Pulsnitz () ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Bautzen am westlichen Rand der Oberlausitz, etwa 10 km südlich von Kamenz und rund 25 km nordöstlich der Landeshauptstadt Dresden. Pulsnitz ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Pulsnitz.
Überregional bekannt ist Pulsnitz als Pfefferkuchenstadt. Geografie Geografische Lage mini|links|hochkant=1.2|Blick auf Pulsnitz Die Altstadt liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Pulsnitztals, der gleichnamige Fluss (die Pulsnitz) entspringt im Nachbarort Ohorn. Die kleine Stadt liegt in die Hügelketten des Westlausitzer Hügel- und Berglandes (bis 448 m) eingebettet. Die Bergkuppen sind größtenteils bewaldet.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Haselbachtal, Steina, Ohorn, Großröhrsdorf, Lichtenberg und Großnaundorf.
Stadtgliederung Zur Stadt Pulsnitz gehört neben der Kernstadt Friedersdorf, Friedersdorf Siedlung und Oberlichtenau mit ihrer Ortslage Niederlichtenau als Ortsteile. Nur Oberlichtenau ist als Ortschaft im Sinne der Sächsischen Gemeindeordnung ausgewiesen. Die Stadt Pulsnitz war bis 1948 zweigeteilt: Die Stadt Pulsnitz, Oberlausitzer Seite mit der Vollung und das Dorf Pulsnitz, Meißner Seite. Friedersdorf, bis dahin selbständig, wurde 1994 in die Stadt ohne eigenen Ortschaftsstatus eingemeindet. Umgangssprachlich werden neben Friedersdorf gelegentlich drei Siedlungen als eigene Ortsteile bezeichnet, ohne dass sie diesen Status im Sinne der Sächsischen Gemeindeordnung tatsächlich haben: Friedersdorf Siedlung, Pulsnitz Feldschlößchensiedlung (ehemals Otto-Buchwitz-Siedlung) und Pulsnitz Mittelbacher Siedlung.
Geschichte mini|Karte von Pulsnitz (um 1750) mini|links|Marktplatz mit Rathaus und Rietscheldenkmal um 1900 miniatur|Altes Schloss Pulsnitz, Eustachius Haus Pulsnitz wurde, wie viele andere Orte der Oberlausitz um Kamenz auch, am 19. Mai 1225 erstmals urkundlich erwähnt, und zwar als Polseniz. Anlass war, dass der Meißner Bischof Bruno die Weihe der neu errichteten Kamenzer Pfarrkirche bestätigte und darin zinspflichtige Ortschaften sowie Zeugen nebst deren Herkunftsort nannte. Bereits vorher hatte sich hier eine sorbische Siedlung mit Wasserburg entwickelt. Pulsnitz wurde Sitz einer adligen Familie, die sich hier ein kleines Schloss bauen ließ.
Der aus dem Sorbischen stammende Ortsname leitet sich vom gleichlautenden Gewässernamen ab, der von Ernst Eichler und Hans Walther auf altsorbisch *Połźnica, von *połz- („kriechen“) zurückgeführt wird und so viel wie „kriechendes (langsam fließendes) Gewässer“ bedeutet.Ernst Eichler, Hans Walther: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II (M–Z), Akademie-Verlag, Berlin 2001, S. 230.
1355 erhielt Polßnitz von Kaiser Karl IV. das Marktrecht, nur 20 Jahre später (1375) das Stadtrecht. Anfang des 15. Jahrhunderts verwüsteten die Hussiten die Oberlausitz. Auch in Pulsnitz fielen die Hussiten 1429 ein (nicht zum ersten Mal). Aus dieser Zeit stammt die älteste bäuerliche Befestigungsanlage Perfert. Um 1500 herum begannen die Bauarbeiten für das Pulsnitzer Rathaus, dessen Reste heute noch im Ratskellergebäude zu sehen sind.
mini|Wappen von Hans Wolf von Schönberg und seiner Ehefrau Ursula von Carlowitz am Eingangstor zum Schloss Am 1. Januar 1558 erhielten die Pulsnitzer Bäcker erstmals das Recht, auch Pfefferkuchen zu backen. 1580 erwarb Hans Wolf von Schönberg Pulsnitz mit seinen Pertinenz-Orten von den Gebrüdern von Schlieben. Er entzog dem Rat die Niedere Gerichtsbarkeit und versuchte, die Bürger zu zwingen, Malz und andere notwendige Dinge nur noch bei ihm zu kaufen. Sie beschwerten sich beim Kaiser und verübten sogar einen Mordanschlag gegen Schönberg. Auch der Pfarrer A. Ricchius (Sohn des ersten protestantischen Pfarrers der Stadt Andreas Ricchius) solidarisierte sich mit den Bürgern und wurde entlassen.
