Das Lausitzer Bergland () oder Oberlausitzer Bergland ist eine hügelige Mittelgebirgslandschaft in der Oberlausitz in Sachsen und im Schluckenauer Zipfel in Tschechien. Dort heißt es Šluknovská pahorkatina, was mit Schluckenauer Hügelland übersetzt werden kann.Geologisch-botanische Exkursion in das Schluckenauer Hügelland und Lausitzer Gebirge (PDF; 4,9 MB) Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Juni 2016.
Auf deutscher Seite begleitet es den Oberlauf der Spree bis südlich von Bautzen. Nach Westen, Norden und Osten grenzt es mit dem Westlausitzer Hügel- und Bergland, dem Oberlausitzer Gefilde und der Östlichen Oberlausitz an Lösshügellandschaften (Lößbörden) an. Nach Süden schließen sich Mittelgebirge an: im Südwesten das Elbsandsteingebirge (auf deutscher Seite die Sächsische Schweiz, auf tschechischer die Böhmische Schweiz) und im Südosten das Lausitzer Gebirge. So wie dieses und die drei erstgenannten Lösshügellandschaften ist das Lausitzer Bergland Teil des Sudetengebirgszugs, der seine bekannten Höhenschwerpunkte Riesengebirge und Altvatergebirge allerdings erst in deutlich (süd-)östlicher Entfernung entwickelt.
Das Lausitzer Bergland ist das Kerngebiet der Oberlausitzer Mundart mit dem typischen rollenden Rrr. Hier finden sich viele Umgebindehäuser – Häuser in der für die südliche Oberlausitz typischen Bauweise, bei der slawischer Blockbau und deutscher Fachwerkbau vereint wurden.
Naturräumliche Zuordnung mini|hochkant=1.5|Naturräume rund um die Oberlausitz mit den Sandstein-Bergländern (hellgrün gerahmt) und dem Lausitzer Gebirge (dunkelgrün gerahmt) nördlich davon In der naturräumlichen Ordnung im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die in den 1950er Jahren deutschlandweit erfolgte, stellte das Lausitzer Bergland die Haupteinheit 441 innerhalb der Haupteinheitengruppe 44 (BfN 1994: D14) Oberlausitz dar. Jene etwas heterogene Haupteinheitengruppe taucht jedoch in der von der Arbeitsgruppe Naturhaushalt und Gebietscharakter der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig erarbeiteten naturräumlichen Neuordnung Naturräume in Sachsen nicht mehr auf und wurde je nach Landschaftscharakter dem Lösshügellandgürtel oder den Mittelgebirgen zugerechnet. Hierbei ist das Lausitzer Bergland die einzige Haupteinheit der ehemaligen Haupteinheitengruppe, die der „Über-Einheitengruppe“ Sächsisches Bergland und Mittelgebirge zugeordnet wurde, die weiterhin aus dem sich südöstlich anschließenden, jedoch auf deutschem Boden räumlich getrennten Zittauer Gebirge sowie den sich westlich auf der sächsisch-böhmischen Grenze anschließenden Landschaften Sächsische Schweiz, Erzgebirge und Vogtland besteht.
Günter Schönfelder (2008) ordnet das Oberlausitzer Bergland der naturräumlichen Großregion Oberlausitzer Bergland und Sandstein-Bergländer zu, das es mit dem Lausitzer Gebirge und dem Elbsandsteingebirge zusammenfasst. In der Geomorphologischen Einteilung Tschechiens nach Jaromír Demek hatte das Bergland demgegenüber, wie auch das Lausitzer Gebirge, den Sudeten zugeordnet (→ Gliederung der Sudeten) und das Elbsandsteingebirge der Erzgebirgs-Übereinheit. Dies war allerdings der Tatsache geschuldet, dass dort nur diese beiden Übereinheiten existieren. Von den Kammrichtungen sind Lausitzer Bergland und Gebirge weder variskisch (erzgebirgisch: nach Nordosten gerichtet) noch hercynisch (wie die Sudeten: nach Südosten gerichtet), sondern ziemlich exakt von West nach Ost gerichtet.
