mini|Punks in Lederjacken (links mit Nieten) in den 1980ern, rechts mit Irokesenschnitt mini|Punks in Morecambe, Großbritannien (2003) mini|Punks in den USA 1984 mini|Ausstellung Punk in Wien (2010) Punk ist eine Jugendkultur, die Mitte der 1970er Jahre in New York City und London zusammen mit dem Punk-Rock entstand. Charakteristisch für den Punk sind provozierendes Aussehen, eine rebellische Haltung und nonkonformistisches Verhalten. Die Angehörigen dieser Subkultur nennen sich Punks oder Punker.

Herkunft des Begriffs Das Wort Punk [] aus dem Englischen bezeichnet in der Hauptbedeutung faulendes Holz, also etwas Wertloses, was allenfalls als Zunder taugt.Begriffserklärung. wissen.de; abgerufen am 28. Mai 2013 Das Wort ist erstmals für 1596 belegt und wurde wenig später auch von William Shakespeare verwendet, z. B. in Maß für Maß,william-shakespeare.info My lord, she may be a punk; for many of them are neither maid, widow, nor wife. wo es eine Prostituierte bezeichnet. Später gab es eine Bedeutungsverschiebung von „Prostituierte“ auf „Homosexueller“, insbesondere für den empfangenden Partner. Ab etwa 1923 wurde damit eine unerfahrene Person oder ein Neuling bezeichnet, vor allem auch im kriminellen Umfeld, mit Anspielung auf die sexuelle Bedeutung. In Bezug auf einen musikalischen Stil verwendete Lenny Kaye, der Gitarrist der Patti Smith Group, den Begriff „punk rock“ 1972 erstmals in den Erläuterungen einer von ihm veröffentlichten Anthologie Nuggets über den US-amerikanischen Garagenrock der 1960er Jahre.

In den 1970er Jahren gelangte der Begriff in die Soziale-Rollen-Diskussion im Feld der US-Pädagogik mit Delinquenten. Jene Jungen, die die unterste Stufe einer Peer Group oder Gang bildeten, waren in der Szenesprache Scapegoats, Queers, Rats oder Punks.Howard W. Polsky: Cottage Six: Social system of delinquent boys in residential treatment. Krieger Pub Co; (1962) 1977, S. 83 ff, ISBN 0-88275-475-0

Nach Großbritannien gebracht wurde der Begriff „Punk Rock“ durch die Musikjournalistin Caroline Coon, die Freundin von Paul Simonon, dem Bassisten von The Clash. Sie bezeichnete so die jungen englischen Rockbands wie die Sex Pistols, The Clash und The Damned. Vorher war dort für diese Musik der Begriff „Working Class Rock ’n’ Roll“ geläufig.

Geschichte Ursprünge und Vorläufer mini|Das CBGB in New York

Der musikalische Ursprung des Punk lagen im Garagenrock der 1960er Jahre. Als Protopunk-Bands in Amerika zwischen 1965 und 1974 gelten The Sonics, MC5, The Stooges, die New York Dolls sowie die Patti Smith Group. Auch The Velvet Underground gelten mit ihrer nihilistischen Attitüde und provokativen Performances als Vorreiter. Als Zentrum des ursprünglichen US-amerikanischen Punk Rocks gilt der Club CBGB in New York. Musikalisch handelte es sich dabei um eine einfache und rohe Form von Rock ’n’ Roll und Beatmusik. Sie grenzte sich deutlich zur damaligen Hippie-Bewegung mit deren komplexen künstlerischen Ausdrucksmitteln und Idealismus ab.„Punk rock was there since rock and roll started. Rebellious rock and roll was punk rock. Gene Vincent, Elvis Presley. That was punk rock. The Beatles in Hamburg, before they put on their suits and were wearing their leather jackets. But by 1974, progressive rock had diluted rock and roll. Everyone had gotten so overindulgent. All of a sudden, we started playing, and other bands saw us play and were inspired. Our main influences would have been the early and mid-'60s British movement, the Beach Boys, and surf music – pure rock and roll.“ – Johnny Ramone, nachzulesen unter kauhajokinyt.fi

Auch in England hatten während der Swinging Sixties verschiedene Bands wie The Kinks, The Who und The Troggs den geläufigen Beat mit raueren Stilelementen versetzt, die später in der Punk-Musik wieder aufgegriffen wurden. Beispiele für derartige Vorbilder mit simplen Songstrukturen, roher Spielweise und starken programmatischen Aussagen waren Hits wie You Really Got Me von den Kinks, (I Can’t Get No) Satisfaction von The Rolling Stones und My Generation von The Who. In der ersten Hälfte der 70er Jahre hielt der britische Glam Rock von Künstlern wie Marc Bolan und David Bowie diese Traditionen am Leben.

