miniatur|Das Dreieck, Symbol und Yantra von Parama Shiva, mit den dreieckigen Energien von para, para-apara und apara shakti
Der kaschmirische Shivaismus ist eine monistische Schule und eine Weiterentwicklung des hinduistischen Shivaismus in Kaschmir, in der die religiösen Texte (Agamas) als unmittelbarer Ausdruck des höchsten Gottes Shiva betrachtet werden.Kashmir Shaivism: The Secret Supreme, Swami Lakshman Jee, S. 103The Trika Saivism of Kashmir, Moti Lal PanditMark S. G. Dyczkowski: The Doctrine of Vibration: An Analysis of Doctrines and Practices of Kashmir Shaivism. S. 51 Diese Form des Shivaismus wird auch Trika-Schule (Triade) genannt, während andere Formen des Shivaismus in Kaschmir sich auch auf Schulen wie Shaiva-Siddhanta, Shrividya (Heiliges Wissen) http://www.spiritwiki.de/Sri_Vidya oder bestimmte Formen von Shiva wie Svaccandabhairava beziehen können.
Ursprung und Entstehen Der Kaschmir-Shivaismus entstand während des 8. oder 9. Jahrhunderts n. Chr.Kashmir Shaivism: The Secret Supreme, von Lakshman JeeÜber die Entstehung des Kashmir-Shivaismus im 9. Jahrhundert: Basham, S. 110.The Doctrine of Vibration: Eine Analyse von Lehren und Praktiken des Kashmir Shivaismus von Mark S. G. Dyczkowski, S. 4 in Kaschmir und differenzierte sich bis zum Ende des 12. Jahrhunderts sowohl philosophisch als auch theologisch weiter.The Trika Saivism of Kashmir, Moti Lal Pandit, S. 1 In vielen Bereichen ähnelt er dem Hindu-Tantra. Einer der bedeutendsten Vertreter dieser Entwicklung wird durch Abhinavagupta repräsentiert, dem eine Synthese verschiedener Tantraschulen und der Einflüssen aus der Bhagavad-Gita gelingt. Beide haben das Shri-Yantra als Symbol.
In der kaschmirischen Schule des Shivaismus gilt Shiva als das unerschaffene Absolute, das höchste Selbst, Prinzip des unendlichen Lichtes. Das Universum wird in dieser Theologie gedacht als Projektion Shivas, so dass es erfüllt ist von göttlichem Bewusstsein. Shivas Reflexion in Shakti enthält das Universum als Reflexion dieser Reflexion. Die Schöpfung findet durch 36 Hypostasen oder Kategorien (Tattvas) statt, vom reinen Geist (Shivatattva) bis zum Erdelement. Spanda wird als Shivas pulsierende Energie angesehen, die bewirkt, dass das Universum ewigwährend periodisch sich ausbreitet und wieder zusammenzieht.Encyclopedia of Hinduism, S. 417.
Cit (Sanskrit:Bewusstsein) gilt in dieser Schule als göttliches und allgegenwärtiges Bewusstsein und als die einzige Wirklichkeit. Materie ist danach nicht vom Bewusstsein getrennt. Im kaschmirischen Shivaismus wird angenommen, dass es in Wahrheit keine Kluft zwischen Gott und der Welt gibt. Die Welt stellt sich hier nicht als eine Illusion (Maya) wie im Advaita-Vedanta dar, sondern die Wahrnehmung der Dualität wird als die Illusion angesehen. Die Überwindung der irdischen Welt ist das Ziel der spirituellen Anstrengungen.
Es liegt zwar eine Identität aller Wesen mit Shiva vor, doch sind diese unrein und von Maya beeinflusst, so dass die wahre Identität mit Shiva nicht realisiert wird. Aus diesem Grunde gibt es im kaschmirischen Shivaismus spirituelle Praktiken zur Wahrnehmung dieser Einheit mit Shiva. Die Wahrnehmung der Identität mit Shiva findet dann in einem Akt der direkten Intuition in Bezug auf die wahre Realität statt.Encyclopedia of Hinduism, S. 417.
Sowohl im hinduistischen Shivaismus als auch im kaschmirischen Shivaismus hat Shiva einen schrecklichen oder dynamischen Aspekt in Form von Bhairava. Im Hinduismus ist über den Trimurti das Parabrahman Sri Yuktesvar Giri : Die Heilige Wissenschaft bzw. das Satyalola http://veda.wikidot.com/loka 7 Lokas . Abhinavagupta detaillierte dieses in vier weitere Ebenen oder Tattwas bis zum Paramshiva.
