Kiribati (e Aussprache: [] (einheimische Aussprache des ehemaligen Namens der Gilberts), offiziell auf Kiribatisch Ribaberiki ni Kiribati, deutsch Republik Kiribati) ist ein Inselstaat im Pazifik. Das Staatsgebiet erstreckt sich über eine Vielzahl von Inseln Mikronesiens und Polynesiens, die über ein weites Gebiet beiderseits des Äquators verstreut liegen. Kiribati war früher Bestandteil der britischen Gilbert- und Elliceinseln. Seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich im Jahre 1979 ist der 12. Juli, der Jahrestag der Unabhängigkeit, kiribatischer Nationalfeiertag. Kiribati ist weiterhin Mitglied im Commonwealth of Nations. Das zu Kiribati gehörende Atoll Kiritimati („Weihnachtsinsel“) mit dem Zentrum London feiert weltweit als Erstes den Beginn eines jeden neuen Jahres.

Kiribati ist in besonderem Maße vom Klimawandel bedroht. Nach Berechnungen der Weltbank könnte der Inselstaat im Jahr 2050 größtenteils nicht mehr bewohnbar und spätestens 2070 überschwemmt sein. Kiribati ist Mitglied im Climate Vulnerable Forum, einem Forum von Ländern, die besonders vom Klimawandel betroffen sind.

Geographie Ausdehnung Das Staatsgebiet hat von der östlichsten Insel im Caroline-Atoll zur westlichsten Insel Banaba eine Ausdehnung (Luftlinie) von 4567 km und von der nördlichsten Insel Teraina (Washington Island) bis zur südlichsten Insel Flint Island eine Ausdehnung (Luftlinie) von 2021 km mit einer Gesamtfläche von rund 5,2 Millionen Quadratkilometern. Von seiner Ausdehnung her gehört Kiribati damit zu den größten Staaten der Erde (Australien: 7,7 Millionen Quadratkilometer). Von dieser Fläche sind nur 811 Quadratkilometer Inselland, von denen 726 Quadratkilometer auf bewohnte Inseln entfallen. Damit ist Kiribati ein Kleinstaat.

Lage Das Staatsgebiet liegt etwa auf der Hälfte des Weges zwischen Hawaii und Australien in Mikronesien. Da durch Kiribati sowohl der Äquator als auch der 180. Längengrad verläuft, liegt der Staat als einziger mit seinem zusammenhängenden Staatsgebiet in der nördlichen und der südlichen sowie in der westlichen und der östlichen Hemisphäre der Erde. Bis Ende 1994 verlief die internationale Datumsgrenze mit dem 180. Längengrad zwischen den Gilbert- und den Phoenixinseln. Im Interesse eines einheitlichen Datums im gesamten Staatsgebiet wurde zum 1. Januar 1995 die Datumsgrenze nach Osten verlegt, sodass Kiribati zur Gänze westlich davon liegt. Die östlichste der Line Islands, Caroline Island, heißt seit dem 1. Januar 2000 Millennium Island, weil der erste Sonnenaufgang des Jahres 2000 auf dieser Insel zu beobachten war.

Inselgruppen mini|Abaiang, typische Insel in Kiribati Der Inselstaat besteht aus 32 Atollen in drei Inselgruppen sowie der Insel Banaba. Karte Name Struktur Fläche(km²) Einwohner(2020) 100px|Karte Banaba 1 Insel 6,29 100px|Karte Gilbertinseln 16 Atolle 279,22 107.812 100px|Karte Phoenixinseln 8 Atolle 28,66 100px|Karte Line Islands 8 Atolle 496,56

Der Großteil des Landes erhebt sich weniger als zwei Meter über den Meeresspiegel, mit Ausnahme der Vulkaninsel Banaba, die mit die höchste Erhebung des Inselstaates ist. Damit dürfte Kiribati eines der ersten Länder sein, die infolge des Klimawandels zum Großteil vom Meer überflutet werden. 360x360px|mini|Gliederung Kiribatis