Naturräumliche Gliederung mini|Blick vom Bieleboh in Richtung Löbauer Berg und Rotstein Die Makrogeochore Lausitzer Bergland teilt sich wie folgt in Mesogeochoren und Mikroheochoren (von Nord nach Süd, zweitrangig von West nach Ost): 12 Lausitzer Bergland (398 km² in D, 276 km² in CZ) 12015 Nördliches Oberlausitzer Bergland (192,04 km², ganz in D) Mönchswalder Bergrücken, Hoher Hahn-Picho-Bergrücken, Schirgiswalder Spree-Tal, Dretschen-Oberguriger Rückengebiet, Czorneboh-Hochstein-Bergrücken, Hohberg-Mannsberg Rücken, Bergrücken Weifaer Höhe-Dahrener Berg, Rückenberg-Bergkuppengebiet, Kleindehsaer Rückengebiet, Kälbersteine-Bieleboh-Bergrücken, Eulowitzer Zerschneidungshang, Valtenberg-Bergrückengebiet, Neukirch-Putzkauer Talwanne, Rachlauer Rückengebiet, Wilthener Talwanne, Ringenhainer Bergkuppengebiet, Crostauer Hügelgebiet, Cunewalder Talwanne (Südteil), Großpostwitz-Kirschauer Spree-Tal, Cunewalder Talwanne (Nordteil) 12016 Westliches Oberlausitzer Bergland (73,03 km² in D) Schelmberg-Hoher Hahn-Bergkuppengebiet, Berthelsdorfer Tal-Riedelgebiet, Neustadter Becken, Hohwald-Plateau, Rüdenberg-Wachberg-Rücken, Unger 12014 Östliches Oberlausitzer Bergland (116,20 km² in D) Beiersdorfer Rückengebiet, Bergrücken Großer Wald, Neusalza-Spremberger Rückengebiet, Ebersbacher Rückengebiet, Lauba-Dürrhennersdorfer Rückengebiet, Schönbacher Flachrücken, Brandbusch-Taubenberg-Bergkuppen, Oppacher Rückengebiet, Kottmar-Bergkuppe, Sohland-Wehrsdorfer Tal-Riedelgebiet, Neuschönberger Flachrückengebiet, Sohland-Taubenheimer Spree-Tal, Kottmarsdorfer Rückengebiet Zentrales Oberlausitzer Bergland (ganz in CZ) 12017 Südwestliches Oberlausitzer Bergland (16,54 km² in D, größerer Teil in CZ) Wachberg-Steinberg-Kuppengebiet, Saupsdorfer Räumichtbach-Tal, Tanzplan-Hänge Südöstliches Lausitzer Bergland (ganz in CZ) Das Bundesamt für Naturschutz kommt in der sehr ähnlichen Grenzziehung seiner Landschaftssteckbriefe auf eine Fläche von 393 km² innerhalb Deutschlands.
Der Nordteil des Berglands besteht in der Hauptsache aus zwei von West nach Ost ausgerichteten Bergketten, die durch eine Quertalung vom außerhalb gelegenen Bischofswerda über den Eintritt bei Putzkau, Neukirch/Lausitz, Wilthen und über die Spree bei Kirschau hinweg bis Cunewalde zieht und bei Kleindehsa den Naturraum verlässt. Der Westteil enthält das Siedlungsgebiet von Neustadt in Sachsen inklusive Polenz im Westen und stößt im Nordosten an das Siedlungsgebiet von Steinigtwolmsdorf, das noch knapp im Nordteil liegt. Der Ostteil enthält das Spreetal von Sohland an der Spree flussaufwärts bis Ebersbach/Sa. und unmittelbar vor Neugersdorf. Vom West- zum Ostteil zieht sich eine deutlich alternierende Bergkette an der nördlichsten Außengrenze Tschechiens nach Ostsüdosten.
Der rein tschechische Zentralteil wird von Nebentälern der Sebnitz, die in seinem Höhenschwerpunkt entspringt, von Nordwesten (Šenovský potok (Schönauer Bach) mit Velký Šenov (Groß Schönau)) bis Südwesten (Mikulášovický potok (Nixdorfer Bach) mit Mikulášovice (Nixdorf), Mündung in Vilémov (Wölmsdorf)) eingefasst. Im Nordosten liegt Šluknov (Schluckenau) mit dem nach Norden, zur Spree, abfließenden Rosenbach, dessen Arme die West-Ost-Talung des Schönauer Bachs verlängern; im Südosten verlängert das Tal der nach Osten abfließenden Mandau mit Staré Křečany (Alt Ehrenberg) und dem ostrandlich außerhalb gelegenen Rumburk die Talung des Nixdorfer Bachs, wobei in der verbindenden Rodung zwischen beiden Talungen Brtníky nach Süden, zur Kirnitzsch, entwässert wird.
Der Südwestteil des Berglands enthält in der Hauptsache einen von Sebnitz nach Südosten ausgerichteten Kamm, über dessen Südwesthang die deutsch-tschechische Grenze verläuft, mit den außerhalb liegenden Randorten Saupsdorf und, bereits in der Sächsischen Schweiz, Hinterhermsdorf. Zwischen den beiden Dörfern zählt die sächsische Gliederung auch das Saupsdorfer Räumichtbachtal zum Südwestteil, das außerhalb der durchgängigen Bewaldung des Grenzkamms liegt und geomorphologisch dem nordwestlich angrenzenden Westlausitzer Berg- und Hügelland (Mikrogeochore Südwestlausitzer Riedelland) ähnelt. Durch ein Nebental der Kirnitzsch bei Vlčí Hora (Wolfsberg) und eines der Mandau bei Zahrady (Gärten) nebst Rodungen wird ein etwas kleinerer Ostteil des Berglands zwischen Rumburk im Nordosten und Krásná Lípa (Schönlinde) an der Kirnitzsch im Südwesten abgetrennt.
