Der Nürnberger Fernmeldeturm, der wegen seines eiförmigen Turmkorbes auch den Namen „Nürnberger Ei“ trägt, wurde zwischen 1977 und 1980 nach Plänen des Architekten Erwin Heinle erbaut. Tragwerksplaner war der Bauingenieur Fritz Leonhardt. Er stellt das höchste Bauwerk in Bayern dar und ist nach dem Berliner und dem Frankfurter der dritthöchste Fernsehturm in Deutschland.

mini|Der Fernmeldeturm in Nürnberg

Geschichte Vorgängersender Vom Sender Nürnberg-Kleinreuth an der Rundfunkstraße 24 wurden von 1927 bis 1969 Rundfunkprogramme im Mittelwellenbereich abgestrahlt. Er wurde 1969 zur bestehenden Rundfunksendeanlage des Bayerischen Rundfunks auf dem Dillberg verlegt, wo auch heute noch die Rundfunkprogramme des Bayerischen Rundfunks abgestrahlt werden.

Von 1952 bis 1955 war ein UKW-Sender auf dem Moritzberg installiert, der wegen der Einflugschneise des neuen Flughafens zum Dillberg verlegt wurde. Eine für den Fernsehempfang notwendige Erhöhung des Sendemastes wäre nicht möglich gewesen.

Der Sendeturm auf dem Post-/Telekomgelände in der Karolinenstraße 38/Adlerstraße 29 (ehemals: Fernmeldeamt I Nürnberg) (Koordinate – ):

Planung und Bau Geplant wurde er ab 1972 als reiner Fernmeldeturm, der eine vorhandene Einrichtung in der Innenstadt ersetzen sollte. Als solcher fand er auch bis 1986 Verwendung, erst seitdem werden auch private Radioprogramme und seit 1988 private Fernsehprogramme von dort ausgestrahlt. Heute beherbergt der Korb auch Sendeeinrichtungen für analog Radio – UKW, digital Radio – DAB, BOS-Funk, Funkmeldeempfänger, Amateurfunkdienst, Mobilfunk und Richtfunk. Die Zwischenräume des Turmkorbs dienen als Antennenplattformen. Architekt Heinle wollte ursprünglich diese Zwischenräume mit Kunststoff auskleiden, um die Form des Nürnberger Eies perfekt darzustellen. Aus technischen Gründen konnte dies jedoch nicht realisiert werden.

Bildergalerie des Turmbaus:

Seit Erbauung Ebenfalls von Anfang an geplant und betrieben wurde ein touristischer Bereich mit einem Drehrestaurant mit einer Umlaufdauer von einer Stunde und einer Aussichtsplattform im unteren Bereich des Turmkorbs. Diese Angebote trugen sich jedoch nicht und trotz mehrerer Pächter und wechselnder Angebote ist der Turm daher seit 1991 für die öffentliche Nutzung geschlossen. Der 1986 eröffnete U-Bahnhof Hohe Marter greift in seiner Architektur den Fernmeldeturm auf; die Wände hinter den Gleisen sind mit Mosaiken, die den Turm jeweils bei Tag und bei Nacht darstellen, verziert.

Seit Juli 2009 befindet sich in 194 Meter Höhe eine 360-Grad-Panoramakamera mit Blick über Nürnberg.

Der Fernmeldeturm gehört der Deutschen Funkturm GmbH (DFMG), einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster.

Vom 22. Januar 2003 bis zum 4. April 2003 diente der Nürnberger Fernmeldeturm auch zur Verbreitung des Programms von Megaradio auf der Mittelwellenfrequenz 945 kHz. Hierzu wurde entlang des Turmschaftes eine Drahtantenne gespannt, deren oberstes Ende am Turmschaft und deren unterstes Ende auf dem Dach des zu Füßen des Turmes liegenden Betriebsgebäudes befestigt war.

Von 1980 bis 1998 wurde das Eurosignal mit 300 W aus einer Höhe von 287 Meter gesendet.

Aufgrund seiner Lage im Nürnberger Stadtteil Schweinau (statistischer Bezirk Hohe Marter) ist auch die Bezeichnung „Fernmeldeturm Schweinau“ gebräuchlich.

