Mehmet Tobias Scholl (* 16. Oktober 1970 in Karlsruhe als Mehmet Tobias Yüksel) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und späterer -trainer und Sportkommentator. Er spielte als Profi für den Karlsruher SC und den FC Bayern München. 1996 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister. 2001 gewann er mit Bayern München die Champions League. Außerdem wurde er achtmal deutscher Meister und fünfmal DFB-Pokalsieger.
Scholl war zeitweise Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern München. Er trat als Experte bei Fußballübertragungen der ARD auf und ist zudem einer der Gründer und Geschäftsführer des Münchner Plattenlabels Millaphon Records.
Familie und Persönliches Scholl ist der Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter. Nach der Scheidung heiratete seine Mutter ein zweites Mal. Sie und ihr Sohn nahmen den neuen Familiennamen Scholl an. Mehmet Scholl ist ein Cousin des Comiczeichners Jan-Michael Richter. , Subway Stadtmagazin, August 2002. Er hat aus erster Ehe den Sohn Lucas, der lange Zeit in den Jugendmannschaften des FC Bayern München spielte, teilweise mit seinem Vater als Trainer. Mehmet Scholl heiratete 1993 in erster Ehe Susanne Pfannendörfer, die Ehe hielt bis Oktober 1996. 2007 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Jessica, mit der er zwei Töchter hat.Scholls zweite Frau Ende des Jahres 2016 trennte sich das Paar.
In Karlsruhe legte Scholl das Abitur am Gymnasium Neureut ab.Christian Witt: Mein lieber Scholli … In: Focus Nr. 31, 1999. Mit seiner Karlsruher Sportkegelmannschaft wurde er deutscher Vizejugendmeister; auch später betrieb er Kegeln als Sport,Martina Farmbauer: Mehmet Scholl und das Kegeln – Zweite Heimat. in: Süddeutsche.de vom 14. August 2007.Kegeln ist der beste Kick. Lars Reichardt im Interview mit Mehmet Scholl. SZ-Magazin vom 30. Juni 2000 – . dabei auch in der 1. Mannschaft der Sportkegelabteilung des FC Bayern München.
Spielerkarriere Vereinskarriere Mehmet Scholl begann seine Profikarriere 1989 beim Karlsruher SC. Er wurde 1992 vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München verpflichtet, bei dem er bei seinem Abschied 2007 der dienstälteste und nach errungenen Titeln erfolgreichste Profi der Mannschaft war.
Beginn in Karlsruhe Seine Fußballkarriere begann er beim SV Nordwest Karlsruhe. Ein Jahr nach seinem ehemaligen Mitspieler Michael Sternkopf wechselte auch er in die C-Jugend des Bundesligisten Karlsruher SC. Im April 1990 schaffte er dort den Sprung ins Profigeschäft, debütierte gegen den 1. FC Köln mit einem Treffer in der Bundesliga. In seinen ersten drei Bundesliga-Jahren beim KSC wurde schnell sein Talent als technisch versierter Mittelfeldspieler erkennbar, so dass sich 1992 der FC Bayern München erfolgreich um Scholl bewarb.
FC Bayern Scholl setzte sich schnell beim FC Bayern durch, gleich in seiner ersten Saison brachte er es in der Bundesliga auf 31 Einsätze. Gleichzeitig wurde er in den Medien zum Teenie-Idol hervorgehoben.
Mit dem FC Bayern wurde er achtmal deutscher Meister, womit er ab 2006 alleiniger Rekordhalter war, bis seine ehemaligen Mitspieler Oliver Kahn, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm 2008, 2015 und 2017 gleichziehen konnten; später wurde diese Bestmarke von gleich mehreren Spielern überboten. Je fünfmal wurde Scholl mit dem FC Bayern DFB- und Ligapokal-Sieger. 1996 gewann er den UEFA-Pokal. 2001 – der Höhepunkt seiner Vereinslaufbahn (obwohl er in diesem Spiel einen Elfmeter verschoss) – wurde er Champions-League-Sieger im Finale gegen den FC Valencia. Beim Spiel um den Weltpokal im Herbst desselben Jahres in Tokio (1:0 nach Verlängerung gegen die Boca Juniors aus Argentinien) fehlte er verletzungsbedingt. Insgesamt bestritt er 88 Spiele in den europäischen Vereinswettbewerben, in denen er 18 Treffer erzielen konnte.
