Stauchitz ist eine verwaltungsgemeinschaftsfreie Gemeinde im Westen des Landkreises Meißen im Freistaat Sachsen.
Geographie und Verkehr mini|Haltepunkt Stauchitz (2022) Die Gemeinde liegt am Nordwestrand der Lommatzscher Pflege. Die Nachbarstädte sind Oschatz (15 km), Meißen (23 km), Döbeln (23 km), und Riesa (10 km). Die B 6 (im Norden) und die B 169 (in Nord-Süd-Richtung) sowie die Bahnstrecke Riesa–Chemnitz (Haltepunkte in Stauchitz und Seerhausen) verlaufen durch das Gemeindegebiet. Durch die Gemeinde fließt der Fluss Jahna. Stauchitz liegt am Jahnatal-Radwanderweg.
Ortsteile Zur Gemeinde gehören die Ortsteile: Bloßwitz, Dobernitz, Dösitz, Gleina, Groptitz, Grubnitz, Hahnefeld, Ibanitz, Kalbitz, Panitz, Plotitz, Pöhsig, Prositz, Ragewitz, Seerhausen, Staucha, Stauchitz, Steudten, Stösitz, Treben, Wilschwitz.
Geschichte mini|Rittergut Stauchitz um 1860 Bloßwitz mini|Dorfkirche Bloßwitz Dieser Ortsteil wird im Jahr 1226 erstmals als Herrensitz Blosewitz urkundlich erwähnt. Der Name geht auf den slawischen Lokator Bloz zurück. Dobernitz Der Ort wird im Jahr 1334 unter dem Namen Dodranwicz erwähnt. Der Name kommt aus dem Altsorbischen und bedeutet so viel wie Guter Ort, abzuleiten von dobry = gut. Dösitz Das Dorf wird im Jahr 1261 als Teskuiz erwähnt. Der Name geht auf den slawischen Lokator Utesk zurück. Die Gegend wird aber seit alters her besiedelt, davon zeugt der Fund von jungsteinzeitlicher Schnurkeramik. Gleina In Gleina als Glynen ist seit dem Jahr 1296 ein Herrensitz belegt. Der Ortsname lässt sich von altsorbischen glina = Lehm ableiten. Groptitz Groptitz wird im Jahr 1323 als Gruptiz erwähnt, vom Lokator Grubota abgeleitet. Es wurde am 1. April 1938 nach Seerhausen eingemeindet und mit diesem am 1. Oktober 1996 nach Plotitz. Markant ist der über viele Kilometer hinweg und vor allem von Riesa aus sichtbare Berg der Deponie Groptitz, die inzwischen umzäunt und begrünt ist und von deren umgebendem Gelände man einen guten Blick über die Stadt Riesa hat. Grubnitz Der Ort wird um 1320 als Grobanuwicz erwähnt. Der Name wurde vom Namen Gruban abgeleitet. In der Nähe von Grubnitz wurde eine germanische Siedlung im Jahnatal entdeckt. Im Jahr 1350 wird das Dorf auch als Herrensitz erwähnt. Hahnefeld Hahnefeld erstmals als Hanvelt erwähnt, wurde im Jahr 1296 als Herrensitz erwähnt. Ibanitz Im Jahr 1329 als Ywanwicz erwähnt, was so viel wie Dorf des Ivan bedeutet. Kalbitz Der Ort wurde im Jahr 1283 als Calewicz erwähnt, die Bezeichnung könnte sich von kal = Sumpf ableiten. Panitz Im Jahr 1279 als Panitz erwähnt, was so viel wie Herrendorf (Pan = Herr) bedeutet. Plotitz Plotitz wurde als Rundplatzdorf am Hang des Mehltheuerbaches angelegt. Schon vor dem Jahr 1190 gab es hier einen Herrensitz. Der Ortsname dürfte sich vom altsorbischen bloto = Sumpf ableiten. Pöhsig Der Ort entstand aus dem ehemaligen Vorwerk des Rittergutes Oberstaucha. Urkundlich erwähnt wird es erstmals im Jahr 1541. Nordöstlich von Pöhsig wurden die Reste einer mittelalterlichen Wasserburg gefunden. Prositz Prositz wird als Prostwicz erstmals im Jahr 1334 erwähnt. Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich von Propst ab. Diese Bezeichnung weist auf das benachbarte Kloster Staucha hin. Ragewitz mini|Schule Ragewitz Im Jahr 1266 als Roguiz erstmals erwähnt und schon seit dem Jahr 1287 Herrensitz. Seerhausen Der Name könnte slawischen Ursprunges sein, vom slawischen Pflanzennamen Zerucha oder Zerus = Hasenfuß, Kresse, Feldblume. Dagegen spricht die deutsche Wortendung -hausen, so dass der Ortsname von seinem vermutlich ersten Besitzer (einer aus dem alten Geschlecht von Seer) herstammt. Das ursprünglich als Wasserfeste an der Jahna gebaute Schloss wurde 1949 gesprengt. Staucha mini|Rittergut Staucha, Herrenhaus Im Jahr 1259 wird Staucha erstmals als Stuchowe erwähnt. Vom ersten Drittel des 13. Jahrhunderts bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts gab es in Staucha ein Nonnenkloster. Durch Teilung des Ortes entstand Oberstaucha. Diese Teilung wurde 1751 wieder rückgängig gemacht. Stauchitz mini|Supraporte am Herrenhaus Stauchitz mit den Wappen Alexander von Hartitzsch und seiner Frau Elisbeth von Zehmen, 1753 Stauchitz wird im Jahr 1428 als Stwchewicz erwähnt. Schon vorher sind aber einige Feudalherren für dieses Gebiet benannt. Auch bronzezeitliche und slawische Siedlungsreste der slawischen Burg Gana wurden gefunden. Das Schloss wurde 1949 abgerissen. Steudten Im Jahr 1243 als Ztudene erwähnt, was sich wahrscheinlich vom altsorbischen studeny = kalt zurückführen lässt. Bis ins 16. Jahrhundert gehörte das Dorf zum Kloster Altzella später zur Stadt Nossen. Stösitz Als Stesciz im Jahr 1283 erwähnt, welches sich von Sdech, Stes oder Stas = Kurzform von Stanislaus ableitet. In Stösitz gab es eine Wasserburg, welche wahrscheinlich 1283 als Herrensitz erwähnt wurde. Treben Im Jahr 1261 als Trebene, was so viel wie Ort des Treba oder Ort auf der Rodung bedeutet, erwähnt. Wilschwitz Der Ort wird als Wilskewicz (altsorbisch für Ort des Vilc(e)k) im Jahr 1334 erwähnt. Seit 1378 ist der Ort auch Herrensitz.
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bloßwitz 1. Januar 1994 Dobernitz 1. November 1935 Eingemeindung nach Staucha Dösitz 1. November 1935 Eingemeindung nach Staucha Gleina (mit Pöhsig) 1. November 1935 Eingemeindung nach Staucha Groptitz 1. April 1938 Eingemeindung nach Seerhausen Grubnitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Bloßwitz Hahnefeld 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Bloßwitz Ibanitz 1. November 1935 Eingemeindung nach Staucha Kalbitz 1. April 1938 Eingemeindung nach Seerhausen Niederstaucha 1. April 1934 Zusammenschluss mit Oberstaucha zu Staucha Oberstaucha 1. April 1934 Zusammenschluss mit Niederstaucha zu Staucha Panitz 1. April 1937 Eingemeindung nach Plotitz Plotitz 1. Januar 1999 Prositz 1. November 1935 Eingemeindung nach Staucha Ragewitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Bloßwitz Seerhausen 1. Oktober 1996 Eingemeindung nach Plotitz Staucha 1. März 1994 Eingemeindung nach Plotitz Steudten 1. November 1935 Eingemeindung nach Staucha Stösitz 1. April 1937 Eingemeindung nach Plotitz Treben 1. November 1935 Eingemeindung nach Staucha Wilschwitz 1. Januar 1919 Eingemeindung nach Niederstaucha
Der Tod von Günter T.
Am 20. April 2003 wurde der arbeitslose Stahlarbeiter Günter T. auf einer Feier im Jugendclub Giftmische in Stauchitz von den Feiernden über mehrere Stunden hinweg gedemütigt und misshandelt. Er verstarb zwei Tage später an den schweren Hirnverletzungen.
Im Laufe des Prozesses gegen die Angeklagten kritisierte das Landgericht Dresden eine „Mauer des Schweigens“. Die Leipziger Volkszeitung schrieb hierzu am 3. März 2004: „Stauchitz ist klein. Es spricht sich herum, wer was aussagt in diesem Mord-Prozess vor dem Landgericht Dresden.“ Die Angeklagten, bei denen teilweise rechtsextremes Propagandamaterial gefunden wurde, wurden wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung zu Bewährungsstrafen verurteilt.
