mini|Die Lage Pasargadae im Einzugsgebiet des Kur mit dem Nebenfluss Pulvar, der an Pasargadae vorbeifließt mini|Plan von Pasargadae
Die altpersische Residenzstadt Pasargadae oder Pasargad (; , ) liegt in Höhe auf der Murghab-Ebene im Einzugsgebiet des Kur (heutige Provinz Fars im Südwesten Irans) und war die erste Residenz der Achämeniden, etwa 130 km nordöstlich von Schiras. Die Gegend zieht Nutzen aus den permanenten Wasserressourcen des Nebenflusses des Kur und einem milden Klima im Sommer.Rémy Boucharlat: Persia (including Khūzestān). In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken 2021, S. 190.
Name Der elamische Name für die Residenz des Kyros II. lautet Batrakataš. Das Toponym ist auf mehreren Tontafeln des Festungsarchivs von Persepolis im Zusammenhang von königlichen Lagerhäusern und dem königlichen Schatz überliefert. Von der heutigen Wissenschaft wird der elamische Name wegen seiner Nähe zum antiken griechischen Begriff Pasargadai als Synonym für die Residenz von Kyros II. in der Bedeutung „beschützendes Haus“ interpretiert. Die Erwähnung in den Tontafeln von Persepolis ist der älteste Beleg auf den Namen der Residenz.
In der Antike wird Pasargadae erstmals von Herodot in seinen Historien überliefert. Er verwendet den Begriff für den wichtigsten der persischen Stämme und gibt keinen Hinweis auf eine Ortsangabe.Herodot, Historien 1.125. online Man nimmt heute aber an, dass der Ort unter den Griechen des 4. Jahrhunderts v. Chr. bekannt war. Der deutlichste Hinweis liefert eine aramäische Zusammenfassung eines längeren fragmentarischen griechischen Texts auf einer Wegmarke aus der Seleukidischen Ära auf dem Tall-e Takht, die in den frühen 1960er Jahren gefunden wurde.Stronach 1978, Tafel 136. Die lange Zeit verbreitete Meinung, dass die Residenz von Kyros II. ursprünglich die Schreibweise Parsa statt Pasa hatte, wird heute nicht mehr geteilt. Denn erst unter Dareios I. wurde die Herrschaft der Könige persisch und führte zur Namensgebung der nächsten königlichen Residenz (Persepolis) und die Umbenennung des südwestlichen Iran von Anschan in Parsa.
Entwicklung der Architektur im südwestlichen Iran Aufgrund einer Reihe von Ausgrabungen hat man heute eine ungefähre Vorstellung von der traditionellen iranischen Architektur vor den Achämeniden. Vom 8. bis 6. Jahrhundert legte man große Felsbrocken direkt auf den Boden. Flache Steine wurden unter die Säulen aus Holz gestellt und um die Sockel Lehmziegel und Gips geschichtet. Holz wurde für die Säulen, Sparren, Türstürze und Treppen verwendet, Lehmziegel für die oberen Wände und Bögen. Schmale Fenster in der Breite eines Bleistifts und Schießscharten prägten das Bild gegen außen, während Türöffnungen, Wandaussparungen und blinde Fenster dem Innern vorbehalten waren.Stronach 1978, S. 11–12.
Die Ruinen von Pasargadae, dem ältesten der Paläste der Achämenidenkönige, sind Ausdruck einer grundlegenden Änderung in der Bautätigkeit im Südwesten Irans und Zeugnis einer herausragenden Steintechnik, deren Herkunft in Lydien und Ionien lag. Die riesigen Steine der Fassade der Plattform von Tall-e Takht wurden ohne Mörtel zusammengefügt, wobei sich die Steinmetze einer fortschrittlichen Fugentechnik bedienten, Anathyrosis genannt. Diese Technik ermöglicht ein stabiles Produkt mit minimalem Aufwand, in dem nur die Randstreifen geglättet und abgeglichen werden.Stronach 1978, S. 13.
Anlage Tall-e Takht mini|Die Plattform von Tall-e Takht von Südwesten mini|Die behauenen Steinquader von Tall-e Takht der ersten Schicht und dahinter die zweite Schicht mit dem rötlichen Sandstein
Der Tall-e Takht, der Thronhügel, ist eine mit Steinen geebnete Plattform und befindet sich im Nordosten der Murghab-Ebene. Sie ist lokal bekannt unter dem Namen „Takht-i Madar-i Sulaiman“ (der Thron der Mutter von Salomo). Die Plattform misst im Norden 66 m, im Westen 79 m und im Süden 98 m. Die historischen Bautätigkeiten können in vier Perioden unterteilt werden: Periode I bezeichnet die Bautätigkeit unter Kyros II. Periode II umfasst ausgedehnte Lehmziegelkonstruktionen vom späten 6. bis zum frühen 3. Jahrhundert v. Chr. Periode III ist der Beleg für eine dritte Wiederbesetzung und Periode IV zeigt Spuren einer befestigten vor-islamischen Besiedelung.Stronach 1978, S. 11.
