Die Werra ist der rechte, östliche Quellfluss der Weser.
Die Werra entspringt im Thüringer Schiefergebirge. Sie fließt ca. 300 km im Wesentlichen nach Nordwesten, bis sie sich in Hannoversch Münden mit der Fulda zur Weser vereinigt. Werra und Weser trugen ursprünglich denselben Namen, nämlich *Wisura/Wisera.
Namensherkunft Die Namen Werra und Weser haben dieselbe etymologische Wurzel und wurden im ersten Jahrtausend nicht unterschieden. Der gesamte Werra-Weser-Fluss wurde somit als Einheit angesehen, mit der heutigen Werra als dessen Oberlauf (siehe hierzu auch Absatz Namensherkunft des Artikels Weser).
775 ist der Name Uiserra für die Werra bei Salzungen belegt, 933 kommt die Form Viseraha vor, bei der das germanische -aha „Wasser“ an den Flussnamen angehängt wurde. 1014 ist daraus Werraha und schließlich gekürzt Werra geworden, indem /sr/ zu /rr/ angeglichen wurde. Damit ist der Werra-Name etymologisch identisch mit dem Namen der Weser, für die althochdeutsch Wesera, Wisara, Wisura und auch – mit angehängtem -aha – Wiseraha belegt ist. Erst neuhochdeutsch wurden die Namen Werra und Weser deutlich getrennt und als Bezeichnung für Ober- bzw. Unterlauf desselben Flusses verwendet.
Die latinisierte Form Visurgis bei Tacitus lässt germanisch *Visuri mit dem Genitiv *Visurjos erschließen. Dieser Name stammt wie der der französischen Vézère (Nebenfluss der Dordogne) und der Weser/Vesdre in Belgien (Nebenfluss der Ourthe, 915 auch als Wesere belegt) letztlich aus der indogermanischen Wurzel *u̯eis- „fließen, zerfließen“, die in fast allen indogermanischen Sprachgruppen – insbesondere im Keltischen, Germanischen, Romanischen und Baltischen – belegt ist (Pokorny S. 1134). Weitere Flussnamen derselben Herkunft wie Weser/Werra sind La Vis in Frankreich, Wear (von *Visuria) in Nordengland, Vesouze (Nebenfluss der Meurthe), Wiesaz in Württemberg, Vesonze im Wallis, Visance in Frankreich, Dep. Orne, Bisenzio in Etrurien, Besançon (dt. Bisanz) in Frankreich, Viešintà in Litauen, Vismund in Norwegen und die Vistula „Weichsel“ (siehe Krahe S. 51). (Das früher hier etymologisch angeschlossene deutsche Wort Wiese wird heute auf eine andere indogermanische Wurzel zurückgeführt. Siehe Kluge S. 989.)
Geographie Die Werra entspringt am Sommerberg (800,5 m) bei Fehrenbach und fließt zunächst Richtung Süden. Kurz hinter Eisfeld auf 415 m Höhe schwenkt sie nach Nordwesten bis Philippsthal, dort richtet sie sich nach Nordosten bis Mihla, von wo sie bis Münden wieder nach Nordwesten fließt.mini|hochkant=0.7|Gefasste Werraquelle von 1897 mini|hochkant=0.7|Weitere gefasste Werraquelle (Saar) von 1910
Quelle Zeitweise wurde gestritten, welche Quelle die "wahre" Werraquelle sei. Nach heutiger allgemeiner Auffassung ist dies die Quelle bei Fehrenbach am Sommerberg, einer Nebenkuppe des Eselsbergs auf etwa (). Diese Schrödersche Quellfassung wurde am 14. August 1898 mit einem Waldfest feierlich eingeweiht. Forstmeister Georg Schröder aus Heubach war der Namensgeber. Maurermeister Elias Traut aus Fehrenbach fasste die Quelle in heimischem Naturstein, aus dem Rachen eines Löwenhauptes fließt seitdem das Wasser. Zwei Gedenktafeln an der Fassung erinnern an Forstmeister Schröder und Maurermeister Traut. Das Taufwasser für den Lufthansa-CRJ 700 Eschwege wurde hier abgefüllt. Im Jahr 2006 gab es eine umfangreiche Sanierung des Quellstocks und des umgebenden Terrains. 2018 wurde die Umgebung der Quelle umgestaltet. Die alte Werrahütte wurde abgerissen und an derselben Stelle eine neue und größere Hütte mit einem Gastronomieangebot für Touristen und Wanderer gebaut. Ein hölzerner Aussichtsturm im oberen Werrateich wurde hinzugefügt. Im Frühjahr 2025 wurde durch den Dorfgemeinschaftsverein Fehrenbach die umfangreichste Sanierung seit dem Bau 1897 durchgeführt. Diese umfassten u. a. Sanierungsarbeiten am gemauerten Quellstock, ein neuer Quellteich sowie eine kleine Holzbrücke.