Politik
Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Stauchitz setzt sich aus regulär 14 Mitgliedern zusammen, die alle fünf Jahre bei einer Kommunalwahl neu gewählt werden. Die vergangenen Wahlen führten zu folgenden Ergebnissen und Sitzverteilungen. Die AfD kann in der laufenden Wahlperiode einen Sitz nicht besetzen. Stauchitz verfügt deshalb wie auch von 2019 bis 2024 nur über 13 Räte.
Partei/Liste202420192014 % Sitze % Sitze % SitzeFreie Wählervereinigung Jahnatal (FWJ)45,0649,1744,06Alternative für Deutschland (AfD)18,7212,61––Christlich Demokratische Union (CDU)17,9318,8331,65Die Linke8,1110,9115,62Bündnis Deutschland (BD)10,31––––Freie Demokratische Partei (FDP)––8,618,81Gesamt 100 13 100 13 100 14Wahlbeteiligung73,0 %67,0 %57,8 %
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2020 Dirk Zschoke (seit August 2023 Bündnis Deutschland), der im zweiten Wahlgang mit 49,0 Prozent gewählt wurde. +Vergangene BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis2020Dirk ZschokeZschoke49,0 %2013Frank SeifertSeifert70,6 %2006Peter GeißlerGeißler81,5 %
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sehenswürdigkeiten mini|Gedenkstein an die 1. Sächsische Verfassung mini|hochkant|Mönchsäule Ragewitz Dorfkirche Bloßwitz Schulhaus Bloßwitz von 1802 Reste einer Holländerwindmühle bei Dobernitz Mönchsäule Ragewitz Verfassungsstein in Ragewitz, als Erinnerung an die Verfassungseinführung im Königreich Sachsen am 4. September 1831 errichtet. Schlosspark Seerhausen Nonnenstein in Staucha Weinkeller und Markthalle in Staucha Barockes Herrenhaus von 1753 in Staucha Neugotische Kirche Staucha, von 1861 bis 1863 nach Plänen von Christian Friedrich Arnold erbaut. Reste der Burg Gana in Stauchitz Alte Poststation in Stauchitz (1725–1816), später Gasthaus „Alte Post“, jetzt Dorfgemeinschaftshaus
Menhir von Steudten mini|links|hochkant|Menhir von Steudten
Südöstlich des Ortsteils Steudten steht auf einer Huthübel genannten Anhöhe in 218 m ü. NN ein Menhir. Man erreicht ihn über einen Feldweg, der etwa 300 m südlich von Steudten von der Zschochauer Straße nach Osten abzweigt. Von einem auf dem Hügel angelegten Rastplatz führt ein Trampelpfad durch ein Gebüsch direkt zum Menhir. Der 1,85 m hohe porphyrne Stein steht auf einem Grabhügel. Der Menhir markiert die Grenze der Landkreise Meißen und Mittelsachsen. Der Name Huthübel lässt vermuten, dass hier im Mittelalter Gerichte abgehalten wurden.
Kultur mini|Die Peter-Sodann-Bibliothek im ehemaligen Rittergut Staucha Seit 2012 befindet sich die Peter-Sodann-Bibliothek im Ortsteil Staucha für von Peter Sodann gesammelte DDR-Literatur.
Regelmäßige Veranstaltungen Markt in Staucha
Persönlichkeiten Abraham von Schleinitz (1556–1621), Domherr und Rittergutsbesitzer Heinrich Ludwig von Zehmen (1743–1832), Deputierter auf dem Lausitzer Landtag, Rittergutsbesitzer Ludwig von Zehmen (1812–1892), konservativer Politiker, Präsident der I. Kammer des Sächsischen Landtags Walther Weigelt (1877–1965), Bergrechtler und Hochschullehrer an der Bergakademie Freiberg Rudolf Dittrich (1903–1990), in Prositz geborener Kammersänger Heinz Klunker (1933–2022), im Ortsteil Gropitz geborener Theaterkritiker und Publizist
Literatur
G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Nach der Natur neu aufgenommen von F. Heise, Architect. II. Section: Meissener Kreis. Leipzig 1860, Rittergut Staucha, S. 189–190 und Rittergut Stauchitz, S. 198.
Einzelnachweise
Weblinks
Lommatzscher Pflege Markt in Staucha Gemeinde Stauchitz Orgel in der St. Johanneskirche Staucha
Kategorie:Ort im Landkreis Meißen