Penig ist eine Stadt im Westen des Landkreises Mittelsachsen in Sachsen.
Geographie mini|290px|Luftbild von Penig an der Zwickauer Mulde
Geographische Lage Die kleine Stadt liegt an der Zwickauer Mulde, südlich von Rochlitz und nördlich von Glauchau, direkt an der Staatsstraße 57, zwischen Leipzig (65 km) und Chemnitz (15 km).
Stadtgliederung Amerika Arnsdorf Chursdorf Dittmannsdorf Langenleuba-Oberhain Markersdorf Niedersteinbach Obergräfenhain I und II Tauscha Thierbach Wernsdorf Zinnberg (siehe auch: Burgruine)
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn: Wechselburg, die Stadt Lunzenau, die Stadt Burgstädt und der Ort Mühlau im Landkreis Mittelsachsen, die Städte Limbach-Oberfrohna und Waldenburg im Landkreis Zwickau Nobitz und Langenleuba-Niederhain im thüringischen Landkreis Altenburger Land und die Städte Frohburg und Geithain im Landkreis Leipzig.
Geschichte mini|Penig um 1650 mini|hochkant|Denkmal Weiße Spitze mini|Blick über Penig von der Weißen Spitze Richtung Westen
Ältere Geschichte Im Jahr 1264 wurde in einer Urkunde ein Fridericus de Penic genannt. Diese Urkunde ist der erste schriftliche Nachweis der Existenz von Penig. Über die Entstehung der Gemeinde ist kein Schriftstück überliefert. Mitunter wird die Chronik des Thietmar von Merseburg (von 1012 bis 1018) erwähnt. Das dort genannte Wissepnig wird als Penig gedeutet. Für diese Zuordnung gibt es derzeit keine stichhaltigen Belege, sie wird von Wissenschaftlern abgelehnt. Die älteste Geschichte von Penig wird ähnlich der von Rochlitz verlaufen sein: Unter Einbeziehung einer älteren sorbischen Siedlung entwickelte sich im Verlauf der Deutschen Ostsiedlung allmählich eine Stadt.
1313 wird Penig erstmals als Stadt bezeichnet (in opido Penik). Günstig für die Entwicklung zur Stadt war die Lage an der alten Salz- und Handelsstraße von Halle (Saale) nach Prag und an einem Muldenübergang. 1323 wird der Burggraf von Leisnig, Otto I., als Herr der Ansiedlung erwähnt. Das Alte Schloss dürfte um diese Zeit erbaut worden sein. Handwerk und Gewerbe entwickelten sich frühzeitig. Die Schuhmacher bildeten 1353 die erste Zunft. Im 15. und 16. Jahrhundert erlangte die Töpferinnung besondere Bedeutung. Das sogenannte Peniger Steinzeug war von hoher künstlerischer Qualität und wurde weithin exportiert. Eine alte Tradition hatte auch das bürgerliche Bierbrauen. Für die Bierlagerung wurden um 1511 die Kellerberge angelegt, ein heute touristisch erschlossenes unterirdisches Gangsystem.
1527 stellt Burggraf Hugo von Leisnig den Peniger Webern einen Innungsbrief aus. Sein Schwiegersohn war Ernst II. von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg.Wolf-Dieter Röber: Der Innungsbrief der Glauchauer Weber von 1528 In: Schriftenreihe. Heft 2. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1980, S. 6, Anmerkungen zum Innungsbrief der Peniger Weber von 1527. 1538, nach dem Aussterben der Leisniger Burggrafen, fiel die Herrschaft Penig an die Wettiner. Der sächsische Herzog Moritz tauschte Penig, zusammen mit dem säkularisierten Kloster Zschillen (das daraufhin den Namen Wechselburg erhielt) 1543 gegen die Herrschaften Hohnstein, Wehlen und Lohmen in der Sächsischen Schweiz an die Herren von Schönburg ein, welche die Schönburgischen Herrschaften besaßen, teils als reichsunmittelbare Territorien, teils aber auch (darunter die Tauschgebiete mit Penig) als kursächsische Lehen. Die Herrschaft Penig blieb damit ein Teil von Kursachsen.
