Barrierefreies Internet sind Web-Angebote, die von allen Nutzern unabhängig von ihren Einschränkungen oder technischen Möglichkeiten uneingeschränkt (barrierefrei) genutzt werden können. Die Verwendung des Begriffs Internet ist hier eine umgangssprachliche Gleichsetzung mit .
Grundlagen Barrierefreiheit schließt sowohl Menschen mit oder ohne Behinderungen als auch Nutzer mit technischen (Textbrowser oder PDA) oder altersbedingten Einschränkungen (z. B. Sehschwächen) sowie ein, mit denen Suchmaschinen die Inhalte einer Webseite erfassen.
Statistisch gesehen nutzen Menschen mit Behinderungen das Internet überdurchschnittlich häufig und sind dabei auf eine spezielle Aufbereitung der Webangebote angewiesen, die über die übliche Darstellung (Rendering am Bildschirm, Audiodatenkonversion) hinausgeht, damit sie möglichst umfassend an der digitalen Welt teilhaben können.Welche Barrieren bestehen?, in: Barrierefreies E-Learning: Digitale Hürden überwinden, test.de, 6. Mai 2014, abgerufen am 22. Juni 2016. Blinde und sehbehinderte Nutzer lassen sich Webseiten per Software vorlesen oder in Brailleschrift ausgeben, gehörlose oder schwerhörige Menschen, deren erste Sprache die Gebärdensprache ist, benötigen auf sie zugeschnittene Darstellungsformate.
Neben der Berücksichtigung der Belange von behinderten Menschen bedeutet „barrierefrei“, dass auch Nutzer ohne körperliche oder geistige Behinderung das Internetangebot „barrierefrei“ nutzen können sollen. Neben der Zugänglichkeit () geht es um die Plattformunabhängigkeit - ein Internetangebot soll sowohl mit Bildschirm beliebigen Formats als auch mit PDA, Handy nutzbar bleiben. Es soll unabhängig vom verwendeten Betriebssystem und von der Software funktionieren (sofern diese standardkonform arbeiten).
Neben den technischen Zugangsbedingungen sollten zudem auch die Inhalte übersichtlich und in leichter Sprache präsentiert werden. Barrierefreiheit umfasst: Keine zu hohen, sondern dem Thema angemessene Anforderungen an Bildung, Ausbildung und intellektuelles Niveau zu stellen. Dieser Kontext ist insbesondere für die öffentlich-rechtlichen Webangebote bindend, um die Forderungen nach Gleichberechtigung auch für sprachlich benachteiligte Menschen in einem Land (andere Muttersprache als die Mehrheitssprache) zu realisieren. Dabei werden allerdings auch die Probleme älterer Menschen bzw. sozial benachteiligter Schichten erfasst, die nicht mit den Möglichkeiten und Methoden moderner Kommunikation aufgewachsen sind. Aspekte digitaler Barrierefreiheit werden dabei zunehmend bedeutsam.
Begriffsgeschichte Der Begriff Barrierefreiheit wurde ursprünglich im Bauwesen verwendet und bezeichnet Gebäude, die ohne Hindernisse beispielsweise für Rollstuhlfahrer zugänglich sind. Im Bereich der Informationstechnologie wurde der Begriff erstmals 1993 vom Dortmunder Zentrum Behinderung und Studium (DoBuS) verwendet als Metapher für Benutzungsschnittstellen von Software; es prägte dafür den eingängigen Begriff „barrierefreie Benutzungsschnittstelle“, der sich im deutschen Sprachraum allgemein durchgesetzt hat. Im Verein wurde das erste Mal die Forderung nach dem barrierefreien Internet öffentlichkeitswirksam gestellt. Dafür wurde der ursprünglich im Bauwesen verwendete Begriff auf den sich damals rasch entwickelnden Bereich des Internets übertragen. Die Hauptforderung des Vereins war, dass alle Informationen im Internet allen Nutzern unabhängig von der Anwendung bestimmter Programme zugänglich gemacht werden sollten.
Internet-Techniken, die Barrieren darstellen mini|Mittels verschiedener Geräte ist es auch körperlich Schwerbehinderten möglich, Computer zu benutzen. Die modernen Technologien der Informationsverarbeitung und das Webdesign bieten eine Fülle verschiedener Technologien, um Inhalte darzustellen, die in den letzten zehn Jahren rasch über die reine Aufbereitung von Text (Plain text) hinausgegangen sind. Ressourcenbedingt können die Hilfsmittel, die zur Darstellung notwendig sind, oft nicht adäquat nachgeführt werden, wenn es um Randgruppen geht. Solche Maßnahmen seitens der Anbieter von Webpräsenzen, aber auch der Bereitsteller von Infrastruktur und Betriebssoftware werden ausgrenzende Mechanismen genannt.
