Der Fernsehturm Dresden steht auf den Dresdner Elbhängen im Dresdner Stadtteil Wachwitz und dient seit 1969 als Sendeturm für Fernsehen und Rundfunk sowie später auch für Mobilfunk. Mit einer Gesamthöhe von 252 Metern steht er auf dem neunten Platz aller Fernseh- und Fernmeldetürme in Deutschland. Seiner Sichtbarkeit über große Entfernungen und seiner markanten Form wegen ist er ein Wahrzeichen von Dresden und des Elbtalkessels geworden.
Geschichte Hintergrund Mit der Entstehung des Deutschen Fernsehfunks (DFF) wollte die politische Führung der DDR einen Fernsehsender für ganz Deutschland aufbauen. Ab dem 3. Januar 1956 begann der DFF offiziell den Sendebetrieb. Die terrestrische Ausstrahlung seines Programms war aber in einigen Gebieten problematisch, da insbesondere eine Lage im Tal den direkten Empfang deutlich erschwerte. Der Ballungsraum Dresden liegt nahezu vollständig im Elbtalkessel. Hierdurch war für die über 600.000 Bewohner von Pirna, Heidenau, Dresden, Radebeul und Coswig die Versorgung mit Rundfunk und Fernsehen ohne einen eigenen Sendeturm bzw. eine Relaisstation schwierig. Der Elbtalkessel war deswegen in der DDR auch als Tal der Ahnungslosen bekannt.
Bereits 1953/54 war in Radebeul auf der Hangkante der Lößnitzhöhen direkt neben dem Mäuseturm ein Gitterturm der Dezimeter-Richtfunkverbindung von Berlin errichtet worden, der die 1952 auf dem Turm der Boxdorfer Windmühle eingerichtete Telefon-Relaisstation ablöste. Neben dem Gitterturm stand eine Funkeinrichtung am Dammweg, die nach Eröffnung des DFF die Versorgung des Elbtals mit UKW-Rundfunk, Fernsehen und Ferngesprächstelefonie übernahm und noch auf der Landeskrone bei Görlitz empfangen werden konnte.Reinhold Hollwitz: , in: Herbert Schweiniger (Hrsg.): , Grundschule Radebeul-Wahnsdorf, Radebeul 1958, S. 16–17, mit einem Foto des Fernseh-Gitterturms neben dem Mäuseturm
1959 war im Postmuseum der DDR ein Modell eines in Spannbeton auszuführenden 165 Meter hohen UKW- und Fernsehsendeturmes zu sehen, der im Verlauf des Siebenjahrplanes in Radebeul entstehen sollte.
Bau Der Bauherr, die Deutsche Post der DDR, ließ den Dresdner Turm unter Federführung des BMK Kohle und Energie bauen. Grundsteinlegung war im Sommer 1964. Im Dezember 1964 hatte der Turm eine Höhe von 85 Meter erreicht. Als der Turm eine Höhe von ca. 100 Metern erreicht hatte, versuchte die Bauleitung mit einer experimentellen ballonartigen Traglufthalle an der Spitze des Schaftes die Bauarbeiten kontinuierlich aufrechtzuerhalten. Dieses Schutzdach aus Dederon wurde aber am 28. Februar 1965 durch einen Sturm mit Windstärke 12 zerstört, als der Innendruck gegen Mittag nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Ein zweites Schutzdach wurde später ebenfalls durch einen Sturm zerstört.
Am 15. Dezember 1965 wurde das Richtfest gefeiert. Damit war der Betonbau abgeschlossen und der Turm hatte eine Höhe von 167,15 Meter erreicht. Beim Innenausbau des Turmes starb 1966 ein Monteur, als er in den 120 Meter tiefen Aufzugsschacht fiel. Nach der Montage der 85 m hohen Kunststoffzylinder-Antenne hatte der Turm im Juni 1968 seine endgültige Höhe erreicht. Bereits im Februar 1969 befand sich einer der Schnellaufzüge des Fernsehturms im Probebetrieb. Nach erfolgter Ausrüstung des Turms mit den notwendigen sendetechnischen Einrichtungen wurde der Fernsehturm Dresden am 18. September 1969 in Anwesenheit des Ministers für Post- und Fernmeldewesen der DDR Rudolph Schulze technisch in Betrieb genommen. Die Eröffnung für den Publikumsverkehr erfolgte zum 20. Jahrestag der Republik am 7. Oktober 1969. Um den Berichten zur Eröffnung des Berliner Fernsehturms den Vorrang zu lassen, wurde die offizielle Eröffnung des Wochen zuvor fertiggestellten, neuen Fernsehturms in Dresden zurückgestellt.