1869 wurde Pulsnitz an die neu gebaute Eisenbahnstrecke Arnsdorf–Pulsnitz–Kamenz angeschlossen. In der Folgezeit begann ein industrieller Aufschwung. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 blieb die Stadt trotz schwerer Kampfhandlungen in der Oberlausitz weitestgehend unversehrt.
Eingemeindungen Die Gemeinde Pulsnitz, Meißner Seite wurde am 1. April 1948 eingegliedert. Am 1. Januar 1994 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Friedersdorf mit Friedersdorf Siedlung eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994 Am 1. Januar 2009 folgte die Gemeinde Oberlichtenau.StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009 Das Stadtgebiet vergrößerte sich durch diese letzte Eingliederung von 16,69 km² auf 26,72 km². mini|Neues Schloss Pulsnitz, Rehabilitationsklinik
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): 1597 – 821 1800 – 1391 1834 – 1773 1885 – 3155 1900 – 3750 1960 – 6738 2000 – 6874 2004 – 6578 2007 – 7933 2008 – 7805 2009 – 7749 2012 – 7610 2013 – 7578 2017 – 7480 2022 – 7359 Datenquelle ab 2000: Statistisches Landesamt Sachsen
Wappen Beschreibung: In Gold eine schwarze Bärentatze.
Politik
Stadtrat Seit der Stadtratswahl vom 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD632,2322,6––CDU530,3525,0629,8FDP316,5523,3527,4Aktive Bürger Wählervereinigung214,1212,1315,7Grüne13,915,0–4,6SPD12,9–3,214,9Linke––18,8210,7Freunde der Feuerwehr––––17,0Wahlbeteiligung67,7 %65,5 %53,8 %
Bürgermeister Das Amt des Bürgermeisters begleitet seit 2016 Barbara Lüke. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2023Barbara LükeLüke57,3201638,82009Peter GraffFDP80,9200856,32001Erhard RückwardtCDU70,7
Städtepartnerschaft Partnerstadt von Pulsnitz ist Złotoryja (Goldberg) in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien.Partnerstadt Zlotoryja (Goldberg) Freundschaftliche Kontakte bestehen zu Asperg in Baden-Württemberg.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Das Stadtmuseum informiert über Geschichte und berühmte Persönlichkeiten von Pulsnitz. Das Pfefferkuchenmuseum informiert über die Geschichte des Pfefferkuchenhandwerks und vermittelt die Atmosphäre einer Pfefferküchlerei um 1900. Backen, Führungen und Verkostungen sind nach Voranmeldung möglich. Ferner kann hier das Verzieren von Pfefferkuchen ausprobiert werden. In der Galerie im Geburtshaus Ernst Rietschels zeigt der Ernst-Rietschel-Kulturring e. V. wechselnde Kunstausstellungen. Weitere Ausstellungen finden in der Ostsächsischen Kunsthalle statt, die ebenfalls vom Rietschel-Kulturring getragen wird.
Bauwerke
Bäuerliche Wehranlage Perfert (auch Hussitenhaus) aus der Zeit um 1420 Mittelalterlicher Marktplatz mit Rathaus und Denkmal für den Bildhauer Ernst Rietschel Kursächsische Postdistanzsäule als Nachbildung vor dem Schützenhaus (Originalschriftblock und Wappen von 1731 im Rathaus) Altes Renaissance- und neues Barockschloss Oberlichtenau (1718) mit Park im englisch-französischen Stil Spätgotische Kirche St. Nicolai mit Pfützner-Orgel Bibelgarten mit Miniatur-Nachbau einer byzantinischen Basilika in Oberlichtenau
Berge und Aussichtspunkte Wenige Kilometer östlich von Pulsnitz nahe der Gemeinde Steina liegt der Schwedenstein, ein 420 m hoher Berg, dessen Aussichtsturm einen guten Rundumblick über die Westlausitzer Hügelketten bietet. Rund sechs Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums liegt auf dem Gebiet des Pulsnitzer Stadtteils Oberlichtenau der 413 m hohe Keulenberg, der ebenfalls ein Wanderziel darstellt und eine gute Aussicht bietet. In Richtung Radeberg liegt der Eierberg.
Kulinarische Spezialitäten mini|Pulsnitzer Pfefferkuchen von Georg Gräfe Pulsnitz ist weit bekannt als Pfefferkuchenstadt. Neben vielen weiteren Sorten sind die Pulsnitzer Spitzen eine besondere Spezialität. Es ist ein mit verschiedenen Konfitüren gefüllter Pulsnitzer Pfefferkuchen, welcher zusätzlich mit Schokolade überzogen wurde.
Naturschutz
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Pulsnitzmini|Haltepunkt Pulsnitz Süd Pulsnitz liegt drei Kilometer nördlich der Bundesautobahn 4. Durch den Ort verläuft die Staatsstraße 95, die auch zur Anschlussstelle Pulsnitz bei Leppersdorf führt.
