Das Donativum (Plural: Donativa), deutsch Donativ, war im Römischen Reich ein Geldgeschenk, das die römischen Kaiser unter die Soldaten der Legionen oder der Prätorianergarde verteilten. Der Zweck des donativum variierte, historische donativa waren Ausdruck der Dankbarkeit für die entgegengebrachte oder erwartete Gunst, andere ein erster Sold durch den neuen Herrscher oder einfach für anhaltendes Wohlwollen, das erwartet wurde.
Anlässe Bereits in der Zeit der späten römischen Republik wurden Geldgeschenke an die Berufssoldaten ausgegeben, so beispielsweise von Sulla,Sallust, Über die Verschwörung des Catilina 11,5. CaesarSueton, Iulius Caesar 38. sowie Brutus und Cassius.Appian, Bürgerkrieg 4,89.
In der Kaiserzeit wurden Donativa üblicherweise zum Amtsantritt eines neuen Kaisers ausgezahlt, ebenso zu anderen bedeutenden Anlässen wie Thronjubiläen,Cassius Dio, Römische Geschichte 77,1. der Verleihung von Ehrentiteln an einen Mitregenten, anlässlich des tirocinium militiae (lateinisch: Erprobung als Soldat), der ersten Bewährung des Thronfolgers auf einem Feldzug,Augustus bewilligte ein Donativum anlässlich des ersten Kriegseinsatzes seines Enkels und designierten Nachfolgers Gaius Caesar, siehe Cassius Dio, Römische Geschichte 55,6. Zum tirocinium militiae und zum tirocinium fori (Erprobung auf dem Forum), bei dem es um die juristische und rhetorische Ausbildung eines jungen Mannes in Vorbereitung auf den cursus honorum geht, siehe den Artikel education in: Matthew Bunson: Encyclopedia of the Roman empire. Facts On File, New York, 2., überarbeitete Aufl. 2002, ISBN 0-8160-4562-3, S. 190. oder anlässlich der Bekleidung des Kronprinzen mit der Toga virilis,Sueton, Nero 7. bei bedeutenden AdoptionenHistoria Augusta, Hadrian 23. oder Heiraten in der Kaiserfamilie.Historia Augusta, Antoninus Pius 8,1; 10,2. Es sind auch Situationen bezeugt, bei denen ein Kaiser Soldaten mithilfe eines donativums vom Plündern abzuhalten suchte oder aber gegnerische Legionäre für sich gewinnen wollte.
Donativa für die Prätorianer Kaiser Augustus hinterließ den Prätorianern noch eine beträchtliche Summe in seinem Testament.Sueton, Augustus 101; Tacitus, Annalen 1,8; Cassius Dio, Römische Geschichte 56,32. Unter seinen Nachfolgern entwickelte sich das Donativum schnell zu einer regulären Zahlung, auf die ein Herrscher in der Praxis nicht verzichten durfte. In der Regierung des Tiberius erhielten die Prätorianer ein Donativum, um zuzulassen, dass ihr Präfekt Lucius Aelius Seianus gestürzt wurde: Jeder Gardist erhielt 10 Goldstücke dafür, dass er davon Abstand nahm, ihn zu verteidigen.Sueton, Tiberius 48,2. Im Jahr 41, nach dem Mord an Caligula, unterstützte die Garde Claudius, und nach einer kurzen Zeit begriff der Senat, dass es die Garde war, die ihn auf den Thron gesetzt hatte. Claudius gab ihnen 150 Aurei, etwa 3.750 DenareSueton, Claudius 10,4; Flavius Josephus, Jüdische Altertümer 19,4,2. – die Senatoren taten jährlich 100 Sesterzen hinzu, um an Claudius’ Inthronisierung zu erinnern.Cassius Dio, Römische Geschichte 60,12.
Im 2. und 3. Jahrhundert aber wurde diese Form der Bestechung ein zentraler Punkt für jeden erfolgreichen Regenten, zum Beispiel bei vielen Soldatenkaisern zwischen 235 und 284 – vor allem an die Prätorianergarde, die dem Kaiser wesentlich näher war und daher eine größere Gefahr für seine Sicherheit darstellte. Die in Rom stationierten Kohorten waren schwierig ruhigzuhalten und schnell bei der Hand, wenn es darum ging, einen Mord zu begehen. Das donativum diente also dazu, die Unterstützung und Loyalität der Prätorianer zu erhalten. Umgekehrt hatte keinen Anspruch darauf, wer Kriegsgefangener warCodex Iustinianus 12,35,1. oder der Desertion beschuldigt wurde.Digesten 49,16,10.