Scholl litt während seiner Spielerlaufbahn unter vielen, teils schweren Verletzungen. Am 19. Mai 2007, dem 34. Spieltag, beendete er seine Bundesligakarriere beim 5:2-Sieg der Bayern gegen den 1. FSV Mainz 05 mit seinem Treffer zum 2:0. Am 15. August 2007 fand in der Allianz Arena gegen den FC Barcelona Scholls Abschiedsspiel statt, das zugleich die erste Begegnung des Franz-Beckenbauer-Pokals war. Der FC Barcelona gewann mit 1:0. Am selben Abend wurde Scholl zum Ehrenspieler des FC Bayern München ernannt und übergab seine Rückennummer 7 dem Franzosen Franck Ribéry.
In der Zeit vor seinem Abschied vom Profifußball wurde Mehmet Scholl von den beiden Filmemachern Ferdinand Neumayr und Eduard Augustin porträtiert. Mit der Dokumentation Frei:Gespielt – Mehmet Scholl: Über das Spiel hinaus setzten sie ihm ein filmisches Denkmal.
Nationalspieler 1995 wurde er Nationalspieler, ein Jahr später gewann er mit Deutschland die Fußball-Europameisterschaft 1996 in England. Dort war er kein Stammspieler, wurde jedoch drei Mal von Beginn an eingesetzt: im Viertel- und im Halbfinale und schließlich im Finale. Im Endspiel gegen Tschechien wurde er beim Stand von 0:1 für Tschechien in der 69. Minute gegen Oliver Bierhoff ausgewechselt, der dann den Ausgleich und in der Verlängerung das Golden Goal erzielte.
Mehmet Scholl hatte einen schwierigen Stand beim damaligen Bundestrainer Berti Vogts, sodass er trotz guter Leistungen in der Liga nicht für die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich nominiert wurde.
Er nahm auch an der Europameisterschaft 2000 teil, bei der er das einzige Tor der deutschen Nationalmannschaft im ersten Gruppenspiel beim 1:1 gegen Rumänien erzielte. So galt er gerade um das Jahr 2000 als einer der besten und kreativsten Mittelfeldspieler der Welt.
Am 23. April 2002, also kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea, veranlasste ihn seine angeschlagene Gesundheit, als Nationalspieler zurückzutreten. So hat Scholl trotz seiner Erfolge nie an einer Weltmeisterschaftsendrunde teilgenommen.
Karriereübersicht +VereinLigaSaisonLigaDFB-PokalEuropapokalanderegesamtSpieleToreSpieleToreSpieleToreSpieleToreSpieleToreKarlsruher SCBundesliga1989/9031––––––311990/9127610––––2861991/9228421––––305gesamt581131––––6112FC Bayern MünchenBundesliga1992/9331720––––3871993/9427112141––33131994/95319101031043121995/96301020115––43151996/972353120––2861997/9832962802048111998/991342030––1841999/00256311232042102000/01299111652148162001/021863120––2372002/031844040102742003/0450211010912004/052032151––2752005/061833260––2752006/07141104010201gesamt3348737118818101469117Karriere insgesamt3929840128818101530129
Nach der Spielerkarriere Sportkommentator und Moderator mini|Mehmet Scholl mit Reinhold Beckmann beim Relegationsspiel zwischen Bochum und Gladbach (2011) Im März 2008 engagierte die ARD Mehmet Scholl, der schon als Spieler für seine „markigen Sprüche“ bekannt war,, focus.de vom 16. August 2008, abgerufen am 28. Juni 2012 als Experten für die Fußball-EM. An der Seite von Reinhold Beckmann kommentierte und analysierte er Spiele bei TV-Übertragungen. Nach der Fußball-WM 2010 beerbte er Günter Netzer als Experte.ARD Pressekonferenz vom 21. April 2010, Leipzig: Programmdirektor Volker Herres zu den Fußballexperten im Ersten Im November 2011 beschloss die ARD die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Scholl bis zum Ende der Fußball-WM 2014 in Brasilien. SID-Meldung vom 30. November 2011. Danach wurde der Vertrag noch zweimal verlängert, er lief noch bis zur WM 2018. Meedia-Meldung vom 4. September 2015. Am 10. August 2017 lösten Scholl und die ARD ihren Vertrag auf. Seit Scholl bei den beiden Halbfinalspielen des Confed Cups fehlte, gab es Berichte über die Gründe. In seiner Sendung „Mehmets Schollplatten“ im Bayerischen Rundfunk äußerte er sich dazu: „Konkret war es vor den Halbfinalspielen beim Confed Cup zwischen Deutschland und Mexiko sowie Chile und Portugal um einen Bericht über Doping in der russischen Fußballnationalmannschaft bei der WM vor drei Jahren gegangen." Scholl sagte im BR-Hörfunk, dass ihm die Vorberichterstattung zu negativ gewesen sei, und das nicht zum ersten Mal. An diesem Tag habe dieses Doping-Thema „nichts in der Sendung verloren“ gehabt, sagte Scholl. ‚Es hatte in dem Moment überhaupt keine Relevanz.‘ (Veröffentlicht in der Ausgabe des Stern vom 7. August 2017). Da haben die gesagt, die bleibt nicht draußen und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Da habe ich gesagt: ‚Ich gehe. Und dann bin ich gegangen.‘“ Diese Aktion wurde von den Medien als Grund der Vertragsauflösung angenommen.Ein Spruch zu viel – Warum sich ARD von Mehmet Scholl trennt Westfalenpost von 10. August 2017.
