mini|Stadt-Panorama mini|Mühlenbake auf der Westmole (Wahrzeichen Swinemündes) mini|Mündung der Swine in die Ostsee mini|Luftbild der gesamten Stadt, links die Mündung der Swine in die Ostsee Świnoujście (deutsch: Swinemünde, ) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie bildet dort einen eigenen Stadtkreis und ist der Vorhafen der Metropole Stettin.

Swinemünde war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das drittgrößte deutsche Ostseebad und wurde nach Kriegsende entsprechend den Festlegungen des Potsdamer Abkommens am 6. Oktober 1945 der Verwaltung der Volksrepublik Polen unterstellt. Der Tourismus und die Hafenwirtschaft sind die Hauptwirtschaftszweige der Stadt.

Geographie

Lage Die Stadt liegt etwa 55 Kilometer nordnordwestlich von Stettin und erstreckt sich auf dem östlichen Teil der Insel Usedom (Uznam) sowie den Inseln Wollin (Wolin) und Kaseburg (Karsibór) am Stettiner Haff und der Südküste der Ostsee. Das Stadtgebiet nimmt den östlichen, etwa drei Kilometer breiten Landstreifen der Insel Usedom sowie den Westzipfel der Insel Wollin ein. Der Stadtkern wird im Osten von der Swine begrenzt, die die Inseln Usedom und Wollin voneinander trennt. Am Ostufer befindet sich der Stadtteil Warszów (deutsch Osternothafen und Ostswine).

Der etwa zwölf Kilometer lange Sandstrand bis Bansin zieht sich, durchschnittlich 40 Meter breit, im weiteren Verlauf von Usedom insgesamt 42 Kilometer weit bis nach Peenemünde. Die längste Strandpromenade Europas verbindet die Stadt mit den Seebädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin.

Stadtgliederung Die Stadtgemeinde Świnoujście umfasst ein Gebiet von 197,2 km² und gliedert sich in folgende Stadtteile:

Metropolregion Stettin Die Stadt ist der traditionelle Küstenhafen von Stettin und wird seit 2012 aktiv durch Kooperationen innerhalb des deutsch-polnischen Ballungsraumes der Metropole als Teil einer europäischen Metropolregion entwickelt,Modellvorhaben der Raumordnung: Deutsch-Polnisches Entwicklungskonzept für die grenzüberschreitende Metropolregion Stettin. kooperation-ohne-grenzen.de; abgerufen am 25. November 2016. das gemeinsame Entwicklungskonzept wurde im Juni 2015 vorgestellt.

Geschichte

Mittelalter Swinemünde ist als eine der jüngsten Städte Preußens an der Swinemündung neben dem (später eingemeindeten) kleinen Dorf Westswine entstanden. In diesem Dorf betrieben etwa sechs Bauern als Kossäten sowohl Fischfang als auch recht kümmerlich Landwirtschaft. Fernerhin hatten sie zur Verbesserung ihrer Einnahmen gemeinsam die Fähre über die Swine gepachtet.

Auch eine kleine hölzerne Dorfkirche war vorhanden. Sie gehörte allerdings zum Kirchspiel Caseburg. An der Stelle des späteren Swinemünde befand sich bereits Ende des 12. Jahrhunderts eine Schutzburg. 1230 ließ Herzog Barnim I. von Pommern eine Fährverbindung über die Swine einrichten. 1297 wird erstmals im Zusammenhang mit der Einrichtung einer herzoglichen Zoll- und Lotsenstation der Swinemünder Hafen erwähnt. 1457 zerstörten die Stettiner eine herzogliche Burg an der Swine.Helge Bei der Wieden, Roderich Schmidt (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 12: Mecklenburg/Pommern (= Kröners Taschenausgabe, Band 315). Kröner, Stuttgart 1996, ISBN 3-520-31501-7, S. 299 f.

17. und 18. Jahrhundert mini|Karte des Hafens von Swinemünde (um 1780) mini|Karte von Swinemünde (1797) Bei der Teilung Pommerns zwischen Brandenburg und Schweden im Westfälischen Frieden 1648 fiel Vorpommern mit Usedom und Wollin an Schweden. Um aus strategischen Gründen den Schiffsverkehr von und nach Stettin durch den Peenestrom zu leiten, ließ Schweden die Swine versanden. Noch am Anfang des 18. Jahrhunderts war die Swine ganz ohne Bedeutung gegenüber dem Peenestrom, der durch die Verbindung vorbei an der Handelsstadt Wolgast die gesamte Oderschifffahrt beherrschte. In Wolgast wurden vom schwedischen Fiskus hohe Zölle erhoben.

