. Der spanische Konquistador Francisco Vásquez Coronado, der 1540 eine Expedition zur Suche nach den sagenhaften sieben goldenen Städten von Cibola im Südwesten der späteren USA anführte, sandte seinen Hauptmann Hernando de Alvarado weiter ostwärts. Dieser brach am 29. August 1540 auf und stieß nach fünf Tagen auf den Acuco-Pueblo der Acoma. Er beschrieb die Bewohner als „...Räuber, die im ganzen Land gefürchtet sind“. mini|Zugang zum Acoma-Pueblo 1904 (E.S. Curtis) Der Pueblo befand sich auf einem Felsen und war nur über eine Treppe zu betreten. An der Felskante lagen eine Menge kleinerer und größerer Steine bereit, die auf allfällige Angreifer herab gerollt werden konnten, ohne dass sich die Bewohner zeigen mussten. In 120 Metern Höhe lebten etwa 200 Krieger mit ihren Familien in den Gebäuden des Pueblos, das sich über vier Stockwerke erstreckte. Im obersten Stockwerk befanden sich Zisternen für Regenwasser und Lagerräume für Mais. Die Bewohner hielten Truthähne und verarbeiteten Baumwolle, Hirschhäute, Büffelfelle, Mais und Gemüse sowie Türkise. Von Gold- und Silberschätzen konnte aber keine Rede sein.

Auch in den folgenden Jahren besuchten verschiedene Expeditionen der Spanier die Acoma. Eine Expedition, die 1582 den Acoma-Pueblo erreichte, schätzte deren Bevölkerung auf 6.000 Personen.

1595 sandte der spanische Vizekönig den Konquistador Juan de Oñate aus, um das heutige New Mexico in Besitz zu nehmen und zu kolonisieren. Am 20. April 1598 setzte er sich mit 129 spanischen Soldaten, deren Frauen und Kindern sowie 10 Franziskanern und zwei Laienmissionaren in Marsch. Am 27. Oktober 1598 eroberte er das Acoma-Pueblo unter Häuptling Zutacapan, ohne auf Widerstand zu treffen. Ihm und seiner Truppe ging das Gerücht voraus, die Spanier seien unsterblich, weshalb die Acoma es vorzogen, keinen Krieg gegen sie zu führen. Oñate fürchtete jedoch, dass die Acoma ein Komplott gegen ihn schmiedeten, und zog sich zunächst wieder zurück.

Am 1. Dezember 1598 traf Juan de Zaldivar, ein Neffe von Oñate, mit 20–30 Männern beim Pueblo ein. Drei Tage später verließ er mit 16 Männern in voller Rüstung sein Lager und erkletterte den Tafelberg des Pueblos. Dort kam es zu einer Auseinandersetzung, bei der die Acoma Zaldivar und alle seine Männer bis auf fünf töteten. Die Flüchtenden eilten den Steilhang hinunter, wobei sich einer tödlich verletzte. Die übrigen vier entkamen zu ihren Gefährten, die im Lager auf sie warteten. Weshalb es zu der Auseinandersetzung kam, ist unklar. Eine Überlieferung der Acoma besagt, dass die Spanier einige Acoma-Frauen angegriffen hätten. mini|Aufstieg zum Acoma-Pueblo 1904 (E.S. Curtis) Oñate sandte Juan de Zaldivars Bruder Vicente aus, um Juan zu rächen. Am 21. Januar 1599 erreichte dieser mit 70 Männern den Pueblo. Die Acoma hatten inzwischen bei befreundeten Stämmen um Hilfe gebeten, und besonders Apachen-Krieger hatten Folge geleistet. Der Kampf dauerte drei Tage, bis zwölf Spanier unbeobachtet im Süden den Pueblo erklettern konnten. Sie eroberten den ganzen Pueblo und verloren dabei nur einen Mann. Gegen Mittag des 24. Januars kapitulierten die Acoma. Von den schätzungsweise 6.000 Acoma hatten 800 ihr Leben verloren.

Im Februar 1599 richteten die Spanier über die Acoma: Den männlichen Acoma über 25 Jahren wurde je ein Fuß abgehackt, und sie mussten 20 Jahre lang bei den Spaniern Dienst leisten. Alle männlichen Acoma zwischen 12 und 25 Jahren mussten ebenfalls 20 Jahre Dienst leisten, genauso wie alle Frauen über 12 Jahre. Zwei Indianern, die beim Überfall der Spanier gerade als Besucher im Pueblo weilten, wurde die rechte Hand abgehackt, anschließend schickten die Spanier die Abgeurteilten zur Warnung in deren eigene Pueblos zurück. Was beschönigend persönlicher Dienst genannt wurde, war tatsächlich Sklaverei.

Oñates Vorgehen löste bis zum spanischen Hof Protest aus. Trotzdem konnte sich Oñate bis 1609 in seinem Amt halten. Anschließend wurde ihm allerdings verboten, seinen Fuß in das Gebiet von New Mexico zu setzen. Zusätzlich musste er eine Geldstrafe von 6.000 Dukaten bezahlen. Auch Vicente de Zaldivar durfte acht Jahre lang New Mexico nicht betreten. Oñates Nachfolger Pedro de Peralta führte nur geringe Reformen im Verwaltungssystem durch. Den Acoma begegnete er genauso intolerant wie seine Vorgänger und zwang ihnen mit Hilfe der Franziskaner das Christentum und spanische Bildung auf. Zudem presste er ihnen hohe Steuern ab.