Während der Hexenverfolgungen in Penig wurde 1558 eine Frau hingerichtet, das Schicksal der Angeklagten 1542 ist unbekannt.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/Weimar/Wien 2003, ISBN 3-412-10602-X, S. 556 (Zugl.: Chemnitz, Techn. Univ., Habil.-Schr.). 1693 geriet Juliane Catharina von Schönburg, Ehefrau des Landesherrn, in einen Hexenprozess, weil ihr Ehemann wegen einer Geliebten die Ehescheidung wollte.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/Weimar/Wien 2003, ISBN 3-412-10602-X, S. 501.
Historischen Namensformen, Herkunft und Bedeutung des Namens In Urkunden finden sich folgende Schreibweisen: 1264 Penic, 1313 Penig, Penick, in oppido Penik, 1314 Penig, 1351/58 Penik, Penyk, 1382 Penek, 1486 zcu Penick, 1546 de Benyck, Benick, Benig.
Ernst Eichler und Hans Walther führen den Namen auf das altsorbische Pěnik zu pěna Schaum, Gischt zurück. Penig bedeutet demnach Siedlung am schäumenden Wasser. Die Deutung ist naheliegend, wird doch die alte Stadt an drei Seiten von der Zwickauer Mulde umflossen, die hier starkes Gefälle hat.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M–Z. Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 164.
Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart Das Denkmal Weiße Spitze, zwischen Penig und Amerika über dem Nordufer der Mulde gelegen, erinnert an die Kämpfe vom 6. bis 9. Oktober 1813 im Vorfeld der Völkerschlacht bei Leipzig. Die österreichische Vorhut der Armee unter Fürst Schwarzenberg traf hier auf das unter französischer Flagge stehende polnische Korps von Marschall Poniatowski, der den Rückzug von Marschall Murat von der Zschopau deckte. Heftige Feuergefechte um den Muldenübergang von Penig dauerten bis zum 9. Oktober gegen 15 Uhr und endeten mit der Preisgabe des Muldenübergangs durch die napoleonischen Streitkräfte. Auf beiden Seiten gab es über 1200 Tote und Verwundete. Das Denkmal wurde 1838 zum 25. Jahrestag der Schlacht errichtet.
Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung, zunächst in der bereits seit 1537 bestehenden handwerklichen Papierherstellung in der Stadt: 1835 führte Ferdinand Flinsch mit einer englischen Papiermaschine die industrielle Papierfertigung ein. Diese Papierfabrik, später als „Peniger Patent Papiere“ weit bekannt, besteht noch heute als Unternehmen der Technocell Dekor.
Die Metallindustrie in Penig entwickelte sich aus der 1852 von Adolph Oeser gegründeten Zeugschmiede zur Maschinenfabrik & Eisengießerei AG, bestand in der DDR als VEB Getriebewerk weiter, und wurde 1990 vom Getriebehersteller Flender GmbH aus Bocholt übernommen. Nach der Übernahme von Flender durch die Siemens AG im Jahre 2005 als Siemens Industriegetriebe GmbH, nach Verkauf an die Carlyle Group im Jahr 2020 wieder als Flender GmbH firmierend.
Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt war die Textilindustrie, die jedoch in den 1990er Jahren vollständig zum Erliegen kam.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde außerhalb des heutigen Ortsteiles Langenleuba-Oberhain an der B 95 in Richtung Penig auf dem Gelände eines heutigen Reitsportklubs das Außenlager Penig des KZ Buchenwald eingerichtet für 700 jüdische Frauenhäftlinge, die von Januar bis April 1945 Flugzeugteile fertigten in den Max-Gehrt-Werken, die zur Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG gehörten. Zu ihnen kamen zuletzt 14- bis 15-jährige Mädchen aus dem KZ Auschwitz.
Im April 1945 begegneten sich in Penig sowjetische und amerikanische Verbände. Die sowjetischen Streitkräfte rückten von Lunzenau her nach Alt-Penig ein, während die US-Truppen von Burgstädt her bis zur Mulde vorstießen.
Die Grenze zwischen Thüringen und Sachsen, die heute an der Nordwestgrenze der Gemarkung Penig verläuft, verlief bis 1952 mitten durch den Ortsteil Niedersteinbach.
