mini|Oste zwischen Neuhaus (Oste) und Geversdorf, Blick Richtung Süden Die Oste [] (am Oberlauf bis Sittensen auch ) ist mit 156,0 km Fließstrecke der längste linke Nebenfluss der Unterelbe in Niedersachsen. Sie durchfließt die Landkreise Harburg, Rotenburg, Stade und Cuxhaven und hat ein Einzugsgebiet von nahezu 1000 Quadratkilometern bei Bremervörde, das bis zur Mündung auf 1714,69 km² zunimmt. Der etwa 75 km lange Abschnitt vom Hafen Bremervörde bis zur Mündung ist tideabhängig.

Die Oste war bis zum 30. Juni 2010 eine Bundeswasserstraße der Zone 2 vom Mühlenwehr in Bremervörde bis zur Mündung in die Elbe. Seit dem 1. Juli 2010 ist nur noch die Teilstrecke von 210 Meter oberhalb der Achse der Straßenbrücke über das Ostesperrwerk (km 69,360) bis zur Ostemündung eine Bundeswasserstraße der Wasserstraßenklasse IV. Hierfür ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven zuständig. Auf der Oste gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung. Seit 1996 ist die Oste neu kilometriert.

Geographie Verlauf Überblick Die Oste entspringt im Landkreis Harburg nahe Otter. Von dort fließt sie als stiller Wiesenfluss in ihrem Oberlauf zuerst nach Westen, dann nordöstlich an Zeven vorbei und weiter in nördlicher Richtung durch Bremervörde im Landkreis Rotenburg, von wo aus sie für kleinere Schiffe nutzbar ist. Ab Bremervörde wirken sich auch Ebbe und Flut aus. Die südliche und westliche Begrenzung des Flussverlaufs wird durch Endmoränenzüge früherer Kaltzeiten gebildet, deren prominentester Abschnitt die Wingst ist.

Bei Bremervörde befinden sich ein Sperrwerk und ein kleiner Hafen, sodass die Oste von dort aus mit kleinen Booten und Schiffen mit einem Tiefgang von bis zu 2 m nach mittlerem Hochwasser befahrbar ist. Anschließend mäandert der nun von Deichen eingefasste Fluss weiter nach Norden in Richtung der Orte Hemmoor und Osten; zwischen diesen beiden Orten verkehrt die älteste deutsche Schwebefähre. Die an dieser Stelle über die Oste führende Straße ist vor allem für die Elbquerung auf der zwischen Wischhafen und Glückstadt bestehenden Fährverbindung wichtig. Der Fluss mündet auf der Grenze der Gemeinden Belum im Landkreis Cuxhaven und Balje im Landkreis Stade in den Elbe-Ästuar (Mündungstrichter). mini|hochkant|Karte von der Mündung der Oste in die Elbe, von Samuel Gottlieb Zimmermann und Otto Hasenbanck (1721)

Oberoste mini|hochkant|Wassermühle Eitzmühlen mini|221x221px|Mündung der Ramme (unten im Vordergrund) in die Oste bei Sittensen Die Quellen der Oste liegen bei Schillingsbostel im Gemeindegebiet von Otter etwas südlich des Kernorts der Gemeinde Tostedt. Nach Süden steigt die Landschaft zum Otterberg () an, der zur Zevener Geest gehört. Wenige Kilometer östlich liegt der Nordwestrand der Lüneburger Heide und südwestlich die Wümmeniederung.

Anfangs fließt die Oste durch ein quellnahes Niedermoorgebiet mit Auwald sowie Tümpeln und Teichen als stiller Wiesenfluss westwärts an Tiefenbruch und Quellen vorbei und durch den Süden der Gemeinden Wistedt und Heidenau sowie durch das nördliche Gemeindegebiet von Tiste. Sie durchquert dann den Ort Sittensen, wo wie in Eitzmühlen die recht gut erhaltene Wassermühle Eitzmühlen (Ersterwähnung um 1300, Gebäude von 1856) an ihrem Ufer steht. Im Westen Sittensens, an der Grenze zur Gemeinde Groß Meckelsen, mündet rechtsseitig die Ramme. Die Oste bildet dann für einige Zeit die Grenze zwischen den Gemeinden Groß Meckelsen und Hamersen bzw. Elsdorf. Der Fluss tritt dann in die Gemeinde Heeslingen ein und fließt zwischen den Orten Freyersen und Weertzen hindurch und durchs Ortszentrum Heeslingens. Bei Offensen verlässt der Fluss die Gemeinde wieder und streift das zu Zeven gehörende Brauel. Zwischen Twistemündung und Ostereistedt ändert die Oste ihre Fließrichtung von West nach Nord. Die Oste fließt an Godenstedt in der Gemeinde Seedorf entlang, wo linksseitig die Bade und im Ort rechtsseitig die Twiste münden. In der Gemeinde Selsingen werden Eitzte und Lavenstedt passiert. Die Oste bildet nun wieder eine Gemeindegrenze, diesmal zwischen Selsingen und Ostereistedt, wo Rockstedt nahe der Oste liegt. Der Fluss wendet sich nun im sanften Bogen mehr und mehr nach Norden, tritt in die Gemeinde Sandbostel ein und tangiert Ober-Ochtenhausen und Sandbostel. Das zu Bremervörde gehörende Minstedt ist die nächste Station des Flusses, der nun Spreckens und Engeo passiert, wo vier Kilometer oberhalb Bremervördes linksseitig nach Südwesten der Oste-Hamme-Kanal durchs Teufelsmoor in Richtung Hamme von der Oste abgeht wie auch kurz darauf der Fahrendorfer Kanal. Kurz vor Bremervörde mündet rechtsseitig die Bever in die Oste, die daraufhin in die Stadt Bremervörde eintritt.

