mini|Landschaft der Haardt auf der Gemarkung von Wachenheim an der Weinstraße
Wachenheim an der Weinstraße, früher Wachenheim an der Haardt,Amtsblatt der Königl. baierischen Regierung des Rheinkreises vom 26. November 1817: Bekanntmachung vom 17. November 1817, Kantonal-Eintheilung des Rheinkreises (bavarica.digitale-sammlungen.de) ist eine Kleinstadt an der mittleren Haardt im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim, innerhalb dessen sie gemessen an der Einwohnerzahl die fünftgrößte Ortsgemeinde darstellt. Bekannt ist sie vor allem durch verschiedene Unternehmen der Weinbaubranche.
Wachenheim ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Regionaldaten. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz. Die Stadt ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Wachenheim an der Weinstraße, der sie auch angehört.
Geographie
Lage Wachenheim befindet sich an der Haardt, wie der Ostrand des Pfälzerwaldes genannt wird, im sogenannten Wachenheimer Tal. Im Südwesten der Gemarkung liegt das Odinstal und im Nordwesten das Poppental. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Bad Dürkheim, Friedelsheim, Forst an der Weinstraße, Deidesheim und Neidenfels.
Erhebungen Mitten in der Haardt erhebt sich der 463 Meter hohe Rindskehler Kopf. Im Südwesten erhebt sich an der Gemarkungsgrenze zu Bad Dürkheim der 532 Meter hohe Plankenberg und unmittelbar neben diesem der 519 Meter hohe Seekopf. Weiter südlich erstreckt sich der Rothsteiger Kopf (). Im äußersten Westen der Gemarkung liegt der 471 Meter hohe Taubenrux. Weiter östlich an der Gemarkungsgrenze zu Deidesheim liegen der 516 Meter hohe Eckkopf sowie der 545 Meter hohe Vordere Langenberg und der 566,2 Meter messende Hintere Stoppelkopf. An der Grenze zu Forst an der Weinstraße befinden sich außerdem der Pechsteinkopf (355,2 Meter) und der Höninger Kopf (387 Meter).
Gewässer Durch das Siedlungsgebiet verlaufen in West-Ost-Richtung der Wachenheimer Bach und der Schwabenbach. Ersterer entspringt bereits westlich der Wachenheimer Bebauung mitten im Pfälzerwald, wo er das Wasser des Aybachbrunnens sowie des Hahnenbrunnens aufnimmt. Auf der Waldgemarkung weitab des Siedlungsgebiets entspringt der Mußbach, der in diesem Bereich das Wasser des Siebenröhrenbrunnens aufnimmt. Von rechts nimmt der Bach den Silbertalbach auf, der aus dem gleichnamigen Tal kommt.
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte Erste Spuren der Besiedelung des Raums um Wachenheim stammen aus der früheren Eisenzeit (550 v. Chr. bis 1). Zu diesem Zeitpunkt siedelten die Kelten im Gebiet der Oberrheinischen Tiefebene. Um etwa 60 v. Chr. drangen germanische Stämme, vermutlich Nemeter, in die Region vor und vertrieben die Kelten. In die Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Kelten griffen die Römer ein, welche die Nemeter nach dem Sieg über Ariovist (57 v. Chr.) unterwarfen und die kommenden 400 Jahre über die Region herrschten. Infolge der römischen Einflüsse kam es zu einer Verbesserung des Ackerbaus und zum Beginn des Obst- und Weinanbaus. Reste einer römischen Villa wurden östlich von Wachenheim rekonstruiert. Durch die Wachenheimer Gemarkung soll ebenso eine Römerstraße verlaufen sein: Diese verlief mutmaßlich von Mußbach an der Weinstraße entlang der Haardt und durch Rheinhessen bis Bingen.
Nach einem kurzen Einfall der Hunnen um 450 rückten die Alemannen in die Gegend vor, wurden jedoch gegen Ende des fünften Jahrhunderts von den Franken aus der Region vertrieben.
