mini|Satelliten-Aufnahme von Pjöngjang
Pjöngjang (, MR P'yŏngyang, RR Pyeongyang, YR Phyeng.yang, Pyongyang ist im englischsprachigen Raum üblich.), auch PjongjangPjongjang ist eine alternative, näher an der Aussprache orientierte Schreibweise, wie sie beispielsweise die Neue Zürcher Zeitung verwendet. oder in der DDR Ph(j)öngjang geschrieben, ist die Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und liegt im Südwesten des Landes. Sie steht unter zentraler Verwaltung der Regierung. In der Kernstadt leben 3,04 Mio. Menschen (2018).
Die Stadt ist politischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes mit der Mansudae-Kongresshalle, Universitäten und verschiedenen Theatern, Museen sowie Baudenkmälern.
Namen mini|links|160px|Pjöngjang geschrieben in Chosŏn’gŭl (oben) und Hancha (unten)
Der Name Pjöngjang bedeutet so viel wie ‚friedliches‘ oder ‚flaches Land‘. Der Name kommt vom Altkoreanischen buruna (), was ‚flaches‘ oder ‚ebenes Land‘ bedeutete und so in chinesische Zeichen (Hanja) übertragen wurde. Zur Kochosŏn-Zeit soll sich im Gebiet, wo sich heute Pjöngjang befindet, die Hauptstadt Wanggŏmsŏng befunden haben, eine bedeutende Stadt der koreanischen Mythologie und Geschichte. Zur Koguryŏ-Zeit wurde der Ort Pyŏngyang-sŏng (Chosŏn’gŭl: , Hancha: , ‚Burg Pyŏngyang‘), Nangrang (/), Jangan (/) und Andong-dohobu ( ‚Andong-Protektorat‘) genannt. Zur Zeit der Koryŏ-Dynastie wurde die Stadt Sŏgyŏng (/ ‚westliche Hauptstadt‘), Sŏdo und Ryugyŏng (/ ‚Stadt der Weiden‘) genannt. Mit Beginn der Chosŏn-Dynastie trug der Ort durchgehend den Namen Pyŏngyang. Zur Zeit der japanischen Besetzung Koreas wurde die Stadt basierend auf der japanischen Aussprache der chinesischen Zeichen für Pyŏngyang als Heijō bezeichnet. Ferner trug die Stadt aufgrund der hohen Anzahl christlicher Einwohner im 20. Jahrhundert unter Missionaren den Spitznamen „Jerusalem des Ostens“.
Geografie
Geografische Lage mini|Aussicht vom Juche-Turm auf die Innenstadt von Pjöngjang
Pjöngjang liegt in der Mitte der nordwestlichen Niederung der Koreanischen Halbinsel, umgeben von Bergen und Flüssen, Ebenen und Anhöhen, am Fluss Taedong durchschnittlich hoch. Nordwestlich befinden sich niedrige Bergketten, und östlich liegen einige kleine Hügel. Es wird zudem von dem Nebenfluss Pothong durchlaufen.
Das gesamte Verwaltungsgebiet von Pjöngjang, einschließlich der ländlichen Siedlungsgebiete, hat eine Fläche von 2653 Quadratkilometern. Das Saarland hat zum Vergleich mit 2569 Quadratkilometer Fläche eine ähnlich große Ausdehnung.
Stadtgliederung mini|Stadtplan Pjöngjangs von 1946
Die Stadtprovinz Pjöngjang wurde 1946 aus der Provinz P’yŏngan-namdo herausgelöst und zur besonderen Verwaltungsregion erklärt. Seitdem wird sie von der Regierung zentral verwaltet. Pjöngjang gliedert sich in 18 Stadtbezirke und einen Landkreis. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem südkoreanischen Landkreis Pyeongchang-gun.
Im Jahr 2010 gliederte die Regierung den ehemaligen Stadtbezirk Sŭngho-guyŏk () sowie die zuvor Pjöngjang zugehörigen Landkreise Chunghwa-gun (), Kangnam-gun () und Sangwŏn-gun () der benachbarten Provinz Hwanghae-pukto an. 2011 wurde Kangnam allerdings erneut in Pjöngjang eingegliedert.
