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Der Stößensee ist ein durch eine Ausbuchtung der Havel in den Berliner Bezirken Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf gebildeter See. Er liegt zwischen dem Pichelswerder und dem Forst Grunewald und ist rund 350 Meter breit und 1100 Meter lang. Am Rupenhorn steigt das bewaldete Hochufer bis zu 35 Meter zum Grunewald an. Um den See sind zahlreiche Yacht- und Ruderclubs, Segelvereine, Ausflugslokale und Hotels angesiedelt. Im 19. Jahrhundert zählten der See und seine Umgebung zu den beliebtesten Ausflugszielen der Spandauer und Berliner.

Beim Bau der Heerstraße (heute Trasse der hier gemeinsam verlaufenden Bundesstraßen B 2 und B 5) wurde der See 1908/1909 durch eine Dammaufschüttung weitgehend geteilt. Die bei der Dammanlage offengehaltene Schifffahrtsrinne zwischen den beiden Gewässerteilen überspannt die rund 20 Meter hohe Stößenseebrücke, eine denkmalgeschützte Stahl-Fachwerkbrücke des Bauingenieurs Karl Bernhard.

Lage und Naturraum Die östliche Hälfte des südlichen Stößensees gehört zu Westend, die westliche zu Wilhelmstadt, der Teil des Sees nördlich der Heerstraße gehört ganz zu Wilhelmstadt, das östliche Ufer dagegen wiederum zu Westend.

Geologie, Anbindung und Nutzung der Tiefengesteine Der Stößensee ist ein weichselglazialer RinnseeBezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Kiezspaziergang am 9. Oktober 2004 über den Havelhöhenweg mit Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen und Förster Ruthenberg. in der Havel-Rinne an der Grenze zum Berliner Urstromtal am südlichen Rand des Mündungsbereichs der Spree in die Havel. Die Havelrinne quert das aus mächtigen Sanden, die mehr als 20 Meter Mächtigkeit erreichen können, aufgebaute Urstromtal, ohne es über eine längere Strecke zu benutzen. mini|links|Karte von 1842 (Ausschnitt), noch ohne Heerstraße und Stößenseebrücke, die den See inzwischen teilen

Das Ostufer des Stößensees steigt zum Grunewald, das Westufer zum Pichelswerder an – beide Teil des Nord-Westausläufers des Teltowplateaus, das die Havel nach Westen begrenzt. Der Rinnsee beziehungsweise spätere Havelaltarm Stößensee schneidet den Werder vom Plateau ab. Das Gefälle vom Grunewald zum See beträgt bis zu 35 Meter. Die heute in diesem Bereich kanalisierte Havel selbst fließt auf der Westseite des Pichelswerder parallel zur Nord-Süd-Ausdehnung des Sees in einer Entfernung von rund 500 Metern. An der Südspitze des Pichelswerder öffnen sich der Fluss (als Pichelsdorfer Gmünd) und der See in die untere Berliner Havelseenkette.

Im Norden ist der Stößensee im Bereich der Tiefwerder Wiesen, dem letzten natürlichen Überschwemmungs- und Hecht-Laichgebiet in Berlin, über den Hauptgraben und den Kleinen und Großen Jürgengraben mit der Havel verbunden. Zudem münden am Nordufer die letzten Reste des Havelaltarms Hohler Weg, der fast komplett auf dem Gelände des Wasserwerks Tiefwerder liegt. Zwischen 1832 und den 1920er Jahren entwässerte die Spree bei Hochwasser zum Schutz Spandaus über den künstlichen Elsgraben und den Faulen See in den Stößensee.

Unter dem Stößensee befindet sich der im Jahr 1992 angelegte Erdgasspeicher Berlin der Gasag. Der Speicher liegt in 1000–1400 Meter tiefen Sandsteinschichten. Das Erdgas wird in den porösen Stein gepresst, der es schwammähnlich aufnimmt. Ein natürliches Gemisch aus Ton, Salz und Mergel versiegelt die Lagerflächen, die sich vom Pichelswerder über den See, Teile des Grunewalds, die Murellenberge bis unter das Olympiastadion erstrecken. Rund 680 Millionen m³ Gas sind in dem natürlichen Speicher gelagert.Im April 2009: Ein Waldspaziergang zum Rupenhorn. In: Ausflugstipps – Auf Försters Wegen. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Erdgasspeicher Berlin.A. Schneider, M. Stark, W. Littmann: In: Erdöl Gas Kohle, November 2002, 118. Jg., Nr. 11, S. 508–513, Urban-Verlag, Hamburg/Wien.

