mini|Dom St. Salvator zu Fulda mini|Logo der Stadt Fulda ist eine Stadt am gleichnamigen Fluss und das Oberzentrum der Region Osthessen. Sie ist Kreisstadt des Landkreises Fulda und als neuntgrößte Stadt Hessens eine von sechs Sonderstatusstädten des Landes. Fulda ist die größte Stadt in der Region Osthessen und deren politisches und kulturelles Zentrum. Die Stadt gehört trotz Zugehörigkeit zum nordhessischen Regierungsbezirk Kassel zum Rhein-Main-Gebiet, einer der elf europäischen Metropolregionen in Deutschland.
Fulda war Sitz des Klosters Fulda und ist eine Hochschul-, Barock- und Bischofsstadt mit Bischofssitz des gleichnamigen Bistums. Wahrzeichen der Stadt ist der Dom St. Salvator.
Geographie Lage Die Stadt Fulda liegt nahe der Mitte Deutschlands in Hessen; die Landesgrenzen zu Bayern und Thüringen liegen 15 km südsüdöstlich und 25 km östlich. Am Oberlauf des Flusses Fulda ist sie eingebettet in die Fuldaer Senke zwischen dem Fulda-Haune-Tafelland im Norden sowie den Mittelgebirgen Rhön im Osten und Vogelsberg im Westen. Das Stadtzentrum liegt auf Höhe. Fulda gehört zum östlichen Teil des Rhein-Main-Gebietes.
Die nächste Großstadt ist das circa 71 km entfernte Hanau. Weitere Großstädte in der Umgebung sind im Südwesten Frankfurt am Main (108 km) und Offenbach am Main (101 km), im Südosten Würzburg (109 km) im Nordosten Erfurt (158 km) sowie im Norden Kassel (105 km). Außerdem befinden sich Bad Hersfeld, Gelnhausen und Bad Kissingen in der Nähe.
Nachbargemeinden Fulda ist umgeben von den Umlandgemeinden Petersberg, Künzell und Eichenzell und bildet mit diesen drei Gemeinden eine Agglomeration von etwa 112.000 Einwohnern (Stand 2020). Weitere Nachbargemeinden sind Großenlüder, die Stadt Hünfeld und Neuhof, die alle im Landkreis Fulda liegen, sowie die Stadt Schlitz im Vogelsbergkreis.
Stadtgliederung Fulda umfasst neben der Kernstadt 24 Stadtteile:
Stadtteil Einwohnerzahl Bernhards 523 Besges 115 Bronnzell (mit Ziegel) 1412 Dietershan 717 Edelzell 2313 Gläserzell 1144 Haimbach 2246 Harmerz 1094 Istergiesel (mit Niederröder Höhe) 408 Johannesberg 814 Kämmerzell 841 Kohlhaus 1139 Lehnerz 1611 Lüdermünd 221 Maberzell (mit Trätzhof) 1727 Malkes 183 Mittelrode 350 Niederrode 266 Niesig 1653 Oberrode 525 Rodges 157 Sickels 1074 Zell 270 Zirkenbach 475
Die Kernstadt von Fulda selbst mit 43.000 Einwohnern ist in elf statistische Bezirke bzw. innerstädtische Viertel unterteilt, die jedoch keine eigenen Stadtteile bilden:
Bezirk Einwohnerzahl Aschenberg 8.664 Frauenberg 2.580 Fulda-Galerie 1.311 Horas 1.308 Innenstadt 6.529 Nordend 4.247 Ostend 4.352 Südend 4.685 Westend (Mit Neuenberg und Münsterfeld) 3.947 Ziehers Nord 2.059 Ziehers Süd 3.703
Eingemeindungen Die Stadt Fulda wurde durch die hessische Gebietsreform am 1. August 1972 um die oben genannten 24 Umlandgemeinden vergrößert, verlor aber am 1. Juli 1974 ihre Kreisfreiheit. Dafür wurde sie wie sechs weitere hessische Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern zur Sonderstatusstadt. Das bedeutet, dass die Stadt mehr Aufgaben und Rechte hat als sonstige kreisangehörige Städte, aber weniger als kreisfreie Städte.
Entwicklung des Stadtgebiets Anfang der 1970er Jahre entstand auf dem Aschenberg ein neuer Stadtteil, dessen Bebauung durch Wohnblocks und Hochhäuser geprägt ist. Die heutige Stadtentwicklung wird am westlichen Rand der Innenstadt fortgeführt. Außerdem entstand im Westen der neue Stadtteil Fulda-Galerie. Im Jahre 2005 wurde das neue Kultur- und Kongresszentrum Esperanto fertiggestellt und eingeweiht. Darin befindet sich ein neues Schwimmbad, das das alte Zentralbad ersetzt. Weitere größere Bauprojekte in der Innenstadt waren die Neugestaltung des Gemüsemarkts, die Umgestaltung des Universitätsplatzes sowie die Umgestaltung und Neubebauung von innerstädtischen Industriebrachen wie dem ehemaligen Emaillierwerk und den stillgelegten Milchwerken.