Durch Pulsnitz führt die Bahnstrecke Kamenz–Pirna, die von der S-Bahn-Linie S8 Dresden – Radeberg – Kamenz im Stundentakt an den Haltestellen Pulsnitz und Pulsnitz Süd bedient wird. In der Hauptverkehrszeit verkehrt diese Linie halbstündlich.
Vom Pulsnitzer Bahnhof aus fahren ebenfalls verschiedene Regionalbuslinien der RBO (Stand 6. November 2022): LinieVerlauf⁺521Pulsnitz – Leppersdorf – Radeberg – Dresden-Bühlau – Dresden-Blasewitz756 Pulsnitz – Höckendorf – Königsbrück758Pulsnitz – Steina – Ohorn759Großröhrsdorf – Pulsnitz – Steina – Möhrsdorf – Gersdorf – Kamenz764Pulsnitz – Ohorn – Steina – Gersdorf – Bischheim – Brauna – Kamenz765Pulsnitz – Ohorn – Bretnig766Pulsnitz – Oberlichtenau – Reichenbach – Reichenau – Königsbrück786 Pulsnitz – Oberlichtenau – Reichenbach – Häslich – Kamenz797Lückersdorf – Pulsnitz – Oberlichtenau – Reichenau – Schwepnitz
Ansässige Unternehmen Der Ort ist seit je her geprägt durch kleinere und mittelständische Unternehmen im produzierenden und Handels-Bereich. Vor allem Töpfer (Lausitzer Keramik), Tuchdrucker (Blaudruck) und die zurzeit acht privaten Pfefferküchlereien und die Pulsnitzer Lebkuchenfabrik prägten und prägen das Bild der Stadt. Ein Traditionsunternehmen aus dem Schwarzwald ließ hier öl- und gasbeheizte Backöfen bauen. Im Jahre 2000 wurde die Produktion von der Hildener Firma Wachtel übernommen.
Zwei private Rehakliniken der zu Vamed gehörenden Vitrea Gruppe machen Pulsnitz zu einem wichtigen Medizinstandort, eine Klinik ist im Schloss untergebracht.
Medien Als Amtsblatt für Pulsnitz mit seinen Ortsteilen Friedersdorf, Friedersdorf Siedlung und Oberlichtenau sowie als Amtsblatt für die Gemeinden Ohorn und Steina fungiert der Pulsnitzer Anzeiger (ISSN 2750-8137). Im Juli 1990 als Heimatzeitung für Pulsnitz und Umgebung gegründet, erscheint es monatlich im Umfang von 8–12 Seiten in einer Auflagenhöhe von 7.300 Exemplaren (Stand 2024). Über das örtliche Fernsehkabelnetz konnte bis Ende Juli 2022 die Pulsnitzer Kabelzeitung empfangen werden.
Bildung In Pulsnitz befinden sich eine Grundschule und eine Oberschule (Ernst-Rietschel-Oberschule), im Ortsteil Oberlichtenau befindet sich ebenfalls eine Grundschule. Das nächstgelegenste Gymnasium ist das Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasium in Großröhrsdorf.
Persönlichkeiten Ehemalige Ehrenbürger Julius Kühn (1825–1910), Agrarwissenschaftler und wegweisende Gestalter des landwirtschaftlichen Universitätsstudiums in DeutschlandWirkl. Geh. Rat Prof. Dr. Kühn, Exzell. †. In: Pulsnitzer Wochenblatt vom 16. April 1910. S. 1–2. 1933: Martin Mutschmann (1879–1947), NSDAP-Gauleiter und Reichsstatthalter von SachsenSächsische Städte ehren den Reichsstatthalter. In: Erzgebirgischer Volksfreund vom 9. Juni 1933, S. 5. (Ehrenbürgerschaft nach seinem Tod 1947 erloschen) 1934: Adolf Hitler (1889–1945), ReichskanzlerDas ganze Sachsenland ehrt gemeinsam Hindenburg, Hitler und Mutschmann. In: Der Bote vom Geising und Müglitztal-Zeitung vom 8. Februar 1934, S. 6. 1934: Paul von Hindenburg (1847–1934), Reichspräsident
Söhne und Töchter der Stadt mini|Bartholomäus Ziegenbalg Denkmal in Tranquebar, Tamil Nadu, Südindien.|194x194px 1561: Balthasar Kestner, fürstlich-schaumburgischer Hofschneider, Kämmerer und Ratsherr zu Bückeburg 1680: Johann Gottlob Horn, Historiker 1682: Bartholomäus Ziegenbalg, erster protestantischer Missionar und indischer Sprachforscher 1785: Christian Gottlob Eißner, evangelisch-lutherischer Pfarrer und Autor 1802: Carl Eisner, Musiker und Komponist 1804: Ernst Rietschel, einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit Er schuf so bekannte Denkmäler wie das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar. Das Rietschel-Denkmal auf dem Marktplatz wurde von seinem Schüler Gustav Kietz entworfen und umgesetzt