Zeven [] ist eine Stadt im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen. Die Stadt Zeven bildet zusammen mit den Gemeinden Elsdorf, Gyhum und Heeslingen die Samtgemeinde Zeven.Samtgemeinde Zeven; abgerufen: 25. März 2016
Geographie
Lage Die Gemeinde liegt in der Mitte des Städtedreiecks Bremerhaven, Bremen und Hamburg. Zeven liegt in der Zevener Geest und wird von der Mehde-Aue durchflossen, die etwa zwei Kilometer nördlich der Stadt in die Oste mündet.
Ortsteile Zu Zeven zählen die Ortsteile Aspe, Badenstedt, Bademühlen, Brauel, Brümmerhof, Brüttendorf, Hemel, Oldendorf und Wistedt.
Nachbarorte
Geschichte mini|Das Königin-Christinen-Haus ist der älteste erhaltene Profanbau der Stadt
Zahlreiche Bodenfunde im Gebiet der Stadt und Samtgemeinde Zeven und mehr als 30 stein- und bronzezeitliche Hügelgräber belegen, dass die Besiedlung in und bei Zeven bis in die Vorgeschichte zurückreicht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 986www.regesta-imperii.de/regesten/2-3-0-otto-iii/nr/0986-03-17_1_0_2_3_0_161_980.html als „kivinan à Heeslingen“ (Kivinan zu Heeslingen) in der ältesten Urkunde des nahegelegenen Klosters Heeslingen, das 1141 nach Zeven verlegt wurde. An die älteste belegte Namensform Kivinan, ausgesprochen vermutlich ['ki:finan], erinnert die Kivinanstraße in Zeven. Spätere Namensformen sind Sciuena (1141), Cyuena (1158), Scevena und Tzevena. Der etymologisch nicht sicher erklärte Name blieb also recht lange dreisilbig, während das anlautende [k] früh zu [ts] verschoben wurde (Assibilierung).
Das Kloster Zeven, dessen Kirche seit einer Übertragung von Reliquien aus Corvey im Jahre 1231 unter dem Patrozinium des heiligen Vitus stand, spielte fortan eine wichtige Rolle für den Ort. Historisch bedeutsam war Zeven durch zwei hier stattfindende Ereignisse: zum einen durch eine Konferenz im Mai 1694 mit Vertretern Bremens und Schwedens, bei der über den Status von Stadt und Herzogtum Bremen beraten wurde, zum anderen durch die Zevener Konvention, bei der während des Siebenjährigen Krieges im September 1757 ein Waffenstillstand zwischen dem Befehlshaber der hannoverschen und dem der französischen Truppen unterzeichnet wurde. Die Regelung hatte allerdings keinen Bestand, da der britische König die Anerkennung verweigerte.
mini|Ausschnitt der 10-Deutsche-Mark-Note mit Zeven als Messpunkt Nach dem Wiener Kongress gehörte Zeven zum Königreich Hannover. Im Auftrag des hannoverschen Königs kam Carl Friedrich Gauß 1824/25 nach Zeven, um die trigonometrische Landesaufnahme des Königreichs abzuschließen. Seiten 132 und 133 Vom Kirchturm der St.-Viti-Kirche aus nahm er Messungen vor. Ab 1866 gehörte Zeven zur preußischen Provinz Hannover. Der Flecken blieb Sitz eines Landratsamtes; ab 1885 regierte in Zeven ein königlich-preußischer Landrat.
Die Einwohnerzahl blieb in dieser Zeit fast hundert Jahre lang konstant bei rund 1200. Insbesondere wegen der grassierenden Cholera und vielen Auswanderern nach Amerika nahm die Bevölkerung nicht zu. Erst zum Beginn des 20. Jahrhunderts konnte ein Aufschwung verzeichnet werden. 1906 kam es zur Eröffnung der Bahnstrecke von Zeven nach Rotenburg (Wümme) und Zeven erhielt eine Straßenbeleuchtung in Form von Öllampen. 1929 wurde Zeven der Übergang zur städtischen Verfassung gestattet. Der Landkreis Zeven wurde allerdings kurz darauf 1932 aufgelöst und mit Bremervörde zu einem neuen Landkreis Bremervörde zusammengeschlossen.