Von den baulichen Überresten der Periode I können drei Schichten unterschieden werden: eine äußere und innere Mauer mit einem Kern. Die äußere Mauer bestand aus behauenen Kalksteinen mit verschiedenen Längen, die bis zu zwanzig Mal übereinander arrangiert waren und dort eine Höhe von 14,5 m erreichten. Sie bestand aus rechteckigen Steinquadern von gleicher Höhe und unterschiedlicher Längen, die ohne Mörtel behauen und übereinander aufgeschichtet wurden. Überall dort, wo die Fassade mehr als ein paar Meter über dem Boden lag, wurde jede vertikale Verbindung mit einem Paar Schwalbenschwanzklammern aus Eisen und Blei verstärkt. Gerade diese Klammern waren in späterer Zeit ein begehrtes Gut, so dass an vielen Stellen die gewaltsame Entfernung der Klammern zu sehen ist. Die innere Mauer enthielt grob behauene rötliche Sandsteine in verschiedenen Formen und Größen. Im Kern wurden kleine dunkelgraue Kalksteine verwendet.
Ein Teil einer Brüstung im Süden ist erhalten geblieben. Sie besteht aus schweren Steinblöcken und ist mit Paneelen und Aufhängeleisten ausstaffiert. Ob Kyros II. geplant hatte, um die ganze Plattform eine Brüstung zu bauen, ist nicht klar.Stronach 1978, S. 13–15.
Auf der Nordseite wurden im 20. Jahrhundert von Archäologen zwei breite Treppen entdeckt, A und B. Sie deuten darauf hin, dass die Plattform nicht als befestigter und unbezwingbarer Stützpunkt vorgesehen war. Die Treppe B wurde 1951 von einem iranischen Team unter der Leitung von Ali Sami Shirazi und die Treppe A 1961 von britischen Archäologen ausgegraben. Die Treppe A weist eine Breite von 5,5 m auf, die Höhe einer Treppenstufe misst 26 cm und eine Tiefe von 53 cm. Die Treppe B weist eine Breite von 5,85 m auf, die Höhe einer Treppenstufe misst wie die Treppe A 26 cm und eine Tiefe von 53 cm.Stronach 1978, S. 15.
In die Mauer von Tall-e Takht wurden über 70 verschiedene Zeichen von Steinmetzen eingeritzt, die auf zwei verschiedene Baugruppen hindeuten. Sie zeigen Kreise, Kreuze und L-förmige Zeichen, die bereits von fragmentarischen Mauern vom lydischen Palast in Sardis bekannt sind. Es gibt Parallelen zwischen den Zeichen und östlichen-griechischen und anatolischen Siegeln, Münzen und bemalten Vasen.Stronach 1978, S. 21–22.
Das Basiswissen für das Mauerwerk der Plattform von Tall-e Takht stammt von Lydien und Ionien. Das Wissen um diese Technik kann erst ab 546 v. Chr. erfolgt sein, als die persische und griechische Kultur in einen kontinuierlichen Kontakt kam. Die Zeichen der Steinmetze deuten darauf hin, dass diese direkt vom unvollendeten Tempel der Artemis in Ephesos nach Pasargadae gebracht wurden. Die weiten Enden der Schwalbenschwanzklammern und die Abwesenheit des Zahnmeißels zeigen, dass die Arbeiten an der Plattform von kurzer Dauer waren. Der Zahnmeißel ist in Griechenland erst um 570 v. Chr. sichtbar und in Pasargadae nur vereinzelt zu erkennen. Erst ab 530 v. Chr. gewann das Werkzeug in Iran an Popularität, bevor es eine generelle Akzeptanz zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. erlangt. Der Bau der Plattform von Tall-e Takht wird aus diesen Gründen zeitlich auf 546 bis 530 v. Chr. festgelegt.Stronach 1978, S. 22–23.
Grabmal von Kyros II. mini|Das Grabmal von Kyros II.
