Die ehemals freie Bergstadt Altenau () hat etwa 1600 Einwohner und ist ein Bestandteil der Ortschaft Bergstadt Altenau-Schulenberg im Oberharz innerhalb der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld, welche im Landkreis Goslar in Niedersachsen liegt. Altenau ist ein staatlich anerkannter heilklimatischer Kurort im Oberharz und erhielt im Jahre 1617 Stadtrechte. Von 1972 bis 2014 gehörte die Bergstadt Altenau der Samtgemeinde Oberharz an.

Geografie Lage mini|Mühlenberg Die Bergstadt Altenau liegt zentral im Oberharz. Clausthal-Zellerfeld liegt westlich etwa zehn Kilometer, Goslar im Norden etwa 15 km und Osterode am Harz im Südwesten etwa 25 km entfernt. Östlich der Bergstadt befindet sich in zwölf Kilometern Entfernung der Gipfel des Brockens, den man von einigen Stellen Altenaus aus sehen kann. In nördliche Richtung wird das breite Tal Altenaus durch den Verlauf des Schwarzenberges () entlang des Marktes bis zum Ortsausgang in Richtung Okertalsperre begrenzt. In östlicher Richtung wird der Ort im Bereiches der Kleinen Oker durch die Hänge des Mühlen- () und des Kunstberges () und von Westen her vom Rothenberg () und vom Glockenberg () begrenzt. Südlich der Bergstadt erhebt sich der 927 Meter hohe Bruchberg. Altenau wird von Süd nach Nord von der Oker durchflossen. Weitere Bäche wie die Kleine Oker, der Rotenbeek, das Schneidwasser, die Altenau und der Gerlachsbach münden im Stadtgebiet in die Oker und verleihen Altenau ein Stadtbild mit zahlreichen Tälern und Hügelkuppen.

Geologie mini|Geologische Karte des Harzes Altenau liegt innerhalb der Sösemulde. Diese erstreckt sich von Osterode am Harz bis in Richtung Bad Harzburg. Im Devon war das Gebiet des heutigen Altenau vollständig mit Wasser bedeckt und wurde durch tektonische Bewegungen unter Wasser geprägt. Magma und metallhaltige Dämpfe drangen aus der Tiefe in obere Segmente ein, woraus sich Erzgänge erschlossen, die im Altenauer Raum südöstlich und nordwestlich verlaufen. Auch traten eisenhaltige hydrothermale Lösungen in die Segementsschichten ein, aus denen sich die späteren Roteisenlager entwickelten. Die auftretenden Erze beinhalten neben Bleiglanz auch Silber, Zinkblende, Quarz und Kupferkies. Weiterhin findet sich in der Umgebung Altenaus der selten auftretende Stranskiit. Erste Funde von Eisenerz im Gebiet rund um Altenau soll es schon im 9. Jahrhundert gegeben haben.

Ortsgliederung Zu Altenau gehört die etwa zehn Kilometer entfernte Siedlung Torfhaus. Diese liegt am höchsten Punkt der B 4 auf etwa 800 m Höhe und besteht vorwiegend aus Fremdenverkehrsbetrieben. Torfhaus liegt im Nationalpark Harz. Außerdem gehören das Polstertaler Zechenhaus, die Bastesiedlung und Gemkenthal zum Ortsgebiet.

Klima mini|Klimadiagramm für Altenau

Aufgrund seiner Höhenlage ist Altenau für niedersächsische Verhältnisse ein eher kühler Ort. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei +6,2 °C. Die Sonnenscheindauer beträgt im Jahresmittel 3,7 Stunden. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1252 mm, wovon ein für niedersächsische Verhältnisse nicht unerheblicher Teil als Schnee fällt.

Geschichte mini|Altenau, Stich von Caspar Merian, 1654 mini|Stadtschild mini|Blick vom Dammgraben auf das Glockenbergviertel

