mini|Die Prüfung des Hiob: Satan schüttet die Plagen über Hiob aus. William Blake (1821)
Satan (auch Satanas) bezeichnet einen oder mehrere dem Menschen übelwollende Geistwesen, häufig Engel. Der Begriff hat seine Ursprünge im jüdischen Monotheismus und enthält antike persische religiöse Einflüsse, besonders des Zoroastrismus.
Der Satan tritt in der Bibel und anderen religiösen Schriften oftmals in Menschengestalt auf. Bekanntlich versucht er Menschen dazu zu verleiten, entgegen den göttlichen Geboten zu handeln.
Satan ist vor allem der Ankläger im göttlichen Gerichtshof, der die religiöse Integrität von Menschen testet und Sünden anklagt, wie es beispielsweise aus den biblischen Büchern Ijob und Sacharja bekannt ist. In den Leben Adams und Evas und der islamischen Literatur wird der Satan aus dem Himmel verbannt, weil er sich weigert, sich vor dem ersten Menschen zu verneigen. Im Äthiopischen Henochbuch wird eine ganze Heerschar von Satanen als Verführer wie auch als Strafengel erwähnt.Florian Theobald Teufel, Tod und Trauer: Der Satan im Johannesevangelium und seine Vorgeschichte Vandenhoeck & Ruprecht 2015, ISBN 978-3-647-59367-8, S. 85. Die Vorstellung von einer Vielzahl an Satanen hielt auch Einzug in den Koran. Später wurde Satan mit Bedeutungen wie gegen Gott rebellierende gefallene Engel, der Verkörperung des Bösen, dem Teufel oder Götzen in Verbindung gebracht.
Etymologie und Bezeichnung Das hebräische Substantiv wird auch mit „Widersacher“, „Gegner“ übersetzt, die genaue Etymologie ist jedoch umstritten und kann nicht geklärt werden.
Volksetymologisch wird das Nomen nach und vom Verb „umherstreifen“ abgeleitet, was jedoch aufgrund des Wechsels von zu unwahrscheinlich erscheint. Folgende Herleitungen von einem Verb kommen in Frage:
hebräisch śṭh, akkadisch šâṭu I, syrisch sṭ’, arabisch šṭṭ, äthiopisch šṭy „umherschweifen“ hebräisch, aramäisch und mandäisch swṭ „ungerecht sein“, „aufbegehren“, „revoltieren“ arabisch šṭṭ „ungerecht sein“ syrisch swṭ, arabisch šjṭ „brennen“ hebräisch śṭh, äthiopisch šṭy „verfolgen“
Die bezeichnende Nominalendung für Abstrakta, Adjektive oder Diminutive lautet im Hebräischen -ôn, nicht -ān, sodass hier wohl eine Nominalbindung nach *qātāl vorliegt. Ein beschreibendes Primärnomen mit der Wurzel śjṭ oder śwṭ (*śajṭ / śawṭ + -ān) liegt wohl nicht vor. Meistens wird mit dem Verb bzw. „anfeinden“ in Verbindung gebracht. Diese Wurzel lässt sich jedoch nicht im Akkadischen, sondern nur in den jüngeren südsemitischen Sprachen nachweisen.
Manfred Görg unterscheidet das Verb , etymologisch vom Nomen . Er leitet es aus dem Ägyptischen her und sieht in śdnj durch die Lautverschiebung vom ägyptischen d zum hebräischen ṭ einen Kausativ von dnj „jemanden zurückhalten“ oder „in die Schranken weisen“.
Während die Septuaginta das Hebräische fast ausschließlich mit und verwandten Formen wiedergibt (Ausnahmen: und ), nutzt das Neue Testament die Bezeichnungen und beinahe gleich häufig. Ein Bedeutungsunterschied lässt sich dabei nicht erkennen.
Im Lateinischen lautet die Bezeichnung satan (m., indeklinabel) und satanas (-ae, m.) bzw. Satan und Satanas. Das Aramäische schreibt , und .