Die ersten Punk-Rock-Bands gaben sich unversöhnlich, nonkonformistisch und illusionslos. Sie spielten mit den klassischen Mitteln des Rock ’n’ Roll (Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug) aggressive, schnelle, kurze und einfache Songs statt epischer, komplex komponierter Lieder. Die Texte bestanden hauptsächlich aus Betrachtungen über das (eigene) Leben und Leiden als Jugendlicher, über den Kick der Selbstzerstörung, aus Anklagen und Beschimpfungen, oder auch aus reinem Dadaismus.

Die Bewegung in Großbritannien Auch wenn die meisten ersten Punk-Rock-Bands aus New York kamen – zu einer echten Bewegung wurde der Punk in London. Was bei den New Yorker Punk-Rock-Bands künstlerisches Programm war, verband sich in Großbritannien mit dem eher diffusen, meist noch apolitischen Groll, den viele Jugendliche gegenüber sämtlichen Institutionen empfanden, und wurde so zu einer breiten subkulturellen Strömung. Zu den Ursachen für die Frustration englischer Jugendlicher bezüglich der sie umgebenden Regeln gehörte der mangelnde Halt durch die Schulen und mangelnde Aussichten im Berufsleben, bedingt durch die Wirtschaftskrise und das steife englische Klassensystem.Alwyn Turner: Crisis, What Crisis?: Britain in the 1970s. Aurum Press, 2008. Die Jugendlichen fühlten sich ausgeschlossen und betrogen um die Dinge, die ihnen erstrebenswert vorkamen: modische Kleidung, die neueste Musik, oft sogar schon der Konsum von Getränken in Gaststätten. Aus dieser Perspektive war auch durch Rock- und Popmusik ein neues Establishment geschaffen worden, das gegenüber der bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft keine Alternative mehr bot und das deswegen bestenfalls noch Stillstand bedeuten konnte. Die Antwort der englischen Punk-Szene hierauf hieß Eigenproduktion, „von der Szene für die Szene“. Ausgehend von diesem dilettantischen Ansatz erwies sich der Punk Rock als die passende musikalische Form für die Szene.

Die dreckigen und schnoddrigen Elemente des Punk Rock wurden hier zum Programm: das Establishment, und damit der Status quo der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, wurde offen abgelehnt und brüskiert. Die herrschenden Werte wie auch die herrschende Ästhetik wurden durch einen radikalen Nonkonformismus negiert. Die Bewegung versuchte nicht, sich etwa durch künstlerische Qualität in ihrem Anliegen verständlich zu machen, sondern betonte gerade das Unvollkommene, Dreckige, das radikal Individuelle und Unvermittelbare der eigenen Musik und Lebensweise. Man war nicht der Auffassung, dass Kritik an dieser Gesellschaft in ihr auch konstruktiv wirken müsse. Im Mittelpunkt stand die eigene Subjektivität, das eigene Leiden am Zustand der Welt, das sichtbar gemacht und so gegen sie gewendet werden sollte. Dazu gehörte für die meisten auch ein exzessiver Konsum von Alkohol und anderen Drogen. Getanzt wurde ab 1976 Pogo, wütend mit- und gegeneinander tanzend wurde das Publikum so zum eingeschworenen Mob. Man sah sich auf sich allein gestellt und vertraute niemandem: Die Arbeiterbewegung und die Neue Linke wurden ebenso abgelehnt wie das herrschende System.