Mittelalter mini|Auszug aus dem Lorscher Codex mit der Ersterwähnung Wachenheims
Die erste urkundliche Erwähnung Wachenheims – damals noch Wackenheim genannt – stammt aus dem Lorscher Codex zur Zeit der Karolinger. Dort wurde am 30. März 766 die Schenkung eines Wachenheimer Wingerts vermerkt.Urkunde 2171 30. März 766 – Reg. 34. In: Karl Josef Minst (Übers.): Lorscher Codex. Band 4. ub.uni-heidelberg.de
Im 11. Jahrhundert gehörte Wachenheim zum Herrschaftsbereich der Salier. Kaiser Konrad II. schenkte den Ort laut Urkunde vom 16. Februar 1035 dem neu gegründeten Kloster Limburg. Es heißt darin, das Kloster erhalte den Ort zum Eigentum, mit allen Rechten und Nutznießungen wie sie seither die rheinfränkischen Herzöge dort inne gehabt hätten.Wilhelm Manchot: Kloster Limburg. Mannheimer Altertumsverein, 1892, S. 7.
Die heute nur noch als Ruine vorhandene Burganlage stammt aus der Zeit der Staufer und gehörte zu einem von ihnen planmäßig angelegten Burgensystem.
Am 24. Juni 1341 wurden Wachenheim durch Kaiser Ludwig den Bayern Stadtrechte verliehen. 1436 errichtete Herzog Stefan, ein Sohn des römisch-deutschen Königs Ruprecht (1398–1410), eine Münzstätte, die bis 1471 in Betrieb war. In diesem Jahr wurde Wachenheim, nachdem es bis dato im Besitz von Herzog Ludwig dem Schwarzen gewesen war, von Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz eingenommen. Der kurpfälzische Geschützmeister Martin Merz leitete die Beschießung. Bei dieser Eroberung wurde die Burg Wachenheim abgebrannt, größtenteils zerstört und anschließend nur noch teilweise wieder aufgebaut. Burg und Stadt überstanden den bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieg relativ unversehrt, während des Bauernkrieges wurde die Burg von marodierenden Bauern als Stützpunkt für ihre Beutezüge verwendet.
Neuzeit mini|Ansicht Wachenheim von 1624
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Wachenheim ab 1621 von spanischen Truppen besetzt, die 1631 von schwedischen Truppen unter König Gustav Adolf vertrieben wurden. Nach deren Niederlage 1634 ist wenig über die folgenden Jahre bekannt. Allerdings gibt es Nachweise, dass die Bürger mehrmals auf die nahe gelegene Hardenburg bei Dürkheim fliehen mussten.
Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Region von Wachenheim immer wieder belagert, einer der Höhepunkte war der Pfälzer Erbfolgekrieg (1688–1697), in dessen Verlauf Wachenheim vollständig niedergebrannt wurde.
Im 18. Jahrhundert wurde Wachenheim wieder aufgebaut und entwickelte sich günstig, allerdings kam es durch die Wirren der Französischen Revolution zu weiteren Belagerungen und Zerstörungen. 1794 fielen französische Truppen in den Ort ein und plünderten ihn. Bis 1814 gehörte Wachenheim anschließend zum Département Donnersberg, Arrondissement Speyer, Kanton Dürkheim in der Französischen Republik (1798–1804) bzw. im Französischen Kaiserreich (1804–1814). Nach dem Ende der Herrschaft von Napoleon I. wurde die linksrheinische Pfalz und damit auch Wachenheim ab 1816 durch das Königreich Bayern verwaltet. Von 1818 bis 1862 gehörte er dem Landkommissariat Neustadt an; aus diesem ging das Bezirksamt Neustadt hervor.
Sowohl im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 als auch im Ersten Weltkrieg blieb Wachenheim von weiteren Zerstörungen verschont und wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – bis zur Räumung des Rheinlandes am 1. Juli 1930 – von Frankreich besetzt. 1902 wechselte die Stadt in das neu geschaffene Bezirksamt Dürkheim, ehe dieses 1931 wieder in sein Neustadter Pendant eingegliedert wurde. Ab 1939 war der Ort Bestandteil des Landkreises Neustadt. Im Zweiten Weltkrieg wurden am 18. März 1945 Bereiche der Altstadt durch mehrere Bombenangriffe der Alliierten zerstört, da sich in Wachenheim Teile des deutschen Heereskommandos aufhielten. Nach dem Krieg wurde Wachenheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des 1946 neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte die Stadt am 7. Juni 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim.
