Die Liste von Fachbegriffen des Zimmererhandwerks enthält ausgewählte Begriffe, die innerhalb des Zimmererhandwerks verwendet werden. Im Verlauf der Jahrhunderte hat sich in diesem traditionsreichen Gewerk eine charakteristische Fachsprache herausgebildet, deren Ausdrücke für Außenstehende oft schwer verständlich sind. Ziel dieser Liste ist es, zentrale Begriffe zu erläutern und einen Einblick in die Sprache der Zimmerleute zu geben.
Allgemeine oder triviale Begriffe des Bauwesens werden hier nicht berücksichtigt. Die Liste ist zudem nicht abschließend und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
A Abbinden Bearbeitung der zuvor angerissenen Hölzer mittels Sägen, Stemmen, Fräsen, Bohren und Hobeln. Abbund Das Ermitteln aller notwendigen Längen- und Winkelmaße mittels anlege-, zeichnerischer oder rechnerischer Methoden beziehungsweise durch den Einsatz eines Abbundprogramms sowie das Anreißen, Bezeichnen und Abbinden sämtlicher Hölzer der Konstruktion. Abbundhalle Überdachter Arbeitsbereich zur Durchführung des Abbunds. Dient dem geschützten Vorbereiten, Anreißen und Bearbeiten von Hölzern für Konstruktionen außerhalb der Baustelle. Abbundmaschine Maschine zur automatisierten Bearbeitung von Hölzern für den Abbundprozess. Sie übernimmt Arbeitsvorgänge wie Sägen, Fräsen, Bohren und Markieren – oft gesteuert per CAD/CAM-System. Abbundplan Technische Zeichnung oder Planunterlage zur Vorbereitung des Abbunds. Er enthält Maßangaben, Bauteilpositionen, Winkel, Verbindungstypen und ggf. Stücklisten. Der Abbundplan dient als zentrale Informationsquelle für die handwerkliche oder maschinelle Umsetzung der Konstruktion. Abbundzeichen Markierungen wie Buchstaben, Nummern oder Symbole an Holzteilen, die deren Zuordnung beim Zusammenbau bestimmen. Sie werden beim Anreißen und Abbinden angebracht. Abgratung, mini|hochkant 0.5|Abgratung am Gratsparren Entfernen überstehender Holzabschnitte an Grat- oder Gratkehlsparren zur präzisen Anpassung an angrenzende Dachflächen. Die Abgratung erfolgt meist im Zusammenhang mit komplexen Dachgeometrien. Abrichten Das Erstellen einer ebenen, geraden Fläche an einem Holzbauteil. Dies dient als Referenzfläche für weitere Bearbeitungen (z. B. Dickung) und erfolgt traditionell mit einer Raubank oder zeitgemäßer mit einer Abrichthobelmaschine. Alphawinkel Zimmererwinkel mit Winkelmesser zum Anreißen aller Winkel und Schmiegen der Konstruktionshölzer. Bestandteil des traditionellen Reißzeuges in der Zimmerei. Anfallgebinde Sparrenpaar am Anfallpunkt eines Walmdachs, an dem Fistlinie und Gratlinien oder Firstlinien und Kehllinie zusammentreffen. Das erste und das letzte Gebinde des Hauptdachs können zusätzlich verstärkt sein. Es wird auch als Anfallsgebinde bezeichnet. Anlegen Das Auflegen und Ausrichten von Hölzern auf dem Reißboden zur Vorbereitung des Abbunds. Dabei werden die Bauteile exakt platziert, um anschließend Maße und Winkel anzureißen. Anreißen Übertragen von Maß-, Winkel- oder Verbindungslinien auf das Werkstück – z. B. mit Reißhaken, Zimmermannsbleistift und Schmiege. Grundlage für präzise Schnittführung und maschinelle Bearbeitung beim Abbund. Aufschiebling Kurzer Sparren, der im Bereich der Traufe auf einen anderen Sparren aufgesetzt wird. Er verlängert die Dachfläche und bildet zusammen mit dem Traufbrett oder der Traufbohle den Traufüberstand (Dachüberstand). Auflager Bereich oder Fläche, auf der ein Balken, Sparren oder eine Pfette aufliegt und Kräfte in die darunterliegende Konstruktion ableitet. Aufmaß Exaktes Aufmessen vorhandener Bauteile oder eines Gebäudes zur Planung, Kontrolle oder Dokumentation. Aufschnüren Profile einer Dachkonstruktion auf einem Reißboden (waagerechter Bretterboden) aufzeichnen. Aufdachdämmung Dämmmaterial, das direkt oberhalb der Sparren aufgebracht wird – zwischen Tragkonstruktion und Dacheindeckung. Vorteil: durchgehende Wärmedämmung ohne Unterbrechung durch Holzquerschnitte („wärmebrückenfreie Ebene“). Auswechselungmini|hochkant 0.7|Kaminauswechselung: Balkenlage Unterbrechung von Balken in einer Balken- oder Sparrenlage.