Hydrologie Die Wasserbeschaffenheit der Berliner Gewässer wird durch Nährstoffbelastung und Schadstoffeinträge bestimmt. Dabei stellt die hohe Anreicherung mit Pflanzen-Nährstoffen, insbesondere mit Stickstoff- und Phosphorverbindungen, das Hauptproblem dar. Die Schadstoffbelastung ist in der unteren Berliner Havelseenkette durch den hoch belasteten Spreezufluss deutlich höher als in der oberen Kette. Für Phosphateinträge haben Messungen in der unteren Fließstrecke 1993 gegenüber 1976 zwar eine Verbesserung um eine Güteklasse ergeben, die Werte lagen aber immer noch deutlich zu hoch. Bei der Sedimentkontamination mit Schwermetallen erreichte der Stößensee mit einer Anreicherungstiefe bis zu 2,35 m das Maximum, während das Minimum mit 25 cm am Quastenhorn bei Kladow gemessen wurde. Dabei zeigt sich im Unterhavelgebiet ein deutlicher Zusammenhang von PCB-belasteten Gewässersedimenten und hohen PCB-Gehalten im Aal.

Die hohe Eutrophierung führt ferner zu einer starken Vermehrung des Phytoplanktons und insbesondere in den Sommermonaten zu Algenblüten, verbunden mit negativen Folgen für das Gewässer wie beträchtlichen Schwankungen im Sauerstoffgehalt. Für die Belastungswerte mit den Schwermetallen Cadmium, Zink, Blei und Kupfer ergaben sich 1993 für die untere Havelkette die Güteklassen 3–4 und 4 (sehr stark und übermäßig verschmutzt) und für Chrom, das in vergleichsweise geringen Konzentrationen nachgewiesen wurde, die Güteklassen 2 und 2–3 (kritisch belastet und stark verschmutzt).M. Ahrens, H. Pachur: Die Schwermetallbelastung subhydrischer Sedimente und ihre Bewertung am Beispiel Berliner Seen. In: 47. Deutscher Geographentag Saarbrücken, Band 47, 1990, S. 102–104; dazu hier verwendet: Gewässergüte, Ausgabe 1993, S. 1, 2, 8, 13, 14. stadtentwicklung.berlin.de (Microsoft Word; 162 kB) Der Grund des rund fünf Meter tiefen Stößensees ist vermodert und von Faulschlammmassen bedeckt. Bei der Dammaufschüttung beim Heerstraßenbau wurde nach Angabe Ernst Friedels erst in einer Tiefe von 35 Metern fester Grund gefunden.Ernst Friedel: Döberitzer Heerstraße. In: Groß Berliner Kalender, Illustriertes Jahrbuch 1913. Hrsg. Ernst Friedel, Verlag von Karl Siegismund Königlich Sächsischer Hofbuchhändler, Berlin 1913, S. 293 f.

Flora und Fauna Die ausgedehnten Bootsanlagen schränken den Schilfgürtel am Stößensee sehr ein. Pläne des Bezirksamtes Charlottenburg, die Ufer naturnaher zu gestalten und neues Schilf, Büsche und Weiden anzupflanzen, stießen 1994 auf Widerstand der Segler, die eine Beschränkung ihrer Stege befürchteten.Andreas Wolter: Segler machen mobil. Veränderungen an Plänen für den Stößensee gefordert. In: Berliner Zeitung, 19. Februar 1994. Pflege- und Entwicklungspläne des Landes Berlin sehen vor (Stand: 2007), den Wald auf dem Pichelswerder durch forstliche Maßnahmen zu einem naturnahen Eichenmischwald zu entwickeln.Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: natürlich Berlin! Naturschutz- und NATURA 2000-Gebiete in Berlin. Verlag Natur & Text, Berlin 2007, ISBN 978-3-9810058-3-7, S. 118. Die Havelseen „ähneln sich sowohl morphologisch als auch hydrologisch und können als durchflossene, bzw. Flußseen zusammengefasst werden.“ Sie gehören zu den Berliner Gewässern mit der höchsten Fischartenzahl. Hier wurden jeweils mehr als 20 Arten nachgewiesen.Digitaler Umweltatlas Berlin, 02.08 Fischfauna (Ausgabe 2004), Kartenbeschreibung. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Dazu zählen Weißfische wie Plötze, Güster und Rotfeder, ferner Barsche und Rapfen aus der Familie der Karpfenfische. Der Bestand der Hechte ist durch den Rückgang der Überschwemmungsdynamik in den nördlich benachbarten Tiefwerder Wiesen bedroht, auf deren überschwemmte Auwiesen der Substratlaicher für die Eiablage angewiesen ist. Die Seen werden daher regelmäßig mit Hechten wie auch mit Aalen und Welsen besetzt. Welse leben bevorzugt in Gewässern mit schlammigen Gründen wie dem Stößensee. Für die Fischerei des Sees ist die Fischereisozietät Tiefwerder-Pichelsdorf zuständig, eine der einflussreichsten Fischereiorganisationen der Region, die im Land Berlin über 1682 ha und im Land Brandenburg über 3847 ha Fischereigewässer wacht.Fischersozietät Tiefwerder-Pichelsdorf Homepage Während das benachbarte Biotop Tiefwerder Wiesen einen vielfältigen Lebensraum auch für Amphibien, Reptilien, Insekten, Vögel und auch Säugetiere wie Fledermäuse und den nach mehreren Gastbesuchen inzwischen fest angesiedelten Biber bietet, ist der Reichtum dieser Arten am Stößensee gering.

