Das LWL-Museum Hellerlecht (bis 2006 Westfälisches Freilichtmuseum Detmold, danach bis Juli 2026 LWL-Freilichtmuseum Detmold) befindet sich in der lippischen Stadt Detmold in Nordrhein-Westfalen. Träger des Museums ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Das 1971 eröffnete Freilichtmuseum trägt den Untertitel Westfälisches Landesmuseum für Alltagskultur und ist eines der bedeutendsten seiner Art in Europa und mit 90 Hektar Fläche und etwa 120 historischen Gebäuden nach eigenen Angaben das größte Deutschlands.
Beschreibung mini|Kappenwindmühle im Museum Als Besonderheit hat das Museum seit 1985 einen Schwerpunkt im Bereich der Landschaftsökologie und zeigt den Wandel der historischen Kulturlandschaft sowie alte Tierrassen und Pflanzenarten. Vor dem Verschwinden konnten damit bereits alte westfälische Haustierrassen wie die Lippegans und das Bentheimer Landschaf bewahrt werden; seit 2001 werden im Museum auch Senner Pferde gezüchtet.
Geschichte mini|Häuser im „Paderborner Dorf“ Am 22. Juli 1960 beschloss der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Gründung eines „Westfälischen Freilichtmuseums Bäuerlicher Kulturdenkmale“ auf einem 80 Hektar großen Gelände am Königsberg zwischen Detmold und Heiligenkirchen zur Darstellung des Wandels des bäuerlichen Lebens in den Jahren 1550 bis 1800. Als Leiter wurde der Volkskundler Josef Schepers berufen. Sechs Jahre später, im Mai 1966, begannen die Bauarbeiten, und am 7. Juli 1971 wurde das Museum eröffnet. Es umfasste damals folgende Gebäude: Osnabrücker Wiehengebirgshof (acht Gebäude, dargestellte Zeit: um 1800), Mindener Hof (sechs Gebäude, 1800), Doppelheuerhaus (1800–1830), Tecklenburger Kötterhaus (1800–1860), Münsterländer Gräftenhof (acht Gebäude, um 1800).
Als erste Ergänzung des Gebäudebestands wurde 1973 der „Lippische Meierhof“ mit sechs Gebäuden fertiggestellt. 1974 bekam das Museum den Titel „Landesmuseum für Volkskunde“, und im Entwicklungsplan für 1975 wurde die Grenze der Darstellung des Bäuerlichen Lebens im Museum von 1550 bis 1800 auf 1550 bis 1900 geändert. 1976 wurde der „Westmünsterländer Hof“ mit neun Gebäuden aus der Zeit 1790 bis 1860 fertiggestellt. Das „Paderborner Dorf“ der Zeit um 1900 wurde am 13. Juli 1981 mit zehn der geplanten siebzig Gebäude eingeweiht. Zwei Jahre später wurde der Westhellweghof aus Brackel bei Dortmund (1793) eingeweiht. Am 12. Juni 1991 erfolgte die Ganzteiltranslozierung des Tagelöhnerhauses aus Rösebeck nach Detmold. 1992 wurde der Sammlungsauftrag des Museums bis in die Gegenwart erweitert. Das „Sauerländer Dorf“ (1918–1930) wurde 1997 eingeweiht. 2000 wurde eine Ausstellung „ZimmerWelten“ zur Dokumentation des Wohnalltages der Gegenwart durchgeführt. 2007 wurde das „Haus Uhlmann“ aus Ovenhausen und 2010 das „Haus Schwenger“ aus Rheda mit dem historischen „Fotoatelier Kuper“ von 1891 aus Rietberg eröffnet. Seit Juli 2013 werden auch die 1960er Jahre im Freilichtmuseum präsentiert, denn seitdem ist eine Tankstelle aus Siegen-Niederschelden im „Siegerländer Weiler“ zu sehen. Mit dem „Hof Remberg“ im Sauerländer Dorf bietet das Freilichtmuseum seit Mai 2016 Schulklassen und anderen Bildungsgruppen die Möglichkeit, im Museum für mehrere Tage zu übernachten.
Im Mai 2017 wurde auf dem höchsten Punkt der Anlage am Rande des Sauerländer Dorfes der nach historischem Vorbild gestaltete 14,2 m hohe hölzerne Aussichtsturm auf dem Königsberg eröffnet.
Bereits 2008 begannen Planungen zur Errichtung eines neuen Eingang- und Ausstellungsgebäudes. 2021 erfolgte hierzu der Spatenstich, im Juli 2024 feierte man Richtfest.
Im März 2025 wurde bekannt, dass das Museum ab 2026 in den Ganzjahresbetrieb startet, sodass lediglich ein Teil des Geländes als Freilichtgelände zur Verfügung steht. In diesem Zuge wurde über eine Namensanpassung in einen Namen, die dem zukünftig zweigeteilten Gelände gerecht wird, kritisch diskutiert. Bei einer Sitzung des LWL-Landschaftsausschusses im Juni 2025 wurde die Namensanpassung in „LWL-Museum Hellerlecht, Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte“ beschlossen.