Geologie Das Lausitzer Bergland ist Teil eines großen Intrusivkomplexes in Mitteleuropa, der im Neoproterozoikum während der Cadomischen Orogenese gebildet wurde. Dieser ist mit den Kristallinmassiven des benachbarten Iser- und Riesengebirges verbunden. Auch wenn die Gesteine auf sächsischer Seite streng geologisch hauptsächlich Granodiorite sind, hat sich doch die umgangssprachliche Form Lausitzer Granit sehr verbreitet. Das Gestein wurde und wird in mehreren Steinbrüchen abgebaut und fand als Naturwerkstein weite Verbreitung.
Deutlich jünger als die Granodiorite und der in geringem Umfang auftretende Granit sind die Reste vergangener Vulkantätigkeit aus dem Tertiär. Die lange Kette vulkanischer Berge vom Böhmischen Mittelgebirge über das Lausitzer Gebirge setzt sich auch östlich des Lausitzer Berglandes, in der Östlichen Oberlausitz, noch bis zur Lausitzer Neiße fort. Solche basaltischen Berge sind neben dem noch am Südostrande des Berglandes selber gelegenen Kottmar beispielsweise die Doppelkuppe von Löbauer Berg und Schafberg (449 m) bei Löbau sowie die Landeskrone (420 m) bei Görlitz.
Bergbauversuche im Lausitzer Bergland blieben wegen Mangels an Erzen wenig erfolgreich. Dafür war das Gebiet einst das Zentrum der Granitindustrie in Deutschland. In Form von Fassadenelementen, Bausteinen für schweres Mauerwerk, Brunnenbecken und Denkmalsockel sowie Pflastersteinen, Gehwegplatten, Zaunsäulen u. v. m. findet sich das Material im gesamten mitteldeutschen Raum.
Topografische Beschreibung Die Oberflächenformen sind klar gegliedert. Das Lausitzer Bergland baut sich aus vier in Ost-West-Richtung verlaufenden Höhenzügen auf,Karl Mannsfeld: Oberlausitzer Bergland. In: Sächsische Heimatblätter. 5/1986, S. 221–223. eine fünfte bildet der nach Südosten verlaufende südwestliche Grenzkamm, während im Norden, im Westlausitzer Hügel- und Bergland, der nördlichsten Bergkette aus Richtung Nordosten eine weitere Bergkette zuläuft. Zwischen den inneren Bergketten liegen breite Talwannen. Die südlichen Abschnitte befinden sich zu großen Anteilen auf tschechischem Gebiet im Schluckenauer Zipfel.
Die Täler und Quersenken des Lausitzer Berglandes und der südlichen Oberlausitz sind dicht besiedelt und bebaut.
Flüsse mini|Die Spree bei Sohland Der Hauptfluss des Lausitzer Berglands ist die Spree. Sie entspringt am halbinselartig nach Südosten in die Östliche Oberlausitz ragenden Kottmar und fließt zunächst von Ost nach West durch Neugersdorf, wonach das Bergland wieder erreicht wird, sowie Ebersbach, Neusalza-Spremberg und Taubenheim bis nach Sohland (Sohland-Taubenheimer Spreetal); zwischen den beiden letztgenannten Orten fließt ihr von Süden der Rosenbach aus Šluknov (Schluckenau) zu. Ab hier wendet sie sich nach Norden und gibt im weiteren Verlauf den wellenförmig aufeinanderfolgenden Höhenzügen und Tälern eine zentrale Achse, indem sie die nördlichen beiden Bergketten durchbricht. Dabei bildet sie zwischen Kälbersteinen und Weifaer Höhe bei Schirgiswalde ein enges Durchbruchstal (Schirgiswalder Spree-Tal) durch die zweitnördlichste Bergkette. In Mäandern durchquert sie danach die nördliche Talwanne bei Kirschau und durchbricht in einem breiteren, mäandernden Tal von Rodewitz über Eulowitz und Großpostwitz die nördlichste Bergkette (Großpostwitz-Kirschauer Spree-Tal), um schließlich, im Lausitzer Gefilde, Bautzen zu erreichen.
Weitere wichtige Flüsse sind, im Gegenuhrzeigersinn, die den Nordwestrand nach Westen entwässernde Polenz mit Neustadt in Sachsen im Neustadter Becken und die den Westen entwässernde Sebnitz mit Sebnitz randständig außerhalb im Oberen Sebnitztal, die sich deutlich außerhalb und kurz vor Erreichen der Elbe zum Lachsbach vereinen, sowie die im Oberlauf bei Krásná Lípa (Schönlinde) das Gebirge von Süden rahmende, durch diverse rechte Nebenflüsse den Südwestkamm entwässernde Kirnitzsch. Zur Lausitzer Neiße und somit zum Stromgebiet der Oder entwässert die den Naturraum bei Rumburk verlassende Mandau den Südosten.
Nordwestliche und nordöstliche Vorberge mini|Der (Elstraer) Hochstein