Unteroste ab Bremervörde mini|Schwebefähre Osten–Hemmoor über die Oste bei Hemmoor () mini|Motorbetriebene Prahmfähre in Brobergen, öffentliche Personen- und PKW-Fähre, regelmäßiger Betrieb zu Saisonzeiten. In Bremervörde existiert eine kleine Flussinsel, die durch einen Nebenarm gebildet wird, der seit 1950 zum Hauptarm ausgebaut ist. Der Fluss fließt dann vorbei am Vörder See. Gegenüber befand sich die Gnattenberg-Werft, die Ewer gebaut und repariert hat.

Kurz hinter Bremervörde geht rechtsseitig der Oste-Schwinge-Kanal ab, der die Oste mit der Schwinge kurz hinter ihrer Quelle bei Mulsum verbindet. Er bildet ab Nieder Ochtenhausen und Elm die Grenze der Landkreise Rotenburg (Ort Ostendorf) und Stade mit Unterbrechungen in Gräpel und in Brobergen, wo der Landkreis Stade auch auf linksseitiges Gebiet übergreift. In Brobergen wird die letzte motorbetriebene Prahmfähre, die Ostefähre Brobergen betrieben. Dies ist auch der Kreuzungspunkt verschiedener Radwanderwege. Ebenso befindet sich hier linksseitig die Mündung der Mehe und das Drei-Landkreis-Eck zum Landkreis Cuxhaven, dessen Grenze mit dem Landkreis Stade die Oste nun über eine weite Strecke bildet. Die Oste tangiert nun Nindorfer Gebiet und fließt an Laumühlen, dem Geesthof, Klint sowie Kranenburg, Blumenthal und Kleinwörden vorbei. Sie wird bei Burweg bzw. Hechthausen von der Eisenbahnbrücke Hechthausen der Unterelbebahn von Hamburg-Harburg nach Cuxhaven sowie der Bundesstraße 73 überquert. Bei Großenwörden fließt die Große Rönne hinzu.

Unteroste ab Osten Bei Osten fährt die älteste deutsche Schwebefähre (1909 fertiggestellt) und setzt nach Basbeck, einem Stadtteil von Hemmoor, über. In Osten, Hemmoor und Oberndorf gehören nun beide Ufer zum Landkreis Cuxhaven. Nach Hemmoor passiert die Oste den Höhenzug Wingst. In Höhe von Neuhaus (Oste) beginnt sich der Ästuar der Oste nach Norden in die Unterelbe zu öffnen.

Mit den Gehöften Mühlenwisch und Altenwisch berührt der Landkreis Stade einige Kilometer vor der Mündung nun wieder die Oste. Diese beiden Höfe (zu Balje gehörend) sind durch den im Landkreis Cuxhaven liegenden Geversdorfer Ortsteil Itzwörden getrennt. Hier wurde die seit 1423 bestehende Fährverbindung der Ostefähre Geversdorf 1988 durch eine Klappbrücke ersetzt.

Etwa 2,7 km nordnordwestlich des Ostesperrwerks mündet die Oste mit einer Breite von rund 800 m zwischen dem Weiler Belumer Deich von Belum im Naturschutzgebiet Hadelner und Belumer Außendeich im Westen und dem Ortsteil Hörne von Balje mit dem Ostebrammer Hullen im Osten in den großen Elbe-Ästuar. Die Mündung mit der im Elbeästuar vorgelagerten Ostebank (Osteriff) liegt im Vogelschutzgebiet Hullen.

