Die Mosel (, , ) ist mit 544 km Fließstrecke der zweitlängste Nebenfluss des Rheins nach der Maas. Der Fluss, dessen lateinischer Name „kleine Maas“ bedeutet, entspringt in Frankreich, in den Vogesen am Col de Bussang und mündet in Koblenz in den Mittelrhein. In Lothringen fließt die Mosel durch Remiremont und Épinal, im weiten Bogen um Nancy nach Metz und weiter nach Norden. Hinter Thionville wendet sie sich nach Nordosten und bildet die Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland, bevor sie Trier erreicht. Das deutsche Moseltal wird geprägt vom stark mäandernden Verlauf mit vielen Weinbergen an teils sehr steilen Hängen.

Der Fluss wurde von seinen Anliegerstaaten ab 1958 bis Neuves-Maisons im Rahmen der Moselkanalisierung reguliert und damit zur Großschifffahrtsstraße ausgebaut. Die Mosel gehört von der deutsch-französischen Grenze bis zur Mündung zur Wasserstraßenklasse Vb. Die Anwohner der Mosel nennen sich Moselaner.

Name Der Name Mosel leitet sich von der keltischen Namensform Mosea über das lateinische Mosella ab. Letzteres ist eine Verkleinerungsform von Mosa, der lateinischen Bezeichnung der anfangs parallel fließenden Maas.

Erstmals wurde die Mosel von Tacitus in Buch 13 der Annalen und in Buch 4 der Historien erwähnt.

Der römische Dichter Decimius Magnus Ausonius setzte ihr bereits im 4. Jahrhundert ein literarisches Denkmal. In seinem 371 entstandenen Gedicht Mosella, das er in 483 Hexametern verfasste, beschreibt der spätantike Dichter und Lehrer am Trierer Kaiserhof eine Reise von Bingen am Rhein über den Hunsrück an die Mosel und deren Verlauf folgend nach Trier (Ausoniusstraße). Ausonius schildert blühende und reiche Landschaften am Fluss und im Tal der Mosel, die nicht zuletzt der Politik der spätantiken Herrscher zu verdanken seien.

Geografie

Überblick mini|links|Moselquelle am Col de Bussang (FR) Die Mosel entspringt in den südlichen Vogesen in der Nähe des Col de Bussang auf etwa Höhe und mündet in Koblenz am Deutschen Eck auf Höhe von Westen in den Rhein.

Der mittlere Abfluss an der Mündung beträgt 320 m³/s, womit die Mosel nach Aare (560 m³/s) und Maas (357 m³/s) sowie vor Main und Neckar der drittgrößte Nebenfluss des Rheins ist.

Die Länge der Mosel beträgt 544 km, davon 313 km in Frankreich und 231 km in Deutschland, davon etwa 36 km gemeinsam mit Luxemburg. Die Länge der Mosel mit der Moselotte beträgt 558 km.

Flussabschnitte mini|Verlauf der Mosel von Grevenmacher bis Cochem (1705) Der Moselabschnitt vom deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck bis zur Einmündung der Saar bei Konz kurz vor Trier wird in Deutschland (geographisch inkorrekt) als Obermosel bezeichnet. Der Bereich von Trier bis Pünderich wird Mittelmosel, der Abschnitt zwischen Pünderich und der Mündung in Koblenz Untermosel oder auch Terrassenmosel genannt. Charakteristisch für Mittel- und Untermosel sind die tief in die Hochflächen des Rheinischen Schiefergebirges eingeschnittenen Talmäander, deren markantester der Cochemer Krampen zwischen Bremm und Cochem ist, sowie die Weinbergterrassen. Ab dem Dreiländereck markiert die Mosel die gesamte saarländisch-luxemburgische Grenze.

Einzugsgebiet mini|Flusssystem der Mosel

Das Einzugsgebiet der Mosel beträgt 28.153,275 km². Der französische Teil macht mit 15.360 km² etwa 54,5 Prozent des Gesamtgebietes aus und gehört heute zur Region Grand Est, historisch fast ganz zu Lothringen. Auf Rheinland-Pfalz entfallen 6980 km², auf das Saarland 2569 km², auf Luxemburg 2521 km², auf die belgische Wallonie 767 km² und auf Nordrhein-Westfalen 88 km².

