mini|Rheinturm zur blauen Stunde, links davon das Stadttor Der Rheinturm ist ein Fernsehturm in Düsseldorf. Mit 240,50 Metern ist er das höchste Bauwerk der Stadt und der zehnthöchste Fernsehturm in Deutschland. Der von 1978 bis 1982 erbaute Rheinturm dient sowohl als Träger von Antennen für Richtfunk, DVB-T-Fernsehen und UKW-Funkdienste als auch als Aussichtsturm. Der direkt am Rhein stehende Turm trägt als Besonderheit an seiner der Altstadt zugewandten Seite eine sogenannte Lichtskulptur, die als größte digitale Uhr der Welt gilt. Der Rheinturm ist für die Öffentlichkeit zugänglich, prägt das Stadtbild von Düsseldorf und ist eines seiner Wahrzeichen. Jährlich besuchen etwa 300.000 Menschen den Rheinturm.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 36

Geschichte Situation und Planung mini|hochkant|links|Rheinturm-Projekt aus dem Jahr 1913

Erste Planungen zum Bau eines als „Rheinturm“ bezeichneten „Wunderwerks deutscher Eisenindustrie“ in Düsseldorf datieren aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Dieser vom Deutschen Stahlwerksverband vorgetragene Plan sollte „den Eiffelturm noch um 200 Meter überragen, also 500 Meter hoch werden“. Die Stahlfachwerkkonstruktion sollte auf insgesamt vier Pfeilern ruhen, wovon sich zwei auf den Brückenbögen einer Rheinbrücke stützen sollten.Wissen und Leben Heft 39, 29 Jahrgang 1913, S. 75 (mit Abb. des projektierten Turms) Beilage zu Reclams Universum: Moderne illustrierte Wochenschrift 29.2 (1913). Dieses baulich fragwürdige Vorhaben wurde jedoch nicht realisiert.

Düsseldorfs erster Fernmeldeturm wurde 1960/61 auf einer Anhöhe östlich von Gerresheim errichtet (→ Fernmeldeturm Gerresheim). Damit konnten trotz der verhältnismäßig geringen Turmhöhe von 75 Metern anfangs viele Gegenfunkstellen erreicht werden. Allerdings nahm seine Bedeutung im Laufe der Zeit durch seine geringe Aufnahmefähigkeit für neue Antennen ab. Weitere Ausbauten und Umbauten vor Ort erschienen ebenfalls nicht zweckmäßig, da die Entfernung zur Zentralvermittlungsstelle in der Innenstadt zu groß war.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 6

Der neue Fernmeldeturm sollte in erster Linie dem Fernsprechverkehr dienen.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 14 Kriterien für eine geeignete Standortwahl waren die fernmeldetechnischen Notwendigkeiten, möglichst nah bei der Zentralvermittlungsstelle in der Graf-Adolf-Straße zu stehen und eine kurze Kabelanbindung zu ermöglichen.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 10 Zum anderen sollte das Bauwerk mit Publikumsverkehr durch seinen Standort als Wahrzeichen prägend fürs Stadtbild sein und in der Nähe des Zentrums stehen. Der gewählte Standort am Rhein neben der Rheinkniebrücke erfüllte diese Bedingungen.

Die Höhe des Turmes war maßgeblich vorherbestimmt durch die geografische Lage, die städtebaulichen Gegebenheiten der Landeshauptstadt und die geplanten Richtfunkverbindungen. Bereits bei derjenigen in das 26 Kilometer entfernte Witzhelden war eine Erdüberhöhung von 13,67 Metern (→ Erdkrümmung) einzurechnen. Außerdem musste bei der Konzeption der Turmhöhe das LVA-Hauptgebäude mit 123 Metern berücksichtigt werden, es war zu dieser Zeit höchstes Bauwerk der Stadt. Deshalb betrug die Mindesthöhe für die Richtfunkantennen 180 Meter über Grund, während für die oberen Antennen wegen der Überreichweitenbeeinflussung maximal 200 Meter festgelegt wurden.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 13

Neben den technischen Aspekten verlangte eine der Ausschreibungsbedingungen ausdrücklich eine „Turmform, die sich von bereits vorhandenen deutlich abhebt“.Englert: … in die Jahre gekommen. Der Rheinturm in Düsseldorf, Seite 87 Die Planungen begannen 1977 mit einem Architekturwettbewerb, an dem sich sechs Bewerber beteiligten. Ein Konzept sah vor, die Turmspitze über die Antennenplattformen mit dem Dach des Turmkorbes mit einer strebenartigen Seilkonstruktion zu verbinden, ähnlich wie es heute am Colonius verwirklicht ist. Ein anderes sah zwei getrennte Turmkörbe vor mit einem Turmschaft, der von einer hyperbolischen Struktur überzogen war.