Dörfer, Höfe und Gebäude
Paderborner Dorf
Allgemeines
mini|hochkant|Rokokotür am Stahlschen Haus, benannt nach seinem Besitzer, dem Weinbrennerei-Besitzer Carl Stahl, erbaut 1730 in Gütersloh, heute Teil des Paderborner Dorfs im Freilichtmuseum Mit 70 Gebäuden ist das Paderborner Dorf die größte Baugruppe des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold. Um das Zentrum mit der Kirche auf dem ehemaligen Wehrfriedhof und dem Dorfanger mit dem Dorfteich gruppieren sich die Höfe, Häuser und Nebengebäude zum Teil Giebel an Giebel. Es folgt der Gartenring und anschließend die offene Landschaft mit Getreidefeldern. Die Anlage hat Dörfer des Kreises Höxter zum Vorbild. Sie nimmt Gebäude aus dem Bereich des ehemaligen Hochstiftes Paderborn einschließlich der einstigen Reichsabtei Corvey sowie angrenzender Landschaften auf, also aus den heutigen Kreisen Paderborn, Höxter sowie Teilen der Kreise Gütersloh, Lippe, Soest und Hameln-Pyrmont. Das Siedlungsbild im Kreis Höxter ist von geschlossenen, dicht bebauten Dörfern geprägt, die in starkem Kontrast zu den Einzelhof-Landschaften Westfalens stehen. In der äußeren Erscheinung gibt das Dorf im Museum den Zeitpunkt um 1900 wieder. Häuser des 16. Jahrhunderts stehen neben Häusern des 19. Jahrhunderts; manche sind mehrfach umgebaut oder erweitert. Mit den Bauten unterschiedlicher sozialer Herkunft wird das differenzierte und verwobene Sozialgefüge eines Dorfes sichtbar gemacht. Es zeigt die Wohn- und Arbeitsstätten von Bauern und Handwerkern, Tagelöhnern und Arbeitern, Händlern und Altenteilern, von Pfarrer und Rentmeister. Gemeinschaftsbauten wie Kirche, Schule und Spritzenhaus vervollständigen die Anlage. In den Dörfern des Oberweserraumes gehen die ältesten Gebäude in das frühe 16. Jahrhundert zurück. Die Höfe bestehen aus wenigen Gebäuden. Speicher, bis in das 17. Jahrhundert noch üblich, bilden die Ausnahme. Häufiger gibt es nur eine Scheune, einen Schuppen oder einen Stall als Nebengebäude. Einige Häuser des 16. Jahrhunderts zeigen üppige Giebel mit aufwendigen Schnitzereien, Zierinschriften und vereinzelt mit farbigen Fassungen. Die Vorkragungen der Giebeldreiecke ruhen schon in moderner Art und Weise auf Stichbalken statt altertümlich auf Kopfbändern oder Knaggen. Backsteinziersetzungen sind ein beliebtes Element der Fassaden des 18. Jahrhunderts. Die Häuser des 17. Jahrhunderts (Dreißigjährige Krieg) und des 19. Jahrhunderts haben dagegen zumeist ein einfacheres Fachwerk. Die Strohdächer wurden seit dem 18. Jahrhundert durch Ziegeldächer bzw. Dachdeckungen mit Sollingsandsteinplatten ersetzt. Die ältesten Haupthäuser der Dörfer sind hochwandige Fachwerkbauten mit einer mittleren oder seitlichen Deele. Es handelt sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts um Durchgangsdeelen: Die Deele durchzieht das Haus von Giebel zu Giebel, die Wohnräume sind in den Seitenschiffen untergebracht. Die Stube liegt vorn zur Straße hin; einige Häuser haben als Stubenerweiterung „Utluchten“ erhalten, erkerartige Vorbauten, die einen besseren Ausblick auf die Straße ermöglichen. Die spätmittelalterliche Ankerbalkenkonstruktion wurde in dieser Gegend bereits um 1500 durch die neuzeitliche Dachbalkenzimmerung abgelöst.