Zuflüsse

Ausgewählte Orte Die größeren Orte zwischen Quelle und Mündung sind:

Frankreich Rupt-sur-Moselle, Remiremont, Épinal, Charmes, Toul, Pont-à-Mousson, Metz, Hagondange, Thionville, Cattenom, Sierck-les-Bains;

Luxemburg / Kondominium Schengen / Perl, Remich / Nennig, Grevenmacher / Wellen, Wasserbillig / Oberbillig;

Deutschland Konz, Trier, Schweich, Neumagen-Dhron, Piesport, Bernkastel-Kues, Zeltingen-Rachtig, Traben-Trarbach, Zell, Cochem, Treis-Karden, Kobern-Gondorf, Koblenz;

Einzugsgebiet Die Großstädte im Einzugsgebiet der Mosel sind Saarbrücken/Saar, Luxemburg/Alzette, Metz, Koblenz, Trier und Nancy/Meurthe.

Geologie Vor etwa 50 Millionen Jahren entstanden die Vogesen, das heutige Quellgebiet der Mosel. Im Miozän und im Pliozän war die Urmosel bereits ein Nebenfluss des Ur-Rheins. Als im Quartär das Rheinische Schiefergebirge langsam aufstieg, entstanden die Mäander der Mosel zwischen dem Trierer Tal und dem Neuwieder Becken. Während der Saale-Kaltzeit, vor rund 250.000 Jahren, zapfte die Mosel den damaligen Oberlauf der Maas an, der so zum heutigen Oberlauf der Mosel wurde. Das 12 km lange Tal zwischen Toul und Pagny-sur-Meuse fiel als Folge der Flussanzapfung trocken, ein damaliger linksseitiger Maas-Nebenfluss wurde so zum heutigen Oberlauf der Maas.

Wasserstände

Höchster Schifffahrtswasserstand (HSW) bei 695 cm und Normalstau (NSt) bei 200 cm am Pegel Trier.

Der niedrigste bekannte Wasserstand (NNW) der Mosel betrug 47 cm am 28. Juli 1921 in Bernkastel.Bernkastel-Kues: Chronik mini|Niedrigwasser der Mosel (2026) + Liste der Moselhochwasser Datum Pegelstände (cm) Weiteres PerlPegel Perl / Mosel – Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz TrierPegel Trier / Mosel – Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz ZeltingenPegel Zeltingen / Mosel – Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz CochemPegel Cochem / Mosel – Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz Februar 1784 >1230   1218 siehe: Hochwasser 1784 Silvester 1947 1139   980 Trier: Höchster Stand seit 1817Im Archiv gekramt: Als Hochwasser in Trier noch „Land unter“ bedeutete TV vom 8. Januar 2018 21. Dezember 1993 729 1128 1173 1034 Cochem: Höchster Stand seit 1818 28. Mai 1983 833 1056 1080 931 23. Januar 1995 724 1033 1081 948 12. April 1983 851 1026 1046 899 27. Februar 1997 706 994 1010 872 3. Januar 2003 982 1057 921 1. Januar 1982 723 973 1019 872 1. November 1998 941 969 844 13. Januar 1993 935 980   6. Februar 1980 683 932   817 5. Januar 2018 850 733

Das größte Hochwasser der vergangenen 500 Jahre mit bekannten Daten war im Februar 1784 nach der Schneeschmelze mit Eisgang. In Verbindung dazu steht ein großer Vulkanausbruch in Island (Laki-Krater), dem kalte und feuchte Jahre folgten. In Bezug auf das möglicherweise noch stärkere Hochwasser von 1226 und das Magdalenenhochwasser 1342 liegen für eine mögliche Verbindung mit den isländischen Vulkanausbrüchen am Brennisteinsfjöll nicht genügend Daten vor. 1784 wurden die Hochwässer der 1990er Jahre (max. 4500 m³ pro s) mit einer Durchflussmenge von 5750 m³ pro Sekunde klar übertroffen. Dabei ist der Pegel in Cochem der historisch aussagekräftigste für die Mosel.Joachim Sartor: Historische Hochwasser der Mosel 1781 war das Hochwasser in Cochem noch höher als 1784.Hochwassermarken an der Alten Thorschenke am Enderttor, Cochem

Wasserqualität Gütemessstellen für die Wasserqualität im Einzugsgebiet der Mosel befinden sich in Palzem, Fankel und Koblenz sowie in Kanzem/Saar.Gütemessstellen (Bundesanstalt für Gewässerkunde)

Im März 2013 stellte der VSR-Gewässerschutz e.V. fest, dass hinsichtlich erhöhter Nitratwerte im deutschen Teil der Mosel verstärkte Gewässerschutzbemühungen notwendig seien. Die Messpunkte des Vereins wiesen zwischen 15,9 mg/l und 20 mg/l Nitrat auf. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) dürfte die Mosel für einen „guten Zustand“ nur 11 mg/l Nitrat aufweisen. Dieser Wert wurde an allen Messstellen überschritten. Als Hauptgründe nennt der Verein stark belastete Nebenflüsse und eine bereits hohe Belastung der Mosel an der deutschen Grenze. Positiv wurde verzeichnet, dass die Nitratbelastung in Deutschland trotz intensiven Weinbaus nur wenig zunimmt. Jedoch warnt der Verein davor, dass aufgrund des Klimawandels die Nitratauswaschung der Weinberge wieder zunehmen könnte.