Touristische Nutzung von 1969 bis 1991 mini|hochkant|Blick von der Aussichtsterrasse (1970) Im mit zwei Personenaufzügen erreichbaren Besucherbereich gab es ein zweistöckiges Turmcafé mit 120 Plätzen in 145 Metern Höhe, von der darüber in 148 Metern Höhe liegenden offenen Aussichtsplattform mit einer Kapazität von 40 bis 50 Besuchern konnte man wie von einem Balkon in die Tiefe blicken. Jährlich besuchten etwa 200.000 Gäste das Turmcafé, um von dort die Aussicht über das Elbtal zu genießen, bis zur Renovierung im Jahr 1991 durch die Deutsche Telekom und der Pleite des letzten Pächters des Turmcafés (HO-Gaststätte). Das Café hatte Preisklasse S, die höchste in der DDR. Die Küche musste in einem runden Raum mit nur 40 m² unterkommen. Da der Fernsehturm bis zu 1,60 m hin und her schwanken kann, funktionierten auch die Küchenwaagen nicht mehr richtig. Hierbei musste der Koch die bis zu 30 Gramm Abweichung durch Erfahrung ausgleichen.Tobias Winzer: Der Restaurant-Planer vom Fernsehturm. In: Sächsische Zeitung, 24. April 2014.
Am Fuß des Fernsehturms sollte ein Lokal für 250 Gäste erbaut werden. Die Grundmauern sind heute als Ruine erhalten. Das Projekt wurde aus Kostengründen und wegen des Baus der Bobbahn in Altenberg aufgegeben. Zu einer günstigeren Verkehrsanbindung sollte auch eine Seilbahn beitragen, die vom Elbufer aus zum Turm geführt hätte. Dieser Plan wurde wieder verworfen; die Errichtung der Seilbahn erfolgte dann 1970 im Bodetal (Thale/Harz).
Nach der Schließung 1991 Am 30. Juni 1991 wurde das Café, Ende 1991 der Turm ganz für die Öffentlichkeit geschlossen. Nach der Renovierung durch die Deutsche Telekom wurde er aber nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der vormalige Eingangsbereich wurde vermauert und das Gelände sicher umzäunt.
Im Juni 2000 gab es zum 10. Elbhangfest „Wachwitz zeigt die Zehne – 650 Jahre Wachwitz“ ein Licht-Ton-Event, bei dem der Fernsehturm nachts verschiedenfarbig erleuchtet wurde und mittels Lautsprecher weithin hörbar seine Sprechfähigkeit unter Beweis stellte.
Im Jahr 2003 gab es in den Senderäumen einen kleineren Brand, der rasch unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Versuche der Wiedereröffnung Im Februar 2008 tagte der Stadtrat über eine eventuelle Wiedereröffnung., auf meindresden.info, 22. Februar 2008.
Da eine Sanierung der Aufzugsanlage und des Restaurants etwa drei bis vier Millionen Euro kosten würde, konnte bisher noch kein Investor mit einem finanzierbaren Konzept gefunden werden. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei nur mit 500.000 Besuchern pro Jahr möglich. Der jetzige Betreiber Deutsche Funkturm sieht derzeit keinen eigenen Bedarf zur Renovierung.
Im August 2009 stand der 2004 gegründeteGründung des Vereins „Fernsehturm Dresden“, vereinfernsehturmdresden.de, abgerufen am 27. August 2022 Förderverein vor einer möglichen AuflösungTrauer statt Feier: Fernsehturm-Förderer vor dem Aus. In: Sächsische Zeitung, 9. September 2009., welche aber verhindert werden konnte.. In: Sächsische Zeitung, 26. September 2009.
Am 4. August 2010 berichtete die Sächsische Zeitung über das Interesse eines potenziellen Investors, der der Stadt bis Mitte August ein Finanzierungskonzept vorlegen sollte.Hoffnung für den Fernsehturm. In: Sächsische Zeitung, 4. August 2010, S. 14 Die erforderlichen Investitionskosten für den Turm werden mit zehn Millionen Euro beziffert.. In: Sächsische Zeitung, 3. August 2010.
Im Februar 2012 gab es aufgrund einer infolge des Frostes geplatzten Rohrleitung einen Wasserschaden, bei dem mehrere Kubikmeter Wasser in die Kellerräume flossen.Wasser-Havarie im Fernsehturm: Frost lässt Leitung platzen. In: Sächsische Zeitung, 22. Februar 2012, S. 14.
Vom 13. August 2013 bis 14. Februar 2014 lief eine Online-Petition „Wir wollen den Dresdner Fernsehturm wieder als touristisches Ausflugsziel!“.Petition Wir wollen den Dresdner Fernsehturm wieder als touristisches Ausflugsziel!
2016 machte der Kabarettist Uwe Steimle in der MDR-Talkshow Riverboat auf die Bemühungen des Vereins Fernsehturm Dresden e. V. zur Wiedereröffnung des Fernsehturms aufmerksam und unterstützte diese mit der Präsentation von Benefizartikeln.