Ackerbürgerhaus (Haus Hoffbaur/Stahl)
Das Ackerbürgerhaus wurde 1730 in Gütersloh errichtet. Das Haupthaus ist ein kurzer, hochwandiger Vierständerbau mit einem Giebeldreieck, das zweifach auf verzierten Knaggen vorkragt. Berühmt ist es wegen seiner aufwendigen zweiflügeligen Rokokotür mit reich verziertem Oberlicht. Die Torinschrift lautet: Jesu las uns auf der Erden. Nichtes suchen als allein. Das Du mögest bey uns sein und wir Dir mögn ähnlich werden in dem Leben dieser Zeit und in jener Ewigkeit Peter Erich Hoffbaur Christina Dorotea Pollwort anno 1730 den 10. May M. J. KM. Auf der Schwelle des Giebeldreiecks steht: Anfang und Ende in allen meinen Sachen laß mich jederzeit mit dir meinen Gott und Schöpfer machen - wer Gott vertraut hat wohlgebaut im Himmel und auf Erden wer sich verläßt auf Jesum Christ dem mus der Himmel werden. Die Deele wird seitlich und rückwärtig in beiden Geschossen von Wohnräumen umgeben. Eine umlaufende Galerie erschließt das Obergeschoss. Die Trennwand der beiden vorderen linken Räume im Erdgeschoss ist reich durchfenstert. Rechts von der Upkammer führt ein Durchgang auf die Deele des zweischiffigen Anbaus aus dem Jahre 1748. Das Tor des Anbaus zeigt die Inschrift: ALLES IST AN GOTTES SEGEN UND AN SEINER GNADE GELEGEN / HERANN CHRISTIAN BETKE CHRISTINA DOROTHEA BETKE G. POLLWORTH / ANNO 1748 DEN 1. AUGUSTI / M CHRISTIAN ZUR MÜHLEN.
Das Ackerbürgerhaus wurde 1971 in Gütersloh abgebaut und 1981 - 83 im Museum wieder aufgebaut.
Brunnen
Das etwa 1,70 Meter tief in die Erde reichende Brunnengewände wurde im 12. Jahrhundert gesetzt und ist damit das älteste Objekt des Freilichtmuseums. Es konnte 1981 bei Ausgrabungsarbeiten nahe Schieder freigelegt werden. Zur Übernahme wurde der Brunnen dort ummantelt und im Ganzen in das Museum transportiert.
Das Brunnengewände wurde 1981 abgebaut und 1982 im Museum wieder aufgebaut.
Der oberirdische Aufbau entstand im 19. Jahrhundert als Gemeinschaftsbrunnen mehrerer Höfe in Godelheim. Er besteht aus Bruchquadermauerwerk mit abgerundeten Ecken. Ein flach geneigtes Dach schützt die zum Wasserheben erforderlichen Seilgewinde.
Der oberirdische Aufbau wurde 1982 in Godelheim abgebaut und 1982 im Museum wieder aufgebaut.
Dörrofen Der im 19. Jahrhundert aus Bruchstein erbaute Dörrofen stand auf der Obstweide des Hofes Falkenflucht bei Bödexen. Er diente bis 1952 zum Dörren von Zwetschen, Äpfeln und Birnen, die man auf geflochtene Hürden legte und durch die große Öffnung an der Vorderseite auf die Holzgestelle im Innern schob. Während der Obsternte wurde bei Tag und Nacht gedörrt. Das Obst wurde während des Dörrens gewendet, was den Vorgang verkürzte. An der Rückseite des Ofens befindet sich das Feuerungsloch. Von dort wird der heiße Rauch durch ein System von Zügen im Boden und in den Wänden geleitet, um von allen Seiten eine möglichst gleichmäßige Hitze an das Dörrgut zu bringen. Das Dörren von Obst war die einzige Möglichkeit, es in großen Mengen haltbar zu machen, also ein wichtiger Vorgang im Rahmen der bäuerlichen Selbstversorgung. Dörröfen sind allerdings selten, in der Regel nutzte man zum Obstdörren den Backofen.
Gartenhaus (Gut Maygadessen) Gartenhäuser gab es im 18./19. Jh. bei Adel, Klerus und Bürgern in großer Zahl, doch nur wenige Gebäude blieben bis heute erhalten. Das achteckige unterkellerte Gartenhaus aus Godelheim wurde als allseits offener Pavillon gebaut, in einem Teilbereich gab es schon Brüstungsgefache mit Andreaskreuzen. Es wurde seinerzeit weitgehend aus den Hölzern eines älteren Hauses abgezimmert. Ein Umbau von 1842/46 führte zur Schließung der Seiten mit Riegeln und Bruchsteinausfachungen und zum Einbau großer Bleisprossenfenster, die man bei einem Umbau Ende des 19. Jh. wieder verkleinerte.
Das Gartenhaus aus dem 18. Jh. wurde 1981 abgebaut und im gleichen Jahr im Museum wieder aufgebaut.
Haus Golücke
Das Haus Golücke aus Amelunxen (erbaut 1767) ist ein kurzes Durchgangsdeelenhaus mit hohem Wandkasten, Zeichen für Häuser aus enger Dorflage. Besonders typisch für die dörfliche Architektur des 18. Jh. im Weserraum ist der aufwendig gestaltete Giebel. Die Ständer kragen im Obergeschoss aus dem vollen Holz leicht vor, die Brüstungsgefache haben Andreaskreuze, die Gefache sind mit Backsteinen in Ziersetzungen ausgemauert.