Nach dem Nordischen Krieg trat Schweden 1720 im Frieden von Stockholm Stettin und Usedom-Wollin an Preußen ab, während es Rügen, das nördliche Vorpommern, Stralsund und Wismar behielt. 1729 begann der preußische König Friedrich Wilhelm I. zur Umgehung der Zölle und Abgaben, die im schwedischen Wolgast anfielen, die Swine wieder schiffbar zu machen. Sie wurde ausgebaggert, und in der Nähe des kleinen Dorfes Westswine stand ein beschränkt nutzbarer Kleinhafen zur Verfügung. Das Projekt blieb unvollendet; denn wegen ungenügender Befestigungen versandete die Swine während der Herbststürme häufig wieder. Außerdem fehlte in den kleinen Orten Westswine und Ostswine die für einen Leichterhafen unverzichtbare Infrastruktur.

Der Nachfolger Friedrich der Große setzte das Werk bei seinem Regierungsantritt 1740 energisch fort und so konnte 1746 ein mit Pfahlwerk befestigter Hafen offiziell unter dem Namen „Swinemünde“ dem Seehandel geöffnet werden.

Der mit dem Bau und dem Betrieb des neuen Hafens entstandene Ort Swinemünde bekam bald einen Bebauungsplan und wuchs durch den Zuzug von Händlern, Handwerkern und Gastwirten rasch an. Er erhielt 1753 einen Magistrat und wurde 1765 unter Einbeziehung des Dorfs Westswine zur Immediatstadt erklärt.

Der Hafen wurde 1759 von den Schweden unbrauchbar gemacht, aber 1785 wieder instand gesetzt.

1779 erhielt die Stadt eine Lateinschule und 1792 eine neue Kirche.

Swinemünde im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mini|Lage der Stadt auf den Inseln Usedom und Wollin und bebautes Stadtgebiet von Swinemünde auf einer Landkarte von 1910 Als Ergebnis des Wiener Kongresses kam Wolgast 1815 zu Preußen, wodurch die bisherige Konkurrenzsituation gegenüber Schweden in der See- und Flussschifffahrt wegfiel. Es war jedoch erkannt worden, dass die Swine als Schifffahrtsweg zwischen den Ostseehäfen wegen der kürzeren Fahrtzeiten Vorteile hatte. Um weitere Siedler anzulocken, wurden bis 1840 Bauplätze und Bauholz unentgeltlich zur Verfügung gestellt und weitgehende Steuerfreiheit gewährt. Seit 1818 war Swinemünde Sitz des Landkreises Usedom-Wollin.

Der Hafen bildete das Zentrum der Aktivitäten: Leichter holten die Waren von den auf Reede oder im Hafen liegenden Schiffen und beförderten sie u. a. nach Stettin. Auf dem Rückwege von Stettin nahmen sie wiederum Güter für die Schiffe mit. Seefahrt, Gütertransport, Handel, Handwerk und Gewerbe erlebten so die erste Blüte. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg in den Jahren 1773 bis 1784 und der Dritte Koalitionskrieg 1801–1805 ließen den Hafen weiter expandieren. In Swinemünde lebten zu diesem Zeitpunkt bereits bis zu 2000 Menschen. 1848 verfügten die Reeder von Swinemünde über 16 Handelsschiffe. Swinemünde als Hafenstadt war der Sitz mehrerer Konsulate ausländischer Staaten. So bestanden um 1835 in Swinemünde Konsulate Dänemarks, der Niederlande und Schwedens.Der Preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 1. August Hirschwald, Berlin 1835, S. 198; Im Jahr 1900 wurde die Hafenanlage Swinemünde von 670 Seeschiffen angelaufen, davon waren 649 Dampfschiffe.Der Seeverkehr in den deutschen Hafenplätzen im Jahre 1900. In: Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs, Statistisches Reichsamt, Berlin, 1902, 11 Jahrgang, Zweites Heft, S. 185–201, insbesondere S. 197 (Google Books).

Um die Versandung im Bereich der Hafeneinfahrt an der Ostsee aufzuhalten, wurde 1818 mit dem Bau der Molen begonnen. Als Baumaterial dienten Findlinge aus der pommerschen Umgebung und vom Vinetariff vor Zinnowitz. Die 1020 m lange Westmole und die 1372 m lange Ostmole, wasserbautechnische Glanzleistungen, wurden 1823 im Rohbau und 1829 endgültig fertiggestellt. An der Spitze der Ostmole wurde 1828, vermutlich nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels, eine Laternenbake errichtet, die zeitgenössisch auch als „Leuchtturm“ bezeichnet wurde (die Bake wurde um 1910 entfernt).Helmut Hannes: Der Swinemünder Leuchtturm – ein Schinkel-Bau? In: Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 2/2011, , S. 2–7. Eine auf der Westmole installierte weiße Bake von der Form einer Windmühle, die so genannte Mühlenbake, ist ein Wahrzeichen des Swinemünder Hafens. 1857 wurde der Leuchtturm am Ostufer der Swine errichtet.

