mini|Moderne Fischaufstiegsanlage an der Aller in Celle mini|Fischtreppe im River Fergus in Irland mini|Drohnenvideo von einem Fischweg in Estland
Eine Fischtreppe oder Fischpass (auch Fischwanderhilfe, Fischleiter oder Fischweg genannt) ist eine wasserbauliche Einrichtung an Fließgewässern, um Fischen bei der Fischwanderung die Überwindung von Wanderbarrieren in Form von Stauwehren, Wasserkraftanlagen und gegebenenfalls auch Wasserfällen zu ermöglichen.
Hintergrund Alle Fließgewässer-Organismen und auch Kleintiere der Gewässersohle (Makrozoobenthos) sind bei der Wanderung auf Fischaufstiege angewiesen. Deshalb sollen in Deutschland die Fischaufstiege nicht nur der Aufwärts-Passage von Fischen dienen, sondern auch der Wanderung von Rundmäulern (Neunaugen) und dem sogenannten Makrozoobenthos, was auch Organismenaufstieg genannt wird.
Europaweit wird die Notwendigkeit ihrer Einrichtung unter anderem durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie begründet. Das daran angepasste Wasserhaushaltsgesetz regelt die Anordnung solcher Anlagen bei der Neuerrichtung von Stauanlagen oder auch im Bestand.
Geschichte In der Spätphase der Industrialisierung entstanden in Deutschland vor allem am Rhein zur Gewinnung kostengünstiger elektrischer Energie aus Wasserkraft ab der Wende zum 20. Jahrhundert zahlreiche Kraftwerksbauten. Nach Bekanntwerden der Schäden für die Fischerei wurde versucht, diesen mit Fischtreppen zu begegnen. Für hochwertige, auch ganze Regionen prägende Fischtypen wie den Lachs erwies sich das jedoch als Fehlschlag. Der Autor Leopold Döbele fasste dies 1961 für die Hochrheinregion zusammen:
Mit der Errichtung der ersten Rheinkraftwerke wurde zunächst die Lachsfischerei vernichtet. Die Salmenwagen verödeten, nur da und dort erinnern verfallene Gemäuer am Rhein an solche Salmenwagen und an die einstige Blütezeit der Lachsfischerei am Hochrhein. Der Lachs, der die frisch sprudelnden und strömenden Gewässer und die stillen, tiefen Gumpen liebt, konnte diese vielfach am Hochrhein nicht mehr vorfinden und blieb zurück. Der Lachs haßt die modernen Gebilde aus Menschenhand, und die frühere Vermutung, daß man mit technischen Mitteln, durch die Anlage von Fischtreppen bei den Kraftwerken dem Lachs das Aufsteigen in die alten Laichgründe am Hochrhein ermöglichen könnte, hat sich als großen Irrtum erwiesen. Der Lachs mied die Fischtreppen. Zusammen mit der Entstehung der Industrie, vor allem mit der Niederlassung der Chemischen Industrie am Hochrhein, die ihre ungeklärten Abwasser in den Rhein leitete, wurde nach und nach auch die Fischerei insgesamt schwer geschädigt. […] Diese Vorgänge haben dazu geführt, daß der Fischerei als Berufszweig, der die Gemeinden am Rhein nicht nur ernährte, sondern dem ganzen Leben auch das Gepräge gab, der Todesstoß versetzt wurde. So vermag die Fischerei heute am Hochrhein nur noch ein unselbständiges Schattendasein zu fristen.Leopold Döbele: Aus der Geschichte und Kultur einer Stromlandschaft und von der Notwendigkeit ihrer Erhaltung in Badische Heimat, Ausgabe 41, Freiburg am Breisgau 1961, S. 228: Artikel pdf. Abgerufen am 26. Februar 2022.
Wanderhilfen mini|Mäander-Fischpass an der Schwentinemündung in Kiel
Zu unterscheiden sind prinzipiell Wanderhilfen für den Fischaufstieg (Fischaufstiegshilfen und -anlagen) und für den Fischabstieg (ein Typ wird als Bypässe bezeichnet). Insbesondere funktionierende Abstiegshilfen sind in der Praxis jedoch selten anzutreffen.
Fischaufstiege mini|Fischtreppe in der Isar bei Pullach – nach heutigem Standard ist die Treppe deutlich zu steil und die Becken sind zu klein.
Bei den Typen der Fischaufstiege unterscheidet man sogenannte „naturnahe“ und „technische“ Bauweisen. Zu den naturnahen Fischaufstiegshilfen gehören vor allem sogenannte raue Rampen oder raue Gleiten, auch Sohlgleiten und Umgehungsgerinne. Zu den technischen Bauweisen zählen beispielsweise Schlitzpässe, Beckenpässe, Aalleiter, Fischschleusen, Fischlifte oder neuerdings Fischaufstiegsschnecken.