Mit der Machtergreifung von 1933 verschlechterten sich die Lebensbedingungen für die jüdischen Bewohner von Zeven. Bei den Novemberpogromen von 1938 wurden alle 21 jüdischen Bewohner gewaltsam aus ihren Wohnungen geholt, auf einen offenen Lastwagen geladen und unter Gehupe durch die Straßen gefahren. Sie wurden ins Gerichtsgefängnis nach Geestemünde gebracht. Die Männer verschleppte man danach über Wesermünde in das KZ Sachsenhausen. Hauptverantwortlicher für die Ausschreitungen in Zeven war SA-Sturmführer Wilhelm Schnase. Einen Monat später wurden sie auf freien Fuß gesetzt, nachdem sie eine Erklärung unterschrieben hatten, in der sie eine alsbaldige Auswanderung zusagen mussten. Einige jüdische Familien konnten noch vor Kriegsbeginn emigrieren. Zwei weitere wurden vermutlich im November 1941 ins Ghetto Minsk deportiert. 19 Juden aus Zeven und Umgebung wurden Opfer des Holocaust.Zeven (Niedersachsen) „Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum – Zeven (Niedersachsen)“; abgerufen: 18. April 2024.
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Zeven 3233 Einwohner. Nach dem Krieg hatte sich diese Zahl durch den Zuzug von Flüchtlingen fast verdoppelt. Die Stadt wurde von britischen Truppen besetzt, die sich ebenfalls in die Wohnräume einquartierten, so dass es in der Stadt zu einem großen Mangel an Wohnraum kam. Der Ausbau der Stadt stand daher in den Nachkriegsjahren im Vordergrund. Zeven entwickelte sich in der Nachkriegszeit auch zu einem wichtigen regionalen Industriestandort. Das Industriegebiet Zeven-Aspe, im Süden der Stadt, beherbergt eine Anzahl überregional bekannter Industriebetriebe. Ein weiteres Industriegebiet wurde im Norden der Stadt angesiedelt (Nord-West-Ring).
1965 kam es zur Gründung der Samtgemeinde Zeven. 1977 wurde der Landkreis Bremervörde aufgelöst; Zeven gehört seitdem zum Landkreis Rotenburg (Wümme). 2001/02 wurde die Innenstadt neu gestaltet. Die Lange Straße, die bis dahin eine viel befahrene Durchgangsstraße war, wurde zur Fußgängerzone umgebaut und der Verkehr über eine Umgehungsstraße geleitet. 2009 wurde die Zevener Westumgehung eröffnet, die die Bundesstraße 71 und die Bremer Straße verbindet.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Badenstedt, Brauel, Brümmerhof, Brüttendorf, Oldendorf und Wistedt am 1. März 1974 eingegliedert.
Religion mini|hochkant|Die St.-Viti-Kirche mit einem Teil des Klosters Zeven Die St.-Viti-Kirche am Klostergang gehört zum Sprengel Stade der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die katholische Christ-König-Kirche an der Straße Hoftohorn ist eine Filialkirche der Rotenburger Pfarrgemeinde Corpus Christi. Die neuapostolische Kirche an der Kirchhofsallee gehört zur Neuapostolischen Kirche in Norddeutschland.
Politik Rat Der Rat der Stadt Zeven hat 31 Mitglieder. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern., abgerufen am 14. März 2017. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021 ergab bei einer Wahlbeteiligung von 49,80 % das folgende Ergebnis:
Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze CDU 43,58 % 13 SPD 28,46 % 8 Grüne 14,77 % 5 WFB 8,94 % 3 FDP 4,24 % 1
Bürgermeister Der Rat der Stadt wählte das Ratsmitglied Jens Petersen am 13. April 2023 zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle Wahlperiode. Zu seinem 1. Stellvertreter wurde am 16. Dezember 2025 Jan Nieswandt gewählt, 2. Stellvertreter ist Malte Wilkens. Der Bürgermeister ist Mitglied der Minderheitsgruppe CDU/FDP/Perspektive Zeven, seine Stellvertreter sind Mitglieder der Mehrheitsgruppe SPD/Grüne/WfB.