Gut strukturierter Text kann von blinden Menschen über eine Braillezeile mit entsprechender Software () gelesen werden. Auch Sehende profitieren beim Durchsuchen und Bearbeiten von Texten, wenn diese gut strukturiert sind. Bilder – oder Text, der in Bildern enthalten ist – sind für Blinde unzugänglich und sollten daher mit einem alternativen Text ergänzt werden. Frames sind kein Hindernis, wenn sie die Struktur unterstützen, beispielsweise Navigation und Inhalt trennen. Sehschwache benötigen die Skalierbarkeit der Schrift im Browser, um die Schriftgröße an ihre Sehschärfe anpassen zu können, ohne dass Inhalt oder Funktionalität verloren gehen. Menschen mit einer Seheinschränkung benötigen möglicherweise starke Kontraste und klare Schrift sowie die Möglichkeit, die Farbe von Schrift und Hintergrund anzupassen. Für Personen mit einer Farbfehlsichtigkeit, so etwa infolge einer Rot-Grün-Sehschwäche ist es problematisch, wenn Informationen über Farbe allein vermittelt werden. Hinweise wie „Drücken Sie die rote Taste“ sollten daher vermieden werden. Sehbehinderte Menschen sind benachteiligt, wenn die Navigation aus Bildern, Java-Applets oder Flash-Objekten besteht. Blinkende oder animierte Texte stellen für Menschen mit einer Sehbehinderung und/oder einer kognitiven Behinderung eine Barriere dar, da sie vom eigentlichen Inhalt ablenken. Personen mit Spastiken oder anderen motorischen Störungen, die keine Maus bedienen können, müssen mit der Tastatur navigieren. Sie bewegen sich (meist mit der Tabulatortaste) durch die Links, Formularelemente und andere aktive Objekte auf der Seite. Damit eine Webseite gut mit der Tastatur bedient werden kann, ist es wichtig, dass die Elemente in einer sinnvollen Reihenfolge angesteuert werden und dass jederzeit klar erkennbar ist, welches Element gerade den Fokus hat. Gehörlose Menschen haben oft als erste Sprache die Gebärdensprache gelernt. Die Schriftsprache ist für sie eine Fremdsprache und meist schwer verständlich. Akustische Inhalte können von gehörlosen Menschen nicht aufgenommen werden. Sie sollten deswegen durch visuell wahrnehmbare Inhalte ersetzt oder von ihnen begleitet werden. Barrierefrei sind für sie Webseiten, die in Gebärdensprache dargestellt werden. Menschen mit kognitiven Behinderungen haben meist Probleme, lange und umständlich formulierte Texte mit schwierigen Schachtelsätzen und Fremdwörtern sowie komplexe Navigationen zu verstehen. Deswegen ist es sinnvoll, Webseiten in sogenannter leichter Sprache zu verfassen oder Übersetzungen in die leichte Sprache anzubieten. Viele der derzeit üblichen Content-Management-Systeme (CMS) erzeugen Seiten, die für behinderte Menschen schlecht zugänglich sind. Nur sehr wenige Systeme oder Verfahren unterstützen die Autoren mit barrierefreien Eingabemöglichkeiten. Die Nichteinhaltung technischer Standards (inkorrekte Codierung von Umlauten, ungültiges HTML) erzeugt Webseiten, die nur von bestimmten Browsern so dargestellt werden, wie es der Autor beabsichtigt hat. Dynamisch aufbereitete und interaktiv zugängliche Information stellt eine informationssoziologische Innovation in ähnlichem Ausmaß wie das Internet selbst dar. Die Risiken ausgrenzender Mechanismen steigen aber entsprechend der Vielfalt der Möglichkeiten. Mit der Verbreitung von Ajax besteht die Gefahr, dass die Barrierefreiheit noch schneller ins Hintertreffen gerät. Zu Touchscreens (insbesondere Mobiltelefonen) ist in der Regel keine Maus oder anderes Eingabegerät mit Ausnahme der Finger vorhanden. Damit können keine Tooltips dargestellt werden, auch eine Statuszeile kann keine Zusatzinformationen liefern, und ein Zugang zu Funktionen über die „rechte Maustaste“ (bei Linkshändern oft links), wie z. B. ein Kontextmenü, ist nicht möglich. Das Berühren eines Links führt auch sofort zu dessen Aufruf und dann auf eine neue Seite.