Einwohnerstatistik 1815 hatte die Stadt insgesamt 2.200 Einwohner, 1925 waren es 2.212. In den folgenden Jahrzehnten verdoppelte sie sich die Zahl, sodass 2019 4592 Menschen in Wachenheim lebten.
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 46,8 % evangelisch und 28,1 % katholisch. 25,1 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Wachenheim an der Weinstraße. ewois.de Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Ende April 2025 waren von den Einwohnern 32,9 % evangelisch und 21,8 % katholisch. 45,3 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Wachenheim an der Weinstraße. statistik.ewois.de; abgerufen am 7. Mai 2025.
Christentum mini|hochkant|St.-Georgs-Kirche
Die Evangelischen sind Teil der Protestantischen Landeskirche Pfalz. Die Katholiken gehören zum Dekanat Bad Dürkheim im Bistum Speyer.
Die St.-Georgs-Kirche wurde bis zum Neubau der katholischen Kirche 1989 als Simultankirche gemeinsam von Katholiken und Protestanten genutzt. Diese Festlegung erfolgte im Zuge der kurpfälzischen Kirchenteilung 1707. Die Katholiken erhielten Chor und Nebengebäude, die Protestanten das Kirchenschiff.
Die katholische Kirche ist dem Patrozinium der heiligen Edith Stein gewidmet. Bis 2015 war die Pfarrei selbstständig, seither ist das Gotteshaus eine Filiale der Pfarrei Hl. Theresia vom Kinde Jesu, Bad Dürkheim.
Judentum Die einstige jüdische Gemeinde in Wachenheim besaß eine Synagoge, die inzwischen nicht mehr existiert. Der Jüdische Friedhof an der Römerstraße ist der älteste jüdische Friedhof im Kreis Bad Dürkheim.
Politik Stadtrat
Der Stadtrat in Wachenheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat:
Wahl SPD CDU Grüne FDP Volt FWG WL WBL Gesamt 2024 3 9 3 1 – 4 – – 20 Sitze 2019 2 8 4 1 1 4 – – 20 Sitze Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz. 2014 3 9 – 1 – 4 2 1 20 Sitze 2009 4 7 – 2 – 4 3 – 20 Sitze 2004 4 4 – 1 – 7 3 1 20 Sitze FWG = Freie Wählergemeinschaft Wachenheim e. V. WL = Wachenheimer Liste e. V. WBL = Wachenheimer Bürgerliste e. V.
Stadtbürgermeister Torsten Bechtel von der CDU ist seit 2009 Stadtbürgermeister. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 59,77 % in seinem Amt bestätigt. Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 wurde Bechtel mit 74,5 % ohne Gegenkandidaten erneut wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,1 %. Sein Vorgänger war Arnold Nagel von der FWG, der ab 1979 amtiert hatte.
Wappen Die Stadt Wachenheim an der Weinstraße führt nach Genehmigung durch den bayerischen König seit 1845 zwei Wappen. Wappen II wird zwar nicht mehr benutzt, es gibt allerdings keinen Ratsbeschluss über die Aufhebung des zweiten Wappens.
Städtepartnerschaften Wachenheim hat eine Städtepartnerschaft mit Cuisery in Frankreich und Pegau (Sachsen). Mit Schwetzingen und Neuburg (Donau) werden Weinpatenschaften gepflegt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kulturdenkmäler
Denkmalzonen Die Ruine Wachtenburg, die wegen des Ausblicks über die Rheinebene auch „Balkon der Pfalz“ genannt wird. Die Burg, die oberhalb der Kleinstadt liegt, stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde im 15. Jahrhundert größtenteils zerstört. 1689 wurde eine Hälfte des Bergfrieds durch französische Truppen gesprengt. Seit 1984 arbeitet der „Förderkreis zur Erhaltung der Ruine Wachtenburg e. V.“ an der Pflege und Sanierung der Ruine. Die Burg ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, die in der zugehörigen Burgschenke einkehren können.
Die Villa rustica bei Wachenheim ist ein römischer Landsitz, der in den 1970er Jahren während der Flurbereinigung gefunden wurde. Die Grundmauern wurden rekonstruiert und vermitteln einen Eindruck von der Größe der damaligen Anlage.