"Der kashmirische Shivaismus hat sich zu einer Tiefe lebendigen Gedankenguts entwickelt wo sich verschiedene Ströme der menschlichen Weisheit in einer leuchtenden Synthese vereinigen." – Rabindranath Tagore (9. Mai 1861 – 7. August 1941) Nobelpreis in Literatur (1913)http://shaivism.net/lakshmanjoo/1.html .
Diksha, Initiation durch den Guru, ist im kashmirischen Shivaismus von zentraler Bedeutung, denn diese führt zu Sadhana, spiritueller Praxis und Anugraha, göttlicher Gnade. Das Ziel des Sadhana ist die Befreiung im Leben, Jivanmukti.Encyclopedia of Hinduism. S. 418.
Der mythologische Ursprung des Kaschmir-Shivaismus Da die Philosophie des Kaschmir-Shivaismus tief in den Tantras verwurzelt ist, beginnt die Tradition mit Shiva selbst. Nach der Tradition nahm Shiva die Form von Srikanthanath an (Berg Kailasa), da das Wissen der Tantras in der Zeit des Kali-Yuga verloren gegangen war, wo er Durvasa vollständig in alle Formen des tantrischen Wissens einweihte, einschließlich des abheda (ohne Unterscheidung), bhedabheda (mit und ohne Unterscheidung), und bheda (unterscheidend), wie in den Bhairava Tantras, den Rudra Tantras, und den Shiva Tantras beschrieben wird. Durvasa meditierte intensiv in der Hoffnung, einen geeigneten Schüler zur Einweihung zu finden, hatte aber keinen Erfolg. Stattdessen schuf er drei geistgeschaffene Söhne und weihte den ersten Sohn Tryambaka vollständig in die monistische abheda Philosophie des Bhairava Tantra ein, das als Kaschmir-Shivaismus bekannt ist. Lakshmanjoo, S. 87–93.
Konzepte des Kaschmir-Shivaismus
Anuttara, der Höchste Anuttara ist das höchste Prinzip im Kaschmir-Shivaismus, und als solches ist es die fundamentale Wirklichkeit, dem ganzen Universum zugrunde liegend. Unter den vielen Interpretationen von Anuttara sind: „Allerhöchstes“, „über Allem“ und „unübertroffene Wirklichkeit“.Para-trisika Vivarana, Jaideva Singh, S. 20–27
Im Sanskrit-Alphabet wird Anuttara mit dem ersten Buchstaben 'A' verbunden. Als das allerhöchste Prinzip wird Anuttara mit Shiva identifiziert und mit Shakti, da Shakti mit Shiva identisch ist, als das höchste Bewusstsein (Cit), als ungeschaffenes Licht (prakasa), höchstes Objekt (aham) und zeitlose Schwingung (spanda).
Der Praktizierende, der Anuttara (Cit-Bewusstsein) verwirklicht hat, benötigt keine weitere Praxis, da er in Besitz von sofortiger Verwirklichung und vollkommener Freiheit (svatantrya) ist. Anuttara unterscheidet sich vom Begriff Transzendenz darin, dass, obwohl es über allem steht, es nicht einen Status der Trennung vom Universum darstellt.The Triadic Heart of Shiva, Paul Muller-Ortega, S. 88 Ein Anuttarayoga-Tantra ist auch im Buddhismus bekannt.
Aham, das Herz Shivas Aham (Sanskrit: Ich) ist das Konzept der höchsten Wirklichkeit als solches. Es wird als nichtdualistischer innerer Raum von Shiva betrachtet und als Stütze der ganzen Schöpfung, Jaideva Singh, page 194, als höchstes Mantra, Jaideva Singh, S. 180 und als identisch mit der Shakti, Jaideva Singh, S. 127. Es spiegelt sich aber auch individuell unterhalb der Kanchukas im Bereich des Anthakarana wider.