Ästhetisch bedeutete diese Haltung eine bewusste Zelebrierung des Dilettantismus: Man kokettierte damit, dass man nur drei Akkorde auf der Gitarre beherrschte – gemäß einer Zeichnung einer Drei-Akkord-Folge mit dem Text: „this is a chord, this is another, this is a third. Now form a band“ in einer 1976er Ausgabe des Fanzines Sideburns;John Savage: England’s Dreaming, Revised Edition: Anarchy, Sex Pistols, Punk Rock, and Beyond. Verlag St. Martin’s Griffin, 1992, S. 280–281. Gitarrensoli und jede Form von Virtuosität waren als „Star-Gesten“ verpönt. Die Idee war, nicht einfach neue Stars zu schaffen, sondern die Kunst selbst zu machen: do it yourself,Teal Triggs: Scissors and Glue. Punk Fanzines and the Creation of a DIY Aesthetic. In: J Design History, 19/2006, S. 69–83. Eigenproduktion der Kleidung (notfalls aus dem Altkleidercontainer), Eigenvertrieb und Eigenproduktion der Musik (notfalls mit gestohlenen Instrumenten, wie bei den Sex Pistols). So entstand eine Gegenkultur mit eigenen Ausdrucksformen: Hässlichkeit als Programm, zerfetzte Kleidung, Sicherheitsnadeln im Gesicht, mit Kopiergeräten billig hergestellte Zeitschriften (Fanzines) und spontane dadaistische Aktionskunst.

Neben dieser anti-kommerziellen, anti-bürgerlichen und generell anarchischen Haltung gehörte zum Punk andererseits aber auch eine radikale Selbstvermarktung, Imagepflege und In-Szene-Setzung, vor allem durch die Sex Pistols und ihren Manager Malcolm McLaren. Diese Erschaffung neuer Idole stand von Anfang an in einem offenen Gegensatz zum Nonkonformismus des Punk, was schon damals für die nun immer erfolgreicher werdenden Bands die Frage aufwarf, wie eine fundamentale Antihaltung gegenüber der sie vereinnahmenden Musik- und Modeindustrie – wie auch gegenüber den nach immer neuen Stars verlangenden Fans – denn überhaupt aufrechtzuerhalten sei. Und auch, was mit einem solchen Nonkonformismus letztlich eigentlich bezweckt werden solle. Von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde die entstehende Punk-Kultur in England, als die Sex Pistols mit ihren Singles Anarchy in the UK (1976) und God Save the Queen (1977) Aufsehen erregten. In kurzer Zeit entstand eine Unzahl neuer Bands.

Zu den wichtigsten britischen Bands dieser Zeit gehören die Sex Pistols, The Clash, The Damned, The Adverts, The Slits, The Stranglers und Stiff Little Fingers.

mini|Crass im Jahr 1981

Schon in der zweiten Hälfte der 1970er teilte sich die Punk-Bewegung weltweit in erste Untersparten und beeinflusste andere Musikstile (wie etwa Two Tone Ska oder New Wave of British Heavy Metal) nachhaltig. Wichtige Substile und deren herausragende Vertreter waren Anarcho-Punk (z. B. Crass, Conflict und Flux of Pink Indians), Oi! bzw. Streetpunk (z. B. Sham 69, Cockney Rejects, Blitz aber auch die später offen rechtsradikale Band Skrewdriver) und der Horrorpunk (hier vor allem die Misfits).

Die frühen 1980er Jahre mini|Chaostage 1984

Anfang der 1980er Jahre verbreitete sich der Punk über die ganze Welt, und es entstanden verschiedene Punk-Szenen in fast allen Ländern Europas, Amerikas und Ostasiens, insbesondere auch in den sozialistischen Staaten des Ostblocks.Sean Sheehan, Pat Levy: From Punk Rock to Perestroika: The Mid 1970s to the Mid 1980s. Raintree Publishers, 2008. Zugleich wurde der Punk ernsthafter, aggressiver und in gewissem Sinne politischer. Diese Entwicklung wurde vor allem durch das Aufkommen des Hardcore Punk markiert, der statt bloßem Nonkonformismus radikale soziale und politische Forderungen formulierte.Beate Gansauge: The Punk and Hardcore Youth Subcultures in the USA Since the 1980s. GRIN Verlag, 2009 Die Ausrichtung war dabei meistenteils eindeutig links – gegen das wieder konservativer gewordene Establishment, gegen die aufkommende Yuppie-Kultur, gegen stereotype Klischees von Geschlechterrollen, gegen Rassismus und sonstige als bürgerlich wahrgenommene Vorurteile. Dagegen wurden anarchistische, antiautoritäre und libertäre Ideen sowie die Ziele der Hausbesetzerbewegung von dem größten Teil der Punk-Bewegung explizit befürwortet. Viele Hardcore-Punks schlossen sich autonomen Gruppen an und traten sehr ernsthaft für ihre jeweiligen Ideale ein – wie etwa die der Straight-Edge-Bewegung. In den 1980er Jahren war Punk die dominierende Kultur in den meisten autonomen Zentren.