Mit einer gewissen Distanz zu den übrigen Gebäuden dominiert das Grabmal von Kyros II. den Süden der Murghab-Ebene und zieht von überall her den Blick auf sich. Mit seinen monumentalen Steinblöcken und dem Fehlen von Dekorationen strahlt es „Würde, Einfachheit und Kraft“ aus. Seine Höhe mit den Treppen und der Grabkammer betrug wahrscheinlich über 11 m. Die unterste Stufe hat eine Höhe von 1,65 m, die zweite und dritte 1,05 m und die letzten drei je 57,5 cm. Die Grabkammer misst an der Basis 6,4 m Länge und 5,35 m Breite. Die Mauern sind 1,5 m dick. Die Türe ist 1,39 m hoch und 78 cm breit.Stronach 1978, S. 26–27. Zum Grabmal siehe auch Kyros II.#Grabmal
Mit seinen Dimensionen, seiner Erscheinung und in den Details weist es, etwa bei der Form des Giebeldach-Hauses, anatolische Einflüsse, im Besonderen lydische und ionische Merkmale, auf. Nimmt man noch die Form der elamischen Zikkurat hinzu, erscheint das Kyros-Grab als griechische, anatolische und iranische Synthese. Mit der Einführung einer neuen Bauweise und dem Beiziehen von Arbeitern aus vielen Ländern war es „zweifellos“ die Absicht von Kyros II., mit seinem Grab auf die Einzigartigkeit des achämenidischen Reichs hinzuweisen. Die Grabstätte wird auf 540 bis 530 v. Chr. datiert.Stronach 1978, S. 39–43.
Tor R mini|Die geflügelte Figur am Eingang von Tor R
Das Tor R steht im östlichen Teil des Palastbezirks von Pasargadae. Die Bezeichnung R für dieses Torgebäude stammt von dem ersten Ausgräber Ernst Herzfeld, der den Bau als Palast R, der Palast mit dem Relief, bezeichnet hat. Ursprünglich war das Tor R ein rechteckiger Bau von 28,5 m Länge und 25,5 m Breite. Die Halle als Hypostyl gebaut konnte durch zwei Haupt- und zwei Seiteneingänge betreten werden und war über 16 m hoch. Der nordöstliche Seiteneingang beherbergt das Relief mit der einen vierflügeligen Genius darstellenden Figur, deren Blick ins Innere des Tors gerichtet ist. Man vermutet, dass die anderen Eingänge innen und außen ebenso mit Reliefs geschmückt waren. Acht quadratische Säulensockel mit einer Seitenlänge von 2 m und einer Höhe von mindestens 20 cm zeigen die Position der Säulen an. Der Durchmesser der untersten Säulentrommel könnte 1,25 m Durchmesser betragen haben.Stronach 1978, S. 44–47.
Über der Figur auf dem Relief war ursprünglich die Inschrift CMa angebracht, die zwischen 1861 und 1874 mitsamt dem Stein spurlos verschwunden ist. Die Figur mit den vier Flügeln trägt die ägyptische Hemhem-Krone, die auf einer eng anliegenden gerippten Kappe angebracht ist. Die Kleidung besteht aus einem bodenlangen Fransengewand. Die Figur trägt keine Schuhe.Stronach 1978, S. 47–50.
Unter den verschiedenen architektonischen Einflüssen, die am Tor R sichtbar sind, liegen die deutlichsten einheimischen Spuren in der Gliederung. Hohe rechteckige Hallen mit zwei Säulenreihen finden sich bei Hasanlu 1000 bis 800 v. Chr. und bei den Medern im 7. Jahrhundert v. Chr. Die Besonderheit von Tor R ist seine Zusammenstellung von westlicher Bautechnik, Fundamenten, Steinpflaster, Sockeln, Säulen und Türrahmen, die alle das Material Stein verwenden. Diese bildeten eine enge Verbindung mit verputzten Lehmziegelmauern und einem teilweise aus Holz bestehenden Dach.Stronach 1978, S. 50–51.
Die geflügelte Figur hat ihren Ursprung im assyrischen Lamassu und im Besonderen im geflügelten magischen Wächter im Palast von Sargon II. in Khorsabad. Es wird vermutet, dass in Analogie zum Palast von Sargon II. die anderen Eingänge von Tor R mit Stier-Reliefs geschmückt waren. Die Haltung der Figur wiederum erinnert an die Basaltstele von Nabonid und die Kleidung wie auch die eng anliegende Kappe an die Darstellung des elamischen Prinzen am Ulai. Die Figur zeigt bemerkenswerte Parallelen mit den neubabylonischen, syrisch-phönizischen und elamischen Kulturen. Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Übernahme, sondern es zeigt sich bereit die Ruhe und Eleganz der späteren achämenidischen Skulpturen.Stronach 1978, S. 51–52.
Empfangshalle/Der Palast S mini|Die Empfangshalle (Palast S) mit dem Ante links und der Säule rechts. Vorne sind die Schichten des Steinbodens und die Sitzbank gut sichtbar mini|Links die Ante der Empfangshalle mit der Inschrift CMa. Auf der Bildmitte sind die Überreste des südöstlichen Eingangs (unter dem Schutzdach) zu sehen. Vor diesem Eingang standen ursprünglich zwei Reihen mit je 8 Säulen