Ende 1978 erhielt der Entwurf des Architekten Harald Deilmann mit der zwar einfachen, aber nicht alltäglichen Gestaltung des Turmkorbs in Form eines Kelchs den Zuschlag. Auftraggeber war die Deutsche Bundespost, Investor und Bauherr die Gesellschaft für kommunale Anlagen in Düsseldorf.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 16/17 Die Planung des Tragwerks und die Bauüberwachung oblag Ingenieuren der Firma Dyckerhoff und Widmann.Referenzliste von Dipl.-Ing. Dieter Rudat

Bau Für den am 20. Januar 1979 begonnenen Bau wurde ein Kletterschalungssystem eingesetzt, das vorwiegend bei Kühltürmen angewendet wird. Dazu wurde zunächst ein 2,5 Meter hoher Abschnitt des Schaftes betoniert; bis zum Folgetag war der Beton so weit abgebunden, dass er ausgeschalt und die Schalung nach oben versetzt werden konnte. So wuchs der Turmschaft samt kelchförmigem Turmkorb auf rund 218 Meter. Der Rheinturm ist der einzige Fernsehturm, der nach diesem Prinzip erbaut wurde. Anders verhält es sich mit dem inneren Bereich des Turms, der mittels Gleitschalung hochgezogen wurde. Es handelt sich um zwei ineinander verschachtelte zylindrische Turmbauten, die parallel errichtet wurden. Die Lasten der Kanzelgeschosse werden über Schrägstützen und innen liegende Vertikalstützen in den Turmschaft abgeleitet. Diese homogene Konstruktion trägt laut Deilmann auch wesentlich dazu bei, Korrosionsprobleme zu vermeiden.

Parallel zum Turm wurde ein Kletterkran errichtet, der in fortschreitenden Bauphasen neue Turmstöße selbst einbaute, um mit dem Turm zu wachsen. Die Arbeiten am Turmschaft waren in der zweiten Jahreshälfte 1980 abgeschlossen. Als zum Jahresanfang 1981 die Stockwerke des Turmkorbes errichtet waren, wurde im März die Kanzel verglast. Der 16 Meter hohe Antennenträger-Hohlkörper aus Kunststoff wurde am 23. April 1981 ebenfalls mit dem Kran aufgesetzt. Am 24. November 1981 installierte der Künstler Horst H. Baumann den Lichtzeitpegel an den Schaft des Rheinturms.

Der Düsseldorfer Rheinturm ist der erste Turm, der komplett aus Stahlbeton hergestellt wurde; mehr als 7500 Kubikmeter Beton und 1100 Tonnen Betonstahl wurden verarbeitet. Der gesamte umbaute Raum umfasst 39.000 Kubikmeter, wovon allein 21.000 Kubikmeter auf den Schaft entfallen. Am 1. Dezember desselben Jahres wurde das Bauwerk an die beiden Nutzer des Turmes, Deutsche Bundespost (Beteiligung: 52 %) und Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz AG (Beteiligung: 48 %), übergeben. Am 1. März 1982 wurde der Sonderturm für den Publikumsverkehr eröffnet.

Seit der Eröffnung mini|Rheinturm und Medienhafen

Vom Fernmeldedienst der Deutschen Bundespost erhielt der Turm die Bezeichnung Funkübertragungsstelle 10. Kurz nach der Fertigstellung stand der Rheinturm wie ein Solitär am Rande des Hafens. Erst im Laufe der folgenden 15 Jahre wurde die Umgebung mit dem Bau des Landtages 1982–1988, des Stadttors und der Gehry-Bauten (Der Neue Zollhof) 1998 aufgewertet.

Im März 1986 wurde der Fernmeldeturm mit 29 anderen Projekten des Landes Nordrhein-Westfalen im Architekturwettbewerb Vorbildliche Bauten in Nordrhein-Westfalen gewürdigt.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 37

Seit dem Jahr 2000 nistet auf dem Rheinturm ein Brutpaar Wanderfalken.

Am 16. und 17. Oktober 2004 erhielt der Rheinturm eine neue Spitze. Mit Hilfe eines Kamow-Lastenhubschraubers wurde die alte Antenne durch eine neue aus GFK ausgetauscht, die zur Ausstrahlung des DVB-T-Fernsehens im Raum Düsseldorf dient. Dazu wurde die Kunststoffhülle der Antennenspitze in zwei etwa gleich große, je 3,5 Tonnen schwere Teile zersägt und mit Hilfe des Hubschraubers entfernt. Die neue rot-weiße, in drei Einzelteile zerlegte Antenne wurde mit dem Hubschrauber auf die Spitze befördert und dort befestigt. Vorher war der Turm 234,2 Meter hoch und strahlte außer dem Lokalradio NE-WS 89.4 keine weiteren Rundfunksendungen aus.