+ Übersicht der wichtigsten Inseln und Atolle Lage Insel/Atoll Fläche(km²) Einwohner(2020) Anmerkungen 70px|Kiritimati (Weihnachtsinsel) aus der ISS fotografiert Kiritimati(Christmas Island,Weihnachtsinsel) 388,39 7.369 Kiritimati hat von allen Koralleninseln der Welt die größte Landfläche. 70px|NASA-Astronautenbild der Fanninginsel (Tabuaeran) im Pazifischen Ozean Tabuaeran(Fanning Island) 33,73 1.990 Das Atoll wurde ursprünglich nach seinem US-amerikanischen Entdecker Edmund Fanning benannt. 70px|NASA-Astronautenbild der Insel Teraina, Kiribati, im Pazifischen Ozean Teraina(Washington Island) 14,14 1.893 Das Atoll wurde ebenfalls von Fanning entdeckt, der es nach dem US-Präsidenten George Washington benannte. 70px|Satellitenbild von Banaba Banaba(Ocean Island) 6,29 333 Im Jahr 1900 wurde entdeckt, dass das gesamte Felsgestein aus versteinertem Vogelkot (Guano) besteht. Banaba war damit neben Nauru die zweite Insel im Westpazifik, auf der große Phosphatlager nachgewiesen wurden. 70px|Satellitenbild Tarawa 31,02 70.090 Das Atoll war Hauptatoll der ehemaligen britischen Kolonie Gilbertinseln und ist heute das Hauptatoll der Republik Kiribati. 70px|Satellitenbild von Kanton Abariringa(Canton Island) 9,15 41 Der englische Name des Atolls ist darauf zurückzuführen, dass 1854 der Walfänger Canton vor der Insel auf Grund lief.

Klima

Bedrohung durch den Klimawandel mini|Der Straßendamm zwischen Bairiki und Betio als mutmaßlicher Verursacher von umgeleiteten Meeresströmungen Aufgrund des Klimawandels und des weltweiten Anstiegs der Meeresspiegel wird Kiribati nach Schätzungen vom Anfang des 21. Jahrhunderts 2060 bis 2070 im Meer versunken sein. Präsident Anote Tong sagte, es sei schmerzhaft, sich auf den Tag vorzubereiten, an dem er kein eigenes Land mehr habe, aber genau dies sei zu tun. Tong bat darum das benachbarte Neuseeland, mehr als nur rund 100 Übersiedler jährlich (Stand um 2010) aus Kiribati aufzunehmen. Die Regierung von Kiribati ist mit derjenigen von Fidschi im Gespräch, um Land zu kaufen und einen Teil der Bevölkerung umzusiedeln.Inselstaat Kiribati: Ein Land flieht vor dem Klimawandel. Video, stern.de vom 10. März 2012

Teile des Problems entstehen durch die Überbevölkerung in South Tarawa und durch die Bewohner selbst. Durch die Entnahme von Sand, wenn die Häuser nicht mehr in traditionellem Stil gebaut werden, verliert das Meer seine Barriere. Klarstellung eines Dokumentarfilmers, abgerufen am 23. November 2014 Durch die Straßenverbindung zwischen Bairiki und Betio kam es durch eine umgeleitete Strömung zum Untergang der Bikeman-Insel., abgerufen am 24. November 2014

2009 nahm Tong mit einer Delegation an der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen teil. Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Cancún (COP 16)Erklärung der Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde 2010 (PDF; 89 kB)Zur Ambo-Konferenz auf schattenblick.org wurde auf der Tarawa Climate Change Conference am 10. November 2010 in Ambo die Ambo DeclarationText der Ambo-Deklaration, abgerufen am 23. November 2017, englisch. verabschiedet, die von Australien, Brasilien, China, Kuba, Fidschi, Japan, Kiribati, den Malediven, den Marshallinseln, Neuseeland, den Salomonen und Tonga unterzeichnet wurde.

2012 kaufte Kiribati etwa 24 Quadratkilometer Land für 8,8 Millionen US-Dollar im Pazifischen Ozean. Laut Regierung könnten die 110.000 Inselbewohner im schlimmsten Fall auf die rund 2000 Kilometer entfernte, zu Fidschi gehörende Insel Vanua Levu umsiedeln, dies sollte jedoch möglichst vermieden werden, da es weiterhin „ein fast schon zu kleines Stück Land für alle Bewohner sei“.

Stand 2016 nimmt Neuseeland eine kleine Quote Klimaflüchtlinge jungen Alters auf, der ältere Teil der Bevölkerung Kiribatis hat sich zum Bleiben entschieden. Fidschi, etwa 3 Flugstunden entfernt, erklärte sich als einziger Staat dazu bereit, die künftigen Klimaflüchtlinge aus Kiribati aufzunehmen.

Aufsehen erregte der Fall des Kiribaters Ioane Teitiota, der 2007 als weltweit erster Klimaflüchtling nach Neuseeland gekommen war und 2015 in seine Heimat abgeschoben wurde, nachdem sein Visum abgelaufen war. Als Grund nannte die Regierung, dass Kiribati zwar klimagefährdet sei, Kriterium für eine Anerkennung als Flüchtling sei laut UN-Konvention aber, dass der Antragsteller in seinem Heimatland Verfolgung fürchten müsse. Dies sei bei Teitiota nicht der Fall.