Klima Durch seine Lage in Mitteleuropa befindet sich Fulda in der kühlgemäßigten Klimazone. Die Winter sind kalt mit einem Durchschnitt von 0,6 °C im Januar, die Sommer sind kühl mit einem Durchschnitt von 17,7 °C im Juli. Dennoch kann es im Sommer über 30 °C warm werden. Am 17. Januar 1963 wurde in Fulda mit −27,5 °C die niedrigste bestätigte Temperatur an einem bewohnten Ort in Hessen gemessen.
Geschichte
Namensherkunft mini|Älteste bekannte bildliche Darstellung von Fulda von Georg Braun, 1572 mini|hochkant=1.2|Kupferstich von Fulda von Matthäus Merian, 1655 mini|hochkant=1.2|Ansicht Fuldas von Norden, 1813
Die Herkunft des Namens Fulda ist ungeklärt. Urkundlich sind folgende Namen überliefert: aus dem Jahr 750 Uulta und Uulthaha, von 751 Fulda, von 752 Uuldaha, vor dem Jahr 769 Fulde, und im 16. Jahrhundert Fuld, Fult und Fuldt.
Die wahrscheinlichste Herkunft ist eine sogenannte Hydronymie (Gewässernamengebung) aus altsächsisch folda „Erde, Boden“ und dem Grundwort -aha, das mit dem lat. aqua „Wasser“ verwandt ist und in vielen deutschen Flussnamen auftritt (vgl. Ache, -a); die zugrundeliegenden rekonstruierten urgermanischen Wörter lauten *fuldō „Erde, Erdboden; Feld; Welt“ und *ahwō „Fluss“.
Aufgrund der Tatsache, dass es im Indogermanischen eine große Zahl von Wörtern mit der Wurzel *pel-/ pol- gibt, besteht auch die Möglichkeit, dass Fulda eine Variante des indogermanischen polota wäre. Für den Namen Fulda lassen sich demzufolge auch gewisse Verwandtschaftsbeziehungen im östlichen Mitteleuropa finden: Neben dem allgemein Slawischen pole (tschechisch wie polnisch, vgl. russisch поле), „Feld“, gibt es im Lettischen palts, palte „Pfütze, Lache“, aber auch den Fluss Pelta oder Peltew.
Fuldaer Raum bis zur Stadtgründung Nach der wechselvollen Erdgeschichte des Fuldaer Raumes sind auch hier steinzeitliche Zeugnisse zu finden. Erste Besiedlungen sind in der Zeit um 5000 v. Chr. nachweisbar (siehe Zeitleiste). Kulturen entwickelten sich, die Völkerwanderung brachte neue Siedler in die Region. Eine keltische Stadt entstand an der Milseburg. Das Fränkische Reich entwickelte sich nach dem Zerfall des Römischen Reichs zum Machtzentrum in Mitteleuropa. Der Frankenkönig Chlodwig I. sicherte sich mit seiner Taufe die Unterstützung Roms, eine breitangelegte Christianisierung setzte ein. Bonifatius wurde vom Papst beauftragt, die germanischen Stämme in diesem Raum zu missionieren und der römisch-katholischen Kirche zu unterstellen.
Mit der Gründung des Klosters Fulda durch Sturmius im Auftrag von Bonifatius begann 744 die Entwicklung des Ortes. Im Jahre 754 wurde Bonifatius in diesem Kloster beigesetzt. Durch Karl den Großen erhielt das Kloster 774 die Immunität und wurde somit zu einem Reichskloster. Zwischen 791 und 819 wurde die Ratgar-Basilika (benannt nach dem Abt Ratgar) erbaut, zu dieser Zeit der größte Kirchenbau nördlich der Alpen. Gleichzeitig siedelten sich erste Bauern und Handwerker um das Kloster an.
Abt, Bürger und Bauern (11.–16. Jahrhundert) mini|Kupferstich des Renaissanceschlosses in Fulda, 1655 Die Abtei und die Siedlung erhielten im Jahr 1019 durch Heinrich II. das Münz-, Markt- und Zollrecht. 1020 besuchte Papst Benedikt VIII. Fulda: ein Ausweis der Bedeutung des Klosters.Fritz Usinger: Residenz des Himmels. In: Die Rhön (= Merian. Jg. 17, Heft 4, 1964), S. 29–37, hier S. 32. 1114 wurde Fulda das erste Mal als Stadt (civitas) erwähnt. Unter Abt Markward I. (1150–1165) erlebte die Stadt einen Aufschwung, viele entfremdete Güter wurden restituiert. Dabei half dem Abt einer der bekanntesten Urkundenfälscher des Mittelalters, der Fuldaer Mönch Eberhard. Abt Markward musste Raubritter vertreiben, er legte Burgen an und befestigte die Stadt 1162 mit einer Stadtmauer, etwa zwölf Türmen und fünf Stadttoren (Heertor, Peterstor, Florentor, Kohlhäusertor und Frauentörlein).