Zusammenhang von Web-Accessibility für den Menschen und Zugänglichkeit für Robots Zunehmend werden Informationen nicht ausschließlich vom Benutzer, sondern auch von Software selbst abgefragt, im Allgemeinen über relativ einfache Skripte, die die Daten in geeigneter Form an komplexere Programme oder einen Menschen weitervermitteln. Weil diese automatisch oder halbautomatisch laufen, werden sie allgemein Robot oder Bot genannt.
Internet-Suchmaschinen indizieren das WWW mit Hilfe von automatisierten Programmen (Webcrawlern) oder Robots. Diese Programme nehmen eine Webseite ähnlich wie sehbehinderte Benutzer wahr. Sie können in der Regel nur Text auswerten. Bilder, Animationen und Ähnliches bleiben ihnen in den meisten Fällen verborgen. Als Faustregel gilt: „Alles, was Sehbehinderten Probleme bereitet, ist auch für Robots ein Hindernis.“
Eine Verallgemeinerung der Faustregel ist jedoch nicht möglich. Ein blinder Mensch wird möglicherweise noch eine Ausgabe über eine optionale Sprachausgabe erhalten. Ein Robot jedoch, der Töne nicht analysieren kann, kann in diesem Fall keine Informationen indizieren. Andersherum gibt es Beispiele, wo menschliche Blinde keine Informationen mehr bekommen, Robots aber doch noch etwas analysieren können (z. B. den Alt-Tag oder Wasserzeichen innerhalb von Bildern).
Als echtes Problem erweisen sich die Captcha-Systeme, die entworfen wurden, um Robots und Mensch zu unterscheiden (, „Vollautomatischer Turing-Test, um Mensch und Maschine zu unterscheiden“). Die dabei üblicherweise verwendeten Bilder von verzerrten Schriftzügen müssen visuell erkannt werden, der Test versagt also und Blinde und sehschwache Personen werden vom System wie eine „Maschine“ behandelt. Es gibt erweiterte Captcha-Methoden mit Sprachausgabe, oder mutmaßlich „einfache Fragen“ stellende Systeme, die aber für Nicht-Muttersprachler ein Problem darstellen können. Tatsächlich erweist sich der Test auf Barrierefreiheit als Test an die Turing-Tests, und es gibt noch keine zuverlässige Methode, die Mensch und Maschine wirklich auseinanderhalten kann.
Grundlegende Techniken für barrierefreies Internet Grundvoraussetzung für barrierefreie Webseiten ist der korrekte Einsatz von Webstandards (gültiges HTML/XHTML). Die geforderte strikte Trennung von Struktur eines Dokuments (Document Object Model) und seiner Darstellung (Layout) erreicht man durch den korrekten Einsatz von Cascading Style Sheets (CSS). Kompromisse beim Design sind nicht nötig. Einige grundlegende Möglichkeiten:
Skalierbarkeit Feste Schriftgrößen stellen in manchen Browsern eine Barriere dar, da sie vom Nutzer nur schwer veränderbar sind. So sollte die Maßeinheit insbesondere für Schriften, aber auch für Bereiche, Abstände usw. relativ sein (Angaben in em oder %).
Aussagekräftige Struktur Die wichtigste Regel für barrierefreie Webseiten ist, die HTML-Elemente entsprechend ihrer Bedeutung (Semantik) einzusetzen. Am Beispiel von Überschriften im Dokument soll das verdeutlicht werden. Für Überschriften sind die HTML-Elemente h1 bis h6 vorgesehen und sollten auch zur Auszeichnung verwendet werden: <h1>Überschrift 1</h1> Eine Hervorhebung nur durch eine vergrößerte Schrift wie mit <span style="font-size: 1.2em;">Überschrift 1</span> wirkt zwar in einem CSS-fähigen Browser für normalsichtige Nutzer wie eine Überschrift, ist semantisch allerdings nicht korrekt und bildet keine Struktur ab. Dass es sich bei einem so hervorgehobenen Text um eine Überschrift handelt, wird allein über die Präsentation transportiert und auf Grund von Lesegewohnheiten und typografischen Konventionen vom (sehenden) Leser „auf einen Blick“ erkannt. Der Screenreader eines blinden Internet-Nutzers interpretiert dagegen das span-Element als normalen Text. Für den Nutzer wird es dadurch schwieriger, sich im HTML-Dokument zu orientieren.