Wirtschaft Schifffahrt Nach dem Zweiten Weltkrieg drängte Frankreich darauf, die Mosel mit größeren Schiffen befahren zu können, um die lothringischen Industriegebiete an den Seehafen Rotterdam anbinden zu können. Als sich 1955 die Bevölkerung an der Saar für die Bundesrepublik Deutschland entschieden hatte (vgl. Vertrag von Luxemburg), forderte Frankreich als Entschädigung den Ausbau der Mosel. Es vereinbarte im Moselvertrag vom 27. Oktober 1956 mit der Bundesrepublik Deutschland und Luxemburg die Moselkanalisierung und gestand Deutschland im Gegenzug die sogenannte Schlingenlösung am Oberrhein zu (anstatt eines Weiterbaus des Rheinseitenkanals über Breisach hinaus). 1958 begannen die Bauarbeiten, und schon am 26. Mai 1964 konnte die Mosel von Metz bis Koblenz als staugeregelte Großschifffahrtsstraße mit 14 Staustufen offiziell freigegeben werden. Frankreich erweiterte bis 1979 den Ausbau nach Neuves-Maisons.

Damit sind bis heute 394 km des Flusses mit insgesamt 28 Staustufen ausgebaut worden (siehe Liste der Moselstaustufen). In den Jahren 1992 bis 1999 wurde die Fahrrinne von 2,70 m auf 3,00 m vertieft, was einem 1500-Tonnen-Frachter eine Erhöhung der Ladung um etwa 20 % ermöglicht. Die Fahrrinne hat eine Breite von 40 m, in Kurven ist sie verbreitert. Ende 2021 waren drei Schleusen mit Doppelkammern ausgerüstet: Trier, Zeltingen und Fankel. Eine zweite Schleusenkammer der Staustufe Lehmen befindet sich zurzeit im Bau. Für die Schifffahrt ist die 1962 gegründete Internationale Moselkommission (IMK) mit Sitz in Trier zuständig. Die von ihr erarbeitete Moselschifffahrts­polizeiverordnung gilt in allen drei Anliegerstaaten, also von Metz bis Koblenz.

Bereits 1970 wurden mehr als zehn Millionen Tonnen Güter auf der Mosel transportiert, ein großer Teil in Schubverbänden; zu Berg hauptsächlich Brennstoffe und Erze, zu Tal Stahlerzeugnisse, Kiese und Steine.

Historisch Vor dem Ausbau war die Mosel ab Frouard schiffbar. Hier mündete auch der Canal de la Marne au Rhin in die Mosel. Durch die wechselnden Wasserstände, z. B. teilweise nur 0,3 m Tiefe bei Metz, war die Schifffahrt stark behindert. im 19. Jahrhundert wurde die Tiefe auf 0,7 m bei Niedrigwasser und 1,4 m bei Normalwasser vertieft. Es konnten Boote mit 80 t maximal und 27 t minimal die Mosel befahren. Die Boote wurden mit Pferden getreidelt. Die Fahrt von Sierck-les-Bains an der französischen Grenze bis Pont-à-Mousson dauerte flussaufwärts 5 Tage und flussabwärts 2,5 Tage.Ernest Grangez: Precis Historique et Statistique des Voies Navigables de la France (1855) (Kompendium der Schifffahrtsstraßen Frankreichs), Librairie de la Centrale de Napoléon, Paris 1855, Reprint Kessinger Publishing 2010, ISBN 978-1-162-41741-7, S. 434 ff. Zwischen Jouy-aux-Arches und Metz existieren noch Reste des alten Seitenkanals Canal de Jouy. Er war 8,6 km lang und wurde von 1867 bis 1877 gebaut. 1903 wurde der Anschluss an die Seille eingeebnet, damit der Bahnhof von Metz gebaut werden konnte.

Verwaltung Die Mosel war seit 1921 Reichswasserstraße, heute wird sie als Bundeswasserstraße von Apach (Staustufe Apach) am Dreiländereck bis zu ihrer Mündung in den Rhein bei Rhein-km 592,29 in Koblenz auf 242 Kilometern Länge vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn verwaltet. Sie ist als europäische Wasserstraße Vb eingestuft. Anders als beim Rhein beginnt ihre Kilometrierung an der Mündung mit km 0 und läuft gegen die Fließrichtung aufwärts.Entfernungstafel für die Mosel zwischen Koblenz und Thionville (PDF; 49,9 kB)