Von König Friedrich II. wurden die Äbte des Klosters in den Reichsfürstenstand erhoben. Fürstabt Heinrich von Weilnau ließ zwischen 1294 und 1312 eine Abtsburg bauen, in der er außerhalb des Klosters residierte. Diese Burg wurde im 17. Jahrhundert durch Fürstabt Johann Friedrich von Schwalbach in ein Renaissanceschloss umgebaut.
Aufstand der Bürger mini|Das um 1150 errichtete Heertor auf der Stadtseite des Stadtschlosses: Aus ihm ging man an der Abtsburg vorbei aus der Stadt hinaus, um auf die Via Regia zu kommen. Im Jahr 1208 wurde Fulda zur Stadt erhoben und wachte über ihre Rechte gegen die Ansprüche der Äbte, die schon eine Burg neben dem Kloster besaßen. Als Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg 1319/20 eine zweite Burg innerhalb der Stadt errichtete, erstürmten die Bürger mithilfe des Klostervogts, Graf Johann I. von Ziegenhain, beide Burgen des Abtes und zerstörten die neue Burg samt Turm und Ringmauern. Auf Klage des geflüchteten Abtes beim Kaiser wurde über die Stadt und den Grafen die Reichsacht verhängt.
1326 nutzte Heinrich von Hohenberg seine gestärkte Macht als Stadtherr dazu, die jährliche Steuer der Stadt für sieben Jahre von 100 auf 800 Pfund Heller zu erhöhen. Als er 1330 die Steuern ein weiteres Mal erhöhen wollte, formierte sich in der Stadt erneuter Widerstand. Als er daraufhin einige reiche Bürger einkerkern ließ und zur Freilassung eine Kaution von 9.500 Pfund Heller forderte, erhoben sich die Bürger im Jahr 1331 gegen ihn. Sie verbündeten sich wiederum mit Graf Johann von Ziegenhain und stürmten die Abtsburg, das Kloster, den Frauenberg und den Petersberg. Wieder wurde die Stadt mit Reichsacht bestraft. Die Ministerialen des Abts schlugen den Aufstand nieder. Erzbischof Balduin von Trier vermittelte eine Sühne, gemäß der die Bürger den Turm und die Ringmauern der neuen Burg wiederherzustellen hatten und bedeutende Entschädigungen zahlen mussten. Die Stadt Fulda erhielt einen Rat und einen Bürgermeister unter Aufsicht eines fürstlichen Schultheißen.
Bauernkriege im Fuldaer Land Die Situation der Städtebürger und der Bauern im Umland war durch die hohen Abgaben und Frondienste sehr kläglich. Das Stift plünderte das Landvolk aus und errichtete immer prunkvollere Bauten. So erhoben sich auch die Bauern im Fuldaer Land gemeinsam mit den Bürgern der Stadt gegen die Obrigkeit und beteiligten sich im Frühjahr 1525 am Deutschen Bauernkrieg.
In den Bauernkriegen in Fulda und im Fuldaer Land waren der nicht namentlich bekannte Pfaff von Dipperz und der Uhrmacher Hans Dahlhopf bedeutsam, die 10.000 Bauern um sich scharten. Landgraf Philipp von Hessen kam jedoch dem Stift mit einem starken Heer zur Hilfe und schlug den Aufstand in der Schlacht am Frauenberg nieder.
Frühe Neuzeit Hexenverfolgung in Fulda Von 1603 bis 1605 ließ Fürstabt Balthasar von Dernbach Hexenprozesse abhalten und beauftragte Balthasar Nuss als Malefizmeister mit der Durchführung.Berthold Jäger: Zur Geschichte der Hexenprozesse im Stift Fulda. Forschungsstand - Kritik - Perspektiven, in: Fuldaer Geschichtsblätter 73 (1997), S. 7–64. Den Hexenverfolgungen im Hochstift Fulda von 1603 bis 1606 fielen rund 270 Menschen zum Opfer, überwiegend Frauen, aber auch einige Männer.Namen der Opfer der Hexenprozesse/ Hexenverfolgung im Hochstift Fulda unter Balthasar Nuss (PDF; 243 kB; zugriff=2016-04-27) Besonders bekannt wurde der Hexenprozess gegen Merga Bien. Näheres zu den Hexenprozessen siehe bei Balthasar Nuss.
Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg wurde Fulda mehrmals angegriffen. 1622 plünderten und brandschatzten Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel das Hochstift. Vom November 1631 bis zum Oktober 1633 war die Stadt von Hessen-Kassel besetzt.Ullrich Christoph Hanke: Fulda in Hessens Hand. Die Besetzung des Stifts Fulda durch Hessen-Kassel (1631/32–1634). Parzeller, Fulda 2007, ISBN 978-3-7900-0395-6, S. 132–142. Am 20. Juni 1640 brachen 300 herumstreifende schwedische Reiter ein Stadttor auf und plünderten am folgenden Tag.Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. Theodor Fischer, Kassel 1842, S. 475.
Unter Fürstabt Joachim von Gravenegg (1644–1671) wurden die meisten Kriegsschäden behoben.
Fulda als Barockstadt