Nach 1991 gab es mehrere Initiativen und Aktionen, um den Turm wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter anderem wurde 2015 einmalig ein „Tag der offenen Tür“ für eine begrenzte Besucherzahl durchgeführt. Aber die hohen Betriebskosten und hohe Sanierungs- und Modernisierungskosten verhinderten die dauerhafte Wiederöffnung.Söders Versprechen platzt: Fernmeldeturm bleibt dicht, nordbayern.de, 8. Februar 2018

Im Juni 2021 wurde der Turm in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen.Das „Nürnberger Ei“ wird zum Denkmal, nordbayern.de, 18. Juni 2021

Technische Daten mini|hochkant=0.4|links|Turmkorb und Antenne

Der zwischen dem 12. Juli 1977 (Grundsteinlegung) und 8. August 1980 (Eröffnung) erbaute Fernmeldeturm erreicht eine Gesamthöhe von 292,80 Metern (Aussichtsgeschoss in 185 Metern, Betriebsräume in 197 und 205 Metern) bei einer verbauten Gesamtmasse von 23.000 Tonnen.

Die aktuelle Höhe gilt seit dem letzten Austausch der Turmspitze für die Umstellung vom analogen auf das digitale Antennenfernsehen DVB-T im Ballungsraum Nürnberg am 8. und 9. April 2005.

Der Turmkorb hat eine Höhe von knapp 50 Metern und einen Durchmesser von 32 Metern.

Der Personenaufzug für den öffentlichen Bereich fasst bis zu 30 Personen und fährt mit 6,3 m/s nach oben. Zum Aussichtsgeschoss sind es 1170 Stufen (zur Mastspitze danach weitere 285 Leiterstufen). Im Lastenaufzug für den technischen Bereich sind bis zu 13 Personen zugelassen, wobei er mit 2 m/s erheblich langsamer fährt. Aus feuerpolizeilichen Gründen dürfen sich maximal 250 Personen im Turm aufhalten.

Vom Geländeniveau 318 Metern über NN ragt sein unterirdisches Fundament 15,5 Meter in die Tiefe.

Auf dem Dach des Turmkorbes befinden sich drei um 120 Grad versetzt angeordnete, rotierende, weiße Leuchtfeuer, die jeweils in zwei Richtungen strahlen; sie können vom Tower des Nürnberger Flughafens ein- und ausgeschaltet werden, und dienen der Orientierung und Flugsicherheit.

Frequenzen und Programme Analoges Radio (UKW) Beim Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Strahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad angegeben.

Frequenz(in MHz) Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP(in kW) Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) 90,1 Deutschlandfunk __Dlf___ D210 - 0,05 ND H 92,9 Hit Radio N1/Camillo/AREF/Pray 92,9 RADIO_N1, CAMILLO_ D01B - 0,32 ND H 94,5 Radio F/Jazztime Nürnberg RADIO_F_ 101C - 0,32 ND H 95,8 Radio Z/Star FM 107.8/99.0 RADIO_Z_, STAR_FM_ 1C15 - 0,32 ND H 97,1 Radio Gong 97,1 _GONG___ 171E - 0,32 ND H 98,6 98.6 Charivari 986CHARI 101D - 0,32 ND H 105,6 Deutschlandfunk Kultur Dlf_Kult D220 - 0,1 ND H 106,9 Energy Nürnberg _ENERGY_ DE19 - 0,3 ND H

Digitales Radio (DAB) mini|Nahansicht DAB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt.

Block Programme ERP (in kW) Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Gleichwellennetz (SFN) 5CDR Deutschland(D__00188) DAB+ Block der Media Broadcast: 10 ND 5DAntenne DE(D__00364) 10 ND 8C Mittelfranken(D__00327) DAB-Block des Bayerischen Rundfunks 10 ND 10C Nuernberg (D__99042) DAB-Block der Bayern Digital Radio : 10 ND 11D BR Bayern  (D__00165) DAB-Block des Bayerischen Rundfunks 10 ND

Der DAB-Block 10C (Lokal) wurde bis Mitte September 2014 vom Sendeturm an der Wallensteinstraße (Studio Franken) mit 2 kW abgestrahlt und dann zum Fernmeldeturm verlegt und auf 4 kW verstärkt. In Erlangen stand ein weiterer Sender mit 0,4 kW Leistung. Dieser wurde im Zuge der Umstrukturierung abgeschaltet.