1910 wurde die knapp 7 km südwestlich von Siegmundsburg gelegene Quelle der Saar gefasst und konkurrierend zur Quelle bei Fehrenbach ebenfalls als „Werraquelle“ bezeichnet. Sie liegt auf etwa Höhe () am Nordwesthang der Dürren Fichte, einem Nordostausläufer des Bleßbergs. Die Saar hat ein knapp größeres Einzugsgebiet als die Werra vom Eselsberg, dennoch hat sich die Auffassung, die Saarquelle sei die wahre Werraquelle nicht allgemein durchgesetzt. Die Saar ist allerdings der äußerste Zufluss der Werra und ihre Quelle befindet sich in nächster Nähe zum Dreistromstein (Weser-Elbe-Rhein-Wasserscheide).
Oberlauf mini|Oberlauf der Werra in Obermaßfeld-Grimmenthal Die Werra fließt zunächst im Wesentlichen Richtung Süden. Zwischen Sophienau und Schwarzenbrunn (nach etwa 6,6 km, auf etwa 500 m Höhe) verlässt die Werra den Thüringer Wald und tritt ins Südliche Vorland des Thüringer Waldes ein. In Schwarzenbrunn fließt ihr die Saar zu. Nach nur wenigen Kilometern erreicht sie Eisfeld und unterquert die A 73. Von dort aus fließt die Werra nach Nordwesten und passiert die südlich angrenzenden Langen Berge und wenig später die südwestlich aufragenden, etwa 6 km entfernten Gleichberge. In diesem Bereich fließt die Werra durch Hildburghausen. In Kloster Veßra nimmt die Werra von rechts ihren ersten größeren Nebenfluss auf, die Schleuse, die im Mittel die größere Wassermenge als die Werra führt. Bei Themar wird die Werra im Hochwasserrückhaltebecken Grimmelshausen aufgestaut. Sie unterquert dann die A 71 und nimmt ihren zweiten größeren Nebenfluss, die Hasel, auf.
Mittellauf mini|Werra-Mittellauf in Meiningen: hier teilt sich der Fluss (rechts der Hauptarm) Im oberen Mittellauf passiert die Werra das Stadtgebiet von Meiningen, wo ihr Wasser mittels Wehren in mehrere Flussarme und Wassergräben aufgeteilt wird. Die Wassergräben umfließen hierbei die gesamte historische Altstadt. Der Hauptflusslauf wird in Meiningen von sieben Straßen- und Fußgängerbrücken, die Nebenarme werden von Dutzenden weiteren Brücken überspannt. Ab unterhalb Meiningens umfließt sie östlich bis nordöstlich das Stadtlengsfelder Hügelland, das der Rhön vorgelagert ist. Im Osten und Nordosten liegt weiterhin das Vorland des Thüringer Waldes mit dem Berg Dolmar, bis dieses vom Salzunger Werrabergland abgelöst wird. In Bad Salzungen ändert die Werra ihre Richtung vorübergehend nach Westen. In diesem Abschnitt fließen der Werra von links mit Felda (bei Dorndorf) und Ulster (bei Philippsthal) die beiden wichtigsten inneren Flüsse der Rhön zu. Zwischen Vacha und Philippsthal bildet die Werra die Grenze zwischen Thüringen und Hessen, ehe sie erstmals in Osthessen fließt.
Unterlauf Unterhalb der Ulstermündung schwenkt die Werra in nordöstliche Richtung um. Sie überquert unterhalb Heringen-Widdershausen erneut die Grenze nach Thüringen und passiert den westlich aufragenden Seulingswald. Bei Gerstungen nähert sie sich wieder Hessen an und fließt parallel zur Landesgrenze. Die Werra passiert östlich das Richelsdorfer Gebirge und fließt nach Norden weiter. Sie erreicht bei Herleshausen-Wommen zum zweiten Mal Hessen.
Parallel zur Bundesautobahn 4 bildet die Werra für einige Kilometer die Grenze der beiden Bundesländer. Wiederum in Thüringen tangiert sie das Stadtgebiet von Eisenach und steuert in nordöstliche Richtung auf den Nationalpark Hainich zu. Auf dem Weg unterquert sie die A 4 (Werratalbrücke Hörschel) und fließt an Creuzburg vorbei. Die Werra weicht dem Hainich westlich aus und knickt bei Mihla in Richtung Nordwesten nach Treffurt ab. Sie erreicht wieder (das nordöstliche) Hessen bei Wanfried-Heldra, das unterhalb des Heldrasteins liegt.
Die Werra fließt unmittelbar westlich an der Stadt Wanfried vorbei. Durch eine recht breite Flussniederung passiert der Fluss nördlich den Schlierbachswald bei Eschwege, direkt südlich den Werratalsee und dann den auf dem Großen Leuchtberg stehenden Eschweger Bismarckturm. Als Nächstes erreicht die Werra Bad Sooden-Allendorf und lässt den Hohen Meißner im (Süd-)Westen liegen. Hinter Bad Sooden-Allendorf bildet der Fluss unterhalb des Höhebergs bis kurz nach Lindewerra letztmals die hessisch-thüringische Landesgrenze. Die Werra fließt dabei zwischen der Burg Hanstein (Thüringen) und der Burg Ludwigstein (Hessen). Wieder in Nordost-Hessen befindet sich südlich der Werra zunächst der Naturraum Nördliche Meißnervorberge. Anschließend erreicht die Werra die Stadt Witzenhausen. Vom Ortsteil Witzenhausen-Gertenbach bis nach Hedemünden bildet der Fluss für einige Kilometer die Grenze von Hessen und Niedersachsen.