Stadtbezirke: Chung-guyŏk () Hyŏngjesan-guyŏk () Mangyŏngdae-guyŏk () Moranbong-guyŏk () Pot’onggang-guyŏk () P’yŏngch’ŏn-guyŏk () Rakrang-guyŏk () Ryŏkp’o-guyŏk () Ryongsŏng-guyŏk () Sadong-guyŏk () Samsŏk-guyŏk () Sŏngyo-guyŏk () Sŏsŏng-guyŏk () Sunan-guyŏk () Taedonggang-guyŏk () Taesŏng-guyŏk () Tongdaewŏn-guyŏk () Ŭnjŏng-guyŏk ()
Landkreis: Kangdong-gun ()
Eine städtebauliche Besonderheit bilden diverse Achsen durch die symmetrische Gegenüberstellung monumentaler Bauten wie beispielsweise des Großmonuments Mansudae und des Monuments zur Gründung der Partei der Arbeit Koreas.Philipp Meuser (Hg.): Architekturführer Pjöngjang. DOM publishers, 2011, Band 1, ISBN 978-3-86922-126-7, S. 8.
Klima Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 10,7 °C, die Jahresniederschlagsmenge 939,8 mm.
Die Sommer sind während der Monsun-Zeit von Juni bis September sehr warm und feucht. Die Winter sind stark von kalten Winden aus Sibirien beeinflusst und daher sehr kalt, aber trocken.
Der wärmste Monat ist der August mit durchschnittlich 24,4 °C, der kälteste ist Januar mit −8,1 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juli mit durchschnittlich 275,2 mm, der wenigste im Februar mit 11,0 mm im Mittel.
Geschichte
Historischer Überblick mini|Rathaus von Heijō (vor 1945) mini|Eine Karte Heijōs um 1930
Pjöngjang gilt als die älteste Stadt der Koreanischen Halbinsel. Der Name Pjöngjang bedeutet „ebenes Land“ oder „gemütvolle Umgebung“. Der Legende nach wurde es im Jahr 2333 v. Chr. vom Halbgott Dangun Wanggeom, dem mythologischen Staatsgründer Koreas, unter dem Namen Wanggŏmsŏng () gegründet.
Die geschriebene Geschichte beginnt 108 v. Chr. mit der Gründung einer chinesischen Handelskolonie in der Nähe der Stadt. 427 wurde Pjöngjang die Hauptstadt des Königreichs Goguryeo. Im Jahre 668 wurde die Stadt von den Chinesen erobert. 1135 machte Myo Cheong, König von Goryeo (nach dem Korea im Westen benannt wurde), Sŏgyŏng (heute Pjöngjang) zu seiner zweiten Hauptstadt.
Die japanische Armee besetzte Pjöngjang von 1592 bis 1593. Chinesische Streitkräfte nahmen die Stadt 1627 ein und setzten sie in Brand. Nachdem sich Korea dem Ausland geöffnet hatte, wurde Pjöngjang die Basis für die christliche Missionierung. In der Stadt sind über 100 Kirchen gebaut worden, und 1880 waren in der Stadt mehr protestantische Missionare als in jeder anderen asiatischen Stadt.
Während des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges (1894–1895) und den nachfolgenden Seuchen wurde Pjöngjang in weiten Teilen zerstört und fast vollständig entvölkert. In der japanischen Kolonialzeit (1910–1945) entwickelte sich Pjöngjang zu einem Industriezentrum. Die Stadt trug in dieser Zeit den japanischen Namen Heijō.
Im Koreakrieg (1950–1953) wurde die Stadt durch Luftangriffe erneut zerstört. Nach dem Krieg wurden zahlreiche Parks und breite Straßenzüge angelegt, gesäumt von großen Wohnhäusern. Pjöngjang entwickelte sich zu einem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes.
Rein formell wurde Pjöngjang erst 1972 zur Hauptstadt Nordkoreas erhoben, das von 1948 bis dahin nur als Provisorium galt. In diesem Zeitraum berief sich die nordkoreanische Verfassung auf die Geschichte Koreas in der Zeit des Königreiches Joseon und des Koreanischen Kaiserreichs, in welcher jahrhundertelang Seoul als Hauptstadt galt.Philipp Meuser: Architekturführer Pjöngjang. DOM publishers, 2011, Band 2, ISBN 978-3-86922-126-7, S. 89.
Religionen Die traditionellen Religionen Pjöngjangs sind der Buddhismus und der Konfuzianismus, heute ist aber vermutlich ein Großteil der Bevölkerung religionslos. Der Artikel 68 der nordkoreanischen Verfassung gewährt dessen Bürgern freie Ausübung ihrer Religion, solange dies nicht „zur Infiltration durch äußere Kräfte oder zur Verletzung der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung“ missbraucht wird. Trotzdem berichten sowohl christliche Organisationen wie Open Doors als auch säkulare Hilfswerke wie Amnesty International, dass praktizierende Christen in Internierungslager gesperrt würden und Religionsfreiheit de facto nicht existiert.