Teilung des Sees 1908/1909, Stößenseebrücke

mini|hochkant=1.5|Teilung des Stößensees auf einer Karte um 1910 mit der realisierten Führung der Heerstraße durch die Havelniederung mit Knick am Scholzplatz. Die untere schwarze Linie zeigt die Entwurfslinie (nach Karl Bernhard) bei schnurgerader Weiterführung ohne Knick, die eine Überbrückung auch der Scharfen Lanke erfordert hätte

Die Teilung des Stößensees erfolgte durch den Bau der Döberitzer Heerstraße, die zwischen 1903 und 1911 in Verlängerung des Kaiserdamms als direkte Verbindung vom Berliner Schloss über die bis zu ihrer Eingemeindung nach Groß-Berlin 1920 selbständigen Städte Charlottenburg und Spandau zum Truppenübungsplatz Döberitz angelegt wurde. Die aus militärischen Gründen gebaute Straße war von Beginn an öffentlich und erschloss den westlichen Grunewald und den Pichelswerder für den Berliner Ausflugsverkehr.

Das größte technische und finanzielle Problem beim Bau der Heerstraße lag in der Überbrückung der Havel­niederung. Sowohl die am Straßenbau beteiligten Planer wie auch die Brückeningenieure bemühten sich, die Eingriffe in die Natur so schonend wie möglich zu gestalten und das Landschaftsbild möglichst wenig zu beeinträchtigen. So fiel die Entscheidung für die kleine Stößenseebrücke mit dem Damm statt einer großen Brücke über den gesamten See nach Darstellung von Adolf Frey aus landschaftsplanerischen Gründen, nachdem der Oberbaurat Hoßrat Skizzen mit Auswirkungen der Varianten auf das Landschaftsbild angefertigt hatte. Danach schien ein „Damm, wenn er nach Art der anliegenden Ufer mit Vorland ausgebaut und entsprechend bepflanzt würde, das Landschaftsbild weniger [zu] beeinträchtigen als eine [große] Brücke.“ Für den rund 350 Meter langen und 125 Meter breiten Damm wurden Abträge der Heerstraße und aus der Verbreiterung eines nahe gelegenen Tals verwendet. Die 100 Meter lange und rund 20 Meter hohe Brücke über die freigehaltene Schifffahrtsrinne wurde von Karl Bernhard als Stahl-Fachwerkbrücke gestaltet. Architekt Emil Schaudt war bei der Gestaltung der Brückenarchitektur beratend beteiligt.

Bei der ursprünglich vorgesehenen, nicht realisierten schnurgeraden Weiterführung der Heerstraße am Scholzplatz, die eine Überbrückung auch der Scharfen Lanke erfordert hätte, wäre der Stößensee weiter südlich am Rupenhorn überbrückt worden.

Geschichte, Entdeckung des Sees als Ausflugsziel Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet um den See zur slawischen Zeit besiedelt war. Am Faulen See lag eine frühslawische Siedlung, die sehr wahrscheinlich Wirchow hieß und bis in das 13. Jahrhundert bestand. Eine weitere Siedlung gab es auf dem Pichelswerder. Die Siedlungen gehörten zur slawischen Siedlungskammer auf der Havelinsel unter dem Spandauer Burgwall.

mini|Beginn der Dammaufschüttung 1907 mini|Aufgeschütteter Damm 2009, links der Pichelswerder mini|Südteil des Sees, am gegenüberliegenden Ufer des Pichelswerder steht das Klubhaus Siemens-Werder, 1900 als Königgrätzer Gärten erbaut