Um das Problem der Versandung der Swine im Hinterland zu umgehen, wurde zwischen 1875 und 1880 ein Kanal gebaut. Dieser besteht aus zwei Hauptabschnitten, der Mellinfahrt und der Kaiserfahrt. Ersterer begradigte die Swine durch den großen Mellin, und der zweite trennte, beginnend am kleinen Mellin, das Gelände um Kaseburg von der Insel Usedom ab und führte gerade zum Stettiner Haff.

Ab 1857 gab es Verbindungen mit Dampfschiffen nach Ostpreußen, Bornholm und Kopenhagen. Die meisten Schiffe fuhren nach der Fertigstellung der Kaiserfahrt, eröffnet 1881, nach Stettin weiter, was für den Seehafen Swinemünde ein wirtschaftlicher Nachteil wurde.

Mit der Gründung des See- und Solbades Swinemünde wurde im Juli 1824 die erste offizielle Badesaison eröffnet, und ein neuer Erwerbszweig mit weitreichenden Folgen für die Entwicklung der Stadt war geboren. Von Beginn an stammte die Hälfte aller Badegäste aus Berlin.

Bekannt wurde das Seebad vor allem durch die regelmäßigen Besuche von Kaiser Wilhelm II. während der Kaisertage seit 1882 (jährlich am ersten Augustwochenende). – „So besuchte seit 1882 der deutsche Kaiser Wilhelm II. an den so genannten Kaisertagen regelmäßig die Stadt.“ () 1902 erregte der Kaiser mit der Swinemünder Depesche Aufsehen.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte Swinemünde zwei evangelische Kirchen, eine altlutherische Kirche, eine katholische Kirche und ein jüdisches Bethaus.

Festungs- und Garnisonsstadt Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann die preußische Armee mit der Anlage von Küstenforts rechts und links der Swine und an der Mündung der Peene. Swinemünde war fortan Festung III. Ranges mit einem Bataillon Fußartillerie. Nach der Entfestigung Stettins 1870 wurden die Festungswerke modernisiert und vergrößert.

Die Festung Swinemünde (erbaut 1848 bis 1880) ist noch heute bis auf Werk I gut erhalten und wurde in Einzelobjekten in Privathände gegeben, seit 2004 schrittweise freigelegt und restauriert zu touristischen Anziehungspunkten.

Kaiserliche Marine mini|Willy Stöwer – Mondnacht im Hafen von Swinemünde In der Kaiserzeit befand sich in Swinemünde ein Marinestützpunkt, in dem einige Marineschiffe stationiert waren. Um 1914 wurde dort die Hilfsminensuch-Division Swinemünde angesiedelt.Kaiserliche Marine – Hilfsminensuch-Division Swinemünde. In: Onlineprojekt Gefallenendenkmäler. Abgerufen am 23. September 2019.Georg Günther von Forstner: Krieg in der Ostsee, 2017, Kapitel: Neueinteilung der Ostseestreitkräfte In den Jahren 1918 bis 1920 befand sich in Swinemünde zeitweilig die Funken-Telegraphie-Schule Swinemünde. Am 10. September 1920 wurde die Ausbildung von der Inspektion des Torpedowesens nach Flensburg-Mürwik, wo sich die Schule vor 1918 schon befunden hatte, zurückverlegt.150 Jahre Flensburger Tageblatt: Als Flensburg den Ton angab. In: shz.de. 28. April 2015, abgerufen am 23. September 2019., abgerufen am 23. September 2019.100 Jahre Marineschule: Geschichte der Schule. In: shz.de. 11. August 2010, abgerufen am 23. September 2019.

Wehrmachts- und Flottenstützpunkt Bereits seit den frühen 1920er Jahren wurden auf der Insel Kaseburg Torpedoboote stationiert. Im Juli 1942 entstand außerdem eine Schnellboot-Schulflottile zur Ausbildung von Kommandanten und Besatzung. U-Boote des Stützpunkts Stettin nutzten Swinemünde als Zwischenhalt und die dort bestehende U-Boot-Entmagnetisierungsanlage, waren dort jedoch nicht stationiert. Noch heute sieht man bei der Überfahrt mit der Fähre die Anlage an der Insel Kaseburg.