mini|Vorzeigeladen von Louis Vuitton auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris mini|Schaufenster des Vorzeigeladens auf den Champs-Élysées in Paris mini|Louis-Vuitton-Boutique in Paris
Die Louis Vuitton Malletier SAS ist ein französisches Luxuswarenunternehmen mit Sitz in Paris, das durch exklusive Koffer und Reisegepäck bekannt wurde. Es wurde 1854 von dem französischen Handwerker und Unternehmer Louis Vuitton (1821–1892) gegründet.
Das Hauptgeschäft des inzwischen weltweit tätigen Unternehmens besteht heutzutage nach wie vor aus hochpreisigen Gepäckserien sowie Lederwaren wie Handtaschen und Accessoires, die international als Statussymbol gelten. Unter dem Markennamen Louis Vuitton werden über ein internationales Netzwerk von eigenen Boutiquen und vereinzelt über den gehobenen Einzelhandel darüber hinaus hochpreisige Bekleidung für Damen und Herren, Schuhe, Schmuck, Uhren und Parfüm angeboten. Viele Louis-Vuitton-Produkte ziert das 1896 eingeführte Monogram-Muster aus den Initialen des Firmengründers, „LV“, das ursprünglich dem Schutz vor Markenpiraterie dienen sollte, über die Jahre aber eine weltweite Fälschungsindustrie hervorgerufen hat. Das Unternehmen Louis Vuitton gehört seit dem Zusammenschluss mit dem Spirituosenhersteller Moët Hennessy 1987 zu dem aus dem Zusammenschluss entstandenen Luxusgüterkonzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton S.A., in dem seither weitere Luxusmarken aus verschiedenen Wirtschaftszweigen gebündelt sind.
Marke im LVMH-Konzern mini|Louis-Vuitton-Boutique in der Galleria Vittorio Emanuele in Mailand, 2008 mini|Louis-Vuitton-Boutique in Kōbe (Japan), 2007 mini|Familie Vuitton mit Belegschaft in Asnières, 1888
Louis Vuitton ist heute eine der Hauptmarken des LVMH-Konzerns und wird gemeinsam mit anderen Marken wie Fendi, Kenzo, Givenchy, Loewe und Marc Jacobs in der Sparte Fashion & Leather Goods (dt. Mode- und Lederwaren) geführt. Die Sparte Mode und Lederwaren betrieb zum Stand 2012 für die einzelnen Marken insgesamt rund 1250 Geschäfte weltweit, wovon über 450 auf die Marke Louis Vuitton entfielen, und erwirtschaftete 2011 einen Gesamtumsatz von 8,712 Milliarden Euro bei einem Gewinn von 3,075 Milliarden Euro. Zu den Umsätzen und Gewinnen der Einzelmarken macht LVMH keine Angaben. Es wird geschätzt, dass die Marke Louis Vuitton etwa 25 Prozent vom Gesamtumsatz der LVMH-Gruppe (alle Geschäftseinheiten: 23,66 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2011) generiert und dabei 60 bis 70 Prozent vom Konzerngewinn (2011: 5,26 Milliarden Euro) erwirtschaftet.
Mitte 2012 lag der geschätzte Unternehmenswert der LVMH-Gruppe samt deren Hauptmarke Louis Vuitton bei 66,38 Milliarden Euro. Bereits 2009 wurde das Unternehmen in einem weltweiten Rangvergleich als „wertvollste Marke“ der internationalen Luxusartikelhersteller bewertet und lag dabei unter den besten 20 aller wichtigsten Marken der Welt.
Geschichte mini|hochkant|Firmengründer Louis Vuitton, ca. 1870er-Jahre mini|hochkant|Werbeanzeige für Koffer, 1898
1854–1892: Louis Vuitton Nachdem Louis Vuitton bei einem Pariser Koffer- und Gepäckhersteller in die Lehre gegangen war und dort insgesamt 17 Jahre gearbeitet hatte, eröffnete er 1854 mit 33 Jahren in Paris sein eigenes Geschäft, Louis Vuitton Malletier, in der Rue Neuve des Capucines 4, der heutigen Rue des Capucines, unweit des Place Vendôme.Die Geschichte von Louis Vuitton, manager-magazin.de, 14. Dezember 2001 Dort verkaufte er unter anderem hochpreisige, flache Koffer, die für damalige Verhältnisse sehr leicht und luftdicht waren und sich gut für Reisen in damals modernen Fortbewegungsmitteln wie der Eisenbahn oder dem Schiff eigneten. Das französische Wort malletier, das Vuitton in den Firmennamen aufnahm, bedeutet Kofferhersteller.