Nach Plänen des damaligen Präsidenten Tong vom Jahr 2016 sollte eine erste Evakuierung der Bevölkerung im Jahr 2020 beginnen.

Auf dem gekauften Land auf Fidschi befindet sich ein Dorf mit 261 Einwohnern, die von der Regierung auf eine Willkommenskultur vorbereitet werden.

Am 18. Januar 2017 gab die Regierung unter Präsident Taneti Maamau bekannt, dass der Anbau von Gemüse und Kava auf dem erworbenen Land auf Fidschi begonnen habe. Ebenfalls besuchte er zu diesem Anlass die Einwohner des Dorfes Naviavia und gab bekannt, dass „kein drastischer Umschwung auf dem Land zu befürchten sei“ und er sich „auf die gemeinsame Zeit als gute Nachbarn, die sich gegenseitig helfen“, freue. Ebenfalls gab er an, dass der Klimawandel kein Problem, sondern viel mehr eine ernsthafte Bedrohung für alle pazifischen Inselstaaten sei. Die Regierung sehe sich weiterhin nach mehr Land um.

Im August 2020 verkündete die Regierung, dass mit Hilfe chinesischer Investitionen eigenes Land durch Baggerarbeiten gewonnen werden soll. Präsident Maamau betonte, dass die chinesische Hilfe einen rein finanziellen Hintergrund habe und er es nicht zulassen wolle, dass die chinesische Regierung einen Stützpunkt in der Nähe aufbaut. Teile der Investition sollen auch in ein Forschungsprojekt mit dem neuseeländischen National Institute of Water and Atmospheric Research einfließen, das an einer strategischen Lösung zur Rettung der Küste arbeitet. Damit hält Maamau an seiner „20-year-vision“ fest, einer Strategie, um das Land durch Aufschüttarbeiten zu retten, anstatt die Bevölkerung umsiedeln zu lassen. Das Projekt wurde zuletzt von seinem Vorgänger Anote Tong stark kritisiert.

Bevölkerung Demografie Laut Volkszählung von 2020 betrug die Einwohnerzahl 119.438 Menschen. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,7 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 26,7 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,2 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,3, die der Region Ostasien und Ozeanien betrug 1,5. Die Lebenserwartung der Einwohner Kiribatis ab der Geburt lag 2023 bei 66 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 21,9 Jahren. Im Jahr 2023 waren 35,9 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,9 Prozent der Bevölkerung betrug.

Die Bevölkerungsdichte betrug 2020 für alle Inseln durchschnittlich 147 Einwohner pro Quadratkilometer, für das urbane South Tarawa jedoch mehr als 4000 Bewohner pro Quadratkilometer, damit eine der höchsten weltweit.

+ Bevölkerungsentwicklung für die Jahre 1931–2020 Zensus 1931 1947 1963 1968 1973 1978 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Gesamt 29.751 31.513 43.336 47.735 51.926 56.213 63.883 72.335 77.658 84.494 92.533 103.058 110.136 119.438

Bevölkerungsstruktur Die Bevölkerung Kiribatis ist ethnisch sehr homogen. Etwa 95,71 % der Bevölkerung sind reine „I-Kiribati“, weitere 3,76 % sind zum Teil kiribatischer Abstammung. Tuvaluer stellen 0,24 % der Einwohner in Kiribati, die übrigen Volksgruppen machen insgesamt nur 0,28 % der Bevölkerung aus.

Sprache Die Einwohner nennen sich im Singular wie im Plural „I-Kiribati“. Das Adjektiv der Nationalität und der Landessprache wird als „Kiribati“ ohne Präfix ‚I‘ bezeichnet.

Religion Ein Großteil der Bevölkerung bekennt sich zum christlichen Glauben. Die Volkszählung des Jahres 2020 ergab folgendes Bild: 58,9 % Katholiken, 29,6 % Protestanten (Kiribati Uniting Church – KUC, Kiribati Protestant Church – KPC), 5,6 % Mormonen (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage), 2,1 % Siebenten-Tags-Adventisten, 2,1 % Bahai, 0,1 % Atheisten, 0,1 % Muslime, 1,5 % sonstige

Bildung mini|University of South Pacific auf Tarawa Ab dem 6. bis zum 15. Lebensjahr besteht eine neunjährige Schulpflicht, wobei der Schulbesuch kostenlos ist. Die überwiegende Zahl der Primarschulen sowie zehn der 13 weiterführenden Schulen werden von den Kirchen getragen.

Die University of the South Pacific unterhält in Bairiki seit 1976 eine Außenstelle, die 2006 zum „USP Kiribati Campus“ mit etwas über 3000 eingeschriebenen Studenten erhoben wurde. Sitz ist seit 1978 der Ort Teaoraereke auf Bairiki.