Auch nach der Auflösung der Prätorianergarde im Jahr 312 blieben kaiserliche, in der Spätantike oft als largitio bezeichneten Donative an die Truppen (wenigstens aus Anlass des Herrschaftsantritts) mindestens bis ins 6. Jahrhundert hinein üblich. Zunehmend löste das regelmäßige donativum die Soldzahlungen ab, bis die Begriffe komplett verschwammen.Johannes Wienand: Der Kaiser als Sieger: Metamorphosen triumphaler Herrschaft unter Constantin I. Akademie Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-05-005903-7, S. 74 (online).
Kaiserliche Donativa an die Prätorianergarde 14–193 Jahr Kaiser Anlass Höhe in Denaren und Beleg 14 Augustus Testament 250 31 Tiberius Loyalität beim Sturz des Sejanus 1.000 37 Caligula Thronbesteigung 250Cassius Dio, Römische Geschichte 59,2. 41 Claudius Thronbesteigung 3.750 jährlich Claudius Regierungsjubiläum 25 54 Nero Thronbesteigung 3.750Tacitus, Annalen 12,69. 69 Galba Zusage an Gaius Nymphidius Sabinus, aber nicht gezahlt 7.500Plutarch, Galba 2,2 (Der Begriff „Drachme“ steht hier für den römischen Denar). 69 Otho Zusage 1.250Tacitus, Historien 1,82. 69 Vitellius Zusage Tacitus, Historien 2,94. 69 Vespasian normales donativum unbekanntTacitus, Historien 2,82. 79 Titus normales donativum unbekanntCassius Dio, Römische Geschichte 66,26. 81 Domitian Verdoppelung des donativum geplant, aber normale Summe gezahlt unbekanntSueton, Domitian 2; Cassius Dio, Römische Geschichte 66,26. 98 Trajan normales donativum unbekanntPlinius der Jüngere, Panegyricus 25,2. 117 Hadrian normales donativum verdoppelt unbekanntHistoria Augusta, Hadrian 5,7. 145 Antoninus Pius Hochzeit der Tochter Faustina mit Mark Aurel unbekannt 161 Mark Aurel Gemeinsame Regierung mit Lucius Verus 5.000Cassius Dio, Römische Geschichte 74,8; Historia Augusta, Marcus Aurelius 7,9. 180 Commodus normales donativum; ein zweites versprochen, aber nicht gezahlt unbekanntHerodian, Geschichte des Kaisertums seit Mark Aurel 1,5. 193 Pertinax zahlte das von Commodus versprochene Donativ aus 3.000Cassius Dio, Römische Geschichte 74,1; Historia Augusta, Pertinax 4,6; ebd. 7,5. 193 Didius Julianus ersteigerte den Thron 6.250 versprochen, 7.500 gezahltCassius Dio, Römische Geschichte 74,11; Historia Augusta, Didius Julianus 3,2; Herodian, Geschichte des Kaisertums seit Mark Aurel 2,6. 193 Septimius Severus donativum anlässlich des Sieges im Bürgerkrieg Herodian, Geschichte des Kaisertums seit Mark Aurel 3,8. 203 Septimius Severus zehnjähriges Regierungsjubiläum 250
Literatur
Wolfgang Szaivert, Reinhard Wolters: Löhne, Preise, Werte. Quellen zur römischen Geldwirtschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 978-3-534-16774-6, S. 317 ff. Lukas Kainz: Sonderzahlungen in der Antike. Ein Überblick von Alexander bis zu Maximinus Thrax. In: Holger Müller (Hrsg.): 1000 & 1 Talente. Visualisierung antiker Kriegskosten. Computus, 2009, ISBN 978-3-940598-04-2, S. 49–72, bes. S. 52–66 (Online-Vorschau).
Fußnoten
Kategorie:Römische Militärgeschichte Kategorie:Einkommen Kategorie:Römische Numismatik