Louis Vuitton baute 1859 eine Fabrik im Pariser Vorort Asnières und ließ dort von 20 Mitarbeitern moderne Koffer aus beschichtetem, wasserabstoßendem und strapazierfähigem Material fertigen. Die Rahmengerüste der Reisekoffer bestanden aus einer Holz- und Metallkonstruktion. Vuitton verwendete als Oberflächenmaterial für sein Gepäck mit Roggenmehl imprägnierten Leinenstoff. Dieses Material, zu Anfang unter der Bezeichnung Trianon noch in grauem Farbton, erwies sich als staub- und wasserfest. Zu der Trianon-Bespannung gesellte sich später ein Leinenoberstoff im längs gestreiften Rayée-Muster. Um die Jahrhundertwende arbeiteten in Asnières etwa 100 Angestellte für Louis Vuitton; um 1914 war die Belegschaft auf 225 gewachsen. Die Fertigungsstätte in Asnières besteht mit ca. 150 Mitarbeitern bis heute und wird für die Produktion der hochwertigsten Artikel aus dem Louis-Vuitton-Sortiment genutzt. Weltweit gab es zum Stand 2009 insgesamt 17 Louis-Vuitton-Produktionsstätten.
1867 nahm Louis Vuitton an der Exposition Universelle de Paris, der Weltausstellung in Paris, teil. Im Jahre 1885 eröffnete Vuitton seinen ersten Laden außerhalb Frankreichs. Die stets zunehmende Beliebtheit des Kofferherstellers führte ihn in die Oxford Street nach London. 1886 entwickelte Vuitton mit seinem Sohn Georges Vuitton (1857–1936) ein patentiertes, für die damalige Zeit innovatives Kofferschloss, dessen Konstruktion bis heute verwendet wird. 1888 führte Vuitton das schachbrettartige Damier-Muster auf seinem wasserfesten Leinenstoff ein, das sich auch heute noch in den Kollektionen wiederfindet. Er starb 1892.
1893–1936: Georges Vuitton mini|Überseekoffer im klassischen Monogram-Canvas-Muster mini|Historische Louis-Vuitton-Koffer
Nach dem Tod von Louis Vuitton übernahm sein Sohn Georges das Unternehmen. Er präsentierte die Produkte auf der Chicago World’s Fair, der Weltausstellung in Chicago, im Jahr 1893. Die Produktpalette war inzwischen unter anderem um großformatige und aufklappbare Schrankkoffer, multifunktionale und umrüstbare Koffer für Expeditionen, Kabinenkoffer für Schiffsreisende, kofferartige Hutschachteln und Koffer mit herausnehmbaren Innenaufteilungen angewachsen. Für besondere Kunden wie beispielsweise den Forscher Pierre Savorgnan de Brazza wurde ein in ein Bett umfunktionierbarer Koffer entwickelt.
1896 kreierte Georges Vuitton das weltberühmte LV-Signet, aufgedruckt auf dem bewährten Leinenstoff. Das Muster war entwickelt worden, um sich gegen die zunehmende Nachahmung der Koffergestaltung von Louis Vuitton durch Wettbewerber zu schützen. Die Verwendung von stilisierten Blüten in diesem sogenannten Toile-Monogram- bzw. Monogram-Canvas-Muster basierte auf dem damaligen Trend, japanische und orientalische Gestaltungen zu verwenden, angelehnt an den Jugendstil. Im selben Jahr begann Vuitton eine Rundreise durch die Vereinigten Staaten und besuchte große Städte wie New York, Chicago und Philadelphia, um dort seine Waren zu verkaufen.
1901 erfand er den Steamer Bag, eine quaderförmige Reisetasche in Hochkantformat mit Falzverschluss und Henkeln, die problemlos in eine größere gestellt werden konnte. Die Tasche wurde ein Verkaufsschlager. 1914 öffnete Georges Vuitton das größte Geschäft für Reisewaren an der Avenue des Champs-Élysées in Paris. Als der Erste Weltkrieg begann, wurden Geschäfte in New York, Bombay, Washington, London, Alexandria und Buenos Aires eröffnet. In den Folgejahren kamen weitere große Reisetaschen aus Leder oder Leinenstoff zum Portfolio hinzu, darunter 1930 die Keepall-Reisetasche (ursprünglich genannt Tientout). 1932 kam mit dem Modell Noé eine weitere Tasche von Louis Vuitton auf den Markt, die zum Kassenschlager wurde. Die Tasche in Form eines handlichen Sacks mit Tunnelzugverschluss und Schultertrageriemen wurde ursprünglich konzipiert, um genau fünf Flaschen Champagner zu transportieren. Es war die erste wirkliche Damenhandtasche aus dem Hause Louis Vuitton. Kurze Zeit später kam die weltbekannte Speedy-Handtasche auf den Markt, die in ihrer Form in etwa einem heutzutage gebräuchlichen Kosmetikkoffer mit zwei Henkeln ähnelt und bis heute angeboten wird. Eine Spezialanfertigung dieser Zeit war beispielsweise ein in einen Sekretär umfunktionierbarer Reisekoffer für den Dirigenten Leopold Stokowski.