Das derzeit maßgebende Merkblatt DWA-M 509 unterscheidet zwischen beckenartigen und gerinneartigen Fischaufstiegsanlagen. Daneben enthält es auch noch Vorgaben für fischpassierbare Bauwerke.
Bei beckenartigen Fischpässen wird der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser dadurch abgebaut, dass Wasserbecken mit Trennwänden dazwischen so gebaut werden, wobei zwischen diesen Becken bei dem Bemessungsdurchfluss eine kleine Wasserspiegeldifferenz (derzeit laut DWA-M 509 zwischen 9 und 15 cm) entsteht, und sich in der jeweiligen Öffnung in der Trennwand (Schlupfloch oder Schlitz) ein Strahl ausbildet, dessen kinetische Energie im Folgebecken durch Turbulenzproduktion umgewandelt wird. Somit wird bei diesen Fischpasstypen die gesamte Höhendifferenz in viele kleine Abschnitte unterteilt. Dadurch werden die maximal auftretenden Strömungsgeschwindigkeiten im Rahmen gehalten.
Bei gerinneartigen Fischaufstiegsanlagen wird die hydraulische Leistung durch verteilte Rauheiten umgewandelt. Dies können flächendeckende Rauheiten, einzelne Störkörper oder bei den Borstenpässen auch Borstenmodule sein.
Eine neuere Technik ist die Kombination von Fischaufstiegsanlage und Bootsgasse, der Fisch-Kanu-Pass. mini|Modifizierter Denil-Fischpass (eco²-Fischpass) am Pölsbach in St. Johann am Tauern Denil-Fischpass Gegenstrom- oder Denil-Fischpässe stellen aufgrund ihrer kompakten Bauweise und des hohen Gefälles (10 bis >25 %) seit jeher eine der kostengünstigsten Varianten von Fischaufstiegshilfen dar. Wenngleich Denil-Fischpässe aufgrund ihrer Selektivität in Verruf gerieten, ist festzuhalten, dass die Funktionalität für adulte Individuen schwimmstarker Arten gut belegt ist. So werden diese Bautypen in Ländern wie z. B. den USA nach wie vor errichtet, um die Laichwanderung von Wirtschaftsfischarten wie etwa Lachsen oder Heringen zu ermöglichen. Auch im deutschsprachigen Raum wurden Denil-Fischpässe bis in die 1990er Jahre umgesetzt, allerdings musste festgestellt werden, dass dieser Bautyp für Klein- und Jungfische nur eingeschränkt funktionierte. Die Passage von Kleinfischarten mit Bodenbezug (z. B. Koppe, Gründling, Schmerle…) wurde bei Denil-Fischpässen nicht belegt und daher die Bautype in aktuellen Leitfäden und Regelblättern nicht mehr empfohlen.
Eine Neuentwicklung stellt der modifizierte, sohloffene Denilpass (eco²-Fischpass) dar. Die Funktionsfähigkeit dieser Fischaufstiegshilfe konnte bereits an mehreren Anlagen in der Forellen- und Barbenregion nachgewiesen werden. Dabei wurde festgestellt, dass diese Bautype auch für juvenile Individuen und Kleinfische sowie für bodenorientierte Wanderer eine hohe Funktionalität aufweist. Bei einem Monitoring an der Pinka hatten von rund 9.300 gezählten Fischen 2/3 Körperlängen kleiner 15 cm und immerhin 1/3 Körperlängen kleiner 10 cm, wobei der Großteil dieser Fische Arten zuzuordnen war, welche einen Bodenbezug aufweisen.
Fischlift mini|Ansicht des Fischlifts am Ausgleichsbecken in Fuhren am Gadmerwasser Mit einem Fischlift kann auf kleiner Grundfläche ein großer Höhenunterschied überwunden werden. Die Funktionsfähigkeit ist weitgehend unabhängig von Wasserspiegelschwankungen im Oberwasser des Wanderhindernisses, sofern es gelingt, einen für den Fisch günstigen Anschluss zwischen Fischlift und Oberwasser herzustellen. Wie bei anderen Fischaufstiegshilfen führt eine künstlich erzeugte Leitströmung die Fische an den gewünschten Ort.