Betreiber und Eigentümer der Anlage sind gegenwärtig die Deutsche Funkturm (DFMG), ein Tochterunternehmen der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster, und die Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz AG (IDR), eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Düsseldorf.

In der Stadt hat sich für den Turm auch die umgangssprachliche Bezeichnung Lang Wellem in Anlehnung an den Kurfürsten Jan Wellem eingebürgert.. Artikel im Portal stadtspiele-verlag.de, abgerufen am 22. Juli 2014

mini|Rheinkomet: Festbeleuchtung zur 70-Jahr-Feier des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 Von 2008 bis zur Verlegung der Veranstaltung in den ARAG-Tower 2012 fand im Rheinturm jährlich der Firefighter Skyrun statt. Bei diesem Wettkampf, bei dem ausschließlich aktive Feuerwehrleute (2011 auch Mitglieder des THW) startberechtigt waren, wurden die 960 Stufen des Treppenhauses bis zur Aussichtsplattform mit vollständiger Feuerwehrschutzkleidung und Pressluftatmer bestiegen. Dabei starteten die Teams als Trupp, also als Zweierteam, der Pressluftatmer war allerdings nicht angeschlossen, da keine Atemschutzmaske getragen wurde. Die im Jahr 2011 aufgestellte Bestzeit für die 168 Höhenmeter beträgt 07:21 Minuten.

Bei einem Gewitter im September 2013 führte ein Blitzeinschlag zum Defekt der Uhr, die wieder instand gesetzt wurde., 17. September 2013., 17. September 2013.

Im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 strahlten riesige Scheinwerfer in den Nachthimmel (Rheinkomet), welche über 100 Kilometer weit zu sehen waren.WDR: Düsseldorf: Atemberaubende Lichtshow am Rheinturm, Artikel vom 26. August 2016, aufgerufen am 28. August 2016. Anlässlich des Starts der Tour de France 2017 in Düsseldorf wurde die Installation Rheinkomet im Folgejahr erneut eingesetzt.Rheinkomet leuchtet zum Grand Départ Düsseldorf 2017, Pressemeldung der Landeshauptstadt Düsseldorf vom 13. Juni 2017

An Fronleichnam 2020 wurde auf der Aussichtsplattform des Turmes wegen der Covid-19-Pandemie erstmals eine Heilige Messe gefeiert.

Beschreibung Lage mini|Luftbild vom Rheinturm und seiner Lage am Rheinknie

Der Rheinturm steht im Düsseldorfer Regierungsviertel auf 36,6 Meter über NN im Rheinpark Bilk am östlichen Ende des Medienhafens und wenige hundert Meter südwestlich der Altstadt am rechten Rheinufer. In unmittelbarer nördlicher Nachbarschaft zum Turm befinden sich der Landtag von Nordrhein-Westfalen und die Rheinkniebrücke, südlich davon das Stadttor und das WDR-Landesstudio Düsseldorf. Der Turm bildet außerdem den südlichen Abschluss der Rheinuferpromenade.

Der Rheinturm ist über die Haltestellen Stadttor und Landtag/Kniebrücke der Straßenbahnlinien 706, 708 und 709 sowie über die Haltestelle Rheinturm mehrerer Buslinien an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden.

Fundament, Schaft und Technik mini|Eingangsbereich mini|Konische Turmbasis mit dem innewohnenden Versorgungsteil Wegen der unmittelbaren Nähe zum Rhein mussten der feuchte und unstabile Untergrund sowie die grundsätzliche Hochwassergefahr bei der Gründung berücksichtigt werden. Deshalb ruht der Turm auf 256 zwischen 17 und 22 Meter langen Ortbeton-Rammpfählen mit 0,5 Meter Durchmesser.Müller, Wegener, Wöstemeyer: Rheinturm Düsseldorf, Seite 18

Der Turmfuß mit einem Durchmesser von 27 Metern besteht aus einem Kegelstumpf, in dem sich der Eingangsbereich für das Publikum befindet. Die unterirdischen Kellerräume beherbergen die Dienststelle des Funkübertragungsbetriebes, Trafostation, Klimaanlage, Netzersatzanlage mit Lüfter, die Druckerhöhungsanlage, den Kabelaufteilungsraum, eine Feuerwehrzentrale sowie einen Teil der Restaurantküche.