Kula, die spirituelle Gruppe Kula (auch Kaula) wird als Familie oder Gruppe übersetzt. Solche Strukturen existieren auf verschiedenen Ebenen und sind aus vielen auch komplementären verbundenen Teilen gebildet. Sie werden Familien genannt, um das gemeinsame vereinigende Band zu betonen, das der allerhöchste Gott ist, d. h. Shiva.The Triadic Heart of Shiva, Paul Muller-Ortega, S. 102 Die Praktiken der Kula gelten als mystisch und die Betonung liegt weniger auf philosophischen Erörterungen und mehr auf sofortiger Erfahrung. In ihrer Essenz ist Kula eine Form der körperlichen Alchemie, wo die niederen Aspekte der Person in höhere aufgelöst werden, da sie alle als Form einer einheitlichen Gruppe angesehen werden, eine Kula, die sich an Shiva anlehnt.The Triadic Heart of Shiva, Paul Muller-Ortega, Seite 60Abhinavagupta: Das Kula Ritual. nach Kapitel 29 des Tantraloka, S. 87
Die Shiva-Sutras Der erste große Eingeweihte in der Geschichte dieses spirituellen Pfades war Vasugupta (um 875–925).Zur Datierung von Vasugupta siehe: Flood, S. 167 Vasugupta formulierte zum ersten Mal schriftlich die Prinzipien und Hauptlehren dieses Systems. Ein fundamentales Werk des Shivaismus sind die traditionell Vasugupta zugeordneten Shivasutras.Traditionell werden diese Sutras als eine Offenbarung Shivas an Vasugupta angesehen. Grundlagenforschung zu den Shiva-Sutras und ihre Klassifizierung als Agama und zum Glauben, dass diese die offenbarten Schriften sind, siehe: Tattwananda, S. 54
Nach der Mythologie hatte Vasugupta einen Traum, in dem Shiva ihm befahl, zum nahegelegenen Mahadeva-Berg in Kaschmir zu gehen. Auf diesem Berg soll er in einen Felsen gravierte Verse gefunden haben, die Shiva-Sutras, welche die Lehren des Shiva-Monismus umschreiben. Sie sind eine der Hauptquellen des Kaschmir-Shivaismus.Eine Zusammenfassung des Traumes der zu der Entdeckung der Shiva Sutras führte und ihre Wichtigkeit als Schlüsselquelle: Flood (1996), S. 167. Das Buch ist eine Sammlung von Aphorismen. Diese Sutras legen eine rein nichtduale Metaphysik wie im Advaita-Vedanta dar.Zur Charakterisierung des Inhalts als reine Advaita-Metaphysik, siehe: Tattwananda, S. 54 Diese Sutras sind der Typ von Hindu-Schriften die als Agamas bekannt sind, und sie sind auch bekannt als die Shiva Upanishad Samgraha oder Shivarahasyagama Samgraha.Zu alternativen Namen und Klassifikation als Agama, siehe: Tattwananda, S. 54 Im Hinduismus sind weitere Shiva gewidmete Puranas bekannt wie das Shiva- oder Vayupurana, das Lingapurana, das Skandapurana, das Agni-Purana, das Matsyapurana und das Kurmapurana.
Klassifikation der niedergeschriebenen Tradition Die ersten kaschmirischen Shiva-Texte wurden im frühen neunten Jahrhundert n.Ch. geschrieben.Dyczkowski, S. 4. Als monistisches Tantra-System oder Trika-Shivaismus, als das es auch bekannt ist, entnimmt es Lehren aus den Shrutis, wie den monistischen Bhairava-Tantras, den Shiva-Sutras von Vasugupta, und auch einer besonderen Version der Bhagavad Gita die auch als Kommentar von Abhinavagupta als Gitartha Samgraha bekannt ist. Es werden auch Lehren aus dem Tantraloka verwendet, dem Hauptwerk von Abhinavagupta, das aus den im Kashmir-Shivaismus verwendeten Smritis hervorsticht. Generell kann die ganze niedergeschriebene Tradition des Shivaismus in drei Hauptteile aufgeteilt werden : Agama Shastra, Spanda Shastra und Pratyabhijña Shastra.
Agama Shastra sind jene Schriften, die als direkte Offenbarung Shivas betrachtet werden. Diese Schriften wurden zuerst vom Meister zum würdigen Schüler mündlich überliefert. Sie beinhalten für diese Schule essenzielle Werke wie das Malinivijaya Tantra, das Svacchanda Tantra, das Vijñanabhairava Tantra, das Netra-Tantra, das , das Rudrayamala-Tantra, das Shivasutra und andere. Es existieren zahllose Kommentare zu diesen Werken, die meisten zum Shivasutra.The Trika Saivism of Kashmir, Moti Lal Pandit, Seite X
Das Spanda Shastra, dessen Hauptwerk das Spanda Karika von Bhatta Kallata, einem Schüler von Vasugupta, ist, mit seinen vielen Kommentaren. Von diesen sind zwei von größerer Bedeutung: Spanda Sandoha (diese Kommentar handelt nur von den ersten Versen des Spanda Karika), und das (welches ein Kommentar zum ganzen Text ist).The Trika Saivism of Kashmir, Moti Lal Pandit, S. X Das Spanda Karika hat eine Kosmologie zum Thema, in der durch eine Vibration (Spanda) im höchsten Bewusstsein (Shiva) das Universum hervortritt. Diese Vibration wird hervorgerufen durch Shakti, Shivas Energie, die die Manifestation des Kosmos ist und aus dem Einen alles entfaltet, und dennoch nicht von Shivas Transzendenz getrennt ist. Dieser Nicht-Dualismus ist kennzeichnend für die Trika-SchuleEncyclopedia of Hinduism S. 416