Scholl sorgte mehrmals für Kontroversen bei seiner Arbeit als ARD-Experte. So sagte er während der EM 2012 über den nach seiner Einschätzung zu passiven Stürmer Mario Gómez: „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“.Streit zwischen Scholl und ARD: „Werden das intern klären“ Focus.de vom 5. Juli 2017, abgerufen am 5. Juli 2017. Später bat Scholl für diese Aussage um Entschuldigung.
Als Indie-Rock-Fan präsentierte er zunächst nur bis Juni 2012 zusammen mit Achim Bogdahn im Zündfunk-Nachtmix auf Bayern 2 am ersten Freitag im Monat „Mehmets Schollplatten“ und gab als Abschiedsgrund sein damaliges berufliches Engagement als Trainer an. Vom Februar 2014 bis zum April 2021 moderierte er die Sendung erneut, die normalerweise jeden ersten Sonntag eines Monats von 23:05 Uhr bis 24:00 Uhr ausgestrahlt wurde.tz.de: Mehmet Scholl wieder mit eigener Radiosendung, abgerufen am 28. Januar 2014. 2011 gründete er zusammen mit Till Hofmann und Gerd Baumann das Musik-Label Millaphon Records.
Trainer mini|Scholl als Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern München am 24. Oktober 2009 im Stadion Rote Erde in Dortmund (rechts) Im Frühjahr 2008 absolvierte Scholl eine Trainerausbildung zum Erwerb der B-Lizenz. Ab dem 21. Oktober 2008 trainierte er die U13-Junioren des FC Bayern München, bei denen auch sein Sohn spielte.
Am 27. April 2009 übernahm Scholl den Posten als Interimstrainer der zweiten Mannschaft des Vereins, da Hermann Gerland übergangsweise Co-Trainer der ersten Mannschaft wurde. Da Gerland auch in der Saison 2009/10 als Co-Trainer der ersten Mannschaft tätig blieb, betreute Scholl die Drittligamannschaft weiter. Hierfür ist allerdings seitens des DFB eine Lizenz als Fußballlehrer erforderlich. Der FC Bayern musste eine Strafe in nicht bekannter Höhe zahlen, weil Scholl explizit nicht als Teamchef, sondern als Trainer eingestellt worden war.„Trainer“ Scholl kommt Bayern teuer zu stehen, spox.com, 10. September 2009.
Seine Trainerausbildung zum Erwerb der A-Lizenz absolvierte er Ende 2009 in Oberhaching.„Bayerns Drittliga-Team: Gerland statt Scholl“, Abendzeitung, 1. März 2010.„Mehmet Scholl kritisiert Nachwuchsspieler“, spox.com, 26. Februar 2010.
Im April 2010 kündigte Scholl an, seine Trainertätigkeit beim FC Bayern München zum Ende der Saison 2009/10 aufzugeben und den Verein nach insgesamt 18 Jahren zu verlassen, um sich auf seine TV-Karriere zu konzentrieren.Mehmet Scholl verlässt FC Bayern endgültig
Im März 2012 absolvierte er den Fußballlehrer-Lehrgang des DFB und erhielt damit die UEFA-Pro-Lizenz. Mit Beginn der Saison 2012/2013 übernahm Scholl wieder die Arbeit als Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern München.München: Rummenigge schließt Transfers im Winter aus – Scholl kehrt zurück, kicker.de, 19. Dezember 2011. Am 25. Januar 2013 verkündete er seinen Abgang als Trainer der Bayern-Amateure zum Saisonende aufgrund des Interessenskonflikts mit seiner Tätigkeit als TV-Kommentator.Süddeutsche Zeitung: Mehmet Scholl gibt Amt als Bayern-Trainer ab vom 25. Januar 2013. Zuvor hatte die Führung des FC Bayern Scholls Fernsehengagement wiederholt kritisiert.Süddeutsche Zeitung: Uli Hoeneß verbietet Scholl ARD-Vertragsverlängerung vom 29. Juli 2012.
Titelgewinne Nationalmannschaft Europameister: 1996
Verein International Champions-League-Sieger: 2001 UEFA-Cup-Sieger: 1996 Weltpokal-Sieger: 2001
National