Diesen Berichten zufolge gibt es zwar mehrere Schaukirchen zu Propagandazwecken (z. B. die Kirche Pongsu oder die Kathedrale von Jangchung), das in der Verfassung verbriefte Recht würde den Christen aber verweigert, da es sich nicht um eine staatlich kontrollierte Organisation handelt. Trotzdem sei eine aktive Untergrundkirche vorhanden. Das Christentum war lange besonders in Pjöngjang stark vertreten. Der US-amerikanische Pastor und Philosoph George Trumbull Ladd (1842–1921) schätzte bei seinem Besuch in der Stadt am 7. April 1907 die Zahl der Christen auf 13.000 bis 14.000. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug etwa ein Drittel. Die Anzahl der Kirchen lag bei über 100. Deshalb wurde Pjöngjang auch als „Jerusalem des Ostens“ bezeichnet.George Trumbull Ladd: In Korea with Marquis Ito. Elibron Classics, Replica of 1908 edition by Logmans, Green & Co., London 2002, ISBN 1-4021-9030-1.
Einwohnerentwicklung Von 40.000 Einwohnern im Jahre 1890 stieg die Bevölkerungszahl der Stadt bis 1924 auf über 100.000. Bis 1938 verdoppelte sich diese Zahl auf 235.000. Im Jahre 1962 lebten in Pjöngjang 653.000 Menschen, 1978 waren es bereits 1,3 Millionen. 2010 hatte die Kernstadt 3,3 Millionen Einwohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer beträgt 68 Jahre, die der Frauen 74 Jahre. Durch die immer wieder auftretenden Hungersnöte und die schlechte medizinische Versorgung hat sich die Lebenserwartung jedoch deutlich reduziert.
Pjöngjang ist ethnisch homogen und weist prozentual einen sehr niedrigen Ausländeranteil auf. In der Stadt leben fast ausschließlich Koreaner. Gründe hierfür sind auch die isolationistische Politik der Regierung, gesellschaftliche Ächtung aller Nichtkoreaner und die geringe Attraktivität der Stadt für Einwanderer. Es gilt als praktisch unmöglich, sich als Ausländer in Pjöngjang niederzulassen. Bertelsmann Stiftung
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Kernstadt (ohne Vorortgürtel).Jan Lahmeyer, Universität Utrecht: Populstat: North Korea - Urban Population.
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1890 40.000 1935 182.100 1978 1.250.000 1906 43.000 1938 234.700 1981 1.283.000 1911 36.800 1940 286.000 1986 1.300.000 1920 58.600 1944 388.000 1993 2.354.898 1922 86.500 1962 653.000 2002 2.724.700 1924 102.700 1965 800.000 2007 3.059.678 1929 120.000 1967 840.000 2010 3.270.582 1932 144.200 1970 940.000
Politik
Regierung Pjöngjang steht unter zentraler Verwaltung der Regierung und besitzt den Status einer Provinz. Der Regierungsapparat wird von der Partei der Arbeit Koreas dominiert, deren Führungsrolle in der Verfassung verankert ist. Der Bürgermeister der Hauptstadt wird vom Ersten Sekretär der Partei der Arbeit Koreas ernannt.
Das höchste Machtorgan bildet formell das Parlament, dessen Mitglieder auf fünf Jahre gewählt werden. Das Verfahren zur Besetzung öffentlicher Ämter wird in der Verfassung als Demokratischer Zentralismus bezeichnet. Aus Wahlen geht in der Regel der einzige, von der Partei der Arbeit Koreas aufgestellte, Kandidat mit großer Mehrheit als Sieger hervor.
Städtepartnerschaften Pjöngjang unterhält mit folgenden Städten eine Partnerschaft:
Jakarta, Indonesien Kathmandu, Nepal Moskau, Russland Tianjin, Volksrepublik ChinaFirst China-DPRK sister cities meeting held in Pyongyang. In: People’s Daily Online, 12. Mai 2009 (englisch)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater mini|Eine Opernaufführung in Pjöngjang Zu den zahlreichen Theatern der Stadt gehört das Große Opernhaus an der Kreuzung zwischen Sungni- und Yonggwang-Straße. Es bietet 2200 Personen Platz, auf der Bühne können bis zu 700 Darsteller auftreten. Die dort aufgeführten koreanischen Opern dauern etwa drei bis vier Stunden.
Im Nordosten von Pjöngjang, nahe der Rungna-Brücke, befindet sich ein zweites Opernhaus. Ihm gegenüber steht die Zentrale Jugendhalle für Konzerte und künstlerische Aufführungen mit einer Kapazität von 3600 Personen.
Das im griechisch-antiken Stil erbaute Moranbong-Theater befindet sich nahe der Chollima-Statue. Es diente der ersten Volksversammlung im Jahre 1948 nach der Unabhängigkeit von Japan und wird heute für Aufführungen benutzt.
Museen mini|Armeemuseum