Nach endgültigem Überqueren dieser Landesgrenze unterquert die Werra jeweils im Abschnitt Kassel–Göttingen die Brücken der A 7 und der ICE-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg. In diesem Bereich durchfließt das Wasser der Werra den Naturpark Münden und gelangt ins niedersächsische Hann. Münden. Dort trifft die Werra auf Höhe (dies ergibt 683,5 m Höhenunterschied) mit der hier aus Richtung Südwesten kommenden Fulda zusammen. Diese „Flusshochzeit“ liegt unterhalb der Berge des Reinhardswalds wenige hundert Meter östlich der hessischen Landesgrenze. Gemeinsam bilden beide Flüsse fortan die Weser, die bei Bremerhaven in die Nordsee fließt.
Weserstein und Weserliedanlage mini|Weserstein am Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser Am Zusammenfluss von Werra und Fulda, durch den in Hann. Münden die Weser entsteht, steht seit 1899 der (alte) Weserstein und seit 2000 der (neue) Weserstein. Hoch oben über der Stadt befindet sich jenseits der Werra über der B 80 auf dem Questenberg die Weserliedanlage.
Der (alte) Weserstein trägt diese weithin bekannte Inschrift: Wo Werra sich und Fulda küssen Sie ihre Namen büssen müssen, Und hier entsteht durch diesen Kuss Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.
Einzugsgebiet und Zuflüsse Das Einzugsgebiet der Werra umfasst 5.497 km². mini|Einzugsgebiet der Werra
Nachfolgend sind beide Quellbäche sowie alle Nebenflüsse ab 30 km² Einzugsgebiet aufgelistet.
Sofern Einzugsgebiet und Abfluss nicht dem gesamten Fluss, sondern nur seinem untersten Pegel entsprechen (Flüsse mit Mündung in Thüringen), ist dieses per Fußnote am Flussnamen vermerkt.
→ zur kompletten Liste Name Seite Länge(km) EZG(km²) Abfluss(MQ; l/s) Mündungs-höhe(m ü. NHN) Mündungs-ort(bei) DGKZ Werra (rechter Quellbach) rechts 8 10,7 491 Schwarzenbrunn 41-11 Saar (linker Quellbach) links 6,5 12,8 491 Schwarzenbrunn 41-12 Schwaba rechts 9,1 32,5 396 Harras 41–138 Habergrund links 10,0 37,0 385 Veilsdorf 41-14 Schleuse rechts 34,2 282,9 4460 333 Kloster Veßra 41-16 Hasel rechts 26,4 330,9 4620 295 Einhausen 41-2 Jüchse (Parthe) links 14,5 106,1 293 Obermaßfeld-Grimmenthal 41-32 Sülze links 12,4 52,1 292 Untermaßfeld 41–332 Herpf links 21,7 95,3 277 Walldorf 41-34 Katza links 15,1 61,3 269 Wasungen 41–354 Schwarzbach links 11,1 39,5 264 oberh. Schwallungens 41–356 Schmalkalde rechts 24,9 156,4 2140 252 Niederschmalkalden 41-36 Rosabach links 13,0 39,7 251 Wernshausen 41–372 Truse rechts 18,4 46,2 245 Breitungen 41–374 Fischgraben (Moorbach) rechts 10,3 32,1 240 Barchfeld 41–376 Pfitzbach (Polsambach) links 12,3 34,4 239 Bad Salzungen 41–378 Felda links 42,2 216,7 2300 225 Dorndorf 41-38 Oechse links 16,0 61,6 223 Vacha 41–394 Ulster links 57,2 421,0 5279 221 Philippsthal 41-4 Herfabach links 11,3 40,0 245 216 Wölfershausen 41–52 Suhl rechts 21,8 91,3 206 Berka 41–54 Weihe links 11,5 64,0 344 206 Untersuhl 41–56 Elte rechts 23,5 81,0 200 Lauchröden 41–58 Hörsel rechts 56,2 784,0 6260 194 Hörschel 41-6 Ifta links 8,9 30,7 190 Creuzburg 41–72 Lauterbach rechts 9,4 42,4 184 Mihla 41–734 Lempertsbach (Grundbach) rechts 9,0 30,3 182 oberh. Ebenshausens 41–736 Frieda rechts 18,4 171,8 1339 161 Frieda 41–78 Wehre links 36,4 451,7 4147 153 Jestädt 41-8 Berka links 9,8 37,3 363 153 Albungen 41–92 Walse rechts 11,3 31,9 144 Wahlhausen 41–94 Gelster links 23,0 60,6 771 132 Witzenhausen 41–96