Digitales Fernsehen (DVB-T2) Kanal Frequenz(in MHz) Multiplex Programme im Multiplex ERP(in kW) Antennen-diagrammrund (ND) /gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H) /vertikal (V) Modulations-verfahren FEC Guard-intervall Bitrate(in MBit/s) SFN 24 498 Freenet TV 2 ProSieben HD (verschlüsselt) Kabel Eins HD (verschlüsselt) Sixx HD (verschlüsselt) ProSieben Maxx HD (verschlüsselt) Sat.1 Gold HD (verschlüsselt) Sport1 HD (verschlüsselt) Sat.1 HD Bayern (verschlüsselt) 50 ND V 64-QAM 2/3 1/16 27,6 Nürnberg 25 506 Freenet TV 3 Disney Channel HD (verschlüsselt) Welt HD (verschlüsselt) DMAX HD (verschlüsselt) Eurosport 1 HD (verschlüsselt) Nickelodeon HD (1:00 bis 20:15 Uhr) (verschlüsselt) / Comedy Central +1 HD (20:15 bis 1:00 Uhr) (verschlüsselt) Software System Update (ID: „ssu“) QVC („qHD“, entspricht der SD-Auflösung im selben Standard DVB-T2 mit H.265/HEVC-Codec) HSE („qHD“) Bibel TV („qHD“) freenet TV Info 50 ND V 64-QAM2/3 1/16 27,6 Nürnberg 29 538 ARD / BR BR Fernsehen Nord HD BR Fernsehen Süd HD ARD alpha HD HR-Fernsehen HD MDR Thüringen HD rbb Fernsehen Berlin HD SWR BW HD BR in ARD Mediathek (Internet) Radio Bremen TV HD (Internet) 50 ND V 64-QAM 3/5 19/128 22,0 Nürnberg, Dillberg, Büttelberg 34 578 Substream 0: ZDF

(ZDFmobil)

Substream 1: Freenet TVSubstream 0: ZDF HD ZDFinfo HD zdf_neo HD 3sat HD KiKA HD Substream 1: Freenet TV connect 50 ND V 64-QAM 3/5 19/128 22,0 Nürnberg, Dillberg 35 586 Freenet TV 1 Vox HD (verschlüsselt) Super RTL HD (verschlüsselt) RTL Zwei HD (verschlüsselt) ntv HD (verschlüsselt) RTL Nitro HD (verschlüsselt) Tele 5 HD (verschlüsselt) RTL HD Nürnberg mit Sendefenster Franken Fernsehen (verschlüsselt) 50 ND V 64-QAM 2/3 1/16 27,6 Nürnberg 42 642 ARD Das Erste HD Arte HD Phoenix HD Tagesschau24 HD One HD NDR Fernsehen HD (Niedersachsen) 50 ND V 64-QAM 3/5 19/128 22,0 Nürnberg, Dillberg, Büttelberg

Analoges Fernsehen Bis zur Umstellung auf DVB-T wurden folgende Programme in analogem PAL gesendet:

Kanal Frequenz (MHz) Programm ERP(kW) Sendediagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) 21 471,25 ProSieben 0,63 ND H 23 487,25 Franken Fernsehen 0,63 ND H 36 591,25 RTL (Nürnberg) 1 ND H 40 623,25 Sat.1 (Bayern) 1 ND H 53 727,25 Tele 5 0,63 ND H Die öffentlich-rechtlichen Sender wurden von den Sendern Dillberg (Das Erste) und Schwabach (ZDF, BR) ausgestrahlt.

Amateurfunkdienst ATV-Relais DB0SCS (Ausgabe: 1278 MHz Eingabe: 2335 MHz) D-STAR-Relais DB0VOX (439,525 MHz) FM-Relais (Echolink, IRLP) DB0VOX (439,250 MHz) POCSAG-Funkruf­sender DB0VOX (439,9875 MHz) APRS-Digipeater DB0VOX (144,800 MHz)

Literatur Thomas Funk: Nürnbergs längster Spargel. in: Stadt Nürnberg (Hrsg.): Nürnberg Heute. Heft 29, Nürnberg 1980, S. 18–22. Dietrich Elias (Hrsg.): Jahrbuch des elektrischen Fernmeldewesens, Verlag für Wissenschaft und Leben Georg Heidecker 1974, ISBN 3-87862-125-6, Seiten 28–33. Richard Woditsch (Hrsg.): Architekturführer Nürnberg. DOM publischeres, Berlin 2021, ISBN 978-3-86922-276-9, S. 236f.

Einzelnachweise

Weblinks

Fernmeldeturm Nürnberg bei skyscraperpage.com Ein großes Stück Kommunikationsgeschichte (Sonderseite des Museums für Kommunikation Nürnberg zum Fernmeldeturm) www.nuernberginfos.de: Fernsehturm – Fernmeldeturm Nürnberg deutschefunkturm.de Amateurfunkstelle DB0VOX Fernmeldeturm Nürnberg

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