Gedenkstätten mini|Gedenkstein, KZ-Außenlager Grabstätte auf dem Friedhof des Ortsteiles Langenleuba-Oberhain für 14 Frauenhäftlinge des KZ-Außenlagers, die Opfer von Zwangsarbeit wurden. Eine Gedenkanlage am ehemaligen Standort des Außenlagers erinnert an die umgekommenen Frauen Gedenktafel von 1964 am Haus Langer Berg 3 für den kommunistischen Widerstandskämpfer Arthur Geißler, „von den Faschisten ermordet 1941“. Tatsächlich wurde Geißler, der 1933 über die Tschechoslowakei in die UdSSR emigrierte – Frau und Kinder folgten 1934 – und als Schlosser im Rybinsker Werk für Motorkutterbau tätig war, am 7. Januar 1938 dort verhaftet und am 6. Juni 1938 erschossen.Ulla Plener, Natalia Mussienko (Hrsg.): Verurteilt zur Höchststrafe: Tod durch Erschießen. Todesopfer aus Deutschland im Großen Terror in der Sowjetunion 1937/38. Karl Dietz Verl., Berlin 2006, S. 37 Denkmal für die Kriegsgefallenen beider Weltkriege in Tauscha
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Altpenig 1833 Arnsdorf (mit Amerika)Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen. In: statistik.sachsen.de, abgerufen am 2. Januar 2018. 1. Januar 1994 Chursdorf 1. Januar 1999 DittmannsdorfDas Sachsenbuch. Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden 1943. 1. April 1935 Langenleuba-Oberhain 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit Niedersteinbach zu Langensteinbach Langensteinbach 1. Januar 2003 Markersdorf 1. Juli 1964 Eingemeindung nach Thierbach Niedersteinbach 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wernsdorf Niedersteinbach 1. Januar 1994 Zusammenschluss mit Langenleuba-Oberhain zu Langensteinbach Obergräfenhain 1. Juli 1996 Eingemeindung nach Langensteinbach ObersteinbachGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Hrsg. vom Statistisches Bundesamt. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere. Hrsg. vom Ministerium des Innern des Landes Sachsen, 1952. 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wernsdorf Steinbach 1. April 1928 Teileingliederung nach Niedersteinbach infolge Gebietsaustausches von Thüringen an Sachsen, restliche Gemeinde 1953 nach Wernsdorf eingemeindet Steinbach 1. Januar 1953 Eingemeindung nach Wernsdorf infolge der am 4. Dezember 1952 vom Kreis Altenburg in den Kreis Geithain gewechselten Gemeinde Tauscha 1. Januar 1999 Thierbach 1. Januar 1999 Wernsdorf 1. Januar 1956 Umbenennung in Niedersteinbach Zinnberg 1. Januar 1949 Eingemeindung nach Thierbach
Einwohnerentwicklung 1486 – 728 1772 – 2.051 1832 – 3.526 1840 – 3.878 1852 – 4.433 1861 – 4.933 1871 – 5.460 1885 – 6.046 1895 – 6.582 1925 – 7.405 1927 – 7.724 1933 – 8.720 1935 – 8.770 1939 – 8.533 1945 – 10.654 2005 – 10.408 2006 – 10.276 2007 – 10.134 2008 – 9.968 2009 – 9.728Beilage zum Peniger Amtsblatt. Ausgabe 2. 19. Februar 2010. 2010 – 9.564Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 18. Februar 2011. 2011 – 9.469Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 17. Februar 2012. 2012 – 9.390Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 15. Februar 2013. 2013 – 9.279Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 22. Februar 2014. 2015 – 9.053Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 27. Februar 2016. 2016 – 8.971Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 25. Februar 2017. 2017 – 8.821Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 24. Februar 2018. 2018 – 8.793Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 23. Februar 2019 (). 2019 – 8.730Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 22. Februar 2020 (). 2020 – 8.642Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 27. Februar 2021 (). 2022 – 8.445Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 25. Februar 2023. 2024 – 8.256Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 8. Februar 2025.
Die Einwohner verteilen sich wie folgt auf die Ortsteile (Stand 31. Dezember 2023Beilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 10. Februar 2024.): Ortsteil Einwohner Penig 4.725 Amerika 45 Arnsdorf 243 Chursdorf 437 Langenleuba-Oberhain 973 Markersdorf 120 Ortsteil Einwohner Niedersteinbach 358 Obergräfenhain 416 Tauscha 539 Thierbach 210 Wernsdorf 211 Zinnberg 99 mini|ohne|500px|Altersstruktur der Einwohner von PenigBeilage zum Peniger Amtsblatt Nr. 2. 23. Februar 2019.
Politik
Stadtrat Die Kommunalwahlen 2004, 2009, 2014, 2019 und 2024 lieferten folgende Sitzverteilung und Ergebnisse: