mini| Place de Vouvray mini|hochkant=1.65|Blick auf Randersacker
Randersacker ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Würzburg und ein Weinort.
Geographie Geografische Lage Der Ort liegt am westlichen Maindreieck, dem sogenannten Würzburg-Ochsenfurter Maintal, und grenzt an die Würzburger Stadtteile Frauenland, Sanderau, Heidingsfeld und Heuchelhof sowie an die Gemeinden Gerbrunn, Theilheim und Eibelstadt. Randersacker ist ein bekannter fränkischer Weinort. Der Randersackerer Ortskern ist etwa vier Kilometer von der Würzburger Innenstadt entfernt.Randersacker im BayernAtlas
Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Randersacker (Hauptort) Lindelbach (Pfarrdorf)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Lindelbach und Randersacker. Die Gemarkung Randersacker hat eine Fläche von 10,976 km². Sie ist in 5226 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2100,24 m² haben.
Geologie Randersacker war ehemals im Zentrum der dichtesten Steinbruchregion Europas. Der dort bis Mitte des 20. Jahrhunderts abgebaute Quaderkalk entstand vor etwa 220 Millionen Jahren als Ablagerung im Muschelkalkmeer des Trias. Durch die Auffaltung der Alpen und die Verschiebung der oberen Erdschichten wurde der verfestigte Kalk in regelmäßige Würfel und Quader zerklüftet. Praktisch auf allen Höhenzügen um Randersacker befinden sich die ehemaligen Steinbrüche. Das Naturdenkmal Steinbruch am Schlossplatz (Gemeindeteil Lindelbach) ist von ausgesucht landschaftlicher Schönheit und geologischer Attraktivität. Dort kann die Zerklüftung des Quaderkalks anhand eines überdimensionalen Schachbretts – der Lindelbacher „Urmeersohle“ – beispielhaft als bestens ablesbare geologische Störung (Flexur) besichtigt werden. Den welteinmaligen Quaderkalk – so die Geologen – gibt es nur zwischen Rothenburg ob der Tauber und Würzburg.Museumssteinbruch Lindelbach
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Erstmals urkundlich erwähnt wurde Randersacker im Jahr 1123, allerdings berichtet die Würzburger Markbeschreibung vom 14. Oktober 779 weitaus früher über die Grenzverhältnisse Randersackers. Darin wird ein Weingarten auf dieser Grenze genannt, so dass dies als erster Nachweis von Weinbau auf Randersackerer Gemarkung angesehen wird. Im Jahr 1979 feierte Randersacker als Weinort sein 1200-jähriges Jubiläum mit einem großen Festumzug aller Vereine, Zünfte und Kapellen.
Die Schreibung des Ortsnamens variiert in den Quellen: 1219 „villa Randersachere“, 1222 „Randesacker“, 1244 „Randesacher“, 1259 „Randersachere“, 1369 „Ransacker“, 1377 „Ranszacker“, 1440 und bis heute „Randersacker“. Randersacker erhält durch den Würzburger Fürstbischof Gottfried IV. Schenk von Limpurg am 4. Juni 1451 eine Ratsverfassung und das Marktrecht. Dieses Recht wird am 27. Juli des gleichen Jahres durch König Friedrich III. (ab 1452 Kaiser) das Marktrecht bestätigt. Daran erinnert der jährlich im Oktober stattfindende Fischmarkt auf dem Flecken.
Randersacker war zwar weitgehend im Besitz des Hochstifts Würzburg. Zu den kuriosesten Episoden der Ortsgeschichte gehören aber das 16. und 17. Jahrhundert. In dieser Zeit war der Ort konfessionell geteilt, der sogenannte Mönchshof, seit um ca. 1200 Hof des Zisterzienserklosters Heilsbronn, kam 1578 in den Besitz der evangelischen Markgrafen von Ansbach. Alle Feste wurden wegen der unterschiedlichen Umstellung auf den Gregorianischen Kalender zweimal gefeiert.
Als Teil der Kellerei Eibelstadt, Randersacker und Theilheim des Hochstiftes Würzburg fiel Randersacker bei der Säkularisation 1803 an Bayern und wurde dem Landgericht Ochsenfurt zugeordnet. Im Frieden von Preßburg (1805) kam es mit dem Hochstiftsgebiet an Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg, mit dem es 1814 an Bayern zurückfiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1975 die Gemeinde Lindelbach eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 20152020 Einwohner 3292 3259 3378 3507 3644 3580 3513 3423 3400 34033441
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 3592 auf 3387 um 205 Einwohner bzw. um 5,7 %. Quelle: BayLfStat
Politik Bürgermeister Bürgermeister war seit der Kommunalwahl 2008 Dietmar Vogel, Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG). In der Sitzung vom 28. Mai 2008 wurden Heiko Lörner zum Zweiten Bürgermeister und Matthias Henneberger zum Dritten Bürgermeister gewählt.Bericht über die Sitzung des Marktgemeinderates vom 28. Mai 2008 im Amtsblatt des Marktes Randersacker: (PDF; 926 kB)
Am 1. Februar 2017 trat Dietmar Vogel von seinem Amt als Bürgermeister zurück. Er kam damit einem Amtsenthebungsverfahren zuvor, das die Landesanwaltschaft im September 2016 gegen ihn eingeleitet hatte. Vogel war zuvor wegen Untreue rechtskräftig verurteilt worden, weil er sich für nicht genommenen Urlaub 25.000 € aus der Gemeindekasse auszahlen lassen hatte. Als Nachfolger wurde am 7. Mai 2017 der parteilose Michael Sedelmayer mit 69,5 % der gültigen Stimmen gewählt.https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/buergermeisterwahl-in-randersacker-voraussichtlich-ende-mai-art-9484549Wahlergebnisse vom 7. Mai 2017 in der Mainpost, abgerufen am 5. Juni 2017 Die Wahlbeteiligung lag bei 67,6 %. Sedelmayer trat das Amt am 12. Mai 2017 an, seine Amtszeit läuft bis 11. Mai 2023. Die Wiederwahl für eine zweite Wahlperiode erfolgte im März 2023, mit 94 % aller abgegebenen Stimmen.o. V. (Redaktion Main-Post): 94 % für Michael Sedelmeyer, Main-Post (Regionalausgabe Würzburg-Land), 17. März 2023, S. 30.
Marktgemeinderat Die Gemeinderatswahl am 15. März 2020 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,07 % zu folgendem Ergebnis:Gemeinderatswahl 2020, abgerufen am 8. Juli 2020 Liste Stimmenanteil Sitze +/− CSU 31,74 % 5 ± 0 Unabhängige Wählergemeinschaft 20,91 % 3 - 2Aktive Bürgerschaft/ÖDP 19,94 % 3 + 1Grüne 15,64 % 3 +3 SPD 11,78 % 2 - 1 Lindelbacher Liste nicht mehr beworben 0 -1
Wappen
Gemeindefinanzen Der Haushalt für das Jahr 2008 schloss im Verwaltungshaushalt in den Einnahmen und Ausgaben mit 4.424.872 Euro und im Vermögenshaushalt in den Einnahmen und Ausgaben mit 738.052 Euro ab. (PDF; 926 kB)
Gemeindepartnerschaften Eine Gemeindepartnerschaft besteht seit dem 10. September 1992 mit der Gemeinde Vouvray im Département Indre-et-Loire in Frankreich, wie Randersacker eine Weinbaugemeinde.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Balthasar Neumanns Gartenpavillon Der wohlproportionierte Pavillon wurde von dem großen Barockbaumeister Johann Balthasar Neumann um 1750 errichtet. Seine private Residenz und zugleich sein kleinstes Bauwerk ist im ursprünglichen Bestand und allen historischen Schichten bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. Mit schiefergedeckter Welscher Haube, kupfernen Firstvasen, eingezogenen Ecken und Pilasterkapitellen krönt das Gartenhäuschen die ehemalige Dorfmauer. Alle Maßverhältnisse basieren auf dem Goldenen Schnitt. Die Baumaterialien sind Würzburger Werksandstein und Randersackerer Muschelkalk.
Pfarrkirche Sankt Stephanus Die spätromanische Hallenkirche St. Stephanus, die auch eine Kirchenburg bildete, erweiterte Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn Ende des 16. Jahrhunderts zur dreischiffigen Basilika. Die Fassaden zeigen Stilelemente der Gotik, Renaissance, des Juliusstils und Barocks. Glanzpunkte der barocken Innenausstattung sind ein schöner Taufstein von 1605, die Urbanus-Büste (Riemenschneiderschule), Heiligenfiguren von Balth. Esterbauer, der Tabernakel von Peter Wagner und zwei Altarbilder Oswald Onghers.