Böden und Gelände Der Oberlauf der Oste liegt auf der Geest. Hier gibt es zum Beispiel bei Sandbostel und Granstedt auch Binnendünen mit teilweise haushohen Flugsandaufwehungen. Ab Gräpel besteht der Untergrund aus echten Marschböden. Der Fluss hatte nach der letzten Eiszeit ein eigenes Urstromtal ausgebildet.

Nebenflüsse

Diagramm der größten Zuflüsse

Ortschaften

Entlang der Oste befinden sich zahlreiche bedeutende Städte und Ortschaften. Hierbei sind an der Oberoste Tostedt in der Nähe der Quellen, Heeslingen und Sittensen zu erwähnen. Ab der Unteroste bei Bremervörde zählen dazu noch Hechthausen, Osten mit der Schwebefähre, Hemmoor und Neuhaus.

Geschichte Ihren Namen hat die Oste vermutlich vor 1000 v. Chr. erhalten. Er soll aus einer Form des Indogermanischen stammen, die noch vor Herausbildung des Gemeingermanischen bestand, und schließt sich an zahlreiche ähnliche Formen wie zum Beispiel in Osnabrück an, die verschiedene Erweiterungen eines Fluss, Bach, Wasser bezeichnenden Wortes aus* sind. Die exakte Bedeutung des Wortes mit Ablaut auf -t- lässt sich nicht rekonstruieren. Der Sprachwissenschaftler Albrecht Greule vermutet eine Ableitung vom germanischen Verb *aus-a mit der Bedeutung „schöpfen“. Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Fluss im Jahr 786 als „ad Hostam“ bzw. „iterum Ostam“. Aus Oste ergab sich im Mittelalter dann auch die Bezeichnung Ostinggabi (Ostegau) für ein Gebiet im Bereich des Flusses.

Lange Zeit bestand die letzte feste Querung des Flusses vor der 74 km entfernten Mündung in Bremervörde, wo zuerst eine Furt genutzt werden konnte (Vörde ist eine niederdeutsche Form von Furt) und bald auch eine Brücke errichtet worden war. Hier bestand auch eine Wassermühle. Die Bischöfe von Bremen residierten lange Zeit in der Bremervörder Burg, wodurch der Schiffsverkehr dorthin recht groß war. Nach dem Westfälischen Frieden und dem Ende des Bistums verlagerte sich der Schiffsverkehr zunehmend zum Unterlauf.

Bremervörde war ein wichtiger Punkt auf der Route von Hamburg nach Bremen, an der sowohl die Oste leicht überquert werden konnte als auch ein Geestrücken die Durchquerung der Moore ermöglichte, die südlich (Teufelsmoor) und nördlich lagen. Daher begann man bereits früh, in Bremervörde Wegezoll zu erheben. Erst 1825 wurde diese Praxis aufgegeben.

Erstmals wird um 1250 vom Schiffsverkehr auf der Oste berichtet, als bereits viele Ewer den Fluss befuhren.

1690 berichtet Johann Ernst Rist, dass Deichbrüche zur Versandung und Verschlammung der Oste geführt hätten, was vor Bremervörde die Schifffahrt behinderte und die Zahl der in großen Mengen vorhandenen Störe und Lachse verringerte.

Eine erste Flussregelung wurde 1759–1764 auf der etwa 6 km langen Strecke von Bremervörde stromabwärts ausgeführt. Zwischen 1808 und 1882 wurden im Rahmen größerer Regelungsarbeiten insgesamt 239 Buhnen gebaut. Die Ufer blieben größtenteils unbefestigt.

Die erste große Eingriff in den Flusslauf fand 1928 statt, als die Mündung des größten Nebenflusses der Elbe weiter nach Westen in Richtung Cuxhaven gelegt wurde.

Ihren Höhepunkt erreichte die Schifffahrt auf der Oste zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als mit unzähligen Ewern nahezu alle in größerer Menge zu transportierenden Güter bewegt wurden. Im Verlaufe des Jahrhunderts nahm dieser Verkehr aber beständig ab, da technischer Fortschritt und bessere Infrastruktur andere Transportmöglichkeiten wie Straße und Bahn wirtschaftlicher werden ließen. Zuletzt bestand nur noch geringer Warenverkehr mit dem Hemmoorer Zementwerk. Zwischen Bremervörde und Hechthausen bestand der einzige Warenverkehr noch aus drei bis vier Düngertransporten jährlich nach Gräpel, die bis in die 1980er-Jahre stattfanden. In den 1990er-Jahren kam dieser Verkehr endgültig zum Erliegen.

Zementwerk in Hemmoor mini|Früher Zementleichter auf der Oste, heute Museumsschute „Hemmoor 3“