Nachdem die Zeit des Frondienstes ausgelaufen war, kehrten die Acoma nach und nach in ihr Dorf zurück. Zusammen mit Bewohnern anderer Pueblos, die nach Konflikten mit den spanischen Verwaltern oder Missionaren geflohen waren, bauten sie zwischen 1599 und 1620 das zerstörte Pueblo wieder auf. Nach den blutigen Zusammenstößen hatten die Spanier den Acoma-Pueblo lange Zeit gemieden. Erst um 1629 ließ sich mit Juan Ramirez wieder ein Missionar dort nieder. 1630 lebten wieder etwa 2.000 Menschen im Pueblo. Diese Zahl sank in der Folge kontinuierlich.

Pueblo-Aufstand Nachdem andere Franziskaner folgten, wurden die Zeiten schlechter für die Acoma. Sie verloren ihre besten Anbaufelder. Zwischen 1645 und 1675 wurde die Unterdrückung durch die Spanier immer deutlicher, insbesondere durften die Acoma ihre traditionelle Religion nicht mehr praktizieren, von der sie sich trotz der Konversion zum Christentum nicht losgesagt hatten. Als die Pueblo-Völker 1680 gegen die Spanier revoltierten, nahmen auch die Acoma am Aufstand teil. Sie verbrannten alle christlichen Symbole; „ihr“ franziskanischer Priester Lucas Maldonado konnte vermutlich noch rechtzeitig fliehen. Wegen ihrer geografischen Abgelegenheit spielte der Acoma-Pueblo beim Aufstand keine sehr bedeutende Rolle. Die Acoma verhielten sich den Spaniern gegenüber auch noch feindlich, als 1695 einige Pueblo-Gruppen vor allem der Keres den Aufstand beendeten. Sie verbündeten sich mit den Hopi, Zuñi und Apachen. Während des Aufstands zogen viele Flüchtlinge der befreundeten Stämme ins Acoma-Pueblo. 1681 versuchten die Spanier New Mexico zurückzuerobern; sie scheiterten.

Am 15. August 1696 griffen die Spanier unter Diego de Vargas den Acoma-Pueblo an. Sie nahmen fünf Gefangene, darunter ein Häuptling. Doch gelang es ihnen nicht, den Pueblo zu erobern. Vargas ließ die Gefangenen erschießen, zerstörte die Felder der Acoma und zog wieder ab.

Gemäß mündlichen Überlieferungen verließen die im Pueblo angesiedelten Flüchtlinge anderer Pueblos zwischen 1697 und 1699 das Acoma-Pueblo und siedelten an einem nahegelegenen See. Die Siedlung wurde bekannt als Laguna. Etwa zur selben Zeit nahmen die Acoma einige ihrer saisonalen Lager wieder in Betrieb.

Am 6. Juli 1699 griff Vargas Nachfolger Pedro Rodriguez Cubero den Acoma-Pueblo an. Die Acoma ergaben sich, nachdem sie wussten, dass all ihre Verbündeten ebenfalls kapituliert hatten. Anschließend wurde die Mission wieder errichtet. Die Acoma schworen der spanischen Krone Treue; diese Entscheidung erlaubte es ihnen, in der Folge wieder Felder anzulegen und ihre Schafherden wieder aufzubauen.

18. – 20. Jahrhundert mini|Treppenaufgang zum Acoma Pueblo, ca. 1899 Im 18. Jahrhundert lebten die Acoma in Frieden mit den Spaniern, abgesehen von vereinzelten Vorfällen. Die Missionare sahen ein, dass sie die Kivas und damit auch die traditionellen Zeremonien nicht aus dem Pueblo verdrängen konnten. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern versuchten sie nicht, dies mit Gewalt durchzusetzen. Die Spanier und die Pueblo-Völker wurden vermehrt durch Überfälle der Nomadenstämme, hauptsächlich Comanche, Diné und Apache, bedroht und verbündeten sich gegen diese gemeinsamen Feinde.

Die Acoma genossen fortan eine ruhige Zeit, Ackerbau und Handel erlebten eine neue Blüte. Jagdgesellschaften der Acoma stießen weit in den Norden vor und kamen mit Bisonfellen zurück, die sie nach Mexiko verkauften. Zu Spannungen kam es 1750, als die Spanier versuchten, Diné in der Nähe der Acoma anzusiedeln. Der Siedlungsplan wurde bald verworfen; die Acoma waren nicht nur dagegen, weil sie den Diné feindlich gesinnt waren, sondern auch, weil die Ressourcen zu knapp waren.

1780–1781 wurden die Acoma durch eine Pocken-Epidemie von rund 1.500 Menschen auf etwa 530 reduziert. Bis 1795 hatte sich ihre Zahl wieder auf 900 erholt.