Zehnthof Diese Hofanlage war bis ins 19. Jahrhundert mit acht Volutengiebeln bestückt. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Gebäude trotz Schutzbrief der kaiserlichen Piccolomini geplündert. Aus dieser unsicheren Zeit ist ein besonderes Asylrecht überliefert. Wer den Torknauf anfassen konnte, war drei Tage vor Verfolgung sicher. Das Anwesen ging vor 1641 an das Domkapitel. Im Zehnthof gründete 1921 der Ehrenbürger Ludwig Schmitt die Winzergenossenschaft. Die älteste Weinzehnttafel Frankens von 1332/33 schmückt das Torhaus, Inschrift: „ANNO D(OMI)NI MCCC / XXXII DUCENTE (E)T / SEXAGINTA KAR/RATE / VINI AD / HANC CURIAM / PRO DECIMA CE/DEBANT ANNO V/ERO TERCIO DE/INDE SUBSEQU/ENTE / DUODECIM / TANTUM KARAT(E)“. Wappentafel von 1624 am Torhaus: Domkapitel, Dompropst Konrad Friedrich von Thüngen und Domdekan Georg von Wiesenthau; tiefer von Neustetter gen. Stürmer und von Guttenberg und noch zwei weitere Wappen. Wenige Jahre ältere Wappentafel am Treppenturm des Hauptgebäudes: Domkapitel, Dompropst Johann Gottfried von Aschhausen, Domdekan Konrad Friedrich von Thüngen; kleine Wappen: von Lichtenstein und von der Tann.
Mainbrücke Die 1913 eingeweihte Mainbrücke war eine rund 200 Meter lange Bogenbrücke mit vier Öffnungen. Der größte Bogen überspannte mit 63 Meter lichter Weite den Main. Die Brücke bestand aus Beton, der mit Muschelkalk verkleidet war. Am 1. April 1945 sprengten deutsche Pioniere das Bauwerk.Manuela Göbel: Das Ende einer kühnen Schönheit. In: Mainpost. 22. November 2012 Ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Die Bogenbrücke wurde zu den 100 schönsten Brücken der Welt gezählt.Paul Bonatz, Fritz Leonhardt: Brücken. Karl Robert Langewiesche Verlag, Königstein im Taunus 1951 Seit 2012 erinnert eine Gedenktafel an den noch vorhandenen Fundamentresten und einem wiederaufgebauten Geländer der ehemaligen Brückenrampe an die Mainbrücke.
Kulinarische Spezialitäten In Randersacker gibt es über 17 selbstvermarktende Weingüter.randersacker.de Unter diesen die Weingüter Störrlein Krenig und Schmitt’s Kinder im Verband Deutscher Prädikatsweingüter.
Museen Die Winzer- und Fischerstuben sowie das Steinhauermuseum sind im Mönchshof untergebracht. Dokumentiert werden die über Jahrhunderte wichtigsten Gewerbezweige des Marktes. Besonders anschaulich präsentiert sich das Steinhauermuseum mit seinen alten Gerätschaften und historischen Werkzeugen. Zu besichtigen sind der Nachbau einer Urmeersohle, das Modell eines Derrick-Krans, Skulpturen, Muschelkalkfossilien, ein „Steehawer“-Arbeitsplatz und einige Röhrensteine, die als Exportschlager des 18. und 19. Jahrhunderts bis nach Holland exportiert wurden.
Sport Sportgemeinschaft 1869 Randersacker.Sportgemeinschaft Randersacker 1869 e. V.: Website.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Im Jahr 2020 gab es nach der amtlichen Statistik in der Gemeinde 395 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Von der Wohnbevölkerung standen gleichzeitig 1331 Personen in versicherungspflichtiger Tätigkeit, so dass die Zahl der Auspendler um ca. 900 höher war als die der Einpendler.
Wirtschaftszweige mini|200px|Gasthof in Randersacker Wichtigste Wirtschaftszweige waren in der Vergangenheit durch Lage im Maintal der Weinbau und die Fischerei. Darüber hinaus gilt Randersacker als Wiege des Muschelkalkabbaus. Bis in die 1950er Jahre war dieses Gebiet die am dichtesten beförderte Steinbruchregion Europas. Durch die Lage am Main konnte Randersacker den besonders festen und daher als Baustein prädestinierten sogenannten 'Quaderkalk' hervorragend vermarkten. Zahlreiche Bauwerke sind aus diesem Baustoff (z. B. Alte Mainbrücke Würzburg, Olympiastadion Berlin).
Durch diesen regional natürlich vorkommenden Rohstoff ist auch die Bildhauerei in Randersacker fest verwurzelt. Viele Häuser weisen auch heute noch die alten Steinmetzzeichen und Skulpturen an den Fassaden auf.
Weinbau