2017 wurde eine Machbarkeitsstudie zur Wiedereröffnung veröffentlicht. Die einfache Sanierung mit Café und Besucherplattform würde 15,5 Millionen Euro kosten.
Am 8. November 2018 entschied der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, finanzielle Mittel in Höhe von 12,8 Millionen € im Rahmen der Denkmalförderung bereitzustellen und sich so an den Kosten der notwendigen Baumaßnahmen für die Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturms zu beteiligen. Die Fördermittel liegen bis 2025 bereit.
Auch der Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden haben ihre Unterstützung des Projektes und die damit einhergehenden finanziellen Mittel von ebenfalls 12,8 Millionen € (zu je gleichen Teilen) am 12. Mai 2019 zugesagt. Damit ist die Finanzierung von 25,6 Millionen Euro gesichert.Die Finanzierung für die Sanierung des Fernsehturms steht. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 12. Mai 2019, aufgerufen am 15. Mai 2019. Das Projekt wurde auf der Immobilienmesse Expo Real in München im Oktober 2019 vorgestellt.
Am 12. Oktober 2019 konnten anlässlich des 50. Geburtstages 200 Besucher die Aussichtsplattform besuchen. Die Stadt Dresden finanzierte eine Verkehrsstudie. Erwartet werden 200.000 Besucher jährlich. Am 23. Juni 2021 wurde die Fernsehturm Dresden GmbH, an der die DDV Mediengruppe, die Dresden Information GmbH und die Agentur Avantgarde beteiligt sind, als neuer Betreiber des Turms vorgestellt, der ohne dauerhafte städtische Zuschüsse auskommen muss. Eine Eröffnung wurde nicht vor 2025 erwartet.
Im August 2020 wurde mit einer weiteren Online-Petition aus der Dresdner Bürgerschaft eine Gegenbewegung sichtbar, welche eine Verlegung des Fernsehturms auf den Altmarkt (Dresden) fordert. Als wesentliche Argumente für das Abtragen am aktuellen Standort und den Wiederaufbau im Dresdner Stadtzentrum wurde das Fehlen eines realistischen und zukunftsfähigen Konzepts der verkehrstechnischen Erschließung des aktuellen Standorts und die daraus resultierende für eine touristische Nutzung unbrauchbare Lage genannt.e-Petition Abtragen und Wiederaufbau des Fernsehturms im Herzen Dresdens, Landeshauptstadt Dresden, August 2020.
Am 26. Juli 2022 starben der Vorsitzende des Fernsehturmvereins Eberhard MittagEberhard Mittag war 1999 einer der Gründer des Fördervereins Bürgernetz Dresden, vgl. und der Beiratsvorsitzende Klaus Martin, welche sich maßgeblich für die Wiedereröffnung engagierten, bei einer Reise zu einem potentiellen Fernsehturm-Partner durch einen Absturz mit einem Ultraleichtflugzeug Ikarus C42 in der Nähe von Neureichenau in Niederbayern.Gemeinsame Traueranzeige in der Sächsischen Zeitung, abgerufen am 27. August 2022.
Bei einer Einwohnerversammlung im November 2022 wurde die neue Idee eines Baumwipfelpfades und ein Eröffnungstermin 2027 genannt.
Bis Ende 2025 soll der Fördermittelantrag eingereicht werden. Eine Gaststätte soll am Turmfuß eröffnen, ein kleines Café im Turm. Eröffnet wird der Turm frühestens 2030. Sächsische Zeitung vom 12. November 2025, S. 1 und 13
Mit Blick auf die Bundesgartenschau 2033 ist die Wiedereröffnung geplant. Stand April 2026 betragen die Sanierungskosten 25,6 Millionen EURO, die zur Hälfte aus Mitteln der Denkmalförderung des Bundes aufgebracht werden sollen, der Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden wollen je ein Viertel der Sanierungskosten tragen. Zwei neue Aufzüge müssen installiert werden, außerdem eine Brandmelde- und Löschanlage. Die Turmgastronomie soll auf 480 Quadratmetern reaktiviert werden.Matthias Bartsch, Steffen Winter: Himmlischer Blick auf die Skyline. In: Der Spiegel, Nr. 17, 17. April 2026, S. 36 f.
Architektur und Bautechnik Lage und Umgebung mini|1985, Innenaufnahmen der Restauration mini|Fußbebauung mit Eingangsbereich (1970) Der Turm befindet sich am Oberwachwitzer Weg 37, auf den Dresdner Elbhängen im Dresdner Stadtteil Wachwitz im Stadtbezirk Loschwitz, etwa 7 Kilometer vom Zentrum entfernt. Der Turm steht rund und etwa 120 Meter über dem Elbtal und ist fast vom gesamten Stadtgebiet Dresdens und weiten Teilen des oberelbischen Raumes zu sehen.