Die Fische schwimmen in ein Wasserbecken, den sogenannten Reusenkorb, der mit einer Vorrichtung das Entweichen verhindert. Regelmäßig wird nun das Wasserbecken aufwärts gefahren und oben schonend ausgekippt. Anschließend fährt die Konstruktion wieder nach unten und öffnet den Einlass für die nächsten Fische. Ein Fischlift befindet sich zum Beispiel am Wasserkraftwerk Wyhlen der Staustufe Augst/Wyhlen, an der Fassung Fuhren am Gadmerwasser,Matthias Meyer. Der erste Fischlift im Kanton Bern troutfisherman.de. Beschreibung des Fischlifts an der Fassung Fuhren. Abgerufen am 8. April 2016 ein anderer in Grellingen.Markus Hintermann. Wenn Fische in den Fahrstuhl steigen ... Erster Fischlift in der Schweiz . Detaillierte Beschreibung des Grellinger Fischlifts. Abgerufen am 4. Dezember 2014 2017 wurde beim Kraftwerk Eglisau-Glattfelden, neben einer neuen Fischtreppe, auch ein Fischlift in Betrieb genommen. Bei den beiden 2015 in Betrieb genommenen Wasserkraftschnecken von Neubruck (bei Scheibbs) und Retznei ist der Fischlift integrierter Bestandteil der Anlage.
Fischschleuse alternativtext=2-Kammern-Organismenwanderhilfe|mini|Fishcon-Schleuse an der Alm in Oberösterreich Eine Fischschleuse stellt eine platz-, wasser- und kostensparende Möglichkeit zur Herstellung der Gewässerdurchgängigkeit dar. Bei Fischschleusen schwimmen die wandernden Organismen vom Unterwasser geführt durch eine Strömung in eine Schleusenkammer ein. In festgelegten Intervallen schließt ein unterwasserseitiges Verschlussorgan die Schleusenkammer, der Wasserspiegel bzw. Druck in der Kammer steigt auf das Niveau des Oberwasserspiegels an und ein Verschlussorgan, welches die Schleusenkammer mit dem Oberwasser verbindet, wird geöffnet. Die zuvor eingeschwommenen Organismen können somit in das Oberwasser ausschwimmen.
Es gibt mehrere Bautypen von Fischschleusen, darunter die Borland-Schleuse, Deelder-Schleuse und Pavlov-Schleuse. Ein neuer Bautyp ist die Fishcon-Schleuse des Unternehmens FISHCON, auch bekannt als Zwei-Kammern-Fischwanderhilfe oder 2-Kammern-Organismenwanderhilfe. Diese ermöglicht neben dem Fischaufstieg auch einen Fischabstieg. Zusätzlich ist eine energetische Nutzung der Leitströmung mit einer Turbine möglich.
2020 konnte die Funktion der Fishcon-Schleuse an einem Wasserkraftwerk an der Alm sowie an einem weiteren Wasserkraftwerk am Aschacharm in Oberösterreich nachgewiesen werden. Dabei konnte die Wanderung von sohlorientierten Fischarten, schwimmschwachen Fischarten und Schwarmfischen dokumentiert werden. Ende 2025 waren insgesamt neun Fishcon-Schleusen in Österreich, Deutschland und der Schweiz in Betrieb. Fünf dieser Anlagen wurden bereits unabhängig untersucht und als funktionsfähig bewertet. Es konnten bereits über 10.000 Fische aus über 40 verschiedenen Arten nachweislich mithilfe der Fishcon-Schleusen wandern. Die größten dokumentierten Individuen waren ein Wels mit einer Länge von 1,3 m und ein Huchen mit 87 cm.
Fischaufstiegsschnecke mini|Fischtreppe in der Elbe bei Geesthacht (Deutschland) mini|Wasserkraftanlage mit Fischaufstiegsschnecke am Heckerwehr/Bayern mini|Drehrohr-Doppelwasserkraftschnecke in der Jeßnitz bei St. Anton. Die außenliegende Schnecke ermöglicht den Fischabstieg und produziert Strom, während die innere Archimedische Schraube einen verletzungsfreien Fischaufstieg erlaubt.
Mit einer Archimedischen Schraube wird Wasser angehoben, in dem sich Fische und andere Lebewesen in das Oberwasser tragen lassen können. Ein Beispiel ist ein Kleinwasserkraftwerk an der Url, in Amstetten in Niederösterreich. Parallel zu der Wasserkraftschnecke, die der Stromgewinnung dient, wurde eine weitere Schnecke für den Aufstieg installiert. Erste Tests zeigen eine fünfmal stärkere Aufstiegshäufigkeit als bei anderen Systemen.Innovativer „Aufzug“ für Fische auf ORF vom 18. April 2015, abgerufen am 18. April 2015Fischaufstiegsschnecke: Monitoring bringt hervorragende Ergebnisse auf Oekonews.at vom 10. Februar 2015, abgerufen am 18. April 2015. Allerdings ist eine Eignung der Fischaufstiegsschnecke für schwimmschwache Kleinfische, Neunaugen und das Makrozoobenthos noch nicht nachgewiesen.
Helix-Turmfischpass