Satan nach den jüdischen Quellen Der Ausdruck „Satan“ wird in der hebräischen Bibel mit verschiedenen Bedeutungen gebraucht: Ein Ankläger vor dem Richtersitz () Ein Feind in Krieg und Frieden (; und ) Ein Antagonist, der Widerstände in den Weg legt () Im Buch Ijob wird „Ha-Satan“ als Staatsanwalt und Hauptankläger gegen die Menschheit im Himmel an Gottes Gerichtshof beschrieben. Außer Satan werden keine anderen Engel erwähnt, und er bezweifelt als Ankläger die Gottergebenheit und Gottesfürchtigkeit der Menschheit. Er behauptet, dass die Menschen nur gottesfürchtig seien, weil Gott ihnen Wohlstand und Entwicklung schenke. Er wird daraufhin von Gott beauftragt, Ijob mit Plagen zu belegen, um die Glaubensstärke Ijobs in Gottes Wort zu testen. Satan wird so zum Gegner Ijobs.Jewish Encyclopaedia In wird König David von Satan angestachelt, einen Zensus des Volkes Israel zu veranlassen. Diese Bibelstelle führt auf eine ältere Bibelstelle zurück, in der Adonai selber David anstachelt, das Volk Israel zählen zu lassen (). Die jüngere Stelle wurde zur Zeit des Babylonischen Exils von den Hebräern aufgeschrieben, als sie unter dem persischen Einfluss des Zoroastrismus standen, in dem es eine ausgesprochene Polarität zwischen Gut und Böse bzw. Licht und Dunkelheit als ewigem göttlichem Kampf gibt.
Frühe rabbinische Kommentare zur Mischna zeigen, dass Satan beinahe keine Rolle im Judentum spielte. Je jünger ein rabbinischer Kommentar datiert wird, desto öfter tritt der Begriff Satan oder dessen Synonyme auf.Satan in relation to different religions. Seit der Zeit des Babylonischen Exils sind Einflüsse aus dem Zoroastrismus im Babylonischen Talmud festgehalten. Der Palästinische Talmud, fertiggestellt etwa um 400 n. Chr., ist in derselben Gegend wie das Neue Testament verfasst worden und ist bedeutend zurückhaltender im Gebrauch des Begriffs Satan und seiner Synonyme. Allerdings sind große Teile dieses Teils des Talmud nicht im Original erhalten.
Als Beispiel kann die Besprechung der Erzählung der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten in Eden in diesen Literaturen gelten. Die klassischen jüdischen Bibelkommentatoren verstehen die Schlange darin wörtlich als Schlange. Sie sind sich jedoch uneinig darin, wofür diese symbolisch in der Erzählung steht: Die Neigung zum Bösen (jetzer ha-rah), Satan oder der Engel des Todes. Andere Bibelkommentatoren haben vermutet, die Schlange sei ein phallisches Symbol. Nach der Mischna sei die Schlange vor ihrer Verfluchung aufrecht gestanden und habe die Fähigkeit besessen, mit Menschen zu kommunizieren.
Die normative, rabbinische, klassische, jüdische Lehre, der zufolge Satan kein selbständiges Geistwesen ist, ist bis heute gültig und wichtig im Judentum. Es steht im Einklang mit den jüdischen Lehren, dass es keine Verkörperung des Bösen gibt und dass Gott als Schöpfer dessen bezeichnet wird, was Menschen als Böses beschreiben. Im Babylonischen TalmudBava Bathra 16a beteuert Rabbi Levi: „… alles was Satan tut, geschieht nach dem Willen des Himmels …“ Als ein anderer Rabbi in seiner Stadt etwas Ähnliches lehrte, sei Satan selbst gekommen und habe seine Knie geküsst.
Im MidraschGenesis Rabbah 19 wird Samael, der höchste der Satane, eine bestimmte Ordnung von Engeln, als ein mächtiger Prinz der Engel im Himmel beschrieben. Samael kam durch eine Frau in die WeltMidrash Yalkut, Genesis 1:23 und ist daher gezeugt und nicht ewig. Wie alle himmlischen Wesen kann er durch die Luft fliegenGenesis Rabbah 19 und jede Form annehmen, z. B. die eines Vogels,Talmud, Sanhedrin 107a eines HirschesTalmud, Sanhedrin, 95a einer Frau,Talmud, Sanhedrin, 81a eines Bettlers oder jungen Mannes,Midrash Tanchuma, Wayera, end und von ihm wird gesagt, er hüpfe bzw. tänzele, in einer Anspielung auf seine Erscheinung als Ziege.Talmud Pesachim 112b and Megilla. 11b