Wappen
Flagge 100px Hissflagge: „Die Flagge ist rot-weiß-gelb quergestreift mit dem aufgelegten Wappen in der Mitte.“
Gemeindepartnerschaft Zeven unterhält eine Gemeindepartnerschaft mit der schwedischen Gemeinde Skara.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|hochkant|Wassermühle Bademühlen mini|hochkant|Statue der Königin Christine von Schweden Kloster Zeven (12. Jh.), heute Museum St.-Viti-Kirche (13. Jh.) Königin-Christinen-Haus (17. Jh.), Lindenstraße 11 Wassermühle Bademühlen (1836) Alte Posthalterei mit Gauß-Zimmer Zeven (nach 1810), Poststraße 3 Ehem. Gerichtsgebäude Bäckerstraße 1 und Park (1841) Altes Gefängnis (1865) Wohn- und Wirtschaftsgebäude Altbremer Straße 6a (um 1810) in Fachwerk Pfarrhaus Klostergang 2 (um 1890) in Fachwerk Wohn- und Geschäftshaus Lange Straße 14 von um 1890 Wohnhaus Altbremer Straße 7 (1896) Wohnhaus An der Mehde 3 bzw. ehem. Oberförsterei (1900) Amtsrichterwohnhaus Zeven (1903), Auf dem Berge 1 Villa Lindenstraße 6 bzw. Villa Freudenthal, (um 1905), heute mit kommunaler Verwaltung Alter Bahnhof (1906) Feuerwehrmuseum, Meyerhöfen 7 Landvolkhaus Zeven (1982), Meyerstraße 15–17 Vitus-Brunnen (2002) von Wolfgang Zach Steinalkenheide, Hügelgräberfeld zwischen Oldendorf und Badenstedt
Gedenkstätten in Zeven Im Kernbereich der Stadt Zeven gibt es im öfftlichen Raum an mehreren Stellen Orte zum Gedenken an Kriegsopfer. Dazu kommen noch Gedenkstätten in den zur Stadt gehörenden Dörfern.
Auf dem Friedhof an der Kirchhofsallee finden sich Gedenksteine für Gefallene des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71, auf denen auch die Namen der Toten genannt sind. Außerdem befinden sich dort eine Kriegsgräberanlage für Soldaten des Zweiten Weltkrieges und Grabsteine von Personen, die im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen ums Leben kamen.
Im Randbereich der Stadt, am Nord-West-Ring, existiert eine weitere Kriegsgräberstätte für Opfer des Zweiten Weltkrieges, die in direktem Zusammenhang mit der Heeresmunitionsanstalt Zeven steht und zurzeit neu gestaltet wird.
Rund um das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in der Bäckerstraße (Ecke Klostergang) wurde im Jahr 2014 ein Stelenfeld mit den Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Zevener errichtet. Außerdem gibt es in der „Ahe“, dem Zevener Stadtwald, ein von der Bäckerstraße aus erreichbares Denkmal mit der Inschrift „Den Toten der Weltkriege“ auf einem beeindruckenden Findling. Die Aufstellung dieses Denkmals wurde 1957–1960 im Rat der Stadt Zeven beraten und 1960 durchgeführt. Dabei wurde auf die Nennung von Namen verzichtet.
Auf dem jüdischen Friedhof Zeven gibt es seit dem Jahr 2008 einen Gedenkstein mit den Namen der ermordeten Juden. Im Garten des Königin-Christinen-Hauses findet sich – am Ausgang zur Rhalandstraße gegenüber der Skulptur „Kain und Abel“ – ein Gedenkstein für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Sport Schon 1894 wurde der erste Sportverein der Stadt, der TuS Zeven, gegründet.Website des TuS Zeven
Von 2007 bis 2009 fand im Oktober jährlich der „Große Preis von Zeven“ statt. Bei der Laufveranstaltung stand neben dem Halbmarathon der 10-km-Lauf und (ab 2008) ein 5-km-Jedermannlauf im Angebot; nach dem Rückzug des Titelsponsors wurde diese Veranstaltung nicht weitergeführt. Für den Laufnachwuchs wurden Kinderläufe angeboten, Start und Ziel befanden sich in der Zevener Fußgängerzone. Seit 2012 wird diese Laufveranstaltung unter dem Namen „Zevener Sparkassen Stadtlauf“ wieder durch die LAV Zeven veranstaltet. In diesem Rahmen wurden im Jahr 2017 auch die Niedersächsischen Meisterschaften im Halbmarathon durchgeführt. Zudem gehören der Reitverein Zeven und die LAV Zeven zum sportlichen Angebot. Die erste Mannschaft der Fußballabteilung des TuS Zeven spielt in der Saison 2023/24 in der 1. Kreisklasse Nord, der neunthöchsten Spielklasse im deutschen Fußball (Stand 29. Juni 2023). Über dies ist der TuS Zeven ein Partnerverein des Hamburger SV.
Am 26. November 2016 fand ein Rennen des Cyclocross-Weltcup in Zeven statt.
In der Sportanlage an der Kanalstraße findet jährlich an Pfingsten das Nationale Pfingstsportfest der LAV Zeven statt.
Niederländische Einwohner 1956 wurden Bundeswehreinheiten in der Kaserne Seedorf stationiert. Von 1963 bis 2006 befand sich dort das Hauptquartier des niederländischen Eerste Legerkorps. Im Oktober 2006 wurde dort der überwiegende Teil der deutschen Luftlandebrigade 31, welche später zum Fallschirmjägerregiment 31 umgegliedert wurde, stationiert.