Nünchritz ist eine Gemeinde im Landkreis Meißen in Sachsen und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Nünchritz, zu der auch die Gemeinde Glaubitz gehört.
Geographie Die Gemeinde liegt am Rande der Großenhainer Pflege am östlichen Ufer der Elbe in der Elbaue. Nächste Kreisstädte sind Großenhain (10 km), Meißen (10 km) und Riesa (8 km). Im Ortsteil Grödel mündet der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal in die Elbe.
Ortsgliederung Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:
Geschichte Geschichte von Nünchritz mini|Nünchritz, Luftaufnahme (2017) mini|Überreste der Wasserburg Zschaiten Nünchritz wurde erstmals im Jahr 1312 als Nucharicz (= „Leute des Slawen Nemochor“)Werte der deutschen Heimat, Band 22, Elbtal und Lösshügelland bei Meißen, Akademie Verlag Berlin, 2. Auflage 1982 S. 37 urkundlich erwähnt. Die Gegend war aber schon zur Steinzeit (um 4000 v. Chr.) besiedelt, was Bodenfunde belegen. In historischer Zeit war dort ein Weinbaugebiet und auch die Elbe bestimmte die Entwicklung der Gegend. Im Mittelalter führte die Hohe Straße (Salzstraße) durch das Gemeindegebiet. Ab 1839 wurde die Bahnstrecke Leipzig–Dresden erbaut und seit 2003 besitzt Nünchritz einen eigenen Haltepunkt mit stündlichen Verbindungen nach Riesa, Dresden und Leipzig.
Zwischen 1900 und 1905 wurde in Nünchritz ein Werk der Chemischen Fabrik v. Heyden in Radebeul errichtet. Auch heute noch ist der Ort Standort einer chemischen Fabrik, in der Siloxane produziert werden. Das seit dem 1. Oktober 1998 zur Wacker Chemie AG am Friedrich-von-Heyden-Platz gehörende Werk beschäftigt etwa 1500 Mitarbeiter (Stand: 31. Dezember 2021) und ist damit größter industrieller Arbeitgeber im Landkreis Meißen. Durch einen im Oktober 2011 abgeschlossenen Ausbau für die Produktion von Polysilicium sind etwa 500 weitere Arbeitsplätze entstanden.Produktionsstandorte Wacker Chemie: Nünchritz, abgerufen am 2. Dezember 2012
Geschichte von Seußlitz Ältester Gemeindeteil ist Seußlitz, das im Jahr 1205 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Am Ort war damals eine Burg (Besitzer Otto von Suselitz). Sie wurde 1226 abgebrochen und vom Markgraf von Meißen Heinrich dem Erlauchten zu einer Jagdresidenz umgebaut. 1268 stiftete er den Besitz mit 17 zugehörigen Dörfern den Klarissen als Nonnenkloster. Nach der Reformation im Jahr 1546 kaufte der Geheime Rat des Kurfürsten Moritz von Sachsen, Simon Pistoris der Jüngere, das Kloster und baute es zu seinem Wohnschloss um. Im Jahr 1722 erwarb Heinrich von Bünau den Besitz und das Schloss Seußlitz mit dem Schlosspark und der Schlosskirche baute man im Barockstil nach Entwürfen von George Bähr um.
Geschichte der anderen Ortsteile Diesbar wurde 1272 als Dievesvere, Grödel 1324 als Gredil, Zschaiten 1324 als Zschetin, Roda 1365 als Rode und Weißig im Jahr 1378 als Wizzok erstmals urkundlich erwähnt.
In Grödel existierte ein Schloss/Gutshaus.Dr. Helmuth Gröger: Burgen und Schlösser in Sachsen, Verlag Heimatwerk Sachsen, Dresden, 1940, Artikel zum Schloss/Gutshaus Grödel mit Abbildung auf Seite 115
Eingemeindungen Am 1. Juli 1973 wurden die Gemeinden Grödel und Zschaiten mit dem am 1. Juli 1950 eingemeindeten Ortsteil Roda eingegliedert. Zum 1. Januar 1994 folgte die Gemeinde Weißig. Am 1. Januar 2003 wurde die Gemeinde Diesbar-Seußlitz mit den Ortsteilen Diesbar-Seußlitz (entstand am 1. Januar 1952 aus der Fusion beider bis dahin selbständigen Gemeinden), Goltzscha, Leckwitz, Merschwitz, Naundörfchen (am 1. Juli 1950 nach Leckwitz eingegliedert) und Neuseußlitz (am 1. Juli 1973 Diesbar-Seußlitz angegliedert) eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2003
Der Gemeindeteil Diesbar-Seußlitz war von etwa 1954 bis 2024 staatlich anerkannter Erholungsort.