Obwohl Satan Macht über alle Werke der Menschen hat, könne er nichtTalmud Berachot 46b über zwei Menschen unterschiedlicher Nationalität zur gleichen Zeit wirken. Daher habe Samuel, ein anerkannter Astronom, Arzt und Toragelehrter (er starb in Nehardea um 247), immer nur mit einem Fremden zusammen eine Reise angetreten.Talmud, Shabbat 32a mini|Schofar Satans Wissen bleibt nicht erhalten, weil das Blasen des Schofar, des Horns eines Widders, am Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrstag,Rosh Hashana 16b, Targum Yerushalmi to Numbers 10:10 den Satan total verwirrt und durcheinanderbringt. Der numerische Wert des hebräischen Wortes Satan ergibt 364. Dies wird so interpretiert, dass Satan deshalb an allen Tagen des Sonnenjahres gegen Israel und die Menschen Anklage erheben muss, nur nicht an einem Tag, dem 365ten. Am Jom Kippur, dem hohen jährlichen Versöhnungstag, hat Satan keine juristische Gewalt, da alles Böse an diesem Tage von der Menschheit genommen ist.Yoma 20a
Ein einziger Rabbi notiert, dass Satan aktiv in die Verführung Evas im Garten Eden eingegriffen habeMidrash Pirke de-Rabbi Eliezer 13, beginning und der Vater von Kain sei,Midrash Pirke de-Rabbi Eliezer 21 während er auch hilfreich bei der Opferung Isaaks,Midrash Tanchuma, Wayera, 22 [ed. Stettin, p. 39a]. in der Freilassung Esaus Tieres, das für seinen Vater bestimmt war,Midrash Tanchuma, Toledot, 11 in der Theophanie, der Erscheinung Gottes Gegenwart am Berg Sinai, beim Tode Moses,Deuteronomy Rabbah 13:9 bei Davids Sünde in Bath-SchebaSanhedrin 95a und beim Tode der Königin VaschtiMegilla 11a war. Der Befehl zur Tötung aller jüdischen Untertanen, den Haman erteilte, sei auf ein Pergament geschrieben worden, das Satan brachte.Esther Rabba 3:9 Und als Alexander der Große die jüdischen Weisen wegen ihrer Rebellion tadelte, baten sie um Gnade, da Satan zu mächtig für sie gewesen sei.(Tamid 32a)
Nicht alle rabbinischen Kommentatoren stimmten mit den Vorstellungen über die spirituelle Natur des Satan überein. Der berühmte Rabbi Saadia Gaon, ein jüdischer Gelehrter, Torameister und Philosoph des 11. Jahrhunderts, schrieb in seinem Kommentar zum Buch Ijob, dass Satan lediglich ein menschliches Wesen gewesen sei, das die spirituelle Gottergebenheit Ijobs bezweifelte und Gott anrief, Ijob zu testen. Diese Vorstellung des Gaon erwächst aus einer Lesart des hebräischen Wortes שטן oder "Ankläger", wovon Rabbi Saadia meinte, es werde nur gegen die Intentionen der fraglichen Person gerichtet und stehe nicht grundsätzlich als Titel für natürliche oder übernatürliche Wesen zur Verwendung.
Satanskonzept der hebräischen Bibel (Tanach/Tora) Im Tanach ist Ha-Satan („der Satan“) ein Name, der verschiedenen Engeln gegeben wird, mit deren Hilfe Gott die religiöse Rechtschaffenheit und Integrität verschiedener Menschen auf die Probe stellt (vergleiche: Advocatus Diaboli). Im normativen Judentum ist Satan der Hauptankläger, Staatsanwalt, Gegner, Feind im Kampf und die spirituelle Kraft, die im Judentum die Neigung zum Bösen (jezer ha-rah) genannt wird. Satan ist dabei jedoch wie alle Engel unter vollkommener Kontrolle und Befehl von Gott, er ist keinesfalls ein Wesen von freiem Willen, das gegen Gott rebellieren könnte oder als "Gegenspieler" und Führer des Bösen auftritt. Freien Willen schreibt das normative Judentum nur den Menschen zu. In diesem Sinne ist „Ha-Satan“ eher ein Titel denn ein Eigenname eines bestimmten Engelwesens. Diese Begriffsbestimmung wird von den christlichen Glaubensrichtungen nicht anerkannt, weil die spätere Kirchengeschichte feststellte, dass Satan gegen Gott rebelliert habe, obwohl diese Rebellion in der heiligen Schrift nicht erwähnt wird. Der Titel Satan wird sowohl für übernatürliche Wesen wie auch für Menschen verwendet. In , ist Satan nicht negativ handelnd, sondern wird von Gott gesandt, um Schlimmeres für Bileam zu verhindern: „Aber Gott war erzürnt über seinen Weg; deshalb stellte sich ein Engel Adonais in seinen Weg als ein Gegner (hebräisch: Satan)“.
Im Talmud und einigen Quellen der Kabbala, des mystischen Judentums, werden der Engel Samael oder andere Engel manchmal Satan genannt. In der Angelologie, der Lehre von den Engeln, bezeichnen diese verschiedenen Namen verschiedene Engel. Und es gibt erheblichen Widerstand im Judentum gegen die Vorstellung, dass diese wirklich böse seien, da sie nur auf göttlichen Befehl hin handeln. Das Problem der Theodizee findet im Judentum keine endgültige Antwort. In den Sprüchen der Väter, einem Teil der Mischna und Hauptwerk der jüdischen Ethik, steht: „Rabbi Janai sagt: Es ist uns nicht gegeben zu wissen, warum Frevler in Wohlergehen und Gerechte in Leiden leben.“