B Balken Tragendes, waagerechtes Bauteil in Holzkonstruktionen. Balken dienen der Aufnahme und Weiterleitung von Lasten und sind je nach Lage als Pfette, Deckenbalken, Bundbalken, Rähm oder Schwelle ausgeführt. Bandsäge Stationäre Holzbearbeitungsmaschine mit endlos umlaufendem Sägeband. Sie ermöglicht präzise Längs-, Quer- und Kurvenschnitte, vor allem bei großen Werkstücken und engen Radien. Bandschleifer Handgeführtes Elektrowerkzeug mit umlaufendem endlos Schleifband zum Schleifen ebener Holzflächen und Kanten. Bauklammer Metallisches Verbindungselement zur temporären Fixierung von Holzteilen während der Montage. Sie hält Bauteile in Position, bis diese dauerhaft verbunden (z. B. verschraubt oder verzapft) sind. Behauen Zurichten von Baumstämme zu Bauhölzern mit Schrotaxt (Bundaxt) und Breitbeil, um gerade und ebene Holzflächen zu erzeugen. Behauen erfolgt oft bei Hölzer für historische Konstruktionen, z. B. Fachwerk, und erzeugt typische Werkzeugspuren. Beilen Traditionelle Bearbeitung von Holz mit dem Breitbeil zur Grobformgebung, Glättung oder zum Vorarbeiten vor dem Hobeln. Der Begriff wird regional teils synonym mit „Behauen“ verwendet. Beitel Einseitig geschliffenes Stechwerkzeug, besteht aus Heft und Klinge, zur feinen Bearbeitung von Holz, z. B. für Kerven, Zapfenlöcher und Holzverbindungen. Varianten: Stechbeitel, Stemmeisen, Hohlbeitel. Gehört zum klassischen Bundgeschirr. Blattverbindung Holzverbindung durch flächige Überlappung zweier Bauteile – meist mit Einschnitten (Blättern), die exakt ineinander passen. Regionale Synonyme: Überblattung, Blattstoß. Blockverbindung Konstruktive Eckverbindung, typisch für die Blockbauweise, bei der Holzbohlen oder -Balken durch präzise Ausklinkungen (z. B. Überkämmungen, Schwalbenschwänze) miteinander verbunden werden. Diese Verbindungen ermöglichen ein stabiles Ineinanderschieben und schaffen dichte und tragfähige Gebäudeecken. Bockmini|hochkant 0.5|Zimmererbock Traggestell oder stützende Unterlage für Werkstücke während der Bearbeitung oder Montage. Zimmererböcke sind meist aus Holz, fest ausgeführt und ermöglichen ergonomisches Arbeiten an Konstruktionshölzer in der Zimmerei. Bohlensparren Sind gebogene Sparren, die aus Bohlen, Dielen oder Brettern von Bohlendächern bestehen. Breitbeil Beil mit breiter Schneide zum Glätten und Behauen von Holzoberflächen. Es wird beidhändig geführt und ist ideal für das Zurichten von Sichtflächen bei Balken und Kanthölzer. Brettschichtholz Ingenieurholzprodukt, das aus mindestens drei miteinander verleimten, getrockneten Brettern besteht. Es zeichnet sich durch hohe Festigkeit, Formstabilität und geringe Rissbildung aus und wird häufig für tragende Konstruktionen mit großen Spannweiten eingesetzt, wie z. B. Hallenbinder oder sichtbare Dachträger. Bundaxt Spezielle Zimmereraxt mit leicht gebogener Schneide und langem Stiel. Dient dem Behauen und Zurichten von Holzverbindungen. Fester Bestandteil des traditionellen Bundgeschirrs. Bundbalken Waagerechter Balken in der Dachkonstruktion, der gegenüberliegende Sparren miteinander verbindet. Er nimmt horizontale Zugkräfte auf und wird regional auch als Kehlbalken bezeichnet. Bundgeschirr Gesamtheit der Zimmermanns-Werkzeuge. Dazu gehören z. B. Winkel, Bundaxt, Gestellsäge, Klüpfel, Zollstock, Beitel und Reißzeug.