Politik
Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: AfD: 4 Sitze (zwei Sitze bleiben mangels Kandidaten unbesetzt) CDU: 6 Sitze TSV Merschwitz 1912 e. V. (TSV): 2 Sitze SPD: 2 Sitze Linke: 2 Sitze +letzte GemeinderatswahlenWahlvorschlag202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD434,2––––CDU631,2737,4841,1TSV Merschwitz 1912 e. V.213,3526,1317,0SPD211,5422,0421,8Linke29,8214,5316,2FDP–––––4,0Wahlbeteiligung71,8 %67,1 %55,1 5
Bürgermeister
Am 16. September 2007 fand eine Bürgermeisterwahl statt, um einen Nachfolger für Bürgermeister Udo Schmidt (SPD) zu bestimmen. Dabei erhielt Anett Wendler (SPD) 36,8 % der Wählerstimmen und Gerd Barthold (CDU) 34,3 %. Daher fand am 30. September eine Nachwahl statt, die Barthold mit 47,8 % gewann. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,8 % im ersten bzw. 52,2 % im zweiten Wahlgang. Im Oktober 2014 wurde Barthold mit 98 % der Stimmen im Amt bestätigt. Seit 2021 ist Andrea Beger (CDU) Bürgermeisterin. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2021Andrea BegerCDU72,42015Gerd Barthold98,4200747,82001Udo SchmidtSPD52,4
Ortspartnerschaften Nünchritz pflegt mit der Gemeinde Ubstadt-Weiher in Baden-Württemberg eine Ortspartnerschaft.
mini|Kirche Zschaiten mini|Turmdrehkran in Merschwitz
Kultur Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Nünchritz
Sehenswürdigkeiten mini|Museum Nünchritz (2024) Kanalbrücke und Kanalkopf des Elsterwerda-Grödel-Floßkanal zwischen 1740 und 1748 erbaut bei Grödel Alter Wall-Graben, der Rest der vermutlich im 12. Jahrhundert errichteten Wasserburg in Zschaiten Kirche in Zschaiten (vor 1503 errichtet) Kirche Merschwitz Turmdrehkran Merschwitz (errichtet 1921) Barockschloss Seußlitz mit Schlossgarten im französischen und englischen Gartenbaustil, darin Skulpturen, welche die Jahreszeiten bzw. die Monate versinnbildlichenBeschreibung auf der Website der Gemeinde Nünchritz (abgerufen am 13. November 2013) Heinrichsburg, ein schlichtes zweigeschossiges Gartenhaus (in den Jahren 1725/26 nach Plänen von George Bähr erbaut) in Seußlitz barockes Winzerhaus, die Luisenburg in Seußlitz Mühle in Grödel Museum Nünchritz
Regelmäßige Veranstaltungen Beim Seußlitzer Heiratsmarkt handelte es sich um ein über 500 Jahre altes Volksfest, das alljährlich zu Himmelfahrt stattfand. Bei diesem Volksfest war eine Trauung für einen Tag möglich. Als Ursprung dieses Brauches wird die Brautschau der nach Auflösung des Klosters freigewordenen Nonnen angesehen. Seit 2012 findet dieses Fest nicht mehr statt.
Gedenkstätte An der Riesaer Straße befindet sich ein Ehrenfriedhof mit einem Denkmal für 18 sowjetische Soldaten und Offiziere des 1. Gardekavalleriekorps, die nach den Kämpfen am 23. April 1945 im Lazarett in Nünchritz verstarben. Die Gedenkstätte wurde am 5. Juni 1945 errichtet. Das Denkmal wurde um 2017 restauriert, wobei einige Namen der bestatteten Soldaten ermittelt werden konntenTafel vor Ort. mini|Schautafel mit der Geschichte des Denkmals für die sowjetischen Soldaten alternativtext=Namen|mini|Namen von einem Teil der auf dem Ehrenfriedhof bestatten Soldaten Die Namen sind auf Tafeln an den Seiten des Denkmals zu finden. Vorher waren die Namen unbekannt.Stiftung Sächsische Gedenkstätten Dokumentationsstätte Dresden, abgerufen am 13. August 2013
mini|hochkant|Anlegestelle Nünchritz mit August
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Nünchritz, Standort der Wacker Chemie Seit dem Jahr 1900 gibt es in Nünchritz ein Chemiewerk, das seit Jahr 1998 zur Wacker Chemie AG gehört. Mit etwa 1.500 Mitarbeitenden ist es der größte Chemiearbeitgeber in Sachsen. Produziert werden chemische Stoffe auf Silizium-Basis, vor allem etwa 200 verschiedene Silikone, hochdisperse pyrogene Kieselsäuren und hochreines polykristallines Silizium für die Solarindustrie.Wacker Chemie, Nünchritz, Deutschland
Verkehr mini|Haltepunkt Nünchritz Die B 98 und die Bahnstrecke Leipzig–Riesa–Dresden verlaufen durch den Norden der Gemeinde. Am Haltepunkt Nünchritz macht der Saxonia-Express RE 50 zwischen Dresden und Leipzig Halt. Nünchritz wird außerdem über fünf Buslinien unter anderem mit Riesa, Großenhain und Meißen verbunden.Tarifzonenplan mit Liniennetz 2022
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Ernst Peschel (1853–1927), Volksschullehrer, Heimatforscher und Amateurarchäologe Heinz Haupt (1924–2010), Tischtennisnationalspieler und -trainer der DDR Frank Terpe (1929–2013), Mathematiker, Politiker (SPD) und ehemaliger Minister für Forschung und Technologie der DDR Ekkehard Herrig (* 1933), Paläontologe und Geologe sowie Künstler Jörg Peter (* 1955), ehemaliger deutscher Langstreckenläufer
Literatur
Weblinks
Website der Gemeinde Nünchritz
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Meißen Kategorie:Ort an der Elbe Kategorie:Weinort im Weinanbaugebiet Sachsen Kategorie:Ersterwähnung 1312 Kategorie:Weinort in Sachsen