Im Jahre 1936 starb Georges Vuitton. Sein Sohn Gaston-Louis Vuitton (1883–1970) übernahm das Unternehmen.
1936–1986: Gaston-Louis Vuitton Um das Sortiment zu erweitern, arbeitete die Firma 1959 am Monogram-Canvas-Muster, um es für Geldbeutel, Brieftaschen und Handtaschen zu nutzen. Der ursprüngliche Leinenstoff wurde durch ein widerstandsfähiges, in Polyvinylchlorid getränktes Baumwollgewebe (Toile/Canvas) ersetzt. Im Jahre 1966 feierte das Unternehmen Louis Vuitton die Einführung einer zylinderförmigen Handtasche im Querformat mit langen Henkeln, genannt Papillon, die bis heute sehr gefragt ist.
Ab der späten Mitte des 20. Jahrhunderts ging die Nachfrage in Europa nach großen Überseekoffern zurück. Für Autofahrten und Flugreisen wurden nun noch leichtere, möglichst unverwüstliche Koffer, am besten aus Kunststoff, gewünscht. Demzufolge ging die Nachfrage nach hochpreisigen Louis-Vuitton-Koffern zurück. Das Unternehmen Louis Vuitton beschäftigte Mitte der 1970er-Jahre 60 Angestellte und betrieb lediglich zwei Boutiquen, in Paris und Nizza.
Nach dem Tod von Gaston-Louis Vuitton im Jahr 1970 trat 1971 sein Enkel, Patrick-Louis Vuitton (* 1951), ins Unternehmen ein, in dem er bis heute die Abteilung Spezialanfertigungen für besondere Kundenwünsche leitet, von denen jährlich etwa 350 erfüllt werden. 1977 übernahm auf Bitten der Familie Henry Racamier (1912–2003), Ehemann von Odile Vuitton, Tochter von Gaston-Louis Vuitton, mit 65 Jahren die Firmenleitung und vergrößerte das Unternehmen durch zahlreiche Initiativen in den folgenden zehn Jahren in beträchtlichem Maße. Racamier wird der Übergang der Marke Louis Vuitton vom Luxusnischenmarkt zum Luxusmassenmarkt zugeschrieben. 1978 erschloss Louis Vuitton unter Racamiers Führung den Markt in Asien und öffnete Geschäfte in Tokio und Osaka, Japan; ein paar Jahre später, 1985, auch in Seoul, Korea. Bis 1977 war die Produktion ausschließlich in Asnières erfolgt, danach wurden unter Racamier weitere Fertigungsstätten eröffnet, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Im Jahr 1983 engagierte sich die Louis Vuitton S.A. erstmals werbewirksam in der Sportfinanzierung und unterstützte die Segelregatta America’s Cup, indem eine Vorrundenauswahl, der sogenannte Louis Vuitton Cup, eingeführt wurde. 1984 ging Louis Vuitton in Paris an die Börse, um Kapital zu generieren. 1986 wurde mit den finanziellen Mitteln aus dem Börsengang der Champagnerhersteller Veuve Clicquot aufgekauft, der Parfümhersteller Givenchy sowie ein Anteil an der Kosmetikfirma Guerlain. Der Konzernumsatz lag damals bei 3,7 Milliarden Francs mit einem Gewinn von rund 400 Millionen Francs.
1987 erfolgte zum Schutz vor einer feindlichen Übernahme der Zusammenschluss der Louis Vuitton S.A. mit dem französischen Spirituosenhersteller Moët Hennessy, der seinerseits 1971 aus einem Zusammenschluss zwischen dem Champagnerhersteller Moët & Chandon und dem Weinbrandhersteller Hennessy entstanden war. Es entstand der Konzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton S.A., in dem im Laufe der Jahre zahlreiche bekannte Markennamen gebündelt wurden, darunter die Marke Louis Vuitton. Gegen die gefürchtete feindliche Übernahme, die letztendlich der französische Unternehmer Bernard Arnault erfolgreich durchführte, welcher 1989 Vorstandsvorsitzender von LVMH wurde, konnte sich allerdings auch das fusionierte Unternehmen nicht wehren. Racamier selbst hatte Arnault 1988 als Investor ins Unternehmen gebracht, welcher sich im Kampf um die Macht in der Firma letztendlich gegen Racamier stellte und diesen nach massiven Aktienaufkäufen 1990 aus dem Unternehmen drängte. Ende der 1980er-Jahre existierten weltweit etwa 130 Louis-Vuitton-Boutiquen. Der Umsatz in Asien machte damals 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
1987–heute: LVMH mini|110px|Produktlogo