D Dachbalken Waagerechter Balken innerhalb der Dachkonstruktion, oft synonym mit Bundbalken oder Kehlbalken. Er verbindet gegenüberliegende Sparren und übernimmt horizontale Zugkräfte. Dachbinder Vorgefertigtes, tragendes Element einer Dachkonstruktion, das die Lasten aus dem Dach in die darunterliegenden Wände oder Stützen ableitet. Meist als Fachwerkbinder ausgeführt, z. B. bei Hallenkonstruktionen. Dachfirst Oberste, waagerechte Kante eines geneigten Daches, an der zwei Dachflächen zusammentreffen. Dachgaube Aufbau im geneigten Dach zur Belichtung, Belüftung und Vergrößerung des Dachraums. Typische Formen sind Spitzgaube, Schleppgaube oder Fledermausgaube. Dachgrat Außenliegende, schräg verlaufende Kante, an der zwei geneigte Dachflächen in spitzem Winkel zusammentreffen. Der Grat wird durch Gratsparren und passende Ziegel gebildet und muss gegen Wasser abgedichtet werden. Dachkonstruktion Gesamtheit aller tragenden Elemente eines Daches – z. B. Sparren, Pfetten, und Balken. Sie muss statischen, klimatischen und gestalterischen Anforderungen genügen. Dachlatte Schmales Holzprofil, das auf der Konterlattung befestigt wird und die Eindeckung (z. B. Dachziegel oder Schindeln) trägt. Abstand und Stärke richten sich nach dem Deckmaterial. Dachstuhl Tragwerk oberhalb der Geschossdecke, das die Dachform und Statik bestimmt. Er trägt die Sparren und besteht aus Pfetten, Ständern, Streben und Verbindungselementen. Dachtraufe Unterste Kante einer geneigten Dachfläche, von der Regenwasser abläuft. Sie bildet den Übergang zur Fassade und schließt mit einer Regenrinne ab. Deckenbalken Waagerechter Balken innerhalb einer Holzbalkendecke, der Lasten aus Boden, Innenwänden oder Möblierung auf darunterliegende Bauteile überträgt. Sie sind oft sichtbar ausgebildet (Sichtbalkendecke). Dechsel Spezialbeil mit kurzer Schneide und abgewinkeltem Blatt zur Bearbeitung von Rundholz oder zum Behauen von schwer zugänglichen Stellen. Regional auch als Querbeil bekannt. Dickenhobelmaschine Stationäre Hobelmaschine zur präzisen spanenden Bearbeitung von Holz auf eine gleichmäßige Dicke. Sie ergänzt die Abrichthobelmaschine und wird oft nach dem Behauen oder Sägen eingesetzt. Drempel Kurze, aufgemauerte Wand unterhalb der Dachschräge, oft zur Erhöhung der Traufhöhe und Nutzfläche. Drempel tragen Fußpfetten und verbessern die Raumnutzung im Dachgeschoss. Dachschalung Ebene, geschlossene Fläche aus Brettern oder Platten auf den Sparren, die als Unterlage für Dämmung, Unterspannbahn oder Dachdeckung dient. Sie kann sichtbar oder verdeckt ausgeführt sein. Dübel Zylindrisches Verbindungselement aus Kunststoff, Holz oder Metall verbindet zwei Materialien formschlüssig. Dübeleinpressgerät Maschinelles oder handgeführtes Werkzeug zur präzisen Einbringung von Dübeln besonderer Bauart in vorbereitete Bohrungen. Es erleichtert das Setzen von Holz- oder Metalldübeln und erhöht die Verbindungsqualität.
E Eckverbindung Allgemeiner Begriff für die Verbindung zweier Holzbauteile in einem Winkel, z. B. mittels Verzapfung, Versatz oder Blattverbindung. Sie ist entscheidend für die Stabilität von Fachwerken, Rähmen oder Blockverbindungen. Einblattung Flächige Holzverbindung, bei der ein Bauteil einseitig in ein anderes eingearbeitet wird – etwa als einfacher Versatz bei Rähm oder Pfostenanschluss. Sie gehört zu den traditionellen Blattverbindungen. Erker Aus dem Baukörper vorspringender, meist überdachter Gebäudeteil mit eigenen Fenstern.
F Fachwerk Bauweise mit tragendem Holzskelett, bei dem die Zwischenräume mit ausfachenden Wandelementen wie Lehm, Ziegel oder Fachplatten gefüllt sind. Die Konstruktion besteht typischerweise aus Schwelle, Ständer, Riegel, Strebe und Rähm – häufig sichtbar an Fassaden. Firstpfette Obere waagerechte Holzauflage im Dachstuhl, die an der höchsten Stelle liegt und die Sparrenköpfe aufnimmt. Sie leitet die Dachlast nach unten weiter und bildet den Anschluss an den Firstbereich. Fledermausgaube Geschwungene Dachgaube, die sich weich in das Hauptdach einfügt. Sie dient der Belichtung und verleiht Dachflächen ein besonderes Aussehen. Formatkreissäge Stationäre Holzbearbeitungsmaschine mit großem Kreissägeblatt, bei der das Werkstück über einen beweglichen Schiebetisch sicher und präzise geführt wird. Besonders geeignet für rechtwinklige Schnitte bei Plattenmaterialien und großformatigem Holz. Fräsmaschine Maschine zur spanenden Bearbeitung von Holz mittels rotierender Schneidwerkzeuge. Sie erzeugt Nuten, Falze, Profile und Verbindungen (z. B. Zapfenlöcher, Gratleisten). Fußband