Mittelalter bis 16. Jahrhundert Altenau wurde erstmals 1227 im Zusammenhang mit dem Bergbau als Altenavium erwähnt. Das Gebiet um Altenau gehörte zum Fürstentum Braunschweig bis 1291 das Fürstentum Grubenhagen gegründet wurde, an dessen nördlicher Grenze das Gebiet von Altenau lag und durch das Schneidwasser begrenzt wurde. 1298 standen in der Umgebung des heutigen Altenaus am Schwarzen Wasser (hutte ton swuarten Worden) und im Tischlertal (hutte tor altena) je ein Verhüttungsbetrieb, die durch Burchard von Wildenstein an den Goslarer Burchard Erhaftig übergeben worden sind. 1310 stand die Hütte im Tischlertal und wurde von Albrecht Colven betrieben. Die Hütte am Schwarzen Wasser wechselte 1311 den Besitzer und ging an Hugo Grospesen, der die Hütte 1329 an Burchard von Gadenstedt übergab, der wiederum 1381 die Anlagen an den Rat der Stadt Goslar verkaufte. Dieser gab die Hütte am Schwarzen Wasser bei Altenau 1402 an die Herren von Wallmoden zur Pacht. 1411 ließ der Herzog zu Braunschweig ein Blockhaus Altenah errichten, das als Rückzugsort für Belagerungen der Harzburg dienen sollte. Die Hütte am Schwarzen Wasser trat urkundlich 1455 und 1463 (Verkauf von der Stadt Goslar an Albrecht von der Helle) abermals in Erscheinung. Weitere Verhüttungsbetriebe befanden sich im 16. Jahrhundert am Lilienwasser und am Kunstberg.

1500–1800 mini|Erste Siedlungszelle in der Rothenberger Straße mini|Altenau alte Ansichtskarte Im Spätmittelalter zunächst als Forstsiedlung entstanden, gewann der Ort zu Zeiten des Oberharzer Bergbaus (insbesondere des Silberbergbaus) an Bedeutung. Die ersten Siedler erreichten um 1520 Altenau über einen alten Hohlweg aus Richtung des Sösetals. 1525 schlossen sich Altenauer Bürger zu einer Schützengesellschaft zusammen. Eine Grube, die den Namen Altenau trug, wird 1532 erwähnt und war bis 1542 in Betrieb. Die erste Siedlungszelle des zum Fürstentum Grubenhagen gehörenden Ortes lag an der Rothenberger Straße (Nr. 10–12) in der Nähe der damaligen Eisenhütte und eine zweite Siedlungszelle auf dem oberen Teil der Oberstraße, wo ab 1540 Bergbau auf den Gruben des Schatzkammerganges betrieben wurde. Zunächst nur über schmale Fußwege miteinander verbunden, wuchsen die beiden Siedlungszellen über die Berg und Oberstraße zusammen. 1561 waren bereits die Gruben Schatzkammer, Güldene Schreibfeder und Rose in Betrieb. Zu dieser Zeit waren 20–30 Bergleute mit ihren Familien in den Gruben in Altenau beschäftigt. Die erste Bergfreiheit erhielt der Bergort 1554, die aber erst 1636 für gültig erklärt wurde. Die beiden Mahlmühlen, Ober- und Untermühlen werden 1568 erstmals genannt. Um 1580 wurde Altenau als Bergflecken bestehend aus 20 Häusern mit ca. 120 Einwohnern und Hüttenwerk genannt. Zwischen den beiden Siedlungen wurde 1588 auf einer Terrasse über der Okerschleife eine erste Kirche errichtet.

1594 erhielt Altenau, das damals 35 Häuser und 210 Einwohner zählte, die Richtbarkeit samt Stadtbuch durch den Herzog Wolfgang von Braunschweig-Grubenhagen. Erster Stadtrichter (Bürgermeister) war Simon Hensch. Zuvor unterstand der Ort den Oberförstern Barthold Gümpell und Zacharias Hennings zu Osterode. Das erste Pfarrhaus stammt von 1601 und ersetzt ein altes Zechenhaus, das um 1520 gebaut wurde. Eine bis dahin etwa 100 Jahre alte Mühle musste 1602 vom Gericht in Clausthal gepfändet und abgerissen werden, weil der Eigentümer, Hans von Hagen, das baufällige Gebäude aufgrund seiner Schulden nicht mehr unterhalten konnte. 1603 zählt Altenau bereits 50 Häuser und 350 Bewohner. 1606 ist das erste Rathaus zusammen mit der Silberhütte entstanden. Im selben Jahr gingen die Bergwerke an Christoph Sander d. J. über. Mit dem Tode Philipps II., des jüngsten Sohnes Philipps I., im Jahre 1596 starb die Linie Grubenhagen aus. Das Fürstentum Grubenhagen wurde daraufhin von Herzog Heinrich Julius aus Wolfenbüttel besetzt, womit Altenau nun im Gebiet von Braunschweig-Wolfenbüttel lag. Nachdem die Lüneburger Linie der Welfen gegen den Anschluss an Wolfenbüttel protestierten bekamen diese 1617 vor dem Reichskammergericht Recht. Herzog Friedrich Ulrich, musste das Grubenhagener Erbe an Christian den Älteren, Fürst von Lüneburg, übertragen. Am 30. Oktober 1617 wurde Altenau vom Herzog Christian zu Braunschweig-Lüneburg zur Stadt erhoben.Leerstandskataster Markt 2 38707 Altenau, als PDF-Dokument 1618 wurden eine Vielzahl von Christoph Sander betriebenen Gruben an seine Gläubiger Pancratius Müller aus Astfeldt und Bernhard Fromknecht aus Goslar unterstellt und kamen somit unter die Aufsicht des Bergamtes Clausthals. 1620 zeigt ein Verzeichnis der Hausvorstände 56 Hauseigentümer und 14 Mieter auf. 1621 wurde eine Eisenhütte am Rothenberg eingerichtet, die Waffen und Eisenrohre herstellte. Im selben Jahr wurde erstmals eine Schützenordnung erlassen. mini|Ehemalige Mahlmühle in der Rothenberger Straße Mit der Vergabe des Stadtrechts erhielt Altenau auch das Braurecht. Ein städtisches Brauhaus errichtete man 1622 unterhalb der Klippe. Als kommunale Einrichtung stand es unter der Leitung des Richters, dem Bürgermeister. Jeder Straßenzug erhielt einen separaten Brautag, an dem die Bürger beim städtischen Braumeister ihr Bier (Gose und Süßbier) brauen lassen konnten. Die Erlöse aus dem Verkauf des Bieres flossen in eine Bierakzise, die der Kirchengemeinde und der ab 1637 gegründeten Volksschule zugutekamen. Während des Dreißigjährigen Krieges erkaufte die Stadt Altenau teure Schutzbriefe. Allein im Jahr 1626 boten vier solcher Briefe der Bergstadt Schutz. Der Schutzbrief vom General Johann T’Serclaes von Tilly wurde Altenau am 30. März 1626 auf der Harzburg ausgestellt. Der Schutzbrief von Hauptmann Wolf zu Wildenstein kostete der Bergstadt 336 Gulden und wurde ihr am 15. März 1626 verbrieft. Weitere Schutzbriefe erhielt die junge Bergstadt von Generaloberst Wallenstein am 31. Mai 1626 und vom König Christian zu Dänemark am 11. Juni 1626. In einem Zeitraum von 1620 bis 1630 kam aufgrund des Krieges der Bergbau zum Erliegen, so dass zur Finanzierung der Schutzbriefe in dieser Zeit am Rothenberg eine Öl- und Mahlmühle, sowie ein Bohr- und Schleifwerk errichtet wurden. Auch existierte in Altenau zu dem Zeitpunkt eine Münzstätte am Marktplatz, die von Herzog Christian betrieben wurde, um die private Gruben von Müller und Fromknecht aufkaufen zu können. Die Münzstätte bestand von April bis Juni 1621 und produzierte unter dem Münzmeister Claus Oppermann insgesamt 4800 Reichstaler. 1630 wurden die Gruben wieder in Betrieb genommen.

Nach der Aufteilung des Fürstentums Grubenhagen kamen der Herzog August von Braunschweig und Wolfenbüttel, sein Statthalter Julius von Bülow, der Kanzler Goswin von Merkelbach und der Landdrost Heinrich von Dannenberg nach Clausthal um die Huldigung der Stadt einzuholen. Dem wohnten auch die Vertreter der Bergstadt Altenau bei, die ebenfalls den Huldigungseid leisteten, womit Altenau am 20. Mai 1636 durch den Herzog August von Braunschweig und Wolfenbüttel den Titel einer freien Bergstadt erhielt, wodurch die Bürger von bestimmten Steuern befreit waren und zusätzliche Rechte erhielten. Ein Jahr später bestätigte am 12. September 1637 Herzog Friedrich die Stadtrechte. 1638 sind sämtliche Gruben in Besitz der Stadt gelangt. 1639 wurden die Gruben Sankt Michel am Bruchberg und die Grube Sankt Nikolaus unterhalb der Kirche gemuthet. Den Bergbau stellte man in den Jahren 1645 bis 1647 ein, nahm jedoch Contributszahlungen für den Betrieb der Gruben vom Bergamt Clausthal für die entsprechenden Jahre entgegen, so dass Altenau von 1648 für vier Jahre lang Rückzahlungen leisten musste. Herzog Christian zu Braunschweig-Lüneburg bestätigte die